Montag, 20. Juni 2011

Fukushima: Auch die Sternwarte ist hin

Der 11. März 2011 brachte nicht nur viele Japanerinnen und Japaner ums Leben oder, wenn sie Glück hatten, zumindest um Hab und Gut. Das Seebeben und der anschließende Tsunami haben das Gebiet in der Präfektur Fukushima weitgehend verwüstet. Und, als wenn das noch nicht schlimm genug ist, es kam auch noch zur größten Havarie in einem Atomkraftwerk seit der Explosion des Reaktors in Tschernobyl 1986. Fortan gab es für die bundesdeutsche Presse nur ein Thema: Das AKW. Die auf einige Tausend angestiegene Zahl der Toten und Verletzten interessierte auf einem Schlag nicht mehr. Fukushima beeinflusste wie kein zweites Land auf der Welt die bundesdeutsche Politik.

Ganz anders hingegen die Japaner, die angesichts zweier Atombombenabwürfe am 6.8.1945 auf Hiroshima und am 9.8.1945 auf Nagasaki allen Grund dazu hätten, panisch wie die Deutschen zu reagieren. Zwar mehren sich nun auch dort kritische Stimmen gegenüber der eigenen Regierung, doch gehen sie einfach anders mit der Katastrophe um.

So ein Beispiel ist der 62 jährige Hiroaki Ohno, Leiter des 1991 gegründeten Hoshi no Mura Observatory in Tamura, Präfektur Fukushima (s.auch hier und hier). Nur 33 km vom Unglücksort entfernt, wurde die Sternwarte durch die enormen Erschütterungen aufgrund des Erdbebens arg in Mitleidenschaft gezogen. Die Kuppel ist wohl noch weitgehend in Takt, der Kuppelspalt und das Dach dicht, aber die Gabelmontierung mit dem 65cm-Spiegel, der ganze Stolz der Sternwarte, ist aus der Verankerung herausgerissen worden und zerbrochen. Der Spiegel, der von der Montierung gehalten werden sollte, ist zu Boden gegangen und hat dort ein 1,20 Meter breites Loch gerissen. In welchem Zustand Haupt- und Sekundärspiegel und der Tubus sind, das war der japanischen Tagespresse nicht zu entnehmen, doch darf man wohl nicht zu sehr in Optimismus verfallen. Hinzu kommen noch Gebäudeschäden, die auf den ersten Blick nicht zu sehen sind.

Der Gesamtschaden an der Sternwarte, die in einer für ihre klare Luft und einen weitgehend dunklen Himmel bekannten Region liegt, wird auf 70 Millionen Yen, umgerechnet etwas mehr als 610.000 EUR, geschätzt. Woher das Geld für die Renovierung kommen soll, ist unklar, zumal die Rettungskräfte zunächst wichtigere Aufgaben haben und auch der Staat erst einmal zusehen muss, die Situation vor Ort in den Griff zu bekommen und den Einwohnerinnen und Einwohner Unterkünfte zuzuweisen. Dabei erweisen sich japanische Versicherungen nicht besser als unsere, denn wer in sein altes Haus oder die Reste davon einzieht, um es wieder aufzubewahren, bekommt keinen Yen ausgezahlt … Immerhin hofft er, Geld vom Betreiber des AKW zu bekommen, aber ob das funktioniert, muss man abwarten, denn der Betreiber ist „nur“ für Strahlenschäden verantwortlich zu machen, nicht aber für die Folgen des Erdbebens.

Hiroaki Ohno, der mit einem kleineren Instrument der Sternwarte am Morgen des 11.3. die Sonne im H-Alpha aufgenommen hatte, war gerade mit dem Mittagessen beschäftigt, als er das Erdbeben durch ein dumpfes Grollen wahrnahm und – zum Glück für ihn – das Zusammenbrechen der Montierung aus der Ferne wahrnahm. Ein Mitarbeiter der Sternwarte brachte sich durch rasches Weglaufen in Sicherheit. Hinter dem Sternwartengebäude entstand ein über 1 Meter großer Riss im Boden.

