Freitag, 5. August 2011

Wenn Amateure sich berufen fühlen

Amateur zu sein, ist an sich nichts Verwerfliches oder Ehrenrühriges, schon gar nicht etwas, was verboten ist. Viele Menschen sind das auf irgendeinem Gebiet, meist ihrem Hobby. Schauen wir in der großen online-Bibliothek wikipedia zu diesem Thema nach, so stehen dort einige einprägsame Sätze, die ich glatt so unterschreiben würde. Insbesondere der Satz (Zitat Anfang):„Ein Amateur ist ein Laie … für seine Tätigkeit nicht formal ausgebildet, im Unterschied zum Fachmann („dem im Fachgebiet ausgebildeten“) (Zitat Ende).

Ich finde, das trifft es exakt. Ich selber sehe mich zwar eher als Sternfreund denn als Amateurastronom, obwohl einiges, was ich mache, vielleicht mit gutem Willen auch als semi-professionell gelten kann. Dennoch fühle ich mich nicht dazu berufen, anerkannte Theorien widerlegen zu können. Dazu fehlt mir das nötige Handwerk und das Rüstzeug. Ich habe daran auch gar kein wirkliches Interesse, meine Zeit damit zu vergeuden.

Bei meinen Tätigkeiten steht nicht der Gedanke des Geldverdienens an erster Stelle, sondern der Spaß an der Freude. Wenn es denn Geld dazu gibt, sage ich selbstredend nicht nein. Ich beschäftige mich mit astronomischen Themen in der Freizeit, aber nicht mit wissenschaftlichem Anspruch, sondern weil es mir Spaß macht. Auch stört es mich nicht, Deep-Sky-Objekte anzuschauen, ohne gleich den ganzen wissenschaftlichen Hintergrund abrufen zu wollen, den es zum jeweiligen Objekt gibt. Ich beobachte sie, weil ich genau daran Freude habe.

Wenn ich Artikel für Fachzeitschriften schreibe, dann, weil ich Spaß daran habe. So sehe ich das auch für meine Sonnenkolumnen, die ich für drei Zeitschriften erarbeite.

Nun gibt es in der Astronomie Themen, die für viele irgendwie immer ein Reizthema sind. Neben den ganzen 2012er Szenarien, die mich eigentlich fast nur noch langweilen und wo ich gar keine rechte Lust habe, mich damit zu befassen, ist auch Einstein immer wieder ein Thema.

Seine Ausführungen zur Allgemeinen und speziellen Relativitätstheorie (hier kurz RT genannt) sind bis heute anerkannt, weil sich alle angeblichen Befunde dagegen, leicht widerlegen lassen.

Als eher an der Praxis interessierter Sternfreund kommt man allerdings eher selten damit in Berührung, da man seine Zeit lieber am Teleskop, beim Beobachten verbringt. Die einzigen Male, in denen ich mich damit ein wenig befasst habe, war während regelmäßiger Vorträge im Hamburger Planetarium, das ich aber seit 2002 aus persönlichen Gründen nicht mehr besucht habe.

Das in diesen Vorträgen vorgestellte mathematische Konstrukt habe ich nie verstanden und Einstein ist nur über die Mathematik wirklich begreif- und nachvollziehbar. Auch alle Ableitungen aus seinen beiden Hauptarbeiten. Es gibt unzählige Bücher zur RT, einige habe ich mir auch mal gekauft, vom Inhalt aber in der Regel nicht mal die Hälfte wirklich verstanden. Heute habe ich dazu keine Bücher mehr in meinem Bestand.

Nun erzähle ich meinen wissenschaftlich vorgebildeten Blogleserinnen und –lesern ja nichts Neues, wenn ich behaupte, gerade in der Physik steht die Beschäftigung mit der Mathematik an erster Stelle, weil sie die Grundlage ist, um physiaklische Prozesse zu verstehen und zu beschreiben. Das ist nichts für mich, gebe ich ehrlich zu. Aber als Amateur muss ich mich darum ja auch nicht kümmern. Mathe ist in Naturwissenschaften das A und O und wer Mathe nicht kann, denke ich, wird wohl auch kein guter Naturwissenschaftler sein.

