Donnerstag, 29. September 2011

Wissen ist Macht ... nichts Wissen macht auch nichts

Manchmal kann man ob der Vorstellungen, die manche Leute über das Universum oder die Astronomie haben, nur den Kopf schütteln. Bei öffentlichen Führungen begegnet man des Öfteren wirklich skurrilen Ideen. Da hatte ich mal Gothicmädels, die, eigenartig geschminkt mit Totenflecken im Gesicht als Tattoos, schwarzen Haaren, schwarzen Fingenägeln etc., gerne den Stern des Todes sehen wollten. Oder die Durchgeistigten, die meinen, direkt mit dem Universum verbunden zu sein, und die behaupteten, die Einschläge des Kometen Shoemaker-Levy 9 auf den Jupiter körperlich zu spüren, weil man ein Jupitermensch sei. Oder die, die sich nicht davon abbringen lassen, dass am 21.12.2012 die Welt untergehen wird, oder die, die fragen, wieweit wir von der Milchstraße entfernt sind und ob man diese denn auch durch ein Fernrohr sehen könne.


Heute, an meinem vorletzten Urlaubstag, habe ich wieder meinen Eismann aufgesucht. Während ich einen leckeren Kirschbecher samt einer großen Tasse Kaffee zu mir nahm, sprach mich ein älterer Herr an, der am Nebentisch saß und der wohl zufällig meine Astronomie.de-Mütze auf dem Stuhl hat liegen gesehen. Erst fragte er mich, ob ich Astronom sei. Dann wollte er wissen, wie ich denn überhaupt mit den gewaltigen Entfernungen im All zurecht käme. Das könne ein Mensch allein ja nicht erfassen. Womit er sicher irgendwie recht hat, denn welcher Geist will schon das Universum als Ganzes überblicken können. Soweit so gut. Der Herr steigerte sich dann noch, indem er behauptete, wir könnten die Sterne nicht wirklich real sehen, weil ihr Licht mit zunehmender Entfernung abnimmt und am Ende zu Staub zerfällt.

Dass wir dennoch Sterne sehen können, überging er. Als Beweis führte er die Sternschnuppen an, sie seien zu Staub gewordenes Sternenlicht, das von der Erde empfangen wird. Irgendwann ignorierte ich ihn, weil er Einwänden gegenüber irgendwie eine ablehnende Haltung hatte. Außerdem sollte ich ihm doch bestätigen, dass die Schwarzen Löcher Stellen im All seien, in denen das Universum durchbohrt wird. Und schlimmer noch, durch diese Löcher würde das Leben entweichen, weswegen wir auch kein außerirdisches Leben finden können, da dieses ja längst durch die Löcher entwichen sei. Frage: Was machen wir dann noch hier? Ach ja, am 21.12.2012 ...


Der von mir sehr geschätzte Bloggerkollege Florian Freistetter brachte es neulich mal auf den Punkt, indem er richtigerweise anmerkte, dass all jene, die kein Wissen haben, eben glauben müssen.


Wie aber manches verquere Weltbild zustande kommt, das sich einige Leute unter der Schädeldecke zusammenreimen, ist mir, ehrlich gesagt, ein ständig größer werdendes Rätsel. Vielleicht setzt sich das wirklich nur aus nicht mal gediegenem Viertelwissen zusammen, angereichert mit Vermutungen aller Art, ich weiß es nicht. Erstaunlich ist aber die umso höhere Beratungsresistenz dieser Leute, je mehr sie von ihrer Weltsicht überzeugt sind.


Als der Gast dann später gegangen war, hörte ich von anderen, dass der Typ ständig irgendwelche Leute zutextet, keiner ihn hören will und er sich selbst als Hartz IV-Philosoph bezeichnet, der jegliche Form von Arbeit für den menschlichen Geist für abträglich hält. Na, wenn das so ist ...

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