Über einen Monat war das Observatorium geschlossen, um die notdürftigsten Reparaturen vornehmen zu können und längst ist noch nicht alles wieder in Stand gesetzt. Das wird wohl noch ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen, immerhin hat sich auch das Gebäude durch die Erschütterungen um ein paar Meter hin und her bewegt.

Doch anstelle nun den Kopf in den Sand zu stecken, erinnerte sich Ohno seiner frühen Jahre als Händler von Stoff, aus denen die in Japan beliebten Kimonostoffen hergestellt wurden. Da momentan wegen der Nähe zum Unglücksreaktor die Besucher ausbleiben (die Sternwarte hat seit ein paar Tagen ihren regulären Betrieb wieder aufgenommen), weil die gesamte Gegend als mehr oder weniger strahlenversucht gilt, macht er aus der Not eine Tugend.

Wenn die Menschen nicht zum Astronomen kommen, muss der Astronom halt zum Menschen kommen; und so reist er ungeachtet der Strahlengefahr (im Umfeld der Sternwarte soll sie nach seinen eigenen Messungen bei unbedenklichen 0,2 Mikrosievert pro Stunde liegen) quer durch das Katastrophengebiet und macht dort an klaren Abenden öffentliche Führungen an einem kleinen transportablen Instrument der Sternwarte, um den betroffenen Menschen wenigstens etwas Abwechslung zu bringen. Himmelsbeobachtung als eine Art Therapie, um die Erinnerung an die Erlebnisse zu verarbeiten. Wie man auch immer dazu stehen mag: Hiroaki Ohno kommt an bei den Menschen in der Präfektur Fukushima.

Übrigens, was kaum jemand weiß: Es gibt auch den Hauptgürtel-Asteroiden (3915) Fukushima. Er wurde am 15. August 1988 von zwei japanischen Astronomen (Masayuki Yanai und Kazuo Watanabe, Sternwarte Kitami, IAU-Code 400) entdeckt, aber nicht nach dem Ort, sondern nach dem Hydrodynamikprofessor Hisao Fukushima, Professor für Hydrodynamik an der Hokkaido University, benannt. Er ist Amateurastronom mit Schwerpunkt Astronomiegeschichte.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Mondfinsternis: Die ist vorbei, bevor sie angefangen hat

Eigentlich sollte ich jetzt irgendwo auf einem Feld mit guter Horizontsicht stehen und gespannt die südöstliche Horizontlinie absuchen. Aber Murphy hat es mal wieder nicht gut gemeint, denn ich sitze jetzt zu Hause vor dem Fernseher und meinem Rechner und schaue mir die MoFi nebenbei im Web an. Wie bei solchen Ereignissen geradezu typisch, ist hier der Himmel mal wieder völlig bedeckt.

Manchmal frage ich mich, ob ich nicht vielleicht das falsche Hobby habe. Immer wenn besondere Ereignisse anstehen wie Mond- oder Sonnenfinsternisse, machen andere die Fotos und berichten andere über ihre natürlich gelungenen Beobachtungen. Fahre ich irgendwo zur Beobachtung hin, kriege ich garantiert die einzige Wolke im ganzen Umkreis mit.

Eine Woche Astrourlaub in Kirchheim bedeutet selten eine Woche Beobachtung, aber die Gegend ist ja auch ganz schön. Das Fernrohr ins Auto packen (ich habe schon seit gut 2 Jahren nicht mehr nachts beobachtet, wenn nicht noch länger), und rausfahren hat zur Folge, dass ich da unter bewölktem Himmel stehe oder es klar ist und ich ein wichtiges Teil für das Fernrohr vergessen habe, deswegen nicht beobachten kann und es dann richtig schön klar ist.

Das verstehen natürlich viele Leute nicht, die ihr Teleskop unter den Arm nehmen und vor der Haustür gleich mit dem Beobachten loslegen können, die nur kurz zur Sternwarte brauchen (und keine Stunde, um einen dunklen Standort zu finden) oder einfach immer Glück bei der Beobachtung haben.

Nun denn, selbst die maximalste Anhäufung von Astromurphys müsste doch irgendwann mal vorbei sein, wahrscheinlich nur bei mir wieder nicht.

Und jetzt wird eine Pulle Alsterwasser geköpft … Prost!

