Mittwoch, 27. April 2011

Radfahrer dürfen anscheinend alles

Eben auf dem Nachhauseweg auf dem Fußweg. Ein Radfahrer kommt von hinten streift mich am Arm und als ich ihn fragte, was das soll, dass der Fußweg kein Radweg sei, kam die Antwort: „Halt´s Maul, sonst gibt es was drauf.“

Vor zwei Tagen stand ich an einer belebten Ampel in der Hamburger City. Diese sprang auf grün, die Leute überquerten die Straße auf dem Zebrastreifen. Plötzlich schossen zwei Radfahrer durch die Menschenmenge hindurch, sind also bei rot gefahren. Mindestens zwei Polizisten haben es gesehen. Passiert ist nichts.

In unserem neuen schönen Ökoland gehören Radfahrer zu der Sorte von Menschen, die anscheinend alles dürfen, bei rot über die Ampel fahren, Leute umradeln und verletzt liegen lassen. Eine alte Dame ist vor längerer Zeit in meiner Straße von einem Radfahrer auf dem Fußweg umgefahren worden. Sie kam mit einem Oberschenkelhalsbruch ins Krankenhaus. Der Radfahrer ist ungerührt weitergefahren.

Ein auf dem Gehweg spielendes Kind wurde vor meiner Haustür von einer Radfahrerin umgefahren und musste verletzt in Krankenhaus. Statt Erste Hilfe zu leisten, beschimpfte sie die Mutter: „Sie sei eine alte V.… und soll gefälligst auf ihr Sch...-Balg aufpassen.“

Ich selber bin vor ca. zwei Jahren von einem Radfahrer auf dem Fußweg umgefahren worden und habe mir dabei den Knöchel verstaucht und die Hose zerrissen. Dabei musste ich einem mir auf dem nur vier Gehwehplatten schmalen Fußweg entgegenkommenden Radfahrer ausweichen. Keiner half, beide radelten einfach weiter. Und die Polizei: Macht nichts. Zwar wurde die Anzeige aufgenommen, aber später wieder eingestellt, weil der Täter nicht ermittelt werden konnte. Super, in welchem Land leben wir eigentlich?

Und jetzt bläst man den Radfahrern noch mehr Zucker in den Hintern, weil sie ja ökologische Gutmenschen sind. Selbst Radfahrer, die direkt vor der Polizei bei rot über die Straße fahren, interessieren nicht mehr. Wenn ein Autofahrer einen Zusammenstoß mit einem Radfahrer verursacht, steht es am nächsten Tag in der Presse und es gibt eine Anzeige. Geschieht das gleiche zwischen einem Radfahrer und einem Fußgänger, interessiert das niemanden.

Also braucht man sich in diesem Land nur auf ein Fahrrad zu setzen und hat plötzlich alle Rechte der Welt, kann Leute umfahren, Verkehrsunfälle verursachen, oder andere Straftaten begehen. Verfolgt wird man nicht. Aber wehe, man fährt 10 km/h zu schnell, dann gibt es ein Verwarngeld. Radfahrer, die zu schnell fahren, werden in der Regel nicht belangt. Und dann will die Hamburger Stadtregierung auch noch den Radverkehr verdoppeln. Na denn man gute Nacht!

Erinnerungen an das Hamburger Planetarium (2)

Der Hamburger Astronomieverein GvA, 1964 gegründet und hervorgegangen aus einer Gruppe Hamburger VdS-Mitglieder und Astronomieinteressierter knüpfte im Jahr 1969 erste zarte Bande mit dem Planetarium und 1970 gelang es schließlich, dort Räume zu bekommen und diese vertraglich abzusichern. Das galt durchgängig bis zur einseitigen Aufkündigung des Mietvertrages im Jahr 2002 durch den neuen Planetariumsleiter und die Kulturbehörde der Stadt Hamburg. Letztere versprach seinerzeit großspurig Ersatz, stand dann aber nicht mehr zu ihrem Wort. Gleiches galt auch für die Abgeordneten in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord, die über alle Parteien hinweg vollmundige Zusagen machten, sich hinterher, als es darauf ankam, sich nicht mehr ihrer Worte erinnern konnten.

Einfach war es auch Ende der 60er Jahre nicht, für den Verein einen Stammsitz zu bekommen (den er heute dank des Rauswurfs in Hamburg übrigens immer noch nicht wiedererlangt hat). Wissenschaft ist in einer Hafen- und Handelsstadt wie Hamburg eben nicht angesagt oder wurde immer recht stiefmütterlich behandelt. Das sieht man auch, wenn man sich die Geschichte der ersten Hamburger Sternwarte am Holstenwall anschaut, oder sich die Bemühungen der Hamburgischen Bürgerschaft betrachtet, in den 80er Jahren die Sternwarte in Hamburg-Bergedorf zu schließen und die Astronomen weiter in irgendwelchen untergeordneten Räumen am DESY forschen zu lassen.

Irgendwie schaffte man es aber doch, den Verein aus seinem Leben in Hamburger Schulklassen heraus zu bekommen, zumal einige Mitglieder ohnehin häufig Gast im Planetarium waren. Die GvA hatte sich verpflichtet, für die Überlassung von Räumen bei der Öffentlichkeitsarbeit mitzuwirken und die erste größere Aktion in diesem Zusammenhang war der Merkurdurchgang vom 9. Mai 1970. Der führte u.a. zur Gründung der Sektion Sonne, die ich 1979/1980 und dann durchgehend seit 1993 leite.

Damals war ich aber noch nicht dabei, befriedigte mein Interesse eher aus Astronomie- und Raumfahrtbüchern, schließlich lebte man ja in der APOLLO-Ära.

Ein paar Jahre später machte ich meine ersten eigenen Führungen vor dem Planetarium. Hierzu stellte man sich mit dem Planetariumsfernrohr vor die Treppe auf der Nordseite des Gebäudes. Eines der ersten Objekte, die ich einstellte, war M44, die Praesepe, die man von dem Standort aus im Winter gut erreichen konnte. Auch begeisterten schon damals, das war irgendwann gegen Ende der 70er, Anfang der 80er, der Anblick von Mond und Planeten. Meist war es so, dass sich die Leute schnell eine Karte holten und dann wieder zum Fernrohr eilten, um noch mal hindurchzuschauen. Es war eine aufregende Zeit. Man selber lernte viel über Teleskope und Objekte am Himmel. Seinerzeit verfügte ich nicht über eigene Instrumente, sondern nutzte die vereinseigenen Teleskope.

Für mich war der Stadtpark auch immer relativ leicht zu erreichen, bis der HVV Anfang der 80er mal auf die krude Idee kam, den Bahnverkehr einzuschränken, sodass meine U-Bahn ab 22 Uhr nur noch alle 40 Minuten fuhr und ich für eine 15minütige Autostrecke fast 2 Stunden brauchte, um wieder nach Hause zu kommen. So waren die GvA und das Planetarium auch der Grund, weshalb ich 1983 meinen Führerschein machte und mir ein Jahr später mein erstes Auto kaufte.

Bei den öffentlichen Führungen vor dem Planetarium konnten wir nicht nur auf unseren Verein hinweisen, man machte auch Bekanntschaft mit so manch seltsamer Gedankenwelt der Besucherinnen und Besucher des Planetariums, die eher esoterisch als wissenschaftlich geprägt war. Aber das gehörte nun einmal dazu. In den kommenden Jahren wurde es aber für die GvA zunehmend schwieriger, solche Führungen zu organisieren, was vor allem daran lag, dass man immer weniger Interessierte fand, die sich abends hinstellen und den Leuten den Sternenhimmel erklären wollten. Bei Führungen muss man immer auf alle möglichen Fragen auch zu sachfremden Themen gefasst sein und manch einer, der mit seinen Vorstellungen bei Vortragenden des Planetariums keine Bestätigung fand, suchte sie danach bei der öffentlichen Führung. Damit ist man als normaler Sternfreund manchmal durchaus überfordert und man muss aufpassen, dabei nicht eigene Kosmologien zu entwickeln, nur um den nervenden Fragesteller los zu werden. Denn manche sind gar nicht an der Antwort interessiert, sondern nur an der Verbreitung ihrer eigenen Thesen. So waren schon damals Anhänger von Verschwörungstheorien sehr anhänglich und sprengten so manche Führung. Statt sich den Mond durchs Fernrohr anzuschauen, redeten sie den anderen Besucherinnen und Besuchern ein, dass der Blick durchs Fernrohr reiner Betrug sei, weil der Mond nicht wirklich existiere, da man ihn ja schließlich nicht anfassen könne …

Eine Zeitlang war das so schlimm, dass die Leute sich gar nicht mehr für den aktuellen Sternenhimmel, sondern nur für absonderliche Theorien interessierten. Das war der Hauptgrund, weshalb ich für viele Jahre die Teilnahme an öffentlichen Führungen eingestellt habe. Statt Mond oder Planeten zu zeigen und zu erklären, musste man irgendwelche Urknallphantasien kommentieren, was für einen Nicht-Wissenschaftler eine Katastrophe darstellt und zu sagen: „Ich weiß es nicht!“, hat nur dazu geführt, dass man sich anhören musste: „Und was machen Sie denn am Fernrohr, wenn Sie das nicht wissen?“

Damit umzugehen, ist für einen interessierten Jugendlichen oder Jungerwachsenen, wie der Terminus heute lautet, der eine öffentliche Führung übernommen hat, schwierig und frustrierend zugleich. Auch deshalb sank das Interesse an der Wahrnehmung dieser für das Planetarium und den Verein so wichtigen Aufgabe. In den späten 90ern hatte ich zusammen mit einem Freund die Führungen neu organisiert, sie liefen dann bis 2002 wieder recht gut an.

