Dienstag, 26. April 2011

Erinnerungen an das Hamburger Planetarium (1)

Mitten im Hamburger Stadtpark steht der alte Wasserturm, der seit 1930 das Planetarium der Stadt beherbergt. Seit 1977 war ich dort regelmäßiger Gast und als ich neulich bei Aufräumen alte Dokumente wiederfand, die ich inzwischen eingescannt und das Papier der Verwertung zugeführt habe, kamen doch so einige Erinnerungen wieder hoch.

An das früheste Datum, an dem ich dort war, kann ich mich nicht mehr so ganz genau erinner, aber es war ein Sonntagvormittag mit meinem Vater. Auch das Thema fällt mir nicht mehr ein. Aber seit dem wurde ein unsichtbares Band mit diesem Haus geknüpft. Seit etwa 1975/76 wusste ich, dass es dort einen Astronomieverein gab, dem ich aber erst 1977 beitrat.

Schnell lernte ich einige Leute kennen und gemeinsamen besuchten wir das Astronomische Seminar in der Kuppel, die uns wie ein Heiligtum vorkam. Das Anstehen vor den Freitagabendvorträgen (von denen ich am Anfang so gut wie nichts verstand) glich einem Ritual. Erinnern kann ich mich auch an etliche Vorträge von Prof. Heinz Haber, der dem Haus stets mit Wohlwollen verbunden war.

Als man älter wurde, wandelten sich auch die Interessen, doch dem Seminar blieb ich treu. Hinzu kam der Besuch der GvA-Veranstaltungen im Kuppelsaal, die immer etwas ganz besonderes war. Am GvA-Astro-Shop konnte man sich mit neuester Literatur, Dias und vielem anderen versorgen. Am Rundtisch lagen die neuesten Zeitschriften aus, mit deren Lektüre man die Zeit bis zum Vortrag mühelos überbrücken konnte.

Noch später kamen erste Beobachtungserlebnisse auf dem Flaggenbalkon, der GvA-Repsold-Sternwarte, hinzu. Mond- und Sonnenfinsternisse, besondere Planetenereignisse, ich kann gar nicht alles aufzählen, was mir da in den Sinn kommt.

Im Sommer 1979 verbrachte ich fast drei Monate dort, weil meine Ausbildung erst am 1. Oktober anfing und die Schule Ende Juni aus war. Diese Zeit werde ich immer in Erinenrung behalten. Mit dem 70/1000er Kosmos-Refraktor machte ich meine ersten regelmäßigen Sonnenbeobachtungen, mit dem 10cm (?)-Refraktor des Planetariums durfte ich als frisch gebackener Sektionsleiter Sonne beim Ausgang auf der Südseite dem Publikum des Planetariums, vor unds nach den Vorträgen, die damals nahe dem Fleckenmaximum hohe Sonnenaktivität zeigen. Es war eine herrliche Zeit, die leider durch die beginnende Ausbildung endete. Dennoch blieb ich Planetarium und GvA treu, bis zu jenem unglücksseligen Jahr 2002. Unser Verein wurde einfach so rausgeworfen, das Haus organisatorisch zu einem Kunst- und Kommerztempel umstrukturiert, in dem nur noch das nackte Wirtschaftsdenken an der Tagesordnung ist. Statt um Wissenschaft, so wie ich es in den Jahren zuvor erlebt habe, geht es dort nur noch darum, möglichst viel Geld zu verdienen. Dass man es dennoch geschafft hat, die Besucherzahlen zu verdoppeln, mag verwundern, denn so attraktiv wie früher erscheint mir das Programm längst nicht mehr. Und so war ich auch seit gut 10 Jahren nicht mehr in der Stätte, mit der mich viele Erlebnisse auch heute noch verbinden und von denen ich hier einige schildern werde. Mich interessiert die Astronomie, nicht Lasershows, Konzerte oder sonstige Veranstaltungen, die man auch an anderen Orten abhalten könnte und die nichts mit der Himmelskunde zu tun haben. Andererseits passt das Programm aber auch in unsere Zeit, wo kein gedanklicher Tiefgang mehr gefordert oder geboten wird, wo Kommerz die Oberhand hat und man etwas nicht mehr um der Sache willen, sondern nur aus Gewinnsucht macht.

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