Dienstag, 14. Juni 2011

Schon wieder: Astro-Panikmache

Am kommenden Mittwoch wird es eine totale Mondfinsternis geben, bei der der Mond teilverfinstert im dämmerigen Abendhimmel im Südosten aufgehen wird. Kaum, dass man dachte, die Sonnenhysterie sei journalistisch abgehakt, folgt der „Blutmond“ in der BILD. Ungeachtet der Tatsache, dass diese Finsternis wegen der Dämmerung keineswegs so auffällig sein wird, wie eine vor einem wirklich dunklen Himmelhintergrund, wird gleich schon mal wieder die Horror- und Panikschiene geschoben. Aus der Sonnenhysterie hat man natürlich wieder nicht gelernt.

Wie schon deutlich bei den Berichten zur Sonneneruption zu sehen, sind da Schreiberlinge am Werk, die irgendwelche Agenturmeldungen ohne Prüfung verwerten, weil sie ja von der dpa kommt. Und die Agenturmeldungen der dpa sind, das weiß man ja, ebenfalls ungeprüft und werden einfach nur weitergereicht.

So entsteht mal wieder ein mittelalterliches Bild und wahrscheinlich werden sich auch jetzt wieder einfache Zeitgenossen vor Angst schlotternd verkriechen, weil sie negative Einflüsse durch den Mond befürchten. Dank der Zeitung mit den vier Buchstaben glaubt auch jeder wieder an hormonelle Veränderungen und sonstigen geistigen Dünnsinn, die durch die totale Mondfinsternis hervorgerufen werden soll, weil es die Astrologen so sagen und weil es in der Zeitung stand (dazu fällt mir immer wieder das Lied von Reinhard Mey ein).

Dass eine Mondfinsternis ein vollkommen natürlicher Vorgang ist, wird dabei völlig außen vor gelassen, erst recht, dass es ein wunderschönes Naturerlebnis ist, vor dem sich niemand zu fürchten braucht.

Der Vorgang, wie eine Mondfinsternis zustande kommt, wird zwar erstaunlich genau beschrieben, aber die Bezüge zur Praxis fehlen und so geht man davon aus, dass der Mond tiefrot sein wird. Die Dämmerungssituation lässt man geflissentlich unter den Tisch fallen.

Vernachlässigt wird auch ein anderes Phänomen: Man kann von einem hochgelegenen Standort aus sehen, wie annähernd zeitgleich im Nordwesten die Sonne unter- und im Südosten der verfinsterte Mond aufgeht. Das ist zwar im Grunde bei jedem Vollmond so, aber bei einer Mondfinsternis guckt man halt mal genauer hin.

Spannend ist in dem Zusammenhang eher die Frage, wie das Wetter zur Mondfinsternis wird. Und darin sind sich die Meteorologen derzeit noch weitgehend uneinig. Gestern noch sahen die Bedingungen relativ gut aus, heute haben sie sich allerdings verschlechtert. Man wird die Situation bis kurz vorher durch Wettermodelle wie GFS ein wenig im Auge haben müssen, um abschätzen zu können, wohin man fahren muss, um die ohne nicht sehr auffällig Mondfinsternis sehen zu können. Schön leichte Cirrusbewölkung kann einem die Sache schon ganz schön vermiesen!

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