Mondfinsternis und wieder nichts zu sehen?

Die kommenden Stunden werden für alle, die sich die heutige Mondfinsternis anschauen wollen, sehr spannend. In Norddeutschland sieht es derzeit mal wieder so aus, als ob nach der verpassten Sonnenfinsternis vom 4. Januar 2011 auch die Mondfinsternis vom 15. Juni 2011 nicht zu sehen sein wird. Die Wetteraussichten sind, schlicht gesagt, mau. Zudem stört doch die Dämmerung sehr. Als ich gestern Abend zur gleichen Zeit aus dem Fenster schaute, war es noch so hell, dass ich in der Wohnung kein Licht anzuschalten brauchte und problemlos in einer Astrozeitschrift lesen konnte.

Die partielle Phase und den Eintritt in den Kernschatten werden wir ohnehin nicht sehen können, denn der Mond geht auf, wenn er bereits im Kernschatten der Erde steht. Eine Situation, die ich selber so auch noch nicht erlebt habe, meist des Wetters wegen.

Um 20:25 Uhr MESZ erfolgt der Eintritt in den Kernschatten, die Totalität beginnt um 21:25 Uhr MESZ die Mitte der Finsternis wird um 22:15 Uhr MESZ erreicht, das Ende der Totalität um 23:05 Uhr MESZ. Der Mond verlässt dann um 0:04 Uhr MESZ den Kernschatten der Erde. Aufgehen wird er für den norddeutschen Beobachter (berechnet nach dem Programm SAW von André Wulff) aber erst um 21:43 Uhr MESZ, sodass wir ihn verfinstert am Horizont auftauchen sehen.

Eine Besonderheit gibt es bei dieser Mondfinsternis: Die Finsternisdauer. Der Mond ist auf seiner elliptischen Bahn heute nur etwas mehr als 371.000 km von der Erde entfernt und taucht deswegen auch besonders tief in den kegelförmigen Erdschatten ein. Daraus (und aus einigen anderen Bedingungen) ergibt sich eine Finsternisgröße von 1,71 (was fast am Maximalwert von 1,825 liegt). Sie ist ein Wert für die Eindringtiefe des Mondes in den Schatten der Erde, wobei Werte über 1,0 auf eine totale, Werte zwischen 0 und 1 auf eine partielle Mondfinsternis hinweisen. Als Folge davon dauert die heutige Finsternis über dreieinhalb Stunden, bezogen auf die Zeit von Eintritt bis Austritt aus dem Kernschatten. Mit Halbschatten dauert sie sogar noch wesentlich länger.

Ist man am Beobachtungsort angekommen, wird man erst einmal nach dem Aufgangsort des Mondes am Horizont suchen müssen. Das wird insofern schwierig, wenn man nicht am Vortag an dem Ort war, wo man die Mondfinsternis beobachten möchte. Man wird erst mal den Mond tief im Südosten suchen müssen und verpasst dadurch evtl. entscheidende Momente, da er sich sehr schnell über den Horizont erhebt. Man kann sich prinzipiell mit einem Trick behelfen: Am Rechner ein Programm wie Stellarium starten und sich die Position der Sterne merken, die nördlicher als der Mond stehen (diese gehen früher auf und sind daher eher zu sehen). Bei uns im Norden wird das aber so nicht funktionieren, weil wir bei Mondaufgang noch mitten in der bürgerlichen Dämmerung stehen, diese endet erst um 22:43 Uhr. Wegen der Mitternachtsdämmerung haben wir in Hamburg auch nur noch die nautische, nicht einmal mal mehr die astronomische Dämmerung haben. Folge: Wir sehen bei Mondaufgang keine Sterne!

Erschwerend kommt hinzu, dass der Mond ohnehin vor einen mit schwachen Sternen geradezu übersäten Himmelshintergrund steht und der einzige helle Stern in der Nähe, den man auch in der Dämmerung gut sehen kann, nämlich Antares, annähernd die gleiche Deklination wie der Mond aufweist.

