Mittwoch, 30. November 2011

Die Sonne im Oktober 2011

(Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)


Wie an einer Perlenkette aufgereiht, wanderten Anfang Oktober gleich mehrere Fleckengruppen über die Nordhemisphäre der Sonne. Die größte davon war die AR 11302, die der höchsten Waldmeierklasse F zugerechnet wurde. An einigen Tagen war sie auch mit Hilfe geeigneter Filter mit bloßem Auge zu beobachten. Täglich veränderte sich ihr Aussehen, kleinere Flecken verschwanden, neue kamen hinzu und auch die Penumbren zeigten Veränderungen oft binnen Stunden. Nebenher entwickelte sich die AR 11307, erstmalig am 29.9. zu sehen, langsam zur E-Gruppe mit ebenfalls interessanten Pernumbren. Allerdings zerfiel sie dann innerhalb weniger Stunden zur Klasse C, mit immer noch imponierenden Ausmaßen. Überdies bevölkerten dann noch weitere kleinere Gruppen die Sonne, so dass man fast bis zum Ende des Monats immer auf Gruppenzahlen zwischen 7 und 10 kam. Nach dem 5. trat ein wenig Ruhe ein, die hohen Relativzahlen resultierten ein ums andere Mal aus einer Vielzahl kleinerer Aktivitätsgebiete. Vom 9. bis zum 11. brach die Aktivität sogar ein wenig ein um man konnte nur noch 5 bis 6 Gruppen finden. Danach war wieder ein deutlicher Anstieg zu bemerken. Am 13. erschien die AR 11319 am Ostrand und entwickelte sich schon am 15. zur Klasse E, die sie bis zu ihrem Verschwinden am Westrand am 23. beibehielt. Zwischenzeitlich konnte man in dieser Gruppe mehr als 50 Einzelflecken zählen. Sie blieb aber nicht die einzige hochklassige Fleckengruppe. Die AR 11324 erschein als eine Art kleinem Fleckensammelsurium am 18. Oktober am Ostrand. Schon bald ließ sich durch ihre Längsausdehnung erkennen, dass sie mindestens der Waldmeierklasse E angehören musste. Allerdings waren die Penumbren reichlich konfus organisiert, eine klare Trennung zwischen dem f-Teil und dem p-Teil nahezu unmöglich. Ab dem 20. wurde sie von der NOAA der Klasse F zugeordnet, während die Kanzelhöhe weiterhin bei E blieb. Die Anzahl der Einzelflecken stieg hier fast ebenso sprunghaft an, wie bei der AR 11319 und man kam hier mit dem Zählen kaum noch nach. Bei mir waren es fast jeden Tag, an dem ich beobachtete, über 50 Einzelflecken. Bis zum 31. Oktober konnte man die AR 11324 noch beobachten, zwischenzeitlich verlor sie aber wesentliche Teile ihre Penumbren und so war sie schon nach wenigen Tagen auf die Stufe D zurück gefallen. Aber für Nachschub war gesorgt: Die AR 11330 tauchte am 23. Als D-Gruppe am Ostrand auf, entpuppte sich aber schon einen Tag später als E-Gruppe, steig dann zur F auf (das sah nur die Kanzelhöhe so) und behielt diese Klasse bis Anfang November bei. Auffällig an dieser Gruppe war die enorme Ausdehnung der Penumbra im voranschreitenden Teil, die ich unter Zuhilfenahme einer Sofibrille locker mit bloßem Auge sehen konnte. In der obigen Aufzählung unerwähnt blieben die vielen kleinen Gruppen, die vorwiegend auf der derzeit dominanteren Nordhalbkugel der Sonne zu sehen waren.

Dass die Sonnenaktivität im Oktober deutlich angestiegen ist, bemerkte man nicht nur im Weißlicht, sondern vor allem anderen im Hα. Die Zahl der Flareereignissen hat dabei ebenso zugenommen wie die der Protuberanzen und Filamente, deren dynamisches Wirken sich sehr gut in einem Personal Solar Telescope (PST) verfolgen lassen. Gleich am 1. gab es um 9:59 UT in der AR 11305 einen M1/1n-Flare, der mit einem erdgerichteten CME verbunden war. Aus der AR 11302 war um 9:17 UT ein M1-Flare aufgestiegen, der aufgrund einer Lage aber das Erdmagnetfeld hätte treffen können. Die beiden Aktiven Regionen 11302 und 11305 blieben in der ersten Dekade des Oktobers ein Quell der Freude für den Hα-Beobachter. Sie produzierten sehr viele Flares, wie den M3/1n am 2. um 0:50 UT (11305), den C7/2 Röntgenflare am 3. um 0:30 UT (11302) und den c7/Sf am 4., 9:23 UT (11302). Die AR 11303 steuerte am 5. einen C9/Sf-Flare bei. Vom 7. bis zum 19. verzeichnete man entweder gar keine, oder nur kleinere Ausbrüche, die maximal bis zur Klasse c reichten. Am 20. um 3:19 UT erzeugte die AR 11318 dicht am Westrand einen M1.1-Flare. Die AR 11319 hingegen schaffte am 21. um 13:00 UT einen M1. Aus der AR 11314 stieg einen Tag später um 11:10 UT ein dicker M1-Flare samt CME auf, der in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober, dem einzigen Abend, als es über Hamburg bewölkt war, Polarlichter auslöste. Trotz der zentralen Position gleich mehrerer größerer Aktivitätsgebiete, die AR 11330 stand gerade richtig, um erdwärts gerichtete CMEs auszuschütten, tat sich leider relativ wenig. Bis zum Monatsende verzeichnete man lediglich eine leicht erhöhte Anzahl an c-class-flares, ein großer koronaler Massenauswurf, deren Teilchen- und Plasmawolken auch noch genau in Richtung Erde in Bewegung gesetzt wurden, waren nicht darunter.

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