Nun gibt es aber Zeitgenossen, die sich geradezu berufen fühlen, mit ihrem gediegenen Halb- oder Viertelwissen die gesamte Naturwissenschaft außer Kraft setzen zu wollen. Sie scheitern zwar schon am Dreikörperproblem, können die Bewegungen der Himmelskörper im Sonnensystem mathematisch nicht berechnen, wissen nicht, was Ephemeriden sind oder wie man die Bahnen von Kometen und Kleinplaneten rechnet, meinen aber, Fehler in der RT problemlos nachweisen zu können.

Man braucht nur mal die Worte „Einstein Kritik“ in google eingeben und landet 2.800.000 Treffer. Und kommt so auf Seiten, wo Leute sich darüber auslassen, was Einstein angeblich alles verschwiegen haben sollte, was er alles falsch gemacht hat etc. Da gibt es teilweise antijüdische Hetze (einfach nur ekelhaft), oder Leute, die keine Befähigung zu höherer Mathematik haben, aber voller Inbrunst die RT aufs Korn nehmen. Ich will hier gar keine speziellen Seiten herausgreifen (obwohl bei zumindest einer, kritische Kommentare über die Kritik an Einstein einfach gelöscht werden).

Leute, die meinen, alles besser zu wissen, aber nix kapiert haben, schaden irgendwo auch dem Ruf der Amateure, die etwas aus Liebhaberei machen. Klar kann man sich aus Liebhaberei mit Einsteins Theorien auseinandersetzen und sich eigene Kosmologien zusammenstricken. Das klappt auch gut im Hinterstübchen mit ingenieurswissenschaftlichen Rechenmethoden (so wird auch immer wieder glaubhaft versichert, mit Dreiecksberechnungen könne man ungetrübt von Fachwissen behaupten, dass die Pyramiden von Gizeh nicht von Ägyptern erbaut wurden).

Nur, ehrlich, den Stammtisch und die Hinterbänke oder dunklen Studierstuben im Keller sollten diese Ideen besser nicht verlassen, auch wenn man im Suff und in der Klarheit des Alkoholdunstes meint, alle Zusammenhänge zu verstehen und fröhlich lallend dann auch noch  eine neue Physik gleich mit erfindet.

Nebenbei bin ich ja auch ein wenig bei twitter aktiv und Lars Fischer (Fischblog) macht mich auf den Dunning-Kruger-Effekt aufmerksam, zu dem auch bei wikipedia wieder erhellendes steht. In der Einleitung heißt es, Zitat: „Der Dunning-Kruger-Effekt ist eine Form der kognitiven Verzerrung und beschreibt die Tendenz inkompetenter Menschen, das eigene Können zu überschätzen und die Leistungen kompetenterer Personen zu unterschätzen“ Zitat Ende.

Ich finde, mehr brauche ich dazu nicht zu schreiben, außer: Danke an Lars Fischer für den Hinweis!

Kommentare:

  1. Moin Manfred!

    Perfekt auf den Punkt gebracht.
    Nur lesen werden das diese "Profi-Amateure" leider nicht.
    Und wenn sie es doch lesen, dann kapieren sie es nicht oder lassen es einfach abprallen.
    Da sind wir dann wieder bei Physik, nicht bei Einstein, aber bei Newton.
    Schönes Wochenende!

    Ulrich

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  2. Moin Ulrich,

    vielen Dank und auch für Dich ein schönes Wochenende

    Manfred

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  3. Gut getroffen, kann ich so unterschreiben. Der "Dunning-Kruger-Effekt" (kannte ich unter diesem Namen auch noch nicht) ist mMn auch der Grund, weshalb sich Diskussionen mit solchen Leuten sowieso nicht lohnen und nichts anderes als Zeitverschwendung sind. Man hat schließlich besseres zu tun, z. B. am Teleskop sitzen, etc...

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