Sonntag, 3. April 2011

4.4. 1968: APOLLO 6

Die Erfolge mit den beiden vorangegangenen unbemannten APOLLO-Missionen Nr. 4 und 5 hatten den Verantwortlichen der NASA gezeigt, dass das aus Command Module und das Service Module zusammengesetzte APOLLO-Raumschiff ohne Störungen arbeitete. Das Lunar Module stand kurz vor der Einsatzreife und auch die verwendete Trägerrakete SATURN V hielt das, was sich die Konstrukteure von ihr versprachen. Für die NASA-Planer stand fest, dass es noch eine unbemannte Mission geben würde, bevor man drei Astronauten mit APOLLO 7 ins All schicken konnte.

Dass Hochtechnologie nie ganz unproblematisch ist, wurde schon kurz nach dem Verlassen des Vehicle Assembly Building am 6. Februar 1968 deutlich, als der Crawler mit der SATURN V wegen starken Regens, ein anderes Mal aufgrund einer Störung der Funkverbindung mit dem CM anhalten musste. Zuvor waren bei Strukturtests am 15. Januar an der Außenhaut des Tanks des SM feine Haarrisse entdeckt worden, die man aber beseitigen konnte. Trotzdem verzögerte sich der Start nicht. Er erfolgte am 4. April 1968 planmäßig um 07:00:01 EST (12:00:01 UT) vom Startkomplex 39A, Eastern Test Range, Cape Canaveral.

Damit hörten die Probleme aber noch nicht auf. Die 1. Stufe der SATURN 5 brannte 2 Minuten lang, wobei für 30 Sekunden die Messinstrumente im Cockpit des CM starke Vibrationen (Pogo-Effekt) registrierten, die über dem gesetzten Limit lagen, aber noch nicht kritisch waren. Kurz nach Zündung der 2. Stufe fielen dann zwei der fünf Raketenmotoren aus, weil aufgrund der Erschütterungen mehrere Kabelverbindungen gerissen waren. Die restlichen Triebwerke mussten deshalb 58 Sekunden länger brennen. Dadurch erreichte APOLLO 6 zunächst nicht die vorgesehene Flughöhe für die Zündung der 3. Stufe. Man konnte den Ausfall jedoch dadurch kompensieren, dass die inzwischen bewährte S IVB mit 280 Sekunden länger als geplant brannte und eine  Erdumlaufbahn mit einem Perigäum von 178km und einem Apogäum von 367km Höhe über der Erde erreichte. Geplant war allerdings eine Kreisbahn in Höhe von 160 km über der Oberfläche der Erde.

APOLLO 6 verweilte nun erst einmal für zwei Umkreisungen auf der Parkbahn, während denen die an Bord befindliche 70mm-Kamera die Erdoberfläche mit einer bis dato unbekannten Detailfülle fotografierte. Anschließend wurde ein kompletter Systemcheck durchgeführt. Das Ergebnis war positiv und man konnte fortfahren. Als nächstes wurde das Triebwerk des SM für 442 Sekunden gezündet und APOLLO 6 auf eine Bahnhöhe von 22.200 km gehoben. Die längere Brenndauer hatte dann zur Folge, dass der vorgesehene Test des Hitzeschildes ausfallen musste, weil die noch vorhandene Restmenge Treibstoff nicht mehr ausreichte.

Eine der Zielsetzungen der APOLLO 6-Mission war die Simulation des richtigen Wiedereintrittswinkels aus der Übergangsbahn vom Mond zur Erde. Dazu ließ man das Raumschiff von 22.209km Bahnhöhe zur Erde zurückkehren, die Kommandokapsel wurde vom Service Module abgekoppelt und fiel mit 10.000m/sec. in Richtung Erde. Ihr Hitzeschild hielt den enormen Belastungen problemlos stand und mit großer Präzision ging sie um 17:23 EST (22:23 UT), nach insgesamt drei Erdumrundungen und einer Flugdauer von 10 Stunden 22 Minuten und 59 Sekunden, an drei Fallschirmen hängend genau im Zielgebiet im Pazifik nahe des Bergungsschiffes U.S.S. Okinawa bei 27°40'N, 157°59'W nieder.

Das gleiche Flugmanöver auf der simulierten Mondrückflugroute mit der 3. Stufe der SATURN 5 war noch an einem Bruch einer Treibstoffleitung zum Zünder gescheitert, so dass der Raketenmotor nicht erneut gestartet werden konnte.

Trotz der Probleme mit der SATURN V war die NASA nun mehr denn je davon überzeugt, dass man es doch noch schaffen könnte, vor Ende des Jahrzehnts Menschen auf den Mond zu bringen und wieder zurückzuholen. In der Presse fanden die neuerliche Pannen mit der APOLLO allerdings kaum Resonanz, weil an diesem Tage der farbige Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Martin Luther King ermordet wurde.

So startete APOLLO 7 mit den Astronauten Walter M. Schirra, Donn F. Eisele und R. Walter Cunningham am 11. Oktober 1968 zur ersten bemannten Mission seit dem Unglück vom 27. Januar 1967 und umrundete die Erde für einen längerfristigen Test von CM und SM. Als Startrakete wurde, weil man den Erdorbit nicht verlassen, sondern umfangreiche Systemstests ausführren wollte, statt einer SATURN V eine SATURN 1b verwendet.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen