Montag, 28. Februar 2011

Ehrlicher Umgang mit Beobachtungsdaten

Die Plagiatsvorwürfe gegen den ex-Doktor, Noch-Verteidigungsminster und designierten Ex-Kanzlerkandidaten zu Guttenberg brachten es irgendwie an den Tag: Auch die hochheilige Wissenschaft meint es offenbar nicht immer ernst. Dabei will ich gar nicht mal ehrlich arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entgegentreten und ihre Arbeiten generell abwerten. Die Affäre zeigt aber einerseits, wie menschlich jede Form von Wissenschaft ist, aber auch, dass Doktoren und Professoren, gleichgültig welcher Fachrichtung, prinzipiell verdächtig sind, Daten manipuliert zu haben. Hier gibt es aber an vielen Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen Prüfungsmöglichkeiten, die auch angewendet werden. Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche und ich denke dabei nicht, dass der Prozentsatz manipulierender Wissenschaftler höher ist als in anderen Berufsgruppen.

Man muss aber auch die Frage aufwerfen, wie ehrlich denn wir als Sternfreunde sind, wenn wir auf dem Weg zu Glanz und Ruhm für die Wissenschaft Daten erheben. Natürlich sieht jeder ernsthafte Beobachter gerne seinen Namen in Publikationen, die Ergebnisse vorstellen. Das betrifft Sonnenbeobachter ebenso wie Veränderlichengucker, Meteorstromverfolger, Kometensucher oder Supernovajäger.

Einen besonders krassen Fall habe ich vor vielen Jahren als Leiter der Sektion Sonne der GvA Hamburg erlebt. Wie sich herausstellte, hatte ein Beobachter eigene Daten mit Satellitenaufnahmen der Sonne verglichen und dann in seine eigenen Beobachtungen einfließen lassen. Wenn er wegen bedeckten Himmels nicht beobachten konnte, hatte er die Satellitenfotos genommen und sie als seine eigenen ausgegeben, die er angeblich mit seinem Teleskop gemacht haben will. Aufgeflogen ist das Ganze, weil er im November 30 Beobachtungstage in Hamburg erzielt hatte und für jeden Tag eine ungewöhnlich gleichbleibende gute Luftqualität um die Mittagszeit herum notierte. Nun schafft es selbst der fleißigste Beobachter mit ganz viel Zeit in Norddeutschland nicht, so viele Beobachtungstage im November zusammen zu bekommen, weil das Wetter dann immer schlecht ist. Die Seeingbedingungen sind hier auch selten besser als 3 bis 4 für Ruhe und Schärfe nach der Kiepenheuer-Skala, der Kollege hatte Werte zwischen 1 und 2! Und: Die Auswertung der Korrekturfaktoren und Korrelationskoeffizienten schwankten über alle Maßen stark, waren mal sehr gut, mal sehr schlecht.

Die Nachfrage meinerseits ergab dann den oben geschilderten Sachverhalt und die Tatsache, dass er die Satellitenaufnahmen quasi herunter gesampelt, also auf sein kleines Teleskop umgerechnet hatte und das auch noch nicht mal wirklich gut. Die Antwort des Betreffenden lautete: „Ich wollte wegen des schlechten Wetters nur behilflich sein“ und verließ dann die Sektion mehr oder weniger wutschnaubend für immer, weil man ihn nicht verstand.

Den Sinn der Wissenschaft, unter gegebenen (auch schlechten) Umständen optimale und vor allem nachvollziehbare (!) Ergebnisse zu erzielen (und ggf. auf eine Relativzahlbestimmung zu verzichten, wenn man die Sonne vielleicht gar nicht wirklich beobachtet hat), hat der Kollege, den wir daraufhin auch im Verein nie wieder sahen, nicht verstanden. Dass sein Handeln der Sache nicht dienlich war, hat er ebenso wenig zur Kenntnis genommen, wie die Erkenntnis, dass sein Verhalten schlicht unwissenschaftlich war.

Nun könnte man natürlich darüber philosophieren, was wissenschaftlich ist und was nicht. Aber eines sollten wir als Sternfreunde nicht tun: Über die professionelle Wissenschaft die Nase rümpfen, weil man nicht weiß, wie viele Leichen bei uns Amateuren im Keller liegen!

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