Dienstag, 12. April 2011

12. April 1937: Der sowjetische Kosmonaut Igor Petrowitsch Wolk wird geboren

Der in Smijew, im Verwaltungsbezirk Charkow, der ehemaligen Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik geborene Igor Petrowitsch Wolk zählt zu den hierzulande eher unbekannteren sowjetischen Kosmonauten. Dementsprechend wenig ist über ihn zu erfahren.

Mit 19 Jahren absolvierte er die Militärfliegerschule in Kirowohrad und besuchte danach eine Außenstelle des Moskauer Staatlichen Luftfahrtinstitutes, wo er 1969 sein Studium abschloss. Was er in den Folgejahren tat, ist nicht bekannt, aber im Dezember 1978 begann er die Grundausbildung für Kosmonauten, die er am 30. Juli 1980 nach Übernahme durch die Staatliche Zwischenbehördliche Kommission abschloss und als Kosmonaut für das sowjetische Raumfährenprogram BURAN ausgewählt wurde. Die Planungen für die äußerlich dem amerikanischen Space Shuttle täuschend ähnlich sehende sowjetische Raumfähre hatten bereits Anfang der 70er Jahre am Zentralen Aerohydrodynamischen Institut in Moskau begonnen, nachdem es erste Überlegungen hierzu schon in den 50er Jahren gegeben hatte.

Streng genommen gilt der Name BURAN sowohl für das Raumfahrtprogramm und außerdem nur für das erste Model BURAN 1.01, das zweite, BURAN 1.02 wurde inoffiziell Ptitschka genannt. Die im Technikmuseum Speyer ausgestellte sowjetische Raumfähre trägt die offizielle Bezeichnung OK-GLI (bzw. BTS-02), wurde aber, wie seinerzeit das amerikanische Shuttle ENTERPRISE, nur für Flüge innerhalb der Erdatmosphäre verwendet. Insgesamt 25 mal wurde die erfolgreich getestet. Wolk war als Pilot für den ersten bemannten Weltraumflug der BURAN 1.01 vorgesehen, zu dem es aber im Zuge der Auflösung der UdSSR nicht mehr kam. BURAN 1.01 wurde 1986 gebaut, erfolgreich getestet und am 15. November 1988 erstmals erfolgreich per Fernsteuerung gestartet und nach zwei Erdumrundungen wieder erfolgreich gelandet. Eine bis heute nicht wiederholte Meisterleistung sowjetischer Konstrukteure.

Ptitschka sollte ursprünglich 1990 fertig gestellt sein und 1991 erstmals ins All starten. Weder dies noch der Bau von drei weiteren Raumfähren wurden jemals vollendet. Igor Wolk war dennoch nicht nur Trainingskosmonaut, sondern ist 1984 mit der SOJUS T-12 als Mitglied der vierten Gastmannschaft auf der sowjetischen Raumstation SALJUT 7 mitgeflogen. Kommandant der Mission war Wladimir Alexandrowitsch Dschanibekow, Bordingenieurin Swetlana Jewgenjewna Sawizkaja. Wolk verbrachte insgesamt fast 14 Tage auf der Raumstation (Start in Baikonur: 17.7.1984, Landung 140 km südöstlich von Schesqasghan: 29.7.1984).

Als Forschungskosmonaut hatte Wolk die Aufgabe, verschiedene Experimente aus den unterschiedlichsten Fachbereichen durchzuführen. Dazu gehörten materialwissenschaftliche Teste (Probenbehälter wurden bis zu 40 Stunden dem Vakuum des Weltraums und direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt, mit der Kamera Astra-1 untersuchte man die nähere Umgebung von SALJUT 7 nach Spuren von Gasen und Partikel und das Photometer EFO-1 diente der Beobachtung der obersten Schichten der Erdatmosphäre.

Überdies wurden Proben der Raumluft in der Station genommen und Wolk musste an sich selbst die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf die Fähigkeiten von Raumpiloten testen. Darüber hinaus war dieser Raumflug auch in anderer Hinsicht durchaus bemerkenswert. Schon das Ankopplungsmanöver von SOJUS T-12 an die Raumstation war insofern ein Novum, weil nicht nur erstmals die Telemetriedaten nicht nur an die Bodenstation und die Raumstation gleichzeitig übermittelt wurden, das Raumschiff koppelte auch erstmals an eine nicht in der Höhe abgesenkte Raumstation an. Die Besatzung traf in der Raumstation auf die Langzeitbesatzung der drei Kosmonauten Kommandant Leonid Denissowitsch, Bordingenieur Wladimir Alexejewitsch Solowjow und Bordarzt Oleg Jurjewitsch Atkow. Am 25.7.1984 absolvierte Sawizkaja als erste Frau einen Weltraumausstieg. Zusammen mit Dschanibekow testete sie ein Multifunktionsgerät zur Materialbearbeitung im Vakuum während ihr Kollege die Aktion aus der Luftschleuse heraus filmte. Danach tauschten beide die Plätze. Kurzzeitig gab es auch die Überlegung, dass beide Außenarbeiten an einer beschädigten Treibstoffleitung ausführen sollten. Allerdings bestanden Kisim und Solowjow darauf, diese selber auszuführen, während ihnen Dschanibekow und Sawizkaja per Video assistierten.

1996 schied Wolk aus Altersgründen aus dem Kosmonautenkorps aus und arbeitete als Testpilot für ein Forschungsinstitut des Russischen Ministeriums für Luftfahrtindustrie. Gegenwärtig pflegt er seinen Un-Ruhestand und engagiert sich als Erfinder.

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