Dienstag, 12. April 2011

Die Sonne im März 2011

An dieser Stelle wird es künftig aktuelle Berichte über die Sonnenaktivität im zurück liegenden Monat geben, getrennt nach Weißlicht und den Beobachtungen in der Wasserstofflinie H-Alpha. Es versteht sich von selbst, dass man mit einem Fernrohr oder Fernglas nie ungeschützt in die Sonne blicken darf. Unmittelbare und dauerhafte (!!!) Augenschäden wären die sofortige Folge. Professionelle und Amateursonnenbeobachter verwenden daher Spezialsysteme, um nicht zu erblinden. Machen also auch Sie keine unbedachten Selbstversuche, Sie haben nur 2 Chancen, einmal mit dem linken, einmal mit dem rechten Auge und dann wäre Sie für den Rest Ihres Lebens blind und könnten meinen Blog nicht mehr lesen!!!!

Weißlicht:
In den ersten Tagen des neuen Monats dominierten die schon im Februar sichtbaren aktiven Regionen Nr. 11163 bis 11165, von denen die 11164 als E-Gruppe mit reich strukturierten Penumbren sehr schön anzusehen war und es auf eine stattliche Anzahl von Einzelflecken brachte. Begleitet wurde sie von einer C- und einer B-Gruppe. Am 3. war die AR 11163 verschwunden und die 11166 neu hinzugekommen: Eine H-Gruppe, die sich einen Tag später als eher unauffällige D-Gruppe präsentierte. Am 4. kam dann auch die AR 11167 hinzu, eine B-Gruppe, die für diesen Tag aber auch den Zeichnungen des Sonnenobservatoriums Kanzelhöhe nicht zu finden ist.  Auffällig entwickelte sich die AR 11166, die sich binnen weniger Tage zu einer stattlichen Gruppe entwickelte und sowohl von der Kanzelhöhe als auch von der NOAA als E-Gruppe klassifiziert wurde. Allerdings war der Abstand zwischen voranschreitendem und nachfolgendem Teil der Fleckengruppe zu gering, sodass sie eigentlich eher als D-Gruppe hätte eingestuft werden müssen. Ohnehin differierte die Gruppeneinteilung bei den Profis ganz erheblich, wie man noch sehen wird. Am 6. erreichte die AR 11164 die Stufe F (was auch fraglich ist, da auch hier die Längenausdehnung zu gering war). Die NOAA sah an diesem Tag 5, die Kanzelhöhe 7 Fleckengruppen, Unterschiede, die man sich eigentlich kaum erklären kann. Auch am 7. erkannte die NOAA fünf Gruppen (3x E, 2x B), während es bei der Kanzelhöhe wieder sieben Gruppen waren. Übereinstimmend nahen beide drei E-Gruppen, die Kanzelhöhe führte aber zusätzlich noch einige kleinere Gruppen auf, die von der NOAA offenbar übersehen wurden. Am 9. stieg die Anzahl der Fleckengruppen bei der NOAA auf 6, bei der Kanzelhöhe sank sie auf 4 herab. Völlig unverständlich. Die Zeichnung der Kanzelhöhe wies für diesen Tag zwei D- und zwei E-Gruppen auf, die NOAA meldete eine A-, eine B-, eine D-, zwei E- und eine F-Gruppe. Der 10. März brachte dann vor allem eine größenmäßige Weiterentwicklung der beiden E-Gruppen, die zusammen gut 80 Einzelflecken erkennen ließen. Am 11. gab es nur noch die beiden großen Fleckengruppen, alles Beiwerk hatte sich aufgelöst und war verschwunden, auch wenn die NOAA bei zwei Fleckengruppen vier meldete, noch dazu drei E-Gruppen, wieder mal eine Angabe, die auch anhand eigener Beobachtungen nur sehr schwer nachzuvollziehen ist. Die teils gravierenden Unterschiede in den Zahlen der Fleckengruppen setzte sich in den nächsten Tagen – oft auch auf skurrile Art und Weise – fort, wobei vor allem die beiden E-Gruppen ihren Höhepunkt überschritten hatten und von Tag zu Tag kleiner wurden. Am 14. waren mit den Aktiven Regionen 11166, 11169 und 11172 nur noch drei Gruppen vorhanden, die sich alle in den kommenden Tagen nicht mehr weiterentwickelten. Eine etwas ruhigere Phase der Sonnenaktivität stand bevor. Am 17. waren nur noch zwei Fleckengruppen zu sehen (wie bei der Kanzelhöhe), die NOAA sah mal wieder eine mehr. Die auffälligste war eine C-Gruppe, die sich über Nacht gebildet hatte. Drei Tage später waren sich die Österreicher und die Amerikaner mal wieder einig und erkannten je eine A-, B- und C-Gruppe. Am 21. erkannte man in Europa nur eine, in den USA drei Gruppen … Ein faszinierendes Bild ergab sich am 22.: Da konnte man im Westen die wegrotierende D-Gruppe und im Osten zwei neue Gruppen wahrnehmen. Tags darauf wieder sehr unterschiedliche Meldungen: 2xA, 1xD, 1xE aus Österreich, 2x D aus den Vereinigten Staaten. Hier konnte man fast schon vermuten, woran die Unterschiede lagen, die kleineren Gruppen sind anscheinend von der NOAA übersehen worden. Dafür entschädigte den Beobachter die sich nun rasant entwickelnde  AR 11176, die am 24. die Grenze zur E-Gruppe überschritten hatte und besonders durch kompliziert strukturierte Penumbren auffiel. Danach ging es stürmisch zu auf der Sonne. Insbesondere die AR 11176 wurde immer größer und komplexer. Ihr folgten weitere Gruppen nach und man konnte jetzt sehr schon sehen, wie sich die Gruppen auf die beiden Hemisphären verteilten und regelrechte Straßen bildeten, auf denen sie, aneinander gereiht, um die Sonne zogen. Am 27. wurde sie zur F-Gruppe und beide Institute zählten 6 (NOAA) bzw. 7 (Kanzelhöhe) Fleckengruppen. Einen Tag später waren es schon 8 bzw. 7 Gruppen, von denen besonders die neue AR 11183 ins Auge stach, weil man sie gleich als D-Gruppe an der Grenze zur E klassifizierte. Skurril war dann der 29. März: Die NOAA meldete 6 und die Kanzelhöhe 7 Gruppen, war nicht weiter verwunderte angesichts der unterschiedlichen Berichte der letzten Tage. Was aber am meisten verwunderte war die völlig willkürliche und nun überhaupt nicht mehr nachvollziehbare Aufteilung von Fleckengruppen bei der Kanzelhöhe. Hier hat man einfach eine langgestreckte F-Gruppe in drei Gruppen (1x F 2x C) zerschnitten. Dies konnte der Autor auch anhand eigener Beobachtungen trotz jahrzehntelanger Beobachtungspraxis nicht mehr verstehen. Unterschiede in den Klassifikationen können die vielschichtigsten Gründe haben, z.B. schlechtes Seeing, unaufmerksame Beobachter, ungenügende Vergrößerungen , durchziehende Wolkenfelder etc. Aber so eine Aufteilung, die einfach durch eine große Fleckengruppe hindurchgehen, widerspricht aller gängigen Praxis. Am 30. kamen beide wieder auf die gleiche Anzahl von Gruppen, aber die Kanzelhöhe teilte abermals die große F in zwei Gruppen auf. Wieder mitten durchgeschnitten und als F und D eingestuft. Am letzten Tag des Quartals gab es dann in Österreich 8 und in den USA nur fünf Fleckengruppen. Unabhängig von der anscheinend auch bei professionellen Sonnenbeobachtern schwierigen Klassifikation bleibt unterm Strich auf jeden Fall eine nun doch endlich erhöhte Sonnenaktivität übrig.


Hα:
Im Licht der Wasserstofflinie Hα begann der Monat eher moderat. Am 1. wurde um 4:13 UT in der AR 11164 ein C6 Subflare beobachtet, gefolgt von einem C1/Sf Röntgenflare um 1318 UT am 2. Die folgenden Tage brachten keine wesentliche Steigerung, stets stiegen aus der AR 11164 Flares maximal der Klasse C empor. Das änderte sich erst am 7., als um 14:33 UT aus der AR 11166 ein M1/SF aufstieg, der gleich mit zwei Radioausbrüchen, einmal vom Typ II und einmal vom Typ IV assoziiert war. Um 20:12 UT brachte die AR 11164 einen M3-Flare hervor. Ein paar Stunden zuvor. Um 14:48 UT war zudem ein koronaler Massenauswurf (CME) erfolgt. Daneben gab es weitere Flares der Klasse C und einen erhöhten Strahlungsfluss im Radiobereich bei 10,7 cm Wellenlänge. Einen Tag später stieg dicht am östlichen Rand der Sonne ein CME mit einem heftigen Radioausbruch auf, der nicht mit einer Aktiven Region gekoppelt war. Die AR 11165 produzierte um 10:44 UT einen M5/1f Flare. Kurz darauf kamen aus der AR 11166 zwei weitere M-Flares hervor. Das Ende der Fahnenstange war damit aber noch längst nicht erreicht: In diesem Gebiet entstand am 9. um 23:23 UT ein X1/2b Flare, ein M1 am 10. um 22:41 UT, am 12. um 4:43 UT ein M1/2n- und um 15:27 UT ein C9/1F (beide begleitet von einem Typ II – Radiosturm). Neben ein paar c-class-flares blieb es in den kommenden Tagen etwas ruhiger. Erst die AR 11169 zeichnete sich am 14. Um 19:52 UT durch einen M4/1n-Flare aus, der ebenfalls mit einem Radiosturm verbunden war. Sie war auch der Ursprungsort für einen M1-Flare am 15. um 0:22 UT. Sie beförderte auch die Teilchen eines lang anhaltenden C3/Sf-Flare am 16. ins All, der Höhepunkt des Ausbruchs wurde um 20:34 UT erreicht. Bis zum 23. blieb es bei kleineren Ausbrüchen, die über die Klasse C nicht hinaus kamen. Just an diesem Tage aber wurde um 2:17 UT ein M1-Flare beobachtet, der aus der AR 11176 kam und weitere, allerdings schwächere Flares nach sich zog. Sie war auch für den M1/1F-Flare vom 24., 12:07 UT verantwortlich, der einen schwachen Radiosturm und einen leichten CME zur Folge hatte. Diese AR blieb auch erst mal die aktivste. Aus ihr kam auch der M1 am 25. um 23:22 UT (verbunden mit zwei Radiostürmen). Die AR 11180 erzeugte am 26. um 5:00 UT einen großen, aber nicht erdwärts gerichteten, Partikelstrom, der mit ca. 850 km/s in den umgebenden Weltraum hinausgeschleudert wurde. Am Tag darauf gab es dann wieder eher untergeordnete Ausbrüche, bzw. Materieausbrüche am Ostrand, was auf eine dort befindliche AR hindeutete, die demnächst die erdzugewandte Seite erreichen würde. Am 28. wurde um 14:05 UT ein eruptives Filament samt CME im Nordosten der Sonne beobachtet, der aber nicht erdwärts gerichtet war. Bis zum Quartalsende ging denn auch hier die Aktivität zurück, es wurden wieder nur maximal c-class-flares registriert.

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