Donnerstag, 17. Februar 2011

Ein spannender Abend …

…aber nicht wegen der Fußballspiele in der Europa-League mit deutscher Beteiligung, sondern wegen der Sonnensturmfront, die gegenwärtig auf die Erde zurollt. Auslöser war ein X2.2-Flare am 15. Februar um 1:56 UT, der erdwärts gerichtet war. Solche Stürme sind bei der Sonne nicht außergewöhnlich und gehören praktisch zu ihrer Aktivität dazu. Leider meinen viele Journalisten, nun auf der Panikwelle reiten zu müssen, doch dazu besteht absolut kein Grund. Auch wenn es vielleicht den einen oder anderen Satelliten erwischen sollte.

Seltsam ist indes die Meldung der Chinesen von heute Mittag, dass die Teilchen des Sonnenwindes dort zu technischen Ausfällen geführt haben sollen. Wie soll das gehen, wenn der Sonnenwind zur fraglichen Zeit kaum erhöht und der kp-Index (ein Wert für die Geschwindigkeit, mit der Teilchen der Sonne das irdische Magnetfeld treffen) nur bei 2 lag? Auch die in manchen Astroforen ausgetragene Hoffnung, dass man nun durch den Impakt der Teilchen hierzulande auffällige Polarlichter sehen kann, hat keine Chancen, in der Realität zu materialisieren. Dazu bedarf es einiger Vorbedingungen. So muss der genannten kp-Index mindestens bei 5, lieber höher liegen, damit man überhaupt von einer Chance reden kann, in Deutschland Polarlichter sehen zu können. Hinzu kommt neben der Ausrichtung des Magnetfeldes auch das so genannte Polarlichtoval. Dieses zeigt die Gebiete an, in denen man zumindest prinzipiell Polarlichter sehen kann. Derzeit liegt es knapp über dem Norden Deutschlands, sodass man hier allenfalls tief am Horizont etwas sehen könnte, wenn denn das Wetter mitspielen würde. Aber der kp-Wert von 1 spricht absolut gegen eine Sichtbarkeit hierzulande.

Was den Abend so spannend macht, ist nicht die Frage, ob der VfB Stuttgart mal wieder verliert, sondern, wann die solare Schockfront endlich hier ist. Das kann jetzt jede Minute der Fall sein. Es ist aber ein „aber“ angebracht: Je später die Teilchen hier ankommen, desto geringer ist ihre Geschwindigkeit und damit auch die Heftigkeit, mit der sie auf die Ionosphäre treffen. Sind sie relativ schnell, steigt der kp-Index proportional. Ist der langsamer, geht auch der Wert nicht sonderlich hoch und damit sinkt dann die Wahrscheinlichkeit, dass man in Deutschland Polarlichter sehen kann. Da die Teilchengeschwindigkeit gegenwärtig (19:56 UT) bei 354,5 km/s liegt (was dem normalen Sonnenwind entspricht), ist jede Hoffnung auf Polarlichter hier vergebens. Aktuelle Werte findet man hier, hier und hier.

Ergo: Je länger wir nun warten, desto langsamer ist das, was da kommt und desto unwahrscheinlicher wird ein heftiger Impakt. Eher wird´s ein harmloser werden und wir brauchen uns keine Gedanken über Polarlichter in der kommenden Nacht zu machen. Dennoch bleibt eines festzuhalten: Auch wenn wir keine Polarlichter sehen werden, die Natur bleibt immer noch spannender als jedes TV-Programm!


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