Eine Möglichkeit gibt es aber dennoch: Bei Vollmond steht der Erdtrabant geometrisch der Sonne genau gegenüber (er bildet ja mit Sonne und Erde eine Linie). Also braucht man sich nur den Sonnenuntergangspunkt zu suchen, stellt sich so hin, dass die Sonne genau im Rücken ist und schon hat man das Suchfeld vor sich. Das setzt natürlich voraus, dass die Sonne nicht durch Häuser verdeckt ist oder gerade eine Wolkenbank die Sicht behindert. Aber dann kann man sich immer noch nach dem Helligkeitsschwerpunkt in der Abenddämmerung orientieren. Ist zwar nur ganz grob, sollte aber die einfache Suche nach dem Mond erleichtern.

Was man natürlich überhaupt nicht steuern kann, ist das Wetter und danach sieht es momentan überhaupt nicht gut aus und wenn ich so aus dem Fenster gen Süden schaue, sehe ich jede Menge Wolkenschleim und Wolken, die aus dem Südwesten hereinkommen. Keine guten Voraussetzungen für eine ohnehin schwierig zu beobachtende Mondfinsternis.

Dienstag, 14. Juni 2011

Schon wieder: Astro-Panikmache

Am kommenden Mittwoch wird es eine totale Mondfinsternis geben, bei der der Mond teilverfinstert im dämmerigen Abendhimmel im Südosten aufgehen wird. Kaum, dass man dachte, die Sonnenhysterie sei journalistisch abgehakt, folgt der „Blutmond“ in der BILD. Ungeachtet der Tatsache, dass diese Finsternis wegen der Dämmerung keineswegs so auffällig sein wird, wie eine vor einem wirklich dunklen Himmelhintergrund, wird gleich schon mal wieder die Horror- und Panikschiene geschoben. Aus der Sonnenhysterie hat man natürlich wieder nicht gelernt.

Wie schon deutlich bei den Berichten zur Sonneneruption zu sehen, sind da Schreiberlinge am Werk, die irgendwelche Agenturmeldungen ohne Prüfung verwerten, weil sie ja von der dpa kommt. Und die Agenturmeldungen der dpa sind, das weiß man ja, ebenfalls ungeprüft und werden einfach nur weitergereicht.

So entsteht mal wieder ein mittelalterliches Bild und wahrscheinlich werden sich auch jetzt wieder einfache Zeitgenossen vor Angst schlotternd verkriechen, weil sie negative Einflüsse durch den Mond befürchten. Dank der Zeitung mit den vier Buchstaben glaubt auch jeder wieder an hormonelle Veränderungen und sonstigen geistigen Dünnsinn, die durch die totale Mondfinsternis hervorgerufen werden soll, weil es die Astrologen so sagen und weil es in der Zeitung stand (dazu fällt mir immer wieder das Lied von Reinhard Mey ein).

Dass eine Mondfinsternis ein vollkommen natürlicher Vorgang ist, wird dabei völlig außen vor gelassen, erst recht, dass es ein wunderschönes Naturerlebnis ist, vor dem sich niemand zu fürchten braucht.

Der Vorgang, wie eine Mondfinsternis zustande kommt, wird zwar erstaunlich genau beschrieben, aber die Bezüge zur Praxis fehlen und so geht man davon aus, dass der Mond tiefrot sein wird. Die Dämmerungssituation lässt man geflissentlich unter den Tisch fallen.

Vernachlässigt wird auch ein anderes Phänomen: Man kann von einem hochgelegenen Standort aus sehen, wie annähernd zeitgleich im Nordwesten die Sonne unter- und im Südosten der verfinsterte Mond aufgeht. Das ist zwar im Grunde bei jedem Vollmond so, aber bei einer Mondfinsternis guckt man halt mal genauer hin.

Spannend ist in dem Zusammenhang eher die Frage, wie das Wetter zur Mondfinsternis wird. Und darin sind sich die Meteorologen derzeit noch weitgehend uneinig. Gestern noch sahen die Bedingungen relativ gut aus, heute haben sie sich allerdings verschlechtert. Man wird die Situation bis kurz vorher durch Wettermodelle wie GFS ein wenig im Auge haben müssen, um abschätzen zu können, wohin man fahren muss, um die ohne nicht sehr auffällig Mondfinsternis sehen zu können. Schön leichte Cirrusbewölkung kann einem die Sache schon ganz schön vermiesen!

