Dienstag, 12. Juli 2011

Die Sonne im Juni 2011


(Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

Weißlicht:
Der Monat begann fulminant mit einer Vielzahl von einzelnen Aktivitätsgebieten. Die NOAA zählte am Monatsersten 8, das Sonnenobservatorium Kanzelhöhe 6 Fleckengruppen. Darunter waren als höchst entwickelte Stufen zwei D-Gruppen vertreten. In den kommenden Tagen blieb die Aktivität erst einmal hoch. Die Unterschiede in der Zahl der Gruppen blieb auch weiter bestehen, das sollte in dem Fall aber nicht stören, denn beide Quellen folgten dem Trend. Am interessantesten war dabei die AR 11226, eine D-Gruppe, deren Penumbra im voranschreitenden Teil zunächst immer komplexer wurde. Auch dehnte sich die Gruppe immer weiter aus, erreichte aber nicht die Klasse E. So wurde die hohe Sonnenaktivität in der ersten Dekade des Juni auch nicht durch große Aktivitätsgebiete, sondern durch eine Vielzahl kleinerer bestimmt. Nach dem 6. Juni wurde es dann deutlich ruhiger auf der Sonne, die Fleckenentwicklung folgte dem leider schon gewohnten Bild: Nach einem kurzen Aufbäumen brach die Aktivität dann ziemlich schnell zusammen, die Penumbren verloren ihre Vielfältigkeit, die Gruppen ihre Einzelflecken und schließlich lösten sie sich ganz auf. Am 9. waren gerade mal zwei A- und zwei H-Gruppen zu finden, am 12. befand sich nur noch – ziemlich zentral auf der Südhalbkugel, eine unscheinbare B-Gruppe: Die Aktivität war also wieder mal nach einem kleinen Aufschwung fast völlig in sich zusammengebrochen. Am 15. Juni kamen mit den Aktiven Regionen 11235 und 11236 zwei kleinere D-Gruppen hinzu, wobei die AR 11236 von der NOAA gleich als E-Gruppe klassifiziert wurde, was aber selbst unter Berücksichtigung der Lage dicht am Sonnenrand so nicht hinkam, weil zunächst die Längenausdehnung zu gering war. Hier ist man wohl nach den – in der Tat – großflächiger gestalteten Penumbren gegangen. Die AR 11236 war dann aber in den Folgetagen eindeutig dieser Waldmeierklasse zuzuordnen. Einen direkten Vergleich zu einer anderen Gruppen ergab sich durch die AR 11234, die sich – quasi still und heimlich – enorm weiterentwickelte, scheinbar aus einer einzigen riesigen Penumbra zu bestehen schien, aber offiziell nur der Stufe D zugeordnet wurde. Beide Gruppen dominierten in den Folgetagen das Angesicht der Sonne. Mehr noch: Zumindest die AR 11236, die ab 18. von der Kanzelhöhe als F-Gruppe klassifiziert wurde (einen Tag später aber nur noch als E), war auch mit bloßem Auge durch einen Sonnenfilter einigermaßen gut zu sehen. Ich selber habe die Gruppe an vier aufeinander folgenden Tagen mehr oder weniger gut gesehen. Die AR 11234 zerfiel dann aber binnen weniger Tage und rotierte am 20. Mittlerweile nur noch der Klasse B angehörend, um den Westrand der Sonne herum. Die AR 11236 bildete im voranschreitenden Teil eine überaus große Penumbra aus (sie war es, die man mit bloßem Auge sah), während der nachfolgende in der Entwicklung eher ein wenig hinterherhinkte. Auch sah das Umfeld dieser großen Gruppe nicht gerade beeindruckend aus. Nur zwei kleinere B-Gruppen waren außer ihr noch auf der Sonne zu beobachten. Sie erreichten zwischendurch zwar mal für einen Tag die Klasse D, waren aber ansonsten nicht sehr auffällig. Vom 22. auf den 23. Juni aber zerfiel die 11236 dann vollends. War sie am Vortag noch als E-Gruppe zu sehen, waren über Nacht alle zwischen dem p- und dem f-Teil vorhandenen Flecken verschwunden und die Gruppe selbst in zwei Teile zerfallen: Eine C- und eine kaum mehr sichtbare A-Gruppe, die vor allem in kleinen Teleskopen nur sehr schwer oder überhaupt nicht zu sehen war. Bis zum Monatsende wurde lediglich durch die AR 11241 die Waldmeierklasse D erreicht, am 28. konnten gerade mal zwei B-Gruppen gesehen werden. Die Kanzelhöhe sah am 27. sogar nur eine kleine B-Gruppe. Am 29. und 30. stieg die Aktivität dann wieder leicht an und wer am Monatsletzten sein gefiltertes Teleskop auf die Sonne richtete, fand drei Gruppen auf der Nordhalbkugel.