Neben den regelmäßigen Führungen am Freitag vor den Sondervorträgen - man konnte einen richtigen Planetariumsabend hier verbringen und nach dem 18 Uhr-Monatsthema sich den Vortrag um 20 Uhr anhören – war man auch immer wieder bei besonderen Anlässen wie Sonnen- und Mondfinsternissen aktiv. Da gab es dann meist einen Vortrag zu dem jeweiligen Ereignis mit anschließender Beobachtungsmöglichkeit vor dem Planetarium oder auf der Repsold-Sternwarte, die stets sehr gut besucht waren. An vielen dieser Aktionen habe ich auch persönlich teilgenommen. Sie gehörten zu den Höhepunkten meines amateurastronomischen Lebens. Doch darüber soll in einem der späteren Blogbeitrag dieser kleinen Serie die Rede sein.

Diese durchgängigen Planetariumsfreitage habe ich auf jeden Fall auch selber immer genossen. Am frühen Nachmittag in den Stadtpark fahren, um 18 Uhr das Monatsthema hören, dann am Astro-Shop verweilen, oder am Tisch die neusten Astrozeitschriften durchblättern, und schließlich den Sondervortrag mitnehmen, das waren schon echte Highlights, die im Jahr 2002 dann leider abrupt endeten und deutlich machten, das nichts im Leben für die Ewigkeit ist.

Dienstag, 26. April 2011

Erinnerungen an das Hamburger Planetarium (1)

Mitten im Hamburger Stadtpark steht der alte Wasserturm, der seit 1930 das Planetarium der Stadt beherbergt. Seit 1977 war ich dort regelmäßiger Gast und als ich neulich bei Aufräumen alte Dokumente wiederfand, die ich inzwischen eingescannt und das Papier der Verwertung zugeführt habe, kamen doch so einige Erinnerungen wieder hoch.

An das früheste Datum, an dem ich dort war, kann ich mich nicht mehr so ganz genau erinner, aber es war ein Sonntagvormittag mit meinem Vater. Auch das Thema fällt mir nicht mehr ein. Aber seit dem wurde ein unsichtbares Band mit diesem Haus geknüpft. Seit etwa 1975/76 wusste ich, dass es dort einen Astronomieverein gab, dem ich aber erst 1977 beitrat.

Schnell lernte ich einige Leute kennen und gemeinsamen besuchten wir das Astronomische Seminar in der Kuppel, die uns wie ein Heiligtum vorkam. Das Anstehen vor den Freitagabendvorträgen (von denen ich am Anfang so gut wie nichts verstand) glich einem Ritual. Erinnern kann ich mich auch an etliche Vorträge von Prof. Heinz Haber, der dem Haus stets mit Wohlwollen verbunden war.

Als man älter wurde, wandelten sich auch die Interessen, doch dem Seminar blieb ich treu. Hinzu kam der Besuch der GvA-Veranstaltungen im Kuppelsaal, die immer etwas ganz besonderes war. Am GvA-Astro-Shop konnte man sich mit neuester Literatur, Dias und vielem anderen versorgen. Am Rundtisch lagen die neuesten Zeitschriften aus, mit deren Lektüre man die Zeit bis zum Vortrag mühelos überbrücken konnte.

Noch später kamen erste Beobachtungserlebnisse auf dem Flaggenbalkon, der GvA-Repsold-Sternwarte, hinzu. Mond- und Sonnenfinsternisse, besondere Planetenereignisse, ich kann gar nicht alles aufzählen, was mir da in den Sinn kommt.

Im Sommer 1979 verbrachte ich fast drei Monate dort, weil meine Ausbildung erst am 1. Oktober anfing und die Schule Ende Juni aus war. Diese Zeit werde ich immer in Erinenrung behalten. Mit dem 70/1000er Kosmos-Refraktor machte ich meine ersten regelmäßigen Sonnenbeobachtungen, mit dem 10cm (?)-Refraktor des Planetariums durfte ich als frisch gebackener Sektionsleiter Sonne beim Ausgang auf der Südseite dem Publikum des Planetariums, vor unds nach den Vorträgen, die damals nahe dem Fleckenmaximum hohe Sonnenaktivität zeigen. Es war eine herrliche Zeit, die leider durch die beginnende Ausbildung endete. Dennoch blieb ich Planetarium und GvA treu, bis zu jenem unglücksseligen Jahr 2002. Unser Verein wurde einfach so rausgeworfen, das Haus organisatorisch zu einem Kunst- und Kommerztempel umstrukturiert, in dem nur noch das nackte Wirtschaftsdenken an der Tagesordnung ist. Statt um Wissenschaft, so wie ich es in den Jahren zuvor erlebt habe, geht es dort nur noch darum, möglichst viel Geld zu verdienen. Dass man es dennoch geschafft hat, die Besucherzahlen zu verdoppeln, mag verwundern, denn so attraktiv wie früher erscheint mir das Programm längst nicht mehr. Und so war ich auch seit gut 10 Jahren nicht mehr in der Stätte, mit der mich viele Erlebnisse auch heute noch verbinden und von denen ich hier einige schildern werde. Mich interessiert die Astronomie, nicht Lasershows, Konzerte oder sonstige Veranstaltungen, die man auch an anderen Orten abhalten könnte und die nichts mit der Himmelskunde zu tun haben. Andererseits passt das Programm aber auch in unsere Zeit, wo kein gedanklicher Tiefgang mehr gefordert oder geboten wird, wo Kommerz die Oberhand hat und man etwas nicht mehr um der Sache willen, sondern nur aus Gewinnsucht macht.

Montag, 25. April 2011

Ostern ist vorbei

Vier freie Tage über Ostern, man glaubt gar nicht, wie schnell diese Tage vergangen sind. Das Wetter im Norden war relativ gut. Relativ deswegen, weil der Himmel doch recht dunstig war. Das merkte an besonders, weil der Himmel neben der Sonne (kann man prüfen, wenn man unser Tagesgestirn mit der Hand abdeckt, um nicht geblendet zu werden) eher weiß als blau war, ein Hinweis auf viel Feuchtigkeit in der Atmosphäre.

Vor ein paar Tagen hatte ich mir über den süddeutschen Teleskop-Service (ein sehr zu empfehlender, kundenfreundlicher Laden) neben einem neuen 9,5 mm Okular und einem neuen Zenitprisma auch einen neuen, meinen ersten, einen 10 Zoll durchmessenden Sonnenglasfilter der Fa. Orion bestellt. Dieser lässt sich bequem über die Taukappe meines 80/400 mm Skywatcher-Refraktors schieben und lässt nur 1/1000 des ankommenden Sonnenlichts durch. Im Okular sieht man eine angenehm orangeartige Sonne; die Details in den Fleckengruppen kommen nun deutlicher heraus als bei meinem leider beschädigten Herschelkeil und auch die im Weißlicht stets nur am Sonnenrand sichtbaren Fackeln kommen nun deutlicher heraus. Es zeigen sich nun aber auch die naturgemäß bei einfacheren Teleskopen immer auftretenden optischen Mängel. Dennoch wird der kleine Refraktor weiterhin bei der Sonnenbeobachtung mein Hauptbeobachtungsinstrument sein.

Über die vier Ostertage konnte ich die aktuelle Entwicklung der Sonnenaktivität verfolgen. Leider zeigten alle Flecken hinsichtlich ihrer Komplexität eine deutlich abnehmbare Tendenz. Für eine Bestimmung des weiteren Verlaufs der Sonnenaktivität in den kommenden Wochen und Monaten sind die paar Tage natürlich nicht ausreichend, aber es war schön, mal wieder ein paar Tage hintereinander ohne Unterbrechung beobachten zu können.

Zum Osterwochenende gehörte auch die Lektüre des Buches „Die Sonne“ vom Kulturwissenschaftler Dieter Hildebrandt.

Ein spannendes Werk, der Untertitel Biografie unseres Sterns ist allerdings irreführend, denn hier geht es nicht um eine Beschreibung des Lebenswegs unseres Tagesgestirns, sondern vielmehr darum, wie die Sonne die Ansichten über das Universum durch die Jahrhunderte hindurch beeinflusst hat. Genau die richtige Lektüre für ein paar Stunden Ruhe am Nachmittag – selbstverständlich nach dem obligatorischen Besuch meines Eismanns in der Dithmarscher Straße in Hamburg-Dulsberg.

Doch nun beginnt die neue Arbeitswoche in fast leeren Büros, weil die meisten Kolleginnen und Kollegen jetzt im Urlaub sind.

Montag, 18. April 2011

Lange Nacht der Museen in Hamburg

Nur eine Woche nach dem offiziellen bundesweiten Astronomietag (der in Hamburg mal wieder nicht begangen wurde) stand die „Lange Nacht der Museen“ (LNdM) auf dem Programm, an der sich die Sternwarte Hamburg-Bergedorf, der Förderverein der Sternwarte und die GvA beteiligten.

