Mittwoch, 15. Juni 2011

Mondfinsternis und wieder nichts zu sehen?

Die kommenden Stunden werden für alle, die sich die heutige Mondfinsternis anschauen wollen, sehr spannend. In Norddeutschland sieht es derzeit mal wieder so aus, als ob nach der verpassten Sonnenfinsternis vom 4. Januar 2011 auch die Mondfinsternis vom 15. Juni 2011 nicht zu sehen sein wird. Die Wetteraussichten sind, schlicht gesagt, mau. Zudem stört doch die Dämmerung sehr. Als ich gestern Abend zur gleichen Zeit aus dem Fenster schaute, war es noch so hell, dass ich in der Wohnung kein Licht anzuschalten brauchte und problemlos in einer Astrozeitschrift lesen konnte.

Die partielle Phase und den Eintritt in den Kernschatten werden wir ohnehin nicht sehen können, denn der Mond geht auf, wenn er bereits im Kernschatten der Erde steht. Eine Situation, die ich selber so auch noch nicht erlebt habe, meist des Wetters wegen.

Um 20:25 Uhr MESZ erfolgt der Eintritt in den Kernschatten, die Totalität beginnt um 21:25 Uhr MESZ die Mitte der Finsternis wird um 22:15 Uhr MESZ erreicht, das Ende der Totalität um 23:05 Uhr MESZ. Der Mond verlässt dann um 0:04 Uhr MESZ den Kernschatten der Erde. Aufgehen wird er für den norddeutschen Beobachter (berechnet nach dem Programm SAW von André Wulff) aber erst um 21:43 Uhr MESZ, sodass wir ihn verfinstert am Horizont auftauchen sehen.

Eine Besonderheit gibt es bei dieser Mondfinsternis: Die Finsternisdauer. Der Mond ist auf seiner elliptischen Bahn heute nur etwas mehr als 371.000 km von der Erde entfernt und taucht deswegen auch besonders tief in den kegelförmigen Erdschatten ein. Daraus (und aus einigen anderen Bedingungen) ergibt sich eine Finsternisgröße von 1,71 (was fast am Maximalwert von 1,825 liegt). Sie ist ein Wert für die Eindringtiefe des Mondes in den Schatten der Erde, wobei Werte über 1,0 auf eine totale, Werte zwischen 0 und 1 auf eine partielle Mondfinsternis hinweisen. Als Folge davon dauert die heutige Finsternis über dreieinhalb Stunden, bezogen auf die Zeit von Eintritt bis Austritt aus dem Kernschatten. Mit Halbschatten dauert sie sogar noch wesentlich länger.

Ist man am Beobachtungsort angekommen, wird man erst einmal nach dem Aufgangsort des Mondes am Horizont suchen müssen. Das wird insofern schwierig, wenn man nicht am Vortag an dem Ort war, wo man die Mondfinsternis beobachten möchte. Man wird erst mal den Mond tief im Südosten suchen müssen und verpasst dadurch evtl. entscheidende Momente, da er sich sehr schnell über den Horizont erhebt. Man kann sich prinzipiell mit einem Trick behelfen: Am Rechner ein Programm wie Stellarium starten und sich die Position der Sterne merken, die nördlicher als der Mond stehen (diese gehen früher auf und sind daher eher zu sehen). Bei uns im Norden wird das aber so nicht funktionieren, weil wir bei Mondaufgang noch mitten in der bürgerlichen Dämmerung stehen, diese endet erst um 22:43 Uhr. Wegen der Mitternachtsdämmerung haben wir in Hamburg auch nur noch die nautische, nicht einmal mal mehr die astronomische Dämmerung haben. Folge: Wir sehen bei Mondaufgang keine Sterne!

Erschwerend kommt hinzu, dass der Mond ohnehin vor einen mit schwachen Sternen geradezu übersäten Himmelshintergrund steht und der einzige helle Stern in der Nähe, den man auch in der Dämmerung gut sehen kann, nämlich Antares, annähernd die gleiche Deklination wie der Mond aufweist.

Eine Möglichkeit gibt es aber dennoch: Bei Vollmond steht der Erdtrabant geometrisch der Sonne genau gegenüber (er bildet ja mit Sonne und Erde eine Linie). Also braucht man sich nur den Sonnenuntergangspunkt zu suchen, stellt sich so hin, dass die Sonne genau im Rücken ist und schon hat man das Suchfeld vor sich. Das setzt natürlich voraus, dass die Sonne nicht durch Häuser verdeckt ist oder gerade eine Wolkenbank die Sicht behindert. Aber dann kann man sich immer noch nach dem Helligkeitsschwerpunkt in der Abenddämmerung orientieren. Ist zwar nur ganz grob, sollte aber die einfache Suche nach dem Mond erleichtern.

Was man natürlich überhaupt nicht steuern kann, ist das Wetter und danach sieht es momentan überhaupt nicht gut aus und wenn ich so aus dem Fenster gen Süden schaue, sehe ich jede Menge Wolkenschleim und Wolken, die aus dem Südwesten hereinkommen. Keine guten Voraussetzungen für eine ohnehin schwierig zu beobachtende Mondfinsternis.

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