Mittwoch, 7. September 2011

Besuch in Peenemünde (1)

Kleine Pause im Kinosaal des Historisch-Technischen Informationszentrums in Peenemünde. Ich muss hier erst mal erste Eindrücke des heutigen Tages loswerden. Die Fahrt über die Hauptstraße in den Nordwesten der Insel Usedom wird durch eine lange Baustelle erschwert, weil man da über einen mehr oder weniger schlecht ausgebauten Acker geführt wird. Schließlich kam ich an der Abzweigung in Richtung Flugplatz an. Dort befand sich zwischen 1936 und 1945 die sogenannte Hauptwache zum Werk Ost (Raketenentwicklung), beim Flugplatz gelangte man ins Werk West, der Erprobungsstelle der Luftwaffe. Vom Werk Ost sind an dieser Stelle lediglich die Grundmauern einiger Gebäude übrig. Hinweistafeln liefern Erläuterungen über diesen zur Museumslandschaft gehörenden Ort.


Dem gegenüber befanden sich früher ein paar niedrige Verwaltungsbauten sowie ein Carport und einige spätere Bauten aus NVA-Zeit. Wer das dortige Hinweisschild ignorierte und ohne Metallsucher, nur mit Kameras ausgerüstet, durchging, musste lediglich vor Zecken, Stechmücken und Wildschweinen Acht geben, konnte aber von da auch in rund zwei Stunden per pedes zum Prüfstand VII gelangen. Im letzten Jahr war dies noch möglich. Jetzt befindet sich dort ein Zaun, der zwar an mehreren Stellen unterbrochen ist, aber man geht auf eigene Faust durch und ich weiß nicht, wie man reagiert, wenn man da erwischt wird. Dafür kommt man aber jetzt direkt zum Strand mit seiner einzigartigen Landschaft.


Immer am Zaun entlang, nur begleitet von den Geräuschen des Waldes und umsäumt von umgestürzten Bäumen, Teile der alten sowie der neuen Absperrung, kam die Ostsee immer näher. Ohne Kenntnis dessen, was sich dahinter befindet, erkennt man lediglich Aufschüttungen, mit Wasser gefüllte Senken und niedrige Farne, die wenig spektakulär wirken. In der Tat befinden sich hier kleinere Gebäude aus der NVA-Zeit, jede Menge Bombentrichter aus dem zweiten Weltkrieg und den Ergebnissen von Sprengungen durch sowjetische (Frauen-)-Strafbataillone, kurz bevor der sowjetische Raketenforscher Boris Tschertok die Anlagen besichtigen konnte. Ansonsten sah man früher hier auch nur vereinzelte Gebäudereste, im Boden befindliche Schienenreste und sonstiges, was ich auch nach einiger Recherche nicht ganz klären konnte.


Immerhin kam man von hier aus direkt zum Prüfstandsgelände, von dem aber auch kaum mehr als die Abgasschurre, Markierungen im Boden und der teilweise durchbrochene und heute total überwucherte Ringwall vorhanden sind. Letzteren erkennt man aber meist erst dann, wenn man auf ihm steht. Ein Gedenkstein, der mehrmals umgestellt wurde, markiert dort den Startplatz der ersten V2-Rakete. Vergleicht man das mit alten Bildern oder dem Diorama im Museum, stimmt auch der neue Aufstellungsort nicht so ganz.


Nach dem Ausflug zum Strand und mindestens vier dicken Mückenstichen ging es schnurstracks zum Museum und da erst mal in den Shop, wo aber eher Altbekanntes im Regal stand, auch die kommentierte Ausgabe von Hitlers "Mein Kampf", in Deutschland eigentlich auf dem Index stehend, war als Bückware zu finden. Unglaublich. Dabei soll man dieses unsägliche und wohl auch sprachlich konfuse und nur schwer verdauliche Machwerk in Österreich frei kaufen können ... Immerhin eines der im 3. Reich meistgekauften und ungelesensten Bücher der Welt.


Anschließend lief ich gleich zu Gagarinausstellung in den Museumsräumen in noch bis 1990 genutzten Kraftwerk an der Peene. Doch dazu mehr im nächsten Beitrag, gerade beginnt ein weiterer Film über den Prüfstand VII.

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