Samstag, 7. Mai 2011

Astronomischer Tausch- und Trödeltreff in Essen

Das war er nun, der 27. Tausch- und Trödeltreff in der Ruhrstadt Essen. Vorhin: Ich sitze im Zug von Essen nach Hamburg (ein Zug aus der Schweiz) und habe keine Internetverbindung. Daher wird dieser Blogbeitrag ein wenig später erscheinen als geplant. Dafür habe ich die Zeit in der Bahn genutzt, neben diesem Blogbeitrag einen Artikel für den GvA-Sternkieker und einen kleinen Artikel für die kommende Ausgabe des interstellarum-Newsletters zu schreiben.

Der ATT ist wie in jedem Jahr ein Anziehungspunkt für eine Vielzahl von Astronomieinteressierten, die auf der Suche nach neuen Teleskopen und neuem Zubehör sind, die Kontakte zu anderen Sternfreunden suchen oder sich über die neuesten Teleskopentwicklungen und anderen astronomisch orientierten Themen informieren möchten. Der ATT wird aber auch häufig für überregionale Treffen und Zusammenkünfte von Sternfreunden genutzt. So trafen sich in diesem Jahr die Spektroskopiker in Essen. Überdies lockte auch ein interessantes Vortragsprogramm die Besucherinnen und Besucher in den vorbereiteten Vortragsraum.

Wir, eine Gruppe von sechs Hamburger Sternfreunden, trafen uns morgens früh gegen 5:30 Uhr in der Wandelhalle des Hamburger Hauptbahnhofes, um per Zug in die Ruhrstadt zu fahren. Gegen 9:30 Uhr kamen wir entspannt in der Gesamtschule Bockwurst, äh Bockmühle, ohne großen Widerstand in der Ohmstraße, an und begaben uns auch gleich zum GvA-Stand, der zu diesem Zeitpunkt schon von vier fleißigen Helfern aufgebaut worden war ...

Von dort aus machten wir immer wieder Streifzüge zu verschiedenen Händlern in der Haupthalle, wo sich wieder alles tummelte, was Rang und Namen hat Um keinen zu bevorzugen und keinen zu benachteiligen, lasse ich die Namen hier mal weg. Nur zwei sollen erwähnt werden: In der Haupthalle war man am Stand des Oculum-Verlags dabei, Live-Einspielungen über die interstellarum-website vorzunehmen, schräg gegenüber, hinter einem anderen Stand hatte sich der Astrotreff platzieren dürfen. Direkt vom Stand aus gab es regelmäßig Postings in den Treff, ein netter Service für diejeniegen, die nicht in Essen dabei sein konnten. Im Hauptgang konnte man überdies am Stand der Fa. Neumann Filtertests zuschauen.

Draußen vor dem Gebäude ergab sich angesichts des sommerlichen Wetters die Möglichkeit, durch Teleskope für die Beobachtung der Sonne im H-Alpha-Licht (man konnte so die unterschiedliche Qualität von Teleskop und Filter testen) hindurchzuschauen. Eine kleine aufsteigende Protuberanz – kein Vergleich zu Maximumsprotuben – schwebte gerade in Nordwestquadranten der Sonne. Trotz der geringen Größe schon ein beeindruckendes Bild der Live-Sonne (in die man natürlich niemals ohne ausreichenden Schutz blicken sollte).

Ich unternahm mehrere Rundgänge, fand aber neben einigen Büchern kaum etwas, was mich wirklich interessierte, wo der „Haben-Wollen-Effekt“ auftrat. Dieser hatte mich ein paar Tage vorher beim Kauf meines ersten Apple-Computers überfallen, weswegen jetzt nicht mehr genügend Geld da war. Da ich an Teleskopen und Zubehör alles das habe, was ich derzeit für meine Sonnenbeobachtungen benötige (ein H-Alpha-Teleskop wäre schon sehr schön, aber irgendwie muss man auch Prioritäten im Leben setzen), wurde nur sehr wenig Geld ausgegeben.

Man kann auch aus anderen Gründen zur ATT fahren, denn ein großer Vorteil dieser Veranstaltung ist unbestritten der Kontakt zu anderen Sternfreunden, von Leuten, die man kennt, die aber zu weit weg wohnen, um sie nur eben mal kurz zu besuchen. Dafür ist eine Messe wie der ATT hervorragend geeignet, wenn auch jedes Mal weite Reisen von Norddeutschland aus in Kauf genommen werden müssen. Und so stand die Veranstaltung dieses Jahr einmal mehr unter dem Siegel der Kontaktpflege. Und es waren dieses Mal sehr viel Leute da, die ich lange nicht mehr gesehen habe, oder die man halt hier regelmäßig trifft.

Da ich auch Boardmaster für Buchbesprechungen bei Astronomie.de bin, nahm ich ab 12 Uhr an einer Arbeitsbesprechung teil, deren Ergebnisse hier aber nicht verraten werden. Das versteht sich von selbst.

Danach drehte ich noch ein paar Mal meine Runden, fand ein wenig Lesestoff, so ein Buch über die Geschichte der Amateurastronomie an der Berliner Archenhold-Sternwarte oder über das Leben der APOLLO-Astronauten, die Moon-Walkers.

Insgesamt fiel (nicht nur mir) mir auf, dass in diesem Jahr deutlich weniger Besucherinnen und Besucher auf dem ATT waren. Nur rund 2000 Eintrittskarten wurden verkauft, was man auch daran merkte, dass man selbst zu den üblichen Spitzenzeiten noch jede Menge Platz in den Hauptgängen waren und selbst die Menschenschlangen vor dem Café deutlich geringer ausfielen. Auch blieb – ich hatte zwischendurch immer mal wieder am GvA-Stand Platz genommen – der letzte Run, der stets so ab 15 Uhr einsetzte, dieses Mal aus. Es war schon um diese Zeit so leer wie sonst gegen 17 / 18 Uhr. Inwieweit sich das auf die Umsätze der Händler auswirkte, entzieht sich zwar meiner Kenntnis - es waren schon einige Sternfreunde zu sehen, die große Teleskope heraus schleppten, auch solche, die durchaus die Dimension der mitgeführten Kraftfahrzeuge sprengten - aber anscheinend sitzt bei vielender Geldbeutel nicht mehr so locker wie in den vergangenen Jahren.

So endete für uns der ATT ein wenig früher als angedacht. Wir sammelten uns vor dem Gebäude, mussten ein wenig warten, weil einige Mitglieder unserer Reisegruppe irgendwie entschwunden waren, fuhren dann mit der S-Bahn zum Essener Hauptbahnhof und stiegen kurz nach 18 Uhr in unseren Zug nach Hamburg ein, wo an meinem neuen Rechner dieser Text entstand, aber wegen einer fehlenden Internetanbindung nicht gleich gepostet werden konnte.

Der ATT war und ist für mich wie immer einer der Höhepunkte meines amateurastronomischen Lebens, denn auch ohne Kaufabsichten ist die Fahrt jedes Mal ein Erlebnis, zumal in einer lustigen Reisegruppe. So werde ich sicher auch – falls nichts dazwischen kommt – 2012 wieder in Essen dabei sein.

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