Mittwoch, 30. November 2011

Norddeutsches Astrofotografentreffen in Hannover


Nur eine Woche nach der gemeinsamen GvA-Tour zur BoHeTa machten wir, Konstantin, Hartwig, Wolfgang, André und ich uns am 19.11.2011 auf nach Hannover zum Norddeutschen Astrofotografentreffen.

Wieder ging es vom Hamburger Hauptbahnhof aus gen Süden. Wir trafen uns rechtzeitig vor der Abfahrt um kurz vor 10 Uhr vor dem Reisezentrum in der Wandelhalle. Die Karten wurden gelöst und kurz darauf saßen wir auch schon im Metronom nach Uelzen. Dort stiegen wir in einen anderen Zug nach Hannover um und fuhren dort mit dem Nahverkehr bis zur Haltstelle Sternwarte. Nun waren es nur noch ein paar Schritte, bis wir die Räume der „Volkssternwarte Geschister Herschel Hannover e.V.“ betreten konnten. Mathias Levens und seine Mitstreiter, die das Herbst-NAFT ausrichteten, waren schon vor Ort, das Büfett war aufgebaut und der Vortragsraum hergerichtet.

Da wir relativ frühzeitig angereist waren, konnten wir vor Beginn noch die Instrumente der Sternwarte – in zwei Kuppelbauten sind ein 200/3000 mm Refraktor, ein 30cm Schmidt-Cassegrain, ein Lichtenknecker Apo mit 20 cm Öffnung sowie weitere Teleskope untergebracht – besichtigen und bekamen durch Klaus Bussian auch noch eine kleine Führung. Die Sternwarte wurde 1947 von Hannoveraner Amateuren gegründet und seit 1968 residiert sie auf dem 89m hohen Lindener Berg, direkt auf einen riesigen Wasserspeicher gebaut.

Nach unserer Rückkehr in die Vereinsräumlichkeiten konnten wir uns in die offene Vortragsliste eintragen und zuvor noch am Büfett stärken. Ziemlich genau um 14 Uhr eröffnete Mathias Levens dann die Veranstaltung und leitete über zum ersten Vortrag von Uwe Freitag, der – wieder einmal – herausragende Bilder von Leuchtenden Nachtwolken, Polarlichtern und den Erlebnissen und Ergebnissen von Teleskoptreffen am Selenter See und in Lohmen in Mecklenburg-Vorpommern präsentierte. Auch hatte er einige sehenswerte Draconiden-Bilder, mit stehender Kamera aufgenommen, im Gepäck. Marco Ludwig von den Neumünsteraner Sternfreunden ergriff zwischendurch das Wort und berichtete über die Neuentwicklungen dort und über die Einweihung des ehemaligen Lübecker Hauptinstrumentes, bevor noch acht kurze Animationen von Polarlichtern und NLCs das Publikum in Erstaunen versetztem

Im Anschluss daran berichtete Hartwig Lüthen über die Astroreise nach Namibia, schilderte die Eindrücke von der Farm Tivoli und zeigte dann sehr schöne Aufnahmen von Deep Sky-Objekten wie NGC 247, NGC 4945, NGC 55, NGC 253, M 83, Centaurus a, M 8 und M 20, M 16 und M 17, die Antaresregion, den Darktower (NGC 6231),  eta carinae, IC 2994, NGC 6537, Omega Centauri und die Große Magellansche Wolke. Ein Teil der Aufnahmen ist auch mit einem H-Alpha-Filter enstanden.

