Sonntag, 27. März 2011

Sommerzeit? Ja, bitte!

Seit 1980 gibt es in Deutschland die Sommerzeit. Nicht ganz unumstritten, denn die erwarteten Energieeinsparungen, weil man angeblich das Tageslicht besser nutzen kann, sind bislang nicht eingetreten. Dies kann ich selber durchaus bestätigen. Noch am Freitag konnte ich ohne Licht frühstücken, wenn ich am Montag um kurz nach 5 aufstehe, um zur Arbeit zu gehen, muss ich wieder das Licht einschalten. Auch muss ich abends immer das Wohnzimmerlicht einschalten, weil meine Wohnung in der Ecke eines Wohnblocks liegt und der davor stehende Baum das meiste Tageslicht schluckt. Selbst im Juni muss ich da abends Licht anmachen, wenngleich auch erst später, als das jetzt der Fall ist. Die Sommerzeit bringt meist dort nichts, wo immer eine bestimmte Anzahl an Stunden das Licht eingeschaltet sein muss (z.B. an schlecht gelegenen Arbeitsplätzen) und es egal ist, ob das nun morgens oder abends der Fall ist.

Seit 31 Jahren gibt es also die Sommerzeit, dennoch haben viele das mit der Umstellung nicht begriffen.
Im Radio war neulich eine nette Analogie zu hören, wie man sich die Umstellung der Uhrzeit merken kann: Im Frühjahr stellen wir Pflanzen vor das Haus, im Herbst holen wir sie wieder rein. Also wird immer am letzten Märzsonntag die Uhr vor-, am letzten Oktobersonntag die Uhr zurückgestellt. Umstellung der Uhr heißt nicht, dass ich sie vom Nachttisch auf den Wohnzimmertisch stelle ...

Als in Norddeutschland lebender Amateurastronom sehe ich die Sommerzeit aber durchaus zwiespältig. Da mein Lieblings- und Hauptbeobachtungsobjekt die Sonne ist, genieße ich die Sommerzeit, denn sie ermöglicht bei gutem Wetter eine Beobachtung auch weit nach Feierabend. Deep-Sky-, Planeten-, Mond- und andere Nachtbeobachter haben allerdings das Nachsehen, denn sie müssen nun eine Stunde länger warten, bis es ausreichend dunkel wird.

Wir im Norden haben ab Ende Mai noch ein ganz anderes Problem: die Mitternachtsdämmerung, die die Beobachtung von Objekten am Nachthimmel zunehmend erschwert. Das hat natürlich keine gesetzliche Ursache, sondern eine astronomische. In den kommenden Monaten nähert sich die Erde ihrem sonnenfernsten Bahnpunkt, gleichzeitig aber wird aufgrund der 23,5° betragenden Neigung der Erdachse die nördliche Hemisphäre mehr beschienen als die südliche. Daher beginnt auf der Südhalbkugel, wo die Sonne nun immer früher unter den Horizont tritt, der Herbst. Wenn wir Sommer haben, haben die Menschen auf der Südhalbkugel Winter und umgekehrt. Übrigens erreicht die Sonne, wenn wir auf der Nordhalbkugel mitten im Winter sind, den sonnennächsten Punkt ihrer elliptischen Bahn. Daran sieht man: Die Entstehung der Jahreszeiten steht im Zusammenhang mit der Stellung der Erdachse und nicht, wie irrtümlich immer noch angenommen wird, mit Sonnennähe und Sonnenferne.

Für mich besteht der einzige Nachteil für die Beobachtung nun darin, dass ich bei der Angabe der Uhrzeit für meine Sonnenbeobachtungen immer zwei Stunden zurückrechnen muss. Seit 1980 erfolgt die Angabe in Weltzeit (UT), und von der sind wir im Winter -1 und im Sommer -2 Stunden entfernt, weil wir uns auf einem Längengrad, östlich des durch die Sternwarte von Greenwich in London gehenden Nullmeridians befinden.

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