H-Alpha:
Analog zum Weißlicht war in den ersten Tagen des Juni auch die Aktivität im H-Alpha recht hoch. Die AR 11226 produzierte mehrere c-Class-Flare (den größten um 17:08 UT, ein C4/1f), die AR 11228 hatte schon vorher um 2:53 UT einen C2/Sf gezeigt. Um 6:09 UT und um 20:09 UT kamen noch zwei weitere koronale Massenauswürfe hinzu, die nicht mit einer Fleckengruppe assoziiert und erdwärts gerichtet waren. Danach flaute die Aktivität erstaunlicherweise ab, ganz im Gegensatz zum Weißlicht. Die STEREO-Sonden konnten aber auf der erdabgewandten Seite zwei kräftige CMEs registrieren, deren Teilchen mit 1380 km/s und 2160 km/s ins All hinausgeschleudert wurden. Der 6. Juni war dann vergleichsweise ruhig, während am 7. um 6:41 UT aus der AR 11226 ein M2/2N-Flare im Südwestquadranten der Sonne auftrat und zu den größten der letzten Monate gehörte. Die Teilchen wurden mit einer Geschwindigkeit von 1155 km/s ausgestoßen, aber aufgrund der Position war leicht errechenbar, dass die Erde von dem Protonenstrom allenfalls gestreift werden könnte. In der bundesdeutschen Presselandschaft rief das aber fast schon Panik hervor. Man erwartete aus - oder auch herabfallende Satelliten, unterbrochene Handyverbindungen, Polarlichter bis nach Rom etc. Dieses als „deutsche Sonnenhysterie“ in die Geschichte eingegangene Ereignis war vor allem ein mediales. Die Presse überschlug sich regelrecht (passend zur öffentlichen Diskussion um Atomausstieg, Energiewende und – fatal – der verstärkten Nutzung der Sonnenenergie), hatte aber gar nicht zur Kenntnis genommen, dass die „gefährliche Sonnenstrahlung“ die Erde überhaupt nicht zentral traf. Und selbst bei einem Volltreffer wäre es zu keinen lebensbedrohenden Vorkommnissen auf der Erde gekommen. Es sei denn, man empfindet ein nicht funktionierendes Mobiltelefon als ein solches. Mehrere Tage lang wurde in den Gazetten über die „stark gestiegene“ Sonnenaktivität berichtet. Die nach dem 7. erst einmal wieder stark abfallende H-Alpha-Tätigkeit wurde dann ebenso wenig zur Kenntnis genommen, wie ein randnaher M1/Sf flare in der Region 11236, der am 14. um 21:47 UT aufstieg. Auch die die Teilchen eines nun wirklich in Richtung Erde laufenden, auf der Sonne von Nord nach Süd ausgerichteten eruptiven Filamentes, das am 14. emporkam und am 17. das Erdmagnetfeld erreichte, juckte bei der Tagespresse nun niemanden mehr, obwohl es für das geomagnetische Feld erheblich intensiver war, als das eine Woche zuvor. An den folgenden Tagen ging, passend zur Aktivität im Weißlicht, die Flaretätigkeit erheblich zurück und die Ereignisse reichten nur noch bis zur Klasse c. Bis zum Monatsende sollte sich daran auch nichts mehr ändern.

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