Donnerstag, 9. Juni 2011

Sonnenhysterie in Deutschland

Da war sie wieder, diese allgemeine, dumpfe Hysterie, die derzeit typisch für Deutschland ist und eher an mittelalterliche Szenarien denn an eine moderne Gesellschaft erinnern: Auf der Sonne gab es eine – auf Videos im Übrigen sehr schön anzusehende und sehr dynamische – Eruption auf der Sonne.

In hochauflösenden Bildern konnte man erkennen, wie es zu einem recht ordentlichen Materieauswurf kam, deren Komponenten teilweise wieder auf die Sonne zurückfielen und dort weitere Ereignisse auslösten. Da der Ausbruch von der Erde gesehen, rechts unten, erfolgte, werden die Teilchen die Erde kaum treffen, allenfalls streifen. Deshalb wird es auch nicht, wie gestern mehrfach im TV behauptet wurde, zu gefährlichen und lebensbedrohenden Auswirkungen für die Bewohner dieses Planeten kommen.

Und wie es mit den Polarlichtern in der kommenden Nacht aussieht, muss man abwarten, hierüber kann man sich profund und seriös im Polarlicht-Forum bei meteoros.de informieren.

Was ich persönlich sehr bedenklich finde ist, dass man hierzulande nur noch panikartig auf Ereignisse reagiert. Atomausstieg nach Fukushima, kein Obst, Fleisch und Gemüse mehr nach EHEC und nun auch noch die Sonne. Was all das bei den etwas schlichteren Gemütern unserer Gesellschaft auslöst, wenn dauernd nur Panik geschürt wird, vermag sich wohl kaum jemand vorzustellen. Am Beispiel einer Nachbarin, die gestern meinte, nach Fukushima sei nun auch auf der Sonne ein Reaktor explodiert, ist zu sehen, dass die vielen halbseidenen Agenturmeldungen nur eines erzeugen: Angst und Unwissenheit. Dazu passte, dass sie meinte, ich lönne ja jetzt auch nicht mehr die Sonne beobachten, weil der Reaktor ja kaputt sei ... Dreimal Aua!

Schon jetzt kommen Verschwörungstheoretiker aus den Löchern und behaupten, die Regierung wolle von irgendwas ablenken, was die Bevölkerung nicht mitkriegen soll.

Meine Theorie ist eine andere: Immer mehr Menschen wissen immer weniger, immer weniger Menschen interessieren sich für natürliche Vorgänge und wenn dann mal wieder was passiert, wie der Massenauswurf auf der Sonne, gerät alles in Panik, weil man sich das nicht mehr erklären kann – wie einst im Mittelalter. Und so sind wir trotz modernster Technik eher auf dem Weg dorthin als in eine aufgeklärte Zukunft. Und aus dem wenigen, was die Leute heute noch wissen, marmeln sie sich ihr eigenes Weltbild zusammen, das nur noch wenig mit der Realtität gemein hat.

Im Übrigen lässt sich mit Panik sehr viel Geld verdienen, siehe die ganzen (Weltuntergangs-)Berichte in der Tagespresse oder in den Nachrichtensendungen, die mehr auf Quoten als auf Inhalte schielen. Und auch das Thema 2012 gewinnt zunehmend an Bedeutung, wenn man sich beispielsweise das Büchersortiment in irgendeiner Buchhandlung anschaut. Auch beim Onlinehändler Amazon gibt es ein reichhaltiges Sortiment, wenn man nur den Begriff 2012 eingibt. Immer mehr Bücher, gerade auf dem Esoteriksektor, wollen ihren Leserinnen und Lesern Glauben machen, sie wüssten, wie man 2012 überlebt.

Also ich weiß es auch: Sich nicht an dem ganzen 2012-Gelaber stören, sich höchstens darüber amüsieren, und am 22.12.2012 feststellen, dass die Welt, wie überraschend, nun doch nicht untergegangen ist … Wer finanziert mir jetzt für den Tipp eine Privatsternwarte für eingehende Untersuchungen?

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