Der offizielle Beginn war für 18 Uhr angesetzt, doch schon seit dem frühen Nachmittag tummelten sich Besucherinnen und Besucher auf dem Gelände. Vor dem neuen, erst am 26. März 2011 eröffneten, Besucherzentrum in den ehemaligen Büroräumen des 1m-Spiegels wurden Zelte für das spätere Catering aufgestellt. Das Café im Gebäude war gut besucht und um 14 und 16 Uhr wurden Führungen über das Gelände (vom Äquatorial ausgehend am Meridianhaus vorbei zum Großen Refraktor, dann zurück zum 1m-Spiegel und zum Lippert) angeboten und relativ gut angenommen. Überhaupt hat sich das neue Besucherzentrum offenbar schnell zu einem Besuchermagneten in der Region und insbesondere durch die Versorgung mit Würstchen, vegetarischer Mahlzeit und heißen und kalten Getränken während der Langen Nacht zu einer besonderen Anlaufstelle entwickelt!

Schon frühzeitig trafen auch die ersten Sternfreunde ein, um vor dem früher als Schmidtmuseum genutzten Gebäude ihre Instrumente aufzubauen. Am Nachmittag konnte man so schon die Sonne beobachten. Allerdings entsprach das Wetter nicht ganz den Vorstellungen der Sternfreunde, weil es doch ziemlich bewölkt und zu Beginn der Dämmerung der Himmel dann vollständig bedeckt war. Das änderte sich erst in den späteren Abendstunden, sodass Besucherinnen und Besucher der Sternwarte bis ca. 1:30 Uhr noch durch die Amateurfernrohre Mond und Saturn beobachten konnten.

Dieses Mal kamen nach halboffiziellen Schätzungen weniger Interessierte auf die Sternwarte, als in den vergangenen Jahren. Wer den weiten Weg nach Bergedorf nicht scheute (ein Shuttlebus des HVV fuhr regelmäßig die Sternwarte an), bekam ein umfangreiches Programm angeboten: Alle Kuppeln waren geöffnet, sodass man auch abseits der offiziellen Führungen die Teleskope besichtigen konnte (Ausnahme war nur das Oskar-Lühning-Teleskop, dass mit seiner 1,20 m Öffnung und 15,60 m Brennweite für laufende Forschungsaufgaben genutzt wird). Es gab sieben kleine Ausstellungen zu bewundern: Mensch und Himmel im Keller unter dem 1m-Spiegel, Zeitball-Zeit von den Gestirnen im Erdgeschoss des Hauptgebäudes, Astrofotografie in Schwarz-Weiß im Bernhard-Schmidt-Museum im Keller des Hauptgebäudes, Farbige Spektren-ein Schlüssel zur Kosmologie im 2. Stock des Hauptgebäudes, Sterne über Hamburg als Posterausstellung im Hauptgebäude, Bibliophile Kostbarkeiten – Farbige Impressionen in der Bibliothek sowie den allseits beliebten kleinen Shop in den Räumen des Großen Refraktors. Nebenbei gab es regelmäßig halbstündliche Führungen unter dem Motto: Neue Farbe fürs Kulturdenkmal und Vorträge zu den Ausstellungen (etwa zur Restaurierung des 1m-Spiegels oder über Bernhard Schmidt). Zwischendurch wurde nahe des Besucherzentrums musikalische Untermalung durch den LOLA Chor-Bergedorf geboten, der später auch am Großen Refraktor einiges Liedgut intonierte.

Gegen Abend füllte sich der für die Amateure des Fördervereins genutzte Platz mit Fernrohren verschiedenster Art und Größe vom kleinen Refraktor bis hin zum großen Dobson und glich einmal mehr einem kleinen Teleskoptreffen. Die meiste Zeit war man dort unter sich, weil nur wenige Besucherinnen und Besucher selber durch ein Teleskop schauen wollten, was hauptsächlich aber am Wetter lag. Sie informierten sich eher über die Teleskope selber und vor allem die Preise. Das änderte sich erst später, als der Himmel aufriss und den Blick freigab. So dürften am Ende nach einem doch ereignis- und arbeitsreichen Tag alle Beteiligten zufrieden gewesen sein.

Dienstag, 12. April 2011

Die Sonne im März 2011

An dieser Stelle wird es künftig aktuelle Berichte über die Sonnenaktivität im zurück liegenden Monat geben, getrennt nach Weißlicht und den Beobachtungen in der Wasserstofflinie H-Alpha. Es versteht sich von selbst, dass man mit einem Fernrohr oder Fernglas nie ungeschützt in die Sonne blicken darf. Unmittelbare und dauerhafte (!!!) Augenschäden wären die sofortige Folge. Professionelle und Amateursonnenbeobachter verwenden daher Spezialsysteme, um nicht zu erblinden. Machen also auch Sie keine unbedachten Selbstversuche, Sie haben nur 2 Chancen, einmal mit dem linken, einmal mit dem rechten Auge und dann wäre Sie für den Rest Ihres Lebens blind und könnten meinen Blog nicht mehr lesen!!!!

Weißlicht:
In den ersten Tagen des neuen Monats dominierten die schon im Februar sichtbaren aktiven Regionen Nr. 11163 bis 11165, von denen die 11164 als E-Gruppe mit reich strukturierten Penumbren sehr schön anzusehen war und es auf eine stattliche Anzahl von Einzelflecken brachte. Begleitet wurde sie von einer C- und einer B-Gruppe. Am 3. war die AR 11163 verschwunden und die 11166 neu hinzugekommen: Eine H-Gruppe, die sich einen Tag später als eher unauffällige D-Gruppe präsentierte. Am 4. kam dann auch die AR 11167 hinzu, eine B-Gruppe, die für diesen Tag aber auch den Zeichnungen des Sonnenobservatoriums Kanzelhöhe nicht zu finden ist.  Auffällig entwickelte sich die AR 11166, die sich binnen weniger Tage zu einer stattlichen Gruppe entwickelte und sowohl von der Kanzelhöhe als auch von der NOAA als E-Gruppe klassifiziert wurde. Allerdings war der Abstand zwischen voranschreitendem und nachfolgendem Teil der Fleckengruppe zu gering, sodass sie eigentlich eher als D-Gruppe hätte eingestuft werden müssen. Ohnehin differierte die Gruppeneinteilung bei den Profis ganz erheblich, wie man noch sehen wird. Am 6. erreichte die AR 11164 die Stufe F (was auch fraglich ist, da auch hier die Längenausdehnung zu gering war). Die NOAA sah an diesem Tag 5, die Kanzelhöhe 7 Fleckengruppen, Unterschiede, die man sich eigentlich kaum erklären kann. Auch am 7. erkannte die NOAA fünf Gruppen (3x E, 2x B), während es bei der Kanzelhöhe wieder sieben Gruppen waren. Übereinstimmend nahen beide drei E-Gruppen, die Kanzelhöhe führte aber zusätzlich noch einige kleinere Gruppen auf, die von der NOAA offenbar übersehen wurden. Am 9. stieg die Anzahl der Fleckengruppen bei der NOAA auf 6, bei der Kanzelhöhe sank sie auf 4 herab. Völlig unverständlich. Die Zeichnung der Kanzelhöhe wies für diesen Tag zwei D- und zwei E-Gruppen auf, die NOAA meldete eine A-, eine B-, eine D-, zwei E- und eine F-Gruppe. Der 10. März brachte dann vor allem eine größenmäßige Weiterentwicklung der beiden E-Gruppen, die zusammen gut 80 Einzelflecken erkennen ließen. Am 11. gab es nur noch die beiden großen Fleckengruppen, alles Beiwerk hatte sich aufgelöst und war verschwunden, auch wenn die NOAA bei zwei Fleckengruppen vier meldete, noch dazu drei E-Gruppen, wieder mal eine Angabe, die auch anhand eigener Beobachtungen nur sehr schwer nachzuvollziehen ist. Die teils gravierenden Unterschiede in den Zahlen der Fleckengruppen setzte sich in den nächsten Tagen – oft auch auf skurrile Art und Weise – fort, wobei vor allem die beiden E-Gruppen ihren Höhepunkt überschritten hatten und von Tag zu Tag kleiner wurden. Am 14. waren mit den Aktiven Regionen 11166, 11169 und 11172 nur noch drei Gruppen vorhanden, die sich alle in den kommenden Tagen nicht mehr weiterentwickelten. Eine etwas ruhigere Phase der Sonnenaktivität stand bevor. Am 17. waren nur noch zwei Fleckengruppen zu sehen (wie bei der Kanzelhöhe), die NOAA sah mal wieder eine mehr. Die auffälligste war eine C-Gruppe, die sich über Nacht gebildet hatte. Drei Tage später waren sich die Österreicher und die Amerikaner mal wieder einig und erkannten je eine A-, B- und C-Gruppe. Am 21. erkannte man in Europa nur eine, in den USA drei Gruppen … Ein faszinierendes Bild ergab sich am 22.: Da konnte man im Westen die wegrotierende D-Gruppe und im Osten zwei neue Gruppen wahrnehmen. Tags darauf wieder sehr unterschiedliche Meldungen: 2xA, 1xD, 1xE aus Österreich, 2x D aus den Vereinigten Staaten. Hier konnte man fast schon vermuten, woran die Unterschiede lagen, die kleineren Gruppen sind anscheinend von der NOAA übersehen worden. Dafür entschädigte den Beobachter die sich nun rasant entwickelnde  AR 11176, die am 24. die Grenze zur E-Gruppe überschritten hatte und besonders durch kompliziert strukturierte Penumbren auffiel. Danach ging es stürmisch zu auf der Sonne. Insbesondere die AR 11176 wurde immer größer und komplexer. Ihr folgten weitere Gruppen nach und man konnte jetzt sehr schon sehen, wie sich die Gruppen auf die beiden Hemisphären verteilten und regelrechte Straßen bildeten, auf denen sie, aneinander gereiht, um die Sonne zogen. Am 27. wurde sie zur F-Gruppe und beide Institute zählten 6 (NOAA) bzw. 7 (Kanzelhöhe) Fleckengruppen. Einen Tag später waren es schon 8 bzw. 7 Gruppen, von denen besonders die neue AR 11183 ins Auge stach, weil man sie gleich als D-Gruppe an der Grenze zur E klassifizierte. Skurril war dann der 29. März: Die NOAA meldete 6 und die Kanzelhöhe 7 Gruppen, war nicht weiter verwunderte angesichts der unterschiedlichen Berichte der letzten Tage. Was aber am meisten verwunderte war die völlig willkürliche und nun überhaupt nicht mehr nachvollziehbare Aufteilung von Fleckengruppen bei der Kanzelhöhe. Hier hat man einfach eine langgestreckte F-Gruppe in drei Gruppen (1x F 2x C) zerschnitten. Dies konnte der Autor auch anhand eigener Beobachtungen trotz jahrzehntelanger Beobachtungspraxis nicht mehr verstehen. Unterschiede in den Klassifikationen können die vielschichtigsten Gründe haben, z.B. schlechtes Seeing, unaufmerksame Beobachter, ungenügende Vergrößerungen , durchziehende Wolkenfelder etc. Aber so eine Aufteilung, die einfach durch eine große Fleckengruppe hindurchgehen, widerspricht aller gängigen Praxis. Am 30. kamen beide wieder auf die gleiche Anzahl von Gruppen, aber die Kanzelhöhe teilte abermals die große F in zwei Gruppen auf. Wieder mitten durchgeschnitten und als F und D eingestuft. Am letzten Tag des Quartals gab es dann in Österreich 8 und in den USA nur fünf Fleckengruppen. Unabhängig von der anscheinend auch bei professionellen Sonnenbeobachtern schwierigen Klassifikation bleibt unterm Strich auf jeden Fall eine nun doch endlich erhöhte Sonnenaktivität übrig.


