Samstag, 10. Dezember 2011

Totale Mondfinsternis - Der Erfolg

Eigentlich hatte ich nach den heutigen Schneestürmen, Hagelschauern und Nervregen nicht mehr ernsthaft mit der Beobachtung der totalen Mondfinsternis gerechnet. Dennoch sind André Wulff und ich um 13:30 Uhr in Richtung Ostsee aufgebrochen. Im Bereich der Hohwachter Bucht sollte der Mond um 15:52 Uhr aufgehen, die Totalität hingegen um 15:58 Uhr beendet sein. Bei guter Horizontsicht quer über die Ostsee sollte also der Mond verfinstert aufgehen.Spannend war dabei, wie der Kontrast des verfinsterten Mondes gegenüber dem noch hellen Taghimmel ausfallen würde.

Auf der Suche nach einem geeigneten Standort fuhren wir bei Lübeck von der Autobahn ab, dann durch Timmendorf und stellten fest, dass der Winkel von hier aus nicht so ganz passen würde, zumindst nach dem online-Kompass vom iPhone. Also fuhren wir weiter in Richtung Grömitz, was aber immer noch zu weit südlich lag. Schließlich landeten wir in Kellenhusen und bekamen sogar direkt am Strand einen Parkplatz. 

Unweit davon gab es eine kleine Uferpromenade, von der aus man eine gute Sicht über die doch ziemlich aufgewühlte Ostsee erhielt. Unter dem vorgezogenen Dach einer kleinen Einkaufspassage fanden wir einen guten Platz, um unsere Gerätschaften, Videokameras, und DSLRs auf Fotostativen aufzubauen. Ich hatte neben meiner neuen Handycam meine Canon 1100D dabei, die ich an meinem 80/400er Skywatcher Refraktor anhängte.



Gespannt warteten wir auf den Mondaufgang und sahen zunächst - nichts! In Richtung Horizont stauten sich die Wolken, doch dann und wann tauchten Wolkenlücken auf, die aber die in Frage kommende Zone nicht erreichten. Per iPhone hatten wir versucht, die Nordrichtung zu finden, aber das klappte nicht wirklich gut und so schauten wir ein wenig in die falsche Richtung, nämlich zum Ende der Landzunge links von uns. In Wahrheit ging der Mond aber wesentlich weiter zum Land hin auf. Das bemerkten wir, als die Wolkenschicht dünner wurde und vom Mond eine schmale, auf dem Rücken liegende, orangefarbene Sichel sichtbar wurde. Wir richteten unsere Instrumente neu aus und konnten mit unseren Aufnahmeserie per Video und Foto beginnen. 

Je höher der Mond nun stieg, desto besser wurde die Sicht, es zogen zwar immer wieder Wolkenfetzen durch, doch mit zunehmender Dauer zog sich die Bewölkung immer mehr zurück. Schließlich stand der Mond an einem wolkenlosen Himmel. Per iPhone konnten wir sehen, dass Hamburg weiterhin unter einer dichten, schneereichen Wolkenschicht lag, während sich an unserem Standort die wolkenfreien Zonen zunehmend ausbreiteten.


So konnten wir die Mondfinsternis bis zum Austritt aus dem Kernschatten beobachten, wobei wir danach auch noch einen Teil der Halbschattenfinsternis erwischten. Die Erde wirft ja bekanntlich einen kegelförmigen Kernschatten hinter sich in den Raum, der heute Abend vom Mond durchlaufen wurde. Die rote Färbung ergibt sich durch Lichtbrechung an der Erdatmosphäre. Im Gegensatz dazu gibt es noch den fächerförmigen Halbschatten, den man ebenfalls beobachten kann, der aber nicht so auffällig ist, wie der Kernschatten und eigentlich nur durch die Abschwächung des gesamten Mondlichts zu erkennen ist. Kurz nach dem Ende der partiellen Phase kann man allerdings den Halbschatten, wie auf der folgenden Aufnahme, gut sehen.


Schließlich, als dieser Effekt schwächer wurde, bauten wir unsere Gerätschaften ab, aßen im Auto unsere Berliner und fuhren über die A 1 zurück nach Hamburg, wo wir bei leichtem Regen und einem durch die Wolken mühsam hindurch scheinenden Vollmond ankamen.

Die heutige Aktion zeigte, dass man trotz mieser Wetteraussichten durchaus Glück haben kann und dass man flexibel sein muss, um sich zumindest eine winzige Chance auf Erfolg zu bewahren.

Kommentare:

  1. Hallo Manfred,
    schöner Erfolg. Ich kann ja nicht so spontan reisen :-), dafür haben wir hier immer feinen Nullhorizont und gutes Wetter (inselamrum.blogspot.com)

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Amrum,

    danke, bei Euch hat es aber anscheinend auch gut geklappt. Wir sind auf der Suche nach dem Nullhorizont eben - auch wegen der Fahrtzeit - auf den Bereich der Ostsee gekommen und mit Hilfe des Internets konnten wir die Bewegungsrichtung der Wolken gut verfolgen. Wie sich zeigte, die richtige Wahl.

    Viele Grüße

    Manfred

    AntwortenLöschen