Samstag, 8. Oktober 2011

Die Sonne im September 2011

(Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)


Neun Fleckengruppen, davon sieben auf der Nordhalbkugel und nur zwei im Süden, das war es, was den Beobachter am 1. September erwartete. Dabei wurde aber von keiner Gruppe die Waldmeierklasse D überschritten, obwohl man zumindest bei einer den Eindruck gewinnen konnte, dass sie der Klasse E angehörte, was aber eher ihrer Länge als ihrer Struktur zu verdanken war. Übereinstimmend stufte aber weder die Kanzelhöhe noch die NOAA diese Gruppe als E ein. Deutlicher wurde die Entwicklung der AR 11280 am 2. und dann am 3. Daneben entwickelte sich aber die AR 11282 binnen weniger Tage ebenfalls zur Klasse E und wurde zur dominanten Spezies von Gruppen auf der Sonne. 

Die weiteren Gruppen verharrten demgegenüber im Stadium niedriger Waldmeierklassen oder lösten sich auf. Doch schon bald hatte auch diese AR ihren Zenit überschritten und bildete sich von Tag zu Tag weiter zurück. Waren noch am 9. nur noch drei Gruppen zu finden, stieg deren Zahl bis zum 16. auf 12 an. Keine davon höher als die Klasse D und fast alle auf der Nordhalbkugel, die damit endgültig in dieser Phase des Zyklus zur aktivsten Hemisphäre wurde. Das aber ist nicht ungewöhnlich, dass in der Anfangsphase eines neuen Zyklus, der immerhin auch schon fast drei Jahre alt ist, eine Halbkugel gegenüber der anderen herausragt. Schon wenige Tage nach der Monatsmitte nahm die Zahl der Fleckengruppen wieder ab, verharrte noch ein wenig auf hohem Niveau, ging dann aber schon etwas sprunghaft auf sechs und weniger zurück. Bemerkenswert in diese, Zeitabschnitt waren die Aktiven Regionen 11295 und 11301, die sich beide ab dem 22. zur Klasse E hochstuften, sodass man je eine große Gruppe nahe des West- und nahe des Ostrandes beobachten konnte. 

Am 23. erschien die AR 11302 am Ostrand, nun waren es schon drei E-Gruppen. Die AR 11295 verschwand alsbald durch wegrotieren und die Regionen 11301 und 11302 wurden am 25. der Klasse F zugerechnet. Insbesondere die AR 11302 nahm gigantische Ausmaße an und war schon bald auch problemlos bei Sonnenauf- oder –untergang oder mit einem Sonnenfilter auch mit bloßem Auge zu sehen. Im gleichen Maße wie die Längsausdehnung der AR 11302 und die Zahl der in ihr beheimateten Einzelflecken zunahm, entwickelte sich die AR 11301 zurückund wurde schon am 27. nicht mehr der Klasse E zugeteilt. So endete das Quartal mit einem Blick auf die große F-Gruppe und einer Vielzahl weiterer, kleinerer Aktivitätsgebiete.

Relativ lau begann er, der September im H-Alpha, denn auch in den ersten Tagen des Monats kamen die in einzelnen Aktiven Regionen zu beobachtenden Flares nicht über die Klasse c hinaus. Dies änderte sich erst am 5., als die AR 11286 um 4:28 UT am Westrand stehend, einen M1-Flare erzeugte. Am Folgetag gab es um 1:50 UT in der AR 11283 einen M5/1b-Flare, der mit einem erdwärts gerichteten koronalen Massenauswurf gekoppelt war, dessen Teilchen immerhin mit 450 km/s auf das Erdmagnetfeld zuflogen. Die Teilchen riefen einen leichten Impakt am 9. hervor und das Wetter an meinem Urlaubsort Bansin auf der Ostseeinsel Usedom spielte sogar mit. Dennoch konnte ich kein Polarlicht sehen und auch andere Beobachter, die aber größtenteils unter Wolken standen, meldeten auch keine Sichtung. So wurde es nichts mit einem Mega-Polarlicht im Urlaub. 

Eine Analyse der Daten ergab später, dass die Teilchen das irdische Magnetfeld nicht voll getroffen, sondern nur gestreift hatte und wieder mal kein Polarlicht bei uns zu sehen war. Am 6. stieg dann noch spät abends, ebenfalls aus der AR 11283, um  22:22 UT ein X2/2b mit einem weiteren CME auf, der in Richtung Erde strebte, aber hier wieder kein Polarlicht hervorrief. Auch in den kommenden Tagen war die AR 11283 immer wieder ein Ort erhöhter H-Akpa-Aktivität. Am 7. Um 22:38 UT produzierte sie einen X1/3b samt CME, am 8. um 15:46 UT einen M6/1n ohne CME, am 9. um 6:11 UT einen M2/1n mit – nun nicht mehr erdwärts ausgereichteten CME und einen M1/1f-Flare um 12:49 UT. Im Gegensatz zur Aktivität im Weißlicht beruhigte sich die Lage im H-Alpha-Bereich zusehends, erst am  21. wurde um 12:23 UT in der AR 11301 wieder ein größerer Ausbruch verzeichnet, ein M1-Flare. Überdies gab es im Nordosten gleich drei CMEs, die allesamt nicht erdwärts ausgerichtet waren. Einen Tag später stieg dann um 11:01 UT aus der AR 11302 ein X1/2n-Flare auf, dem um 13:30 UT ein kräftiger CME folgte, dessen Teilchengeschwindigkeit 1392 km/s betrug. Wiederum einen Tag später, also am 24.9., produzierte die gleiche Region eine X1/2b-Flare um 9:40 UT und einen M7 um 13:20 UT, der mit einem lang anhaltenden CME verknüpft war. Und auch aus der AR 11295 stieg ein M3-Flare auf, um 17:25 UT. Entscheidend war aber der Ausbruch mit dem koronalen Massenauswurf, dem kurze Zeit später noch ein weiterer folgte. Die Teilchengeschwindigkeit lag zwischen 1900 und 2600 km/s. Am 24.9. um 11:50 UTC traf die Wolke aus Elektronen und Protonen beim Erdmagnetfeld und erzeugte Polarlichter, die in der folgenden Nacht in weiten Teilen Deutschlands zu sehen waren. Nur leider nicht im Norden, wo in dieser Nacht ein kompaktes Wolkengebiet die Sicht verhinderte. Übrigens das einzige Mal während der spätseptemberlichen Schönwetterkatastrophe … 

Die AR 11302 war aber weiter aktiv. So produzierte sie am 24. um 19:36 UT einen weiteren M7/2n-Flare (der aber keine Auswirkungen mehr für das Erdmagnetfeld zeigte). Aus der AR 11303 stieg am 25. um 4:50 UT ein M7/2n-Flare auf. So ging es munter weiter. Die AR 11302 erzeugte mehrere Flares, so am 26. ein M2, einen M1/1n am 28. um 13:28 UT, die AR 11305 brachte es am 30. zu einem M1/1f-Flare. Alle anderen Aktivitätsgebiete hielten sich bescheiden zurück und gaben nur eine stattliche Reihe von c-class-flares zum Besten. Damit endete ein gerade auch im H-Alpha sehr wechselhaftes Quartal.

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