Hα:
Im Licht der Wasserstofflinie Hα begann der Monat eher moderat. Am 1. wurde um 4:13 UT in der AR 11164 ein C6 Subflare beobachtet, gefolgt von einem C1/Sf Röntgenflare um 1318 UT am 2. Die folgenden Tage brachten keine wesentliche Steigerung, stets stiegen aus der AR 11164 Flares maximal der Klasse C empor. Das änderte sich erst am 7., als um 14:33 UT aus der AR 11166 ein M1/SF aufstieg, der gleich mit zwei Radioausbrüchen, einmal vom Typ II und einmal vom Typ IV assoziiert war. Um 20:12 UT brachte die AR 11164 einen M3-Flare hervor. Ein paar Stunden zuvor. Um 14:48 UT war zudem ein koronaler Massenauswurf (CME) erfolgt. Daneben gab es weitere Flares der Klasse C und einen erhöhten Strahlungsfluss im Radiobereich bei 10,7 cm Wellenlänge. Einen Tag später stieg dicht am östlichen Rand der Sonne ein CME mit einem heftigen Radioausbruch auf, der nicht mit einer Aktiven Region gekoppelt war. Die AR 11165 produzierte um 10:44 UT einen M5/1f Flare. Kurz darauf kamen aus der AR 11166 zwei weitere M-Flares hervor. Das Ende der Fahnenstange war damit aber noch längst nicht erreicht: In diesem Gebiet entstand am 9. um 23:23 UT ein X1/2b Flare, ein M1 am 10. um 22:41 UT, am 12. um 4:43 UT ein M1/2n- und um 15:27 UT ein C9/1F (beide begleitet von einem Typ II – Radiosturm). Neben ein paar c-class-flares blieb es in den kommenden Tagen etwas ruhiger. Erst die AR 11169 zeichnete sich am 14. Um 19:52 UT durch einen M4/1n-Flare aus, der ebenfalls mit einem Radiosturm verbunden war. Sie war auch der Ursprungsort für einen M1-Flare am 15. um 0:22 UT. Sie beförderte auch die Teilchen eines lang anhaltenden C3/Sf-Flare am 16. ins All, der Höhepunkt des Ausbruchs wurde um 20:34 UT erreicht. Bis zum 23. blieb es bei kleineren Ausbrüchen, die über die Klasse C nicht hinaus kamen. Just an diesem Tage aber wurde um 2:17 UT ein M1-Flare beobachtet, der aus der AR 11176 kam und weitere, allerdings schwächere Flares nach sich zog. Sie war auch für den M1/1F-Flare vom 24., 12:07 UT verantwortlich, der einen schwachen Radiosturm und einen leichten CME zur Folge hatte. Diese AR blieb auch erst mal die aktivste. Aus ihr kam auch der M1 am 25. um 23:22 UT (verbunden mit zwei Radiostürmen). Die AR 11180 erzeugte am 26. um 5:00 UT einen großen, aber nicht erdwärts gerichteten, Partikelstrom, der mit ca. 850 km/s in den umgebenden Weltraum hinausgeschleudert wurde. Am Tag darauf gab es dann wieder eher untergeordnete Ausbrüche, bzw. Materieausbrüche am Ostrand, was auf eine dort befindliche AR hindeutete, die demnächst die erdzugewandte Seite erreichen würde. Am 28. wurde um 14:05 UT ein eruptives Filament samt CME im Nordosten der Sonne beobachtet, der aber nicht erdwärts gerichtet war. Bis zum Quartalsende ging denn auch hier die Aktivität zurück, es wurden wieder nur maximal c-class-flares registriert.

12. April 1981: Das Space-Shuttle COLUMBIA fliegt das erste Mal ins All

Genau 20 Jahre, nachdem erstmals ein Mensch in den Weltraum geflogen war, startete in Cape Canaveral ein Raumfahrzeug eines ganz neuen Typus: Der wiederverwendbare Space Shuttle mit Namen COLUMBIA mit der Missionsbezeichnung STS-1 und dem internen Namen OV-102.

Zur Besatzung gehörten der Weltraumveteran und Kommandant John Young, der zuvor bereits viermal im All gewesen war (GEMINI und 3 und 10, APOLLO 10 und 16) und bis heute der einzige Shuttle-Flieger war, der auch auf dem Mond gelandet war, und Pilot Robert Crippen, ein Weltraum-Neuling, der danach noch bei vier weitere Shuttle-Missionen mitfliegen sollte. Zur Ersatzmannschaft gehörten als Kommandant Joe Engle, der schon für APOLLO-Flüge vorgesehen war, dann aber bei STS-2 und STS-51 I doch noch verspätet zu einem Einsatz kam und als Pilot Richard Truly, ein weiterer Weltraum-Neuling, der später bei STS-2 und STS-8 mitflog.

Der erste Space-Shuttle-Flug war in mehrfacher Hinsicht eine historische Mission: Erstmals flog man ein neues System, ohne es zuvor unbemannt getestet zu haben (die Einzelteile wurde getestet, aber nicht, nachdem sie zu einem Ganzen verbaut worden waren). Erstmals kam mit Young ein Besatzungsmitglied zum 5. Mal zu einem Weltraumeinsatz. STS-1 und 2 waren die einzigen Unternehmungen, bei denen der Außentank weiß lackiert war (was man später wegen der Gewichtsersparnis wegließ).

Dabei hatte die COLUMBIA zu diesem Zeitpunkt bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Der Orbiter wurde am 23. März 1979 huckepack per Boeing 747 nach vierjähriger Bauzeit am Cape angeliefert. Der aus hitzebeständigen Kacheln bestehende Schutzschild an der Unterseite der Raumfähre war noch nicht fertig und bestand nun auch Kunststoffplättchen, die am Cape durch die echten Kacheln ersetzt werden sollten. Während der Überführung waren etliche dieser Kacheln wieder abgefallen. Es gab Probleme sowohl bei der Herstellung der Kacheln, als auch beim Ankleben, weswegen sich der Start vom März 1979 über den 9. November 1979 bis eben zu jenem historischen Datum im April 1981 verzögerte. Auch fehlte noch das Haupt- und das Manövertriebwerk des Shuttles, die ebenfalls nicht rechtzeitig an die NASA übergeben werden konnte. Schwierigkeiten gab es auch mit der Finanzplanung seitens der NASA, sodass für die sich verzögernden Arbeiten nun auch noch das Geld fehlte.

