Mittwoch, 7. Dezember 2011

Die Sonne im November 2011

(Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

In den ersten Novembertagen setzte sich die erhöhte Sonnenaktivität weiter fort. Gleich am 1. erschienen mit den Aktiven Regionen 11338 und 11339 zwei, zunächst als D-Gruppen eingestufte Fleckengruppen, die sich bis zum 4. in die Klasse E vorarbeiteten. Aber schon am 5. wandelte sich das Bild: die Zahl der Fleckengruppen hatte sich quasi über Nacht halbiert, weil sich viele kleine Gruppen aufgelöst haben. Die AR 11338 war auf die Stufe D zurückgefallen, die AR 11339 hingegen zu einer beeindruckenden F-Gruppe geworden und nahm immerhin an diesem Tage eine Fläche von 1540 Millionstel Hemisphären (MH) ein. Damit war damit sie auch mit bloßem Auge (und Sonnenfilter!) zu sehen. Sie blieb erst einmal die dominierende Fleckengruppe in dieser Phase und war umgeben von einer Vielzahl kleinerer Gruppen der Klassen A bis D, H und J. Am 6. erschien die AR 11342 am Ostrand als wenig auffällige D-Gruppe, die am 8. nach Angaben der NOAA die Stufe E erreicht haben soll, auf den Zeichnungen des Sonnenobservatoriums Kanzelhöhe ist davon aber nichts zu sehen. Die in Frage kommende Gruppe hat hier nach der Stufe C nur die D erreicht. Ein schon eigenartiges Bild bot sich zwischen dem 10. und dem 13, als alle Gruppen nach Westen gerückt waren, aber um den Ostrand keine neue Gruppe mehr herum rotierte. Die geschah erst am 13. mit der AR 11346, dann bildeten sich aber mit einem Mal wieder viele kleinere Gruppen, die Gesamtzahl der Aktivitätsgebiete stieg auf bis zu 15, die am 14. die Sonne schon sehr gesprenkelt aussehen ließen. Die höchste Waldmeierklasse, die in diesem Zeitraum erreicht wurde, war die Klasse D. Eine merkwürdige Einstufung erfolgte – mal wieder – durch die NOAA bei der Aktiven Region 11352. Erstmals am 17. um den Ostrand herumgekommen, hatte zwar eine klare bipolare Struktur, aber nur im nachfolgenden Teil eine Penumbra. Die Kanzelhöhe blieb bei der Einstufung als C-Gruppe, die NOAA machte aber ab dem 18. eine E-Gruppe daraus, die noch nicht mal die erforderliche Längenausdehnung, geschweige denn die Komplexität einer Gruppe dieser Klasse aufwies. Ähnlich diffus verhielt es sich mit den Regionen 11355 und 11356, die nach der Kanzelhöhe E-Gruppen waren, von der NOAA dieses Mal aber niedriger eingestuft wurden. Erst am 23. stufte sie die AR 11355 als F-Gruppe ein, ein paar Tage später auch die AR 11356 (die unverständlicherweise auch dann noch als F bezeichnet wurde, als sie sich längst wieder zurück entwickelt hatte). Einen Tag später fiel die AR 11355 wieder auf D zurück (die Kanzelhöhe hatte das schon am 21. nachvollzogen). Auch die AR 11358 machte der NOAA zu schaffen, sie tauchte am 21. als H-Gruppe am Ostrand auf, zeigte sich schon einen Tag später als große D und ab 23. als kleinere (aber ausreichend lange) F-Gruppe. Bei der NOAA war dies erst am 26. der Fall. In den Tagen ab dem 20. bot sich das in letzter Zeit sehr häufig zu beobachtende Bild, dass fast alle Gruppen über die Nordhalbkugel der Sonne liefen und der Süden eher inaktiver war. Bis zum Monatsende war ein deutlicher Fleckenüberschuss im Norden bemerkbar, wo zum wiederholten Male die einzelnen Fleckengruppen wie in einer Perlschnur aufgereiht über ihre Oberfläche dahinzogen. Am 28. und 29. war der Süden sogar wieder völlig fleckenfrei. Erst einen Tag später kam hier wieder eine H-Gruppe zum Vorschein.

Erste Anzeichen der weiterhin hohen Sonnenaktivität auch im Hα machten sich am 3. bemerkbar, als um 20:27 UT ein X1/2B-Flare aus der Region 11339 aufstieg, nachdem diese Gruppe am 2. um 22:01 UT einen M4- und am 3. um 11:11 Uhr einem M2-Flare hervorgebracht hatte. Keines dieser Ereignisse führte, da die Gruppe nah am Ostrand standen, zu Polarlichtern. Diese waren bis auf eine Ausnahme am 21. ohnehin nicht zu sehen. An dem Tag konnte - ausgelöst durch Plasma, das einem Koronaloch entwichen war -, ein leicht fotografisches Polarlicht wahrgenommen werden. In der übrigen Zeit gab es zwar eine ganze Reihe mehr oder minder heftiger M-Flares, die aber alle nicht das Potenzial hatten, wirklich spektakulär zu sein. Wie der M1-Flare vom 9., der mit einem schwachen CME verbunden war. Aufgestiegen um 13:35 UT strebten die Teilchen des koronalen Massenauswurfes als Folge eines eruptiven Filamentes zwischen den Aktiven Regionen 11342 und 11343 mit 750 km/s in Richtung Erde. Die Teilchendichte reichte aber nur zu einer leichten Störung des Erdmagnetfeldes und konnte damit keine auch in Deutschland zu beobachtenden Polarlichter erzeugen. Und so ging ein Monat mit zwar vielen kleineren Ausbrüchen, auch mit CMEs (die aber nicht erdgerichtet waren), wundervoll geschwungenen Filamenten und beeindruckenden Protuberanzen zu Ende. Im Vergleich zur Sonnenaktivität im Weißlicht war die im Hα aber erstaunlich gering.

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