Nach kurzer Pause, in der wir uns für das obligatorische Gruppenfoto zwischen den Kuppeln aufstellten, ging es dann weiter mit Konstantin von Poschinger, der seinerseits über Namibia berichtete, Deep Sky-Aufnahmen mit kurzen Brennweiten und mit CCD-Kamera durch die Teleskope vor Ort anfertigte. Davon führte er hier IC 1274, IC 2944, IC 434, NGC 1999, IC 4603, IC 4605, M 4, IC 4628, IC 4812, lDN 77, M 15 mit dem Kometen Garrad, verschiedene Galaxien des Südhimmels, die Kleine Magellansche Wolke, NGC 247, NGC 253, NGC 3199 nahe eta carinae, NGC 5128, NGC 6188, NGC 6231 (Darktower), NGC 6302, Strichspuraufnahmen und am Schluss Sternhimmelanimationen aus Murnau vor. Viele Aufnahmen davon entstanden ebenfalls mit einem Deep Sky-H-Alpha-Filter, der immer wieder erstaunliche neue Einsichten in bekannte Objekte ermöglicht.

Nun war ich an der Reihe mit einer kleine Präsentation meiner Aufnahmen aus dem Urlaub auf Usedom und von der GvA-Außensternwarte in Handeloh. Bei einer Aufnahme mit stehender Kamera, bei der ich das Milchstraßengegend im Schwan aufgenommen hatte, stellte sich ein vermeintlicher Fehler als Teil eines Mondhalos heraus.

Bruno Mattern berichtete kurz über seine Sternwarte und die darin enthaltenen Instrumente, bevor er seine neuesten, oft extrem lang belichteten, Aufnahmen vorführte. Mit mehreren DSLRs und Teleskopen mit unterschiedlich langen (oder kurzen) Brennweiten lichtete er M 27, M 31, NGC 4640, NGC 6823, Sharpless 112, den Bubblenebel, M 33, NGC 925, den Californianebel, den Cocoonnebel, den Irisnebel, M 74, NGC 1055, NGC 2174 und IC 405 ab. Dabei wurde deutlich, dass es eigentlich mehr bringt, pro Nacht nur ein oder zwei Objekte, oder ein Objekt über mehrere Nächte hinweg, aufzunehmen. Nur solche extrem lang belichteten Bilder können bislang unbekannte Details enthüllen – wie man eine Woche zuvor auch auf der BoHeTa sehen konnte.

Carsten Reese erläuterte kurz seine Instrumente (ein 10 Zoll F/5-Newton auf einer Losmandy G11-Montierung und eine ATIK 16HR-CCD-Kamera und zeigte seine neusten Bilder von NGC 7635, NGC 891, Sharpless 106, M 76 und erläuterte kurz das von ihm für die Bildbearbeitung verwendete Programm Theli. Auf eine Urlaubsreise nach Sardinien hatte er eine Astro 1-Montierung im Gepäck, auf die er seine Canon EOS 350Da gepackt und damit die Milchstraße im Schwan, die Antaresregion, M 8 und M 20 mit jeweils 20 bis 30 Sekunden Belichtungszeit aufgenommen hat.

Die nun folgende Pause wurde für „Umbauarbeiten“ genutzt, denn seit langem gab es mal wieder einen analogen Vortrag auf einem NAFT: Bernd Schatzmann führte mit Überblendtechnik Dias vom winterlichen Wald mit Sternenhimmel bei Vollmond, winterlichen Impressionen von Mond und Sternen, einzelne Sternbildaufnahmen und Leuchtende Nachtwolken, teilweise mit musikalischer Untermalung, vor. Ein würdiger Abschluss für das Herbst-NAFT, das um 18:30 Uhr endete.

Da hinterher nichts weiter geplant war und man selber nahe gelegene Lokalitäten aufsuchen konnte, wenn man es denn wollte, beschlossen wir, die Heimreise anzutreten. Zwischendurch hatten wir per Mobilfunk erfahren, dass in Hamburg dicker Nebel sein sollte; das war auch gegen 22 Uhr so, als wir die Süderelbbrücke passierten und kaum etwas sehen konnten. Aus dem wochenlangen Hochnebel war dicker Nebel geworden, ein leider schon gewohnter Anblick und weniger weitaus interessant als galaktische Nebel ...

Das kommende NAFT im Frühjahr wird möglicherweise in Hamburg oder St. Andreasberg stattfinden, eine endgültige Entscheidung wurde aber noch nicht getroffen.

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