Was folgte, waren umfangreiche Tests an den Triebwerken und anderen technischen Einrichtungen der Raumfähre. Dafür war extra auch die ENTERPRISE zum Kennedy Space Center beordert worden. Sie war jener Orbiter, mit dem seit 1977 unbemannte Testflüge ohne Triebwerke und Hitzeschilde innerhalb der Atmosphäre durchgeführt worden waren. Hierzu wurde sie, ebenfalls mit einer Boeing 747, in größere Höhen gelogen und dort abgekoppelt. Am Cape wurde sie für die Generalprobe der ersten bemannten Mission verwendet und am 1. Mai 1979 zur Startrampe 39A gefahren, wo früher die SATURN V-Mondraketen mit den APOLLO-Besatzungen abhoben.

Nachdem die technischen Systemtests mehr oder weniger zufriedenstellend verliefen, gab es immer wieder Probleme mit dem Hitzeschild. Die aus Glasfaser bestehenden Kacheln hafteten nicht so gut wie angenommen und fielen, gerade in der Anfangsphase der Shuttle-Flüge, immer wieder in größeren Mengen ab. Erst später konnte dieser Punkt deutlich verbessert werden.

In den folgenden Monaten folgten immer wieder neue technische Hürden, die genommen werden musste. Mal brach eine Treibstoffleitung in einem der Motoren, dann machten auch neue Kacheln wieder Probleme.

Schließlich waren im November 1980 alle Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen, sodass am 29. Dezember 1980 die fertige COLUMBIA VAB zur 5,6 km entfernten Startrampe gefahren werden konnte. Erst dort erhielt sie ihre in  Startkonfiguration mit den beiden Feststoffboostern an ihrer Seite. Weitere Tests wurden durchgeführt und verliefen erfolgreich.
Der Start wurde für den 17. März 1981 geplant, musste aber auf den 10. April 1981 verschoben werden, weil bei der Probebetankung des Außentanks Teile der Schaumstoffisolierung abgeplatzt waren. Die Reparaturen dauerten zwei Wochen und so wurde der 10. April als neuer Starttermin bekannt gegeben. Seit dem 6. April lief der 73 Stunden währende Countdown. Dieser musste angehalten werden, als sich die fünf Bordcomputer, die ständig miteinander in Kontakt standen. Vier waren für den Missionsverlauf zuständig, der fünfte war ein Backupsystem, das bei Bedarf automatisch hätte einspringen müssen, es gab aber Abstimmungsprobleme just mit diesem Reserverechner. Diese mussten erst bereinigt werden, der Start wurde auf den 12. April 1981, 12:00 UTC verschoben.

Nun gab es aber keine Unterbrechungen des Countdowns mehr und die Raumfähre COLUMBIA hob genau nach Plan ab. Die Feststoffbooster wurden nach zwei Minuten Flug in rd. 53 km Höhe abgetrennt, die Haupttriebwerke nach 8 Minuten in 118 km Höhe abgeschaltet und der erste Orbitalflug eines Space Shuttles in 245 km Höhe begann. Diverse Tests standen auf dem dicht gedrängten Programm. Als erstes wurden die Tore der Ladebucht geöffnet (was bei jeden Flug nötig ist, um einen Temperaturausgleich bei Durchflügen zwischen der Tag- und der Nachtseite der Erde herbeizuführen). Nach sieben Stunden wurde der Shuttle mit Hilfe der Manövertriebwerke auf eine Flughöhe von fast 280 km angehoben. Danach war eine mehrstündige Schlafperiode eingeplant. Geweckt wurden die Astronauten am 13. April mit dem Countrysong „Blast Off COLUMBIA“, dem ersten Wack-up-Call der Shuttle-Geschichte, der schnell zur Tradition werden sollte und auch heute noch auf der ISS praktiziert wird.

Der zweite Tag im All brachte neben einem Gespräch mit dem damaligen US-Vizepräsitenden George Bush und der ersten Reparatur im Shuttle: Ein Datenrekorder musste wieder in Ordnung gebracht werden, was sehr viel Zeit in Anspruch nahm, da sich dieser im Mitteldeck hinter einer Wandverkleidung befand und gegen ein an Bord befindliches Ersatzgerät ausgetauscht werden musste. Danach begann die zweite und letzte Schlafperiode. Die Nacht aber war sehr unruhig. Um 4:00 UTC wurden Young und Crippen durch einen Alarm geweckt, in einer der drei Auxiliary Power Units, die für ausreichenden Druck in der Hydraulik der Ruderflächen sorgen mussten und für die Landung von erheblicher Bedeutung waren, war die Betriebstemperatur deutlich gefallen, was unter Umständen dazu führen konnte, dass sich das Ruder nicht mehr richtig bewegen ließ. Per Heizung wurde die Temperatur erhöht, was aber das Problem nicht löste.

Nach dem obligatorischen Tubenfrühstück mussten die Trägheitsdämpfer (Inertial Measurement Units) neu justiert werden, damit das Navigationssystem fehlerfrei arbeitete. Alle im Shuttle herumfliegenden und für die Landung nicht benötigten Teile wurden danach verstaut und die Tore der Ladebucht verschlossen. Um 17:21 UTC wurde der Landevorgang durch Verlassen der vorherigen Umlaufbahn eingeleitet. Die zuvor fehlerhaft arbeitende APU zeigte nun nach der Geschwindigkeitsreduzierung auf 326 km/h und dem Einfliegen in den richtigen Landewinkel hinab zur Edwards Air Force Base in Kalifornien keinen Fehler mehr an. Um 18:21 UTC erfolgte der „Touchdown“ der Hinterräder und wurde nach 2,7 km von 352 km/h bis zum Stillstand abgebremst.

Die nachfolgende Inspektion der Hitzeschutzkacheln ergab, dass 247 von etwa 31.000, überwiegend durch Steine auf der Landebahn, beschädigt und 16 ganz abgefallen waren.

Ein erfolgreicher Flug stand am Anfang des Lebens der Raumfähre COLUMBIA, ein tragischer Absturz nach 28 erfolgreichen Weltraumeinsätzen an dessen Ende. Am 1. Februar 2003 kehrte sie von der STS-107-Mission zum Kennedy Space Center zurück. In ca. 60 km Höhe über Texas brach sie beim Wiedereintritt auseinander. Als Ursache gilt nach eingehenden Untersuchungen ein Loch im Hitzeschild, das beim Start durch ein herabgefallenes Schaumstoffteil entstand, das vom Haupttank gegen die Unterseite des Orbiters geprallt war. Dieses verursachte eine Überhitzung in der Tragfläche, deren Hitze sich bis ins Innere des Shuttles fortsetzte und diesen auseinanderbrechen ließ. Dabei kamen sieben Astronauten ums Leben. Es war die zweite Shuttle-Katastrophe nach dem Absturz der CHALLENGER am 28. Januar 1986.

12. April 1961: Juri Gagarin ist der erste Mann im All

Er dauerte nur 89,34 Minuten und führte einmal um die Erde herum, dennoch schrieb er Geschichte: Der erste bemannte Weltraumflug durch den sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin an Bord des Raumschiffs WOSTOK-1. Erste Planungen für einen bemannten Weltraumflug gab es in der UdSSR bereits Ende 1957 und wurde beschleunigt, als bekannt wurde, dass die USA in Gestalt des MERCURY-Programms ebenfalls an bemannten Weltraumflügen arbeiteten.

So sollte Ende 1960 das Testprogramm des WOSTOK-Raumschiffs beginnen. Die Konstrukteure des Raumfahrzeugs schlugen derweil in einem Memorandum an das Zentralkomitee der  KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion) vor, bereits im Dezember 1960 einen ersten bemannten Weltraumflug zu unternehmen. Zwei Gründe führten jedoch dazu, dass der Start verschoben werden musste. Der eine war der Start der ersten sowjetischen Venussonde VENERA-1. Sie startete am 12.2.1961 erfolgreich, aber schon am 19.2. ging in 2 Mio. km Entfernung zur Erde die Funkverbindung verloren; die Sonde flog am 12.9.1961 in 100.000 km Entfernung an dem wolkenverhangenen Planeten vorbei, war dafür immerhin das erste irdische Raumfahrzeug, das in seine Richtung flog.

Der zweite Grund für die Startverschiebung war weitaus schwer wiegender: Die Nedelin-Katastrophe am 24. Oktober 1960. Benannt nach den Chef der strategischen Raketentruppen, Marschall und Held der Sowjetunion, Mitrofan Iwanowitsch Nedelin (1902-1960), kam es an dem bewussten Tag zu einer katastrophalen Fehlentscheidung. Auf dem Startplatz am Kosmodrom Baikonur (aus Tarngründen teilweise auch mit dem Namen Tjuratam versehen) stand die neuentwickelte und erste echte Interkontinentalrakete R-16 der UdSSR und wurde einer Reihe von Tests durchgeführt.

Auf Druck von Parteichef Nikita Chrustschow sollte der Start unbedingt am Tag der Oktoberrevolution erfolgen. Dafür sollte Marschall Nedelin unter allen Umständen sorgen. Doch die Rakete war noch nicht soweit, dass sie hätte starten können. Marschall Nedelin schlug alle Bedenken beiseite und forderte, den Start am 24. Oktober 1960 durchzuführen und platzierte sich 8m neben der Rakete auf einen Stuhl, um die Sicherheit der sowjetischen Raketensysteme zu demonstrieren. Techniker und Wissenschaftler sahen sich nun gezwungen, es ihrem militärischen Befehlshaber gleichzutun. Durch den Fehler eines unter hohem Druck stehenden Technikers, der den Aktivierungsschalter für die Startsequenz in die richtige Position bringen wollte, wurde die Schalterstellung, die ein manuelles Zünden der 2. Raketenstufe herbeiführen sollte, übersprungen. Dabei zündete die zweite Stufe der Rakete auf dem Startplatz und zerriss den Flugkörper in einer fürchterlichen Explosion. Dabei starben verschiedenen Quellen zufolge zwischen 126 und 157 Menschen, als innerhalb von 90 Sekunden 124 Tonnen Treibstoff explodierten. Von Nedelin fand man später nur seinen Orden „Held der Sowjetunion“.

Der Tod vieler Wissenschaftler und Techniker warf das sowjetische Raumfahrtprogramm um Jahre zurück, was auch Auswirkungen auf den Start des ersten bemannten Weltraumflug hatte, der sich bis zum 12. April 1961 verzögerte. Bis dahin gab es eine Reihe unbemannter Testflüge, so am 22.12.1960 (zwei mitgeführte Hunde überlebten eine Notlandung in Sibirien anch einem Problem mit der Oberstufe der Rakete), am 9.3.1961 (das Raumschiff flog erfolgreich in der WOSTOK-Konfiguration und hatte ebenfalls zwei Hunde und einen Dummie an Bord) und am 25.3.1961, der Generalprobe für den ersten Weltraumflug.

Den Start der WOSTOK-1 mit Juri Gagarin, der nach einem strengen und mühsamen Auswahlverfahren schließlich als erster für den Raumflug bestimmt wurde (im Falle eines Ausfalls wäre German Stepanowitsch Titow (1935-2000), der am 6. August 1961 als zweiter Mann die Erde in dem Raumschiff WOSTOK-2 an der Reihe gewesen) legte man schließlich auf den 12. April 1961 fest. Aus den ursprünglich vorgesehenen zwei Erdumkreisungen wurde aber nur eine einzige, weil man bei den Hunden, die ins All geflogen waren, Anzeichen von Raumkrankheit festgestellt hatte und Probleme bei Gagarin vermeiden wollte.

Bereits um 3 Uhr Ortszeit nahmen die Spezialisten der Bodenstation ihre Plätze ein, um 5:30 Uhr erfolgten das – wie auch in den USA – später traditionelle Frühstück, letzte medizinische Untersuchungen, um 6:50 Uhr stieg Gagarin in die Raumkapsel ein. Um 7:50 Uhr wurde die Luke verschlossen, musste jedoch später wieder geöffnet werden, weil eine Automatik wies darauf hin, dass, das die Verriegelung nicht ordnungsgemäß war. Wegen dieser Panne konnten die am Startturm anwesenden Techniker diesen erst 30 Minuten vor dem anberaumten Start wieder verlassen. Um 9:06:59,7 Uhr Ortszeit zündeten die Triebwerke der ersten Stufe und WOSTOK-1 startete mit Juri Gagarin an Bord zum ersten bemannten Weltraumflug der Geschichte. Doch ganz so perfekt lief der erste Flug nicht ab, wie man jahrelang alle Welt weiß machen wollte. Während des Aufstiegs wurde Gagarin mit mehreren g Beschleunigung in die Liege gepresst, der Pulsschlag erhöhte sich auf 150 Schläge pro Minute. Nach dem Auslaufen der 2. Stufe setzte schlagartig die Schwerelosigkeit ein und Gagarin wurde nun mit aller Gewalt in die Sicherheitsgurte gepresst. Nach dem Abtrennen der 3. Stufe erreichte WOSTOK-1 (weil die Trägerrakete mangelhaft gearbeitet hatte) einen um 70 km höheren Orbit als vorgesehen. Der Flug selber verlief außerordentlich ruhig, Gagarin hatte auch nicht sehr viel zu tun, außer, die Funkverbindung zu halten und die Erdoberfläche zu beobachten. Medizinische Daten wurden von den an seinem Körper befestigten Sensoren automatisch gemeldet und echte wissenschaftliche Untersuchungen waren bei diesem Erstflug nicht eingeplant worden. Immerhin nahm er die erste Weltraummahlzeit zu sich, in Tuben gepresste, pürierte Nahrung, die ihm aber nicht sonderlich schmeckte. Ein Phänomen, das heute allgemein bekannt ist, seinerzeit aber noch nicht.

Um 10:25 Uhr erfolgte die 40 s lange Zündung der Bremstriebwerke, was Gagarin durch einen leichten Anstieg der Beharrungskräfte wahrnahm. Dadurch kam es zu einem Zwischenfall, der leicht in einer Katastrophe hätte enden können. Zur Vorbereitung des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre hatte Gagarin nicht nur die Rollläden in dem Raumschiff an zwei Fenstern heruntergelassen, sondern das Raumschiff auch in leichte Drehbewegungen versetzt, um eine Aufheizung durch die Sonne abzumildern. Um landen zu können musste die Landekapsel vom Rest des Raumschiffs abgetrennt werden, ein Verfahren, was die USA bei den APOLLO-Flügen ebenfalls praktizierten. Doch die Trennung war auch nach 2 Minuten noch nicht erfolgt. Zwar konnte der Körper des Service-Teils abgetrennt werden, blieb aber durch einige Kabel nach wie vor mit der Landeeinheit verbunden. Gleichzeitig begann sich das Raumschiff um den neuen Massenschwerpunkt zu drehen. Zwar hätte man wohl in dieser Konfiguration landen können, doch würde der Landeplatz irgendwo im Fernen Osten der Sowjetunion liegen. Nun kam aber die atmosphärische Reibung dem ersten Kosmonauten der Welt zu Hilfe, sie schmolz die Kabelverbindungen und 10 Minuten später als geplant wurden beide Raumflugkörper dann doch noch erfolgreich voneinander getrennt, wodurch sich auf die Eigenrotation von WOSTOK-1 verringerte. Der Abstieg konnte beginnen. Gagarin nahm in dieser Zeit außerhalb der Kapsel ein violettes Leuchten wahr, bemerkte einen kurzfristigen Anstieg der Schwerkraft auf das zehnfache und berichtete später von einem etwa 2 bis 3 Sekunden andauernden Sehkraftverlust. Erst nach Durchbrechen der Schallmauer hörten diese Effekte wieder auf.

In 7 km Höhe wurde der Hauptfallschirm der Landekapsel geöffnet und nur Augenblicke später Gagarin per Schleudersitz herausbefördert. Gagarin landete schließlich in der Nähe des vorausberechneten Landepunktes nahe dem Verwaltungsbezirk Saratow, 26 km südwestlich der Stadt Engels, wo er schon bei Trainingssprüngen gelandet war. Die Landekapsel ging unterdessen 2,5 km entfernt in einer Schlucht, nicht weit von einem Haus entfernt, nieder.

Der erste Weltraumflug war beendet. Juri Gagarin wurde zu allerlei Feierlichkeiten eingeladen und mit Orden ausgezeichnet, doch in den Weltraum durfte er nie wieder starten. Bis 1963 war er Chef der sowjetischen Kosmonauten und studierte anschließend an der Militärakademie Prof. N.J. Schukowski Ingenieurswissenschaften. Außerdem war er als Ersatz für Wladimir Komarow vorgesehen, der am 24.4.1967 bei der Landung von SOJUS 1 ums Leben kam.

Die Umstände von Gagarins Tod am 27.3.1968 sind bis heute nicht geklärt. Nach offiziellen Verlautbarungen starb er beim Absturz seiner MiG-15 UTI aufgrund mehrerer Pilotenfehler. Untersuchungsberichte der nach dem Unglück eingerichteten Kommissionen wurden bis heute nicht veröffentlicht, auch, um den Heldstatus von Gagarin nicht zu gefährden. Erst Mitte der 80er Jahre gelang es Alexei Leonow, in die Berichte Einsicht zu erlangen. Danach waren am Tag des Absturzes vier Abfangjäger vom Typ Suchoi-15 in der gleichen Gegend unterwegs wie Gagarin, wobei einer der Flugzeuge Gagarins MiG zu nahe kam und durch die Luftströmungen den Absturz herbeiführte. Leonow, der unweit der Absturzstelle an jenem Tag Fallschirmsprünge absolviert hatte, konnte sich an zwei Überschallknalle erinnern, die nur 1 bis 2 Sekunden auseinander lagen, während der Untersuchungsbericht von 15 bis 20 Sekunden ausging. Möglicherweise wurden, ganz gleich, wie viel Abstand zwischen beiden Ereignissen lag, im Cockpit falsche Angaben vom Höhenmesser angezeigt, sodass der Sturzflug der MiG nicht mehr abgebremst, die Maschine nicht mehr abgefangen werden konnte und schließlich am Boden zerschellte. Gerüchte, wonach Gagarin ermordet wurde, weil er Kritik am System der Sowjetunion geäußert haben soll, wurden indes nicht bestätigt.

12. April 1937: Der sowjetische Kosmonaut Igor Petrowitsch Wolk wird geboren

Der in Smijew, im Verwaltungsbezirk Charkow, der ehemaligen Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik geborene Igor Petrowitsch Wolk zählt zu den hierzulande eher unbekannteren sowjetischen Kosmonauten. Dementsprechend wenig ist über ihn zu erfahren.