Donnerstag, 9. Juni 2011

Sonnenhysterie in Deutschland

Da war sie wieder, diese allgemeine, dumpfe Hysterie, die derzeit typisch für Deutschland ist und eher an mittelalterliche Szenarien denn an eine moderne Gesellschaft erinnern: Auf der Sonne gab es eine – auf Videos im Übrigen sehr schön anzusehende und sehr dynamische – Eruption auf der Sonne.

In hochauflösenden Bildern konnte man erkennen, wie es zu einem recht ordentlichen Materieauswurf kam, deren Komponenten teilweise wieder auf die Sonne zurückfielen und dort weitere Ereignisse auslösten. Da der Ausbruch von der Erde gesehen, rechts unten, erfolgte, werden die Teilchen die Erde kaum treffen, allenfalls streifen. Deshalb wird es auch nicht, wie gestern mehrfach im TV behauptet wurde, zu gefährlichen und lebensbedrohenden Auswirkungen für die Bewohner dieses Planeten kommen.

Und wie es mit den Polarlichtern in der kommenden Nacht aussieht, muss man abwarten, hierüber kann man sich profund und seriös im Polarlicht-Forum bei meteoros.de informieren.

Was ich persönlich sehr bedenklich finde ist, dass man hierzulande nur noch panikartig auf Ereignisse reagiert. Atomausstieg nach Fukushima, kein Obst, Fleisch und Gemüse mehr nach EHEC und nun auch noch die Sonne. Was all das bei den etwas schlichteren Gemütern unserer Gesellschaft auslöst, wenn dauernd nur Panik geschürt wird, vermag sich wohl kaum jemand vorzustellen. Am Beispiel einer Nachbarin, die gestern meinte, nach Fukushima sei nun auch auf der Sonne ein Reaktor explodiert, ist zu sehen, dass die vielen halbseidenen Agenturmeldungen nur eines erzeugen: Angst und Unwissenheit. Dazu passte, dass sie meinte, ich lönne ja jetzt auch nicht mehr die Sonne beobachten, weil der Reaktor ja kaputt sei ... Dreimal Aua!

Schon jetzt kommen Verschwörungstheoretiker aus den Löchern und behaupten, die Regierung wolle von irgendwas ablenken, was die Bevölkerung nicht mitkriegen soll.

Meine Theorie ist eine andere: Immer mehr Menschen wissen immer weniger, immer weniger Menschen interessieren sich für natürliche Vorgänge und wenn dann mal wieder was passiert, wie der Massenauswurf auf der Sonne, gerät alles in Panik, weil man sich das nicht mehr erklären kann – wie einst im Mittelalter. Und so sind wir trotz modernster Technik eher auf dem Weg dorthin als in eine aufgeklärte Zukunft. Und aus dem wenigen, was die Leute heute noch wissen, marmeln sie sich ihr eigenes Weltbild zusammen, das nur noch wenig mit der Realtität gemein hat.

Im Übrigen lässt sich mit Panik sehr viel Geld verdienen, siehe die ganzen (Weltuntergangs-)Berichte in der Tagespresse oder in den Nachrichtensendungen, die mehr auf Quoten als auf Inhalte schielen. Und auch das Thema 2012 gewinnt zunehmend an Bedeutung, wenn man sich beispielsweise das Büchersortiment in irgendeiner Buchhandlung anschaut. Auch beim Onlinehändler Amazon gibt es ein reichhaltiges Sortiment, wenn man nur den Begriff 2012 eingibt. Immer mehr Bücher, gerade auf dem Esoteriksektor, wollen ihren Leserinnen und Lesern Glauben machen, sie wüssten, wie man 2012 überlebt.

Also ich weiß es auch: Sich nicht an dem ganzen 2012-Gelaber stören, sich höchstens darüber amüsieren, und am 22.12.2012 feststellen, dass die Welt, wie überraschend, nun doch nicht untergegangen ist … Wer finanziert mir jetzt für den Tipp eine Privatsternwarte für eingehende Untersuchungen?