Dienstag, 12. April 2011

12. April 1851: Edward Walter Maunder wird geboren

Mit dem Namen Maunder verbindet man in erster Linie die Phase der Inaktivität der solaren Fleckentätigkeit in den Jahren 1645 bis 1715, das sogenannte Maunder-Minimum. Doch es wäre falsch, den am 12. April 1851 als Sohn eines Methodistenpredigers in London Geborenen auf dieses eine Faktum zu reduzieren.

Nach dem Besuch des King´s College, das er ohne Abschluss verließ (und nebenher in einer Bank gearbeitet hatte, um das Studium zu finanzieren) wurde er 1873 Assistent am Royal Greenwich Observatory und arbeitete zunächst im Bereich Spektroskopie. Hier widmete er sich der Fotografie und Positionsbestimmung von Sonnenflecken, wobei er seine erste Entdeckung machte: Er fand die Breitenwanderung der Flecken im Verlauf der Fleckenzyklen heraus und veröffentlichte 1904 das erste Schmetterlingsdiagramm.

Bei seinen Aufgaben wurde er ab 1891 durch seine spätere zweite Ehefrau Annie Scott Dill Russell unterstützt, die zwar eine Ausbildung als Mathematikerin am Girton College mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, an der Sternwarte aber nur Hilfsarbeiten ausführen durfte. Etwa zu der Zeit begann er sich nach Lektüre der Arbeiten Gustav Spörers, der eine außergewöhnlich geringe Sonnenaktivität zwischen 1400 und 1510, das sogenannte Spörer-Minimum, entdeckt hatte, mit der Frage auseinander zu setzen, ob es derartig lange Minima auch zu anderen Zeiten gab.

1893 präsentierte er dann seine Entdeckung des Maunder-Minimums, deren Daten er aus dem Archiv der Sternwarte gewonnen hatte. Wie seinerzeit üblich, beschäftigte er sich auch mit der Frage der Marskanäle, schätzte deren Sichtung aber eher vorsichtig ein und konnte anhand eigener Versuche herleiten, dass es sich dabei um optische Täuschungen handeln musste. Als Konsequenz daraus schloss er auch die Möglichkeit eines bewohnten Mars aus, weil dort die Temperaturen zu niedrig wären und die Winde, die auf der Erde für einen Temperaturausgleich sorgen, auf dem Mars auszuschließen seien. Außerdem unterstützte er durch hohes Engagement die Gründung der British Astronomical Association (BAA), die 1890 ins Leben gerufen wurde.

Seit 1875 Mitglied an angesehenen Royal Astronomical Society (RAS), strebte er danach, eine Vereinigung aller Astronomen zu bilden, in der professionelle wie Amateursternforscher unabhängig ihrer beruflichen Zugehörigkeit und ihres Geschlechts zusammen kamen. Frauen waren daher von Anfang an in der BAA vertreten (was ihnen in der RAS erst ab 1915 zugebilligt wurde). Maunders Frau wurde 1916 Mitglied der RAS. Maunder war erster Herausgeber der Mitgliederzeitschrift der BAA, nach seinem Tod hatte seine Frau diese Aufgabe übernommen. Edward Walter Maunders Bruder Thomas Frid Maunder (1841-1935) war ebenfalls Mitbegründer der BAA und für 38 lange Jahre Sekretär der Vereinigung. Edward Walter Maunder starb am 21. März 1928 in London. Ein 55 km durchmessender Mondkrater auf der südlichen Halbkugel der Mondrückseite bei 14,6° Süd und 93,8° West und ein Marskrater in der Region Noachis Terra wurden nach Maunder benannt.

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