Mit 19 Jahren absolvierte er die Militärfliegerschule in Kirowohrad und besuchte danach eine Außenstelle des Moskauer Staatlichen Luftfahrtinstitutes, wo er 1969 sein Studium abschloss. Was er in den Folgejahren tat, ist nicht bekannt, aber im Dezember 1978 begann er die Grundausbildung für Kosmonauten, die er am 30. Juli 1980 nach Übernahme durch die Staatliche Zwischenbehördliche Kommission abschloss und als Kosmonaut für das sowjetische Raumfährenprogram BURAN ausgewählt wurde. Die Planungen für die äußerlich dem amerikanischen Space Shuttle täuschend ähnlich sehende sowjetische Raumfähre hatten bereits Anfang der 70er Jahre am Zentralen Aerohydrodynamischen Institut in Moskau begonnen, nachdem es erste Überlegungen hierzu schon in den 50er Jahren gegeben hatte.

Streng genommen gilt der Name BURAN sowohl für das Raumfahrtprogramm und außerdem nur für das erste Model BURAN 1.01, das zweite, BURAN 1.02 wurde inoffiziell Ptitschka genannt. Die im Technikmuseum Speyer ausgestellte sowjetische Raumfähre trägt die offizielle Bezeichnung OK-GLI (bzw. BTS-02), wurde aber, wie seinerzeit das amerikanische Shuttle ENTERPRISE, nur für Flüge innerhalb der Erdatmosphäre verwendet. Insgesamt 25 mal wurde die erfolgreich getestet. Wolk war als Pilot für den ersten bemannten Weltraumflug der BURAN 1.01 vorgesehen, zu dem es aber im Zuge der Auflösung der UdSSR nicht mehr kam. BURAN 1.01 wurde 1986 gebaut, erfolgreich getestet und am 15. November 1988 erstmals erfolgreich per Fernsteuerung gestartet und nach zwei Erdumrundungen wieder erfolgreich gelandet. Eine bis heute nicht wiederholte Meisterleistung sowjetischer Konstrukteure.

Ptitschka sollte ursprünglich 1990 fertig gestellt sein und 1991 erstmals ins All starten. Weder dies noch der Bau von drei weiteren Raumfähren wurden jemals vollendet. Igor Wolk war dennoch nicht nur Trainingskosmonaut, sondern ist 1984 mit der SOJUS T-12 als Mitglied der vierten Gastmannschaft auf der sowjetischen Raumstation SALJUT 7 mitgeflogen. Kommandant der Mission war Wladimir Alexandrowitsch Dschanibekow, Bordingenieurin Swetlana Jewgenjewna Sawizkaja. Wolk verbrachte insgesamt fast 14 Tage auf der Raumstation (Start in Baikonur: 17.7.1984, Landung 140 km südöstlich von Schesqasghan: 29.7.1984).

Als Forschungskosmonaut hatte Wolk die Aufgabe, verschiedene Experimente aus den unterschiedlichsten Fachbereichen durchzuführen. Dazu gehörten materialwissenschaftliche Teste (Probenbehälter wurden bis zu 40 Stunden dem Vakuum des Weltraums und direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt, mit der Kamera Astra-1 untersuchte man die nähere Umgebung von SALJUT 7 nach Spuren von Gasen und Partikel und das Photometer EFO-1 diente der Beobachtung der obersten Schichten der Erdatmosphäre.

Überdies wurden Proben der Raumluft in der Station genommen und Wolk musste an sich selbst die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf die Fähigkeiten von Raumpiloten testen. Darüber hinaus war dieser Raumflug auch in anderer Hinsicht durchaus bemerkenswert. Schon das Ankopplungsmanöver von SOJUS T-12 an die Raumstation war insofern ein Novum, weil nicht nur erstmals die Telemetriedaten nicht nur an die Bodenstation und die Raumstation gleichzeitig übermittelt wurden, das Raumschiff koppelte auch erstmals an eine nicht in der Höhe abgesenkte Raumstation an. Die Besatzung traf in der Raumstation auf die Langzeitbesatzung der drei Kosmonauten Kommandant Leonid Denissowitsch, Bordingenieur Wladimir Alexejewitsch Solowjow und Bordarzt Oleg Jurjewitsch Atkow. Am 25.7.1984 absolvierte Sawizkaja als erste Frau einen Weltraumausstieg. Zusammen mit Dschanibekow testete sie ein Multifunktionsgerät zur Materialbearbeitung im Vakuum während ihr Kollege die Aktion aus der Luftschleuse heraus filmte. Danach tauschten beide die Plätze. Kurzzeitig gab es auch die Überlegung, dass beide Außenarbeiten an einer beschädigten Treibstoffleitung ausführen sollten. Allerdings bestanden Kisim und Solowjow darauf, diese selber auszuführen, während ihnen Dschanibekow und Sawizkaja per Video assistierten.

1996 schied Wolk aus Altersgründen aus dem Kosmonautenkorps aus und arbeitete als Testpilot für ein Forschungsinstitut des Russischen Ministeriums für Luftfahrtindustrie. Gegenwärtig pflegt er seinen Un-Ruhestand und engagiert sich als Erfinder.

12. April 1851: Edward Walter Maunder wird geboren

Mit dem Namen Maunder verbindet man in erster Linie die Phase der Inaktivität der solaren Fleckentätigkeit in den Jahren 1645 bis 1715, das sogenannte Maunder-Minimum. Doch es wäre falsch, den am 12. April 1851 als Sohn eines Methodistenpredigers in London Geborenen auf dieses eine Faktum zu reduzieren.

Nach dem Besuch des King´s College, das er ohne Abschluss verließ (und nebenher in einer Bank gearbeitet hatte, um das Studium zu finanzieren) wurde er 1873 Assistent am Royal Greenwich Observatory und arbeitete zunächst im Bereich Spektroskopie. Hier widmete er sich der Fotografie und Positionsbestimmung von Sonnenflecken, wobei er seine erste Entdeckung machte: Er fand die Breitenwanderung der Flecken im Verlauf der Fleckenzyklen heraus und veröffentlichte 1904 das erste Schmetterlingsdiagramm.

Bei seinen Aufgaben wurde er ab 1891 durch seine spätere zweite Ehefrau Annie Scott Dill Russell unterstützt, die zwar eine Ausbildung als Mathematikerin am Girton College mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, an der Sternwarte aber nur Hilfsarbeiten ausführen durfte. Etwa zu der Zeit begann er sich nach Lektüre der Arbeiten Gustav Spörers, der eine außergewöhnlich geringe Sonnenaktivität zwischen 1400 und 1510, das sogenannte Spörer-Minimum, entdeckt hatte, mit der Frage auseinander zu setzen, ob es derartig lange Minima auch zu anderen Zeiten gab.

1893 präsentierte er dann seine Entdeckung des Maunder-Minimums, deren Daten er aus dem Archiv der Sternwarte gewonnen hatte. Wie seinerzeit üblich, beschäftigte er sich auch mit der Frage der Marskanäle, schätzte deren Sichtung aber eher vorsichtig ein und konnte anhand eigener Versuche herleiten, dass es sich dabei um optische Täuschungen handeln musste. Als Konsequenz daraus schloss er auch die Möglichkeit eines bewohnten Mars aus, weil dort die Temperaturen zu niedrig wären und die Winde, die auf der Erde für einen Temperaturausgleich sorgen, auf dem Mars auszuschließen seien. Außerdem unterstützte er durch hohes Engagement die Gründung der British Astronomical Association (BAA), die 1890 ins Leben gerufen wurde.

Seit 1875 Mitglied an angesehenen Royal Astronomical Society (RAS), strebte er danach, eine Vereinigung aller Astronomen zu bilden, in der professionelle wie Amateursternforscher unabhängig ihrer beruflichen Zugehörigkeit und ihres Geschlechts zusammen kamen. Frauen waren daher von Anfang an in der BAA vertreten (was ihnen in der RAS erst ab 1915 zugebilligt wurde). Maunders Frau wurde 1916 Mitglied der RAS. Maunder war erster Herausgeber der Mitgliederzeitschrift der BAA, nach seinem Tod hatte seine Frau diese Aufgabe übernommen. Edward Walter Maunders Bruder Thomas Frid Maunder (1841-1935) war ebenfalls Mitbegründer der BAA und für 38 lange Jahre Sekretär der Vereinigung. Edward Walter Maunder starb am 21. März 1928 in London. Ein 55 km durchmessender Mondkrater auf der südlichen Halbkugel der Mondrückseite bei 14,6° Süd und 93,8° West und ein Marskrater in der Region Noachis Terra wurden nach Maunder benannt.

12. April 1817: Charles Messier stirbt

Der französische Astronom wurde am 26. Juni 1730 in Badonviller in Lothringen als zehntes von insgesamt 12 Kindern unter ärmlichen Verhältnissen geboren. Sein Interesse an der Astronomie wurde 1744 durch die Beobachtung des Kometen C/1743 X1 (Klinkenberg) geweckt, der auch als der Große Komet von 1744 in die Geschichte eingegangen ist.

Entdeckt am 9. Dezember 1743 durch den Amateurastronomen Dirk Klinkenberg (1709-1799) und unabhängig davon am 13. Dezember des gleichen Jahres durch Jean-Philippe de Chéseaux (1718-1751), wurde dieser Schweifstern auch der sechsschwänzige Komet genannt, wegen des auf zeitgenössischen Darstellungen sechsfach geteilten Schweifs. 1751 ging Messier nach Paris und fand eine Einstellung beim Marineastronomen Joseph-Nicolas Delisle (1668-1768) und wurde 1754 Schreiber. Seine Aufgabe bestand darin, vorwiegend Karten zu zeichnen. Bei Delisle lernte er, wie man exakte Positionsbestimmungen auf See vornahm, und wurde von ihm dazu gedrängt, diese Arbeit zu seinem Hauptaufgabengebiet zu machen. Ab etwa 1764 widmete sich Messier ausschließlich der Kometensuche. 1771, etwa ein Jahr nach seiner Hochzeit mit Marie-Françoise de Vermauchampt, wurde er zum Nachfolger von Delisle ernannt und war damit nun auch offiziell Marineastronom. 1781 erlitt er bei einem Unfall schwere Verletzungen, von denen er sich nur mühsam erholte und während der Französischen Revolution verlor er, obwohl unpolitisch, Amt und Würden und versank in Armut. Erst 1796 fand er wieder eine Anstellung im Bureau des Longitudes, dem französischen Büro für Längenbestimmungen auf See, heute vergleichbar etwa mit den United States Naval Observatory (USNO) und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg (ARI), die sich mit Ephemeridenrechnung beschäftigen.

1806 erhielt Messier das Kreuz der Ehrenlegion. Seine nachlassende Sehkraft führte dazu, dass er immer weniger beobachtete, der letzte von ihm beobachtete Komet war der „Große Komet 1807“, für dessen Beobachtung er aber schon fremde Hilfe benötigte. 1815 erlitt er einen Schlaganfall und starb am 12. April 1817 in Paris.

Die Liste der Entdeckungen Charles Messiers ist mindestens ebenso lang, wie die seiner Beobachtungen. Eigentlich eher Kometenbeobachter, schuf er mit dem nach ihm benannten Messier-Katalog, der, am 4. März 1769 veröffentlicht, in der Urfassung nur 45 Objekte umfasste. Bis 1780 kamen 23 weitere Objekte hinzu und im September 1782 führte Pierre Méchain (1744-1804) das 107. Objekt der Liste hinzu. Die letzte Fassung des Messier-Katalogs wurde 1781 in den „Connaissance des temps“ für 1784 veröffentlicht, des bis heute führenden astronomischen Jahrbuches in Frankreich.

Ursprünglich sollte sie dazu dienen, Kometen von Deep-Sky-Objekten zu unterscheiden, es wurde daraus aber einer der bis heute bekanntesten Sternkataloge weltweit, der sich vor allem bei Sternfreunden großer Beliebtheit erfreut. Diverse Kometenentdeckungen gehen auf das Konto Charles Messiers. So beobachtete er am 6. Mai 1753 einen Merkurdurchgang (seine erste dokumentierte astronomische Beobachtung). 1757 beteiligte er sich an der Suche nach dem Halleyschen Kometen, der er erst im Januar 1759 fand, vier Wochen nach der offiziellen Wiederentdeckung durch Johann Georg Palitzsch (1723-1788). Im August 1758 entdeckte er einen nicht näher benannten Kometen (die Meldung wurde durch Delisle unterbunden, der sich der Sache nicht sicher war). Im Januar (wieder-)entdeckte er nicht nur den Halleyschen Kometen, sondern auch 1759II Messier und 1759 III Messier (der später zum Großen Kometen von 1760 wurde).

Im September 1763 folgte „1763 Messier“, ein Jahr später „1764 Messier“ usw. Der letzte von ihm entdeckte Komet war eine Co-Entdeckung: „1801 Pons“ im Juli dieses Jahres. Im selben Jahr beobachtete er auch den ersten Kleinplaneten (1) Ceres. Ihm zu Ehren sind 1935 ein 11 km durchmessender Mondkrater im Mare Fecunditatis und der am 16. Januar 1996 von M. Tichy am Klet Observatory entdeckte Asteroid 7359 Messier (1996 BH) sowie eine Meerenge zwischen dem chilenischen Festland und der Insel Wellington nach ihm benannt worden.

Sonntag, 3. April 2011

4.4. 1968: APOLLO 6

Die Erfolge mit den beiden vorangegangenen unbemannten APOLLO-Missionen Nr. 4 und 5 hatten den Verantwortlichen der NASA gezeigt, dass das aus Command Module und das Service Module zusammengesetzte APOLLO-Raumschiff ohne Störungen arbeitete. Das Lunar Module stand kurz vor der Einsatzreife und auch die verwendete Trägerrakete SATURN V hielt das, was sich die Konstrukteure von ihr versprachen. Für die NASA-Planer stand fest, dass es noch eine unbemannte Mission geben würde, bevor man drei Astronauten mit APOLLO 7 ins All schicken konnte.

Dass Hochtechnologie nie ganz unproblematisch ist, wurde schon kurz nach dem Verlassen des Vehicle Assembly Building am 6. Februar 1968 deutlich, als der Crawler mit der SATURN V wegen starken Regens, ein anderes Mal aufgrund einer Störung der Funkverbindung mit dem CM anhalten musste. Zuvor waren bei Strukturtests am 15. Januar an der Außenhaut des Tanks des SM feine Haarrisse entdeckt worden, die man aber beseitigen konnte. Trotzdem verzögerte sich der Start nicht. Er erfolgte am 4. April 1968 planmäßig um 07:00:01 EST (12:00:01 UT) vom Startkomplex 39A, Eastern Test Range, Cape Canaveral.

Damit hörten die Probleme aber noch nicht auf. Die 1. Stufe der SATURN 5 brannte 2 Minuten lang, wobei für 30 Sekunden die Messinstrumente im Cockpit des CM starke Vibrationen (Pogo-Effekt) registrierten, die über dem gesetzten Limit lagen, aber noch nicht kritisch waren. Kurz nach Zündung der 2. Stufe fielen dann zwei der fünf Raketenmotoren aus, weil aufgrund der Erschütterungen mehrere Kabelverbindungen gerissen waren. Die restlichen Triebwerke mussten deshalb 58 Sekunden länger brennen. Dadurch erreichte APOLLO 6 zunächst nicht die vorgesehene Flughöhe für die Zündung der 3. Stufe. Man konnte den Ausfall jedoch dadurch kompensieren, dass die inzwischen bewährte S IVB mit 280 Sekunden länger als geplant brannte und eine  Erdumlaufbahn mit einem Perigäum von 178km und einem Apogäum von 367km Höhe über der Erde erreichte. Geplant war allerdings eine Kreisbahn in Höhe von 160 km über der Oberfläche der Erde.

APOLLO 6 verweilte nun erst einmal für zwei Umkreisungen auf der Parkbahn, während denen die an Bord befindliche 70mm-Kamera die Erdoberfläche mit einer bis dato unbekannten Detailfülle fotografierte. Anschließend wurde ein kompletter Systemcheck durchgeführt. Das Ergebnis war positiv und man konnte fortfahren. Als nächstes wurde das Triebwerk des SM für 442 Sekunden gezündet und APOLLO 6 auf eine Bahnhöhe von 22.200 km gehoben. Die längere Brenndauer hatte dann zur Folge, dass der vorgesehene Test des Hitzeschildes ausfallen musste, weil die noch vorhandene Restmenge Treibstoff nicht mehr ausreichte.

Eine der Zielsetzungen der APOLLO 6-Mission war die Simulation des richtigen Wiedereintrittswinkels aus der Übergangsbahn vom Mond zur Erde. Dazu ließ man das Raumschiff von 22.209km Bahnhöhe zur Erde zurückkehren, die Kommandokapsel wurde vom Service Module abgekoppelt und fiel mit 10.000m/sec. in Richtung Erde. Ihr Hitzeschild hielt den enormen Belastungen problemlos stand und mit großer Präzision ging sie um 17:23 EST (22:23 UT), nach insgesamt drei Erdumrundungen und einer Flugdauer von 10 Stunden 22 Minuten und 59 Sekunden, an drei Fallschirmen hängend genau im Zielgebiet im Pazifik nahe des Bergungsschiffes U.S.S. Okinawa bei 27°40'N, 157°59'W nieder.

Das gleiche Flugmanöver auf der simulierten Mondrückflugroute mit der 3. Stufe der SATURN 5 war noch an einem Bruch einer Treibstoffleitung zum Zünder gescheitert, so dass der Raketenmotor nicht erneut gestartet werden konnte.

Trotz der Probleme mit der SATURN V war die NASA nun mehr denn je davon überzeugt, dass man es doch noch schaffen könnte, vor Ende des Jahrzehnts Menschen auf den Mond zu bringen und wieder zurückzuholen. In der Presse fanden die neuerliche Pannen mit der APOLLO allerdings kaum Resonanz, weil an diesem Tage der farbige Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Martin Luther King ermordet wurde.

So startete APOLLO 7 mit den Astronauten Walter M. Schirra, Donn F. Eisele und R. Walter Cunningham am 11. Oktober 1968 zur ersten bemannten Mission seit dem Unglück vom 27. Januar 1967 und umrundete die Erde für einen längerfristigen Test von CM und SM. Als Startrakete wurde, weil man den Erdorbit nicht verlassen, sondern umfangreiche Systemstests ausführren wollte, statt einer SATURN V eine SATURN 1b verwendet.