Mittwoch, 27. April 2011

Erinnerungen an das Hamburger Planetarium (2)

Der Hamburger Astronomieverein GvA, 1964 gegründet und hervorgegangen aus einer Gruppe Hamburger VdS-Mitglieder und Astronomieinteressierter knüpfte im Jahr 1969 erste zarte Bande mit dem Planetarium und 1970 gelang es schließlich, dort Räume zu bekommen und diese vertraglich abzusichern. Das galt durchgängig bis zur einseitigen Aufkündigung des Mietvertrages im Jahr 2002 durch den neuen Planetariumsleiter und die Kulturbehörde der Stadt Hamburg. Letztere versprach seinerzeit großspurig Ersatz, stand dann aber nicht mehr zu ihrem Wort. Gleiches galt auch für die Abgeordneten in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord, die über alle Parteien hinweg vollmundige Zusagen machten, sich hinterher, als es darauf ankam, sich nicht mehr ihrer Worte erinnern konnten.

Einfach war es auch Ende der 60er Jahre nicht, für den Verein einen Stammsitz zu bekommen (den er heute dank des Rauswurfs in Hamburg übrigens immer noch nicht wiedererlangt hat). Wissenschaft ist in einer Hafen- und Handelsstadt wie Hamburg eben nicht angesagt oder wurde immer recht stiefmütterlich behandelt. Das sieht man auch, wenn man sich die Geschichte der ersten Hamburger Sternwarte am Holstenwall anschaut, oder sich die Bemühungen der Hamburgischen Bürgerschaft betrachtet, in den 80er Jahren die Sternwarte in Hamburg-Bergedorf zu schließen und die Astronomen weiter in irgendwelchen untergeordneten Räumen am DESY forschen zu lassen.

Irgendwie schaffte man es aber doch, den Verein aus seinem Leben in Hamburger Schulklassen heraus zu bekommen, zumal einige Mitglieder ohnehin häufig Gast im Planetarium waren. Die GvA hatte sich verpflichtet, für die Überlassung von Räumen bei der Öffentlichkeitsarbeit mitzuwirken und die erste größere Aktion in diesem Zusammenhang war der Merkurdurchgang vom 9. Mai 1970. Der führte u.a. zur Gründung der Sektion Sonne, die ich 1979/1980 und dann durchgehend seit 1993 leite.

Damals war ich aber noch nicht dabei, befriedigte mein Interesse eher aus Astronomie- und Raumfahrtbüchern, schließlich lebte man ja in der APOLLO-Ära.

Ein paar Jahre später machte ich meine ersten eigenen Führungen vor dem Planetarium. Hierzu stellte man sich mit dem Planetariumsfernrohr vor die Treppe auf der Nordseite des Gebäudes. Eines der ersten Objekte, die ich einstellte, war M44, die Praesepe, die man von dem Standort aus im Winter gut erreichen konnte. Auch begeisterten schon damals, das war irgendwann gegen Ende der 70er, Anfang der 80er, der Anblick von Mond und Planeten. Meist war es so, dass sich die Leute schnell eine Karte holten und dann wieder zum Fernrohr eilten, um noch mal hindurchzuschauen. Es war eine aufregende Zeit. Man selber lernte viel über Teleskope und Objekte am Himmel. Seinerzeit verfügte ich nicht über eigene Instrumente, sondern nutzte die vereinseigenen Teleskope.

Für mich war der Stadtpark auch immer relativ leicht zu erreichen, bis der HVV Anfang der 80er mal auf die krude Idee kam, den Bahnverkehr einzuschränken, sodass meine U-Bahn ab 22 Uhr nur noch alle 40 Minuten fuhr und ich für eine 15minütige Autostrecke fast 2 Stunden brauchte, um wieder nach Hause zu kommen. So waren die GvA und das Planetarium auch der Grund, weshalb ich 1983 meinen Führerschein machte und mir ein Jahr später mein erstes Auto kaufte.

Bei den öffentlichen Führungen vor dem Planetarium konnten wir nicht nur auf unseren Verein hinweisen, man machte auch Bekanntschaft mit so manch seltsamer Gedankenwelt der Besucherinnen und Besucher des Planetariums, die eher esoterisch als wissenschaftlich geprägt war. Aber das gehörte nun einmal dazu. In den kommenden Jahren wurde es aber für die GvA zunehmend schwieriger, solche Führungen zu organisieren, was vor allem daran lag, dass man immer weniger Interessierte fand, die sich abends hinstellen und den Leuten den Sternenhimmel erklären wollten. Bei Führungen muss man immer auf alle möglichen Fragen auch zu sachfremden Themen gefasst sein und manch einer, der mit seinen Vorstellungen bei Vortragenden des Planetariums keine Bestätigung fand, suchte sie danach bei der öffentlichen Führung. Damit ist man als normaler Sternfreund manchmal durchaus überfordert und man muss aufpassen, dabei nicht eigene Kosmologien zu entwickeln, nur um den nervenden Fragesteller los zu werden. Denn manche sind gar nicht an der Antwort interessiert, sondern nur an der Verbreitung ihrer eigenen Thesen. So waren schon damals Anhänger von Verschwörungstheorien sehr anhänglich und sprengten so manche Führung. Statt sich den Mond durchs Fernrohr anzuschauen, redeten sie den anderen Besucherinnen und Besuchern ein, dass der Blick durchs Fernrohr reiner Betrug sei, weil der Mond nicht wirklich existiere, da man ihn ja schließlich nicht anfassen könne …

Eine Zeitlang war das so schlimm, dass die Leute sich gar nicht mehr für den aktuellen Sternenhimmel, sondern nur für absonderliche Theorien interessierten. Das war der Hauptgrund, weshalb ich für viele Jahre die Teilnahme an öffentlichen Führungen eingestellt habe. Statt Mond oder Planeten zu zeigen und zu erklären, musste man irgendwelche Urknallphantasien kommentieren, was für einen Nicht-Wissenschaftler eine Katastrophe darstellt und zu sagen: „Ich weiß es nicht!“, hat nur dazu geführt, dass man sich anhören musste: „Und was machen Sie denn am Fernrohr, wenn Sie das nicht wissen?“

Damit umzugehen, ist für einen interessierten Jugendlichen oder Jungerwachsenen, wie der Terminus heute lautet, der eine öffentliche Führung übernommen hat, schwierig und frustrierend zugleich. Auch deshalb sank das Interesse an der Wahrnehmung dieser für das Planetarium und den Verein so wichtigen Aufgabe. In den späten 90ern hatte ich zusammen mit einem Freund die Führungen neu organisiert, sie liefen dann bis 2002 wieder recht gut an.

Neben den regelmäßigen Führungen am Freitag vor den Sondervorträgen - man konnte einen richtigen Planetariumsabend hier verbringen und nach dem 18 Uhr-Monatsthema sich den Vortrag um 20 Uhr anhören – war man auch immer wieder bei besonderen Anlässen wie Sonnen- und Mondfinsternissen aktiv. Da gab es dann meist einen Vortrag zu dem jeweiligen Ereignis mit anschließender Beobachtungsmöglichkeit vor dem Planetarium oder auf der Repsold-Sternwarte, die stets sehr gut besucht waren. An vielen dieser Aktionen habe ich auch persönlich teilgenommen. Sie gehörten zu den Höhepunkten meines amateurastronomischen Lebens. Doch darüber soll in einem der späteren Blogbeitrag dieser kleinen Serie die Rede sein.

Diese durchgängigen Planetariumsfreitage habe ich auf jeden Fall auch selber immer genossen. Am frühen Nachmittag in den Stadtpark fahren, um 18 Uhr das Monatsthema hören, dann am Astro-Shop verweilen, oder am Tisch die neusten Astrozeitschriften durchblättern, und schließlich den Sondervortrag mitnehmen, das waren schon echte Highlights, die im Jahr 2002 dann leider abrupt endeten und deutlich machten, das nichts im Leben für die Ewigkeit ist.

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