Montag, 24. Januar 2011

Hallo! Ich bin´s! Dein Dobson!

Bescheiden steht er da in seiner schwarzen Rockerbox, rot lackiert und mit einem Staubschutzdeckel, auf dem sich schon das angesammelt hat, vor dem er schützen soll. Dieses kleine, etwa 8 Zoll durchmessende Teil dient auch schon mal als Ablagefläche für meine beleuchtbare Leselupe oder die aufziehbare Taschenlampe. Regelmäßig kommt er in Bewegung, wenn ich mit meinem Wäschekorb vom Dachboden herunterkomme, ins Schlaf-/Arbeitszimmer gehe und mit dem linken Arm die Schutzkappe aus dem Okularauszug heraus befördere. Nicht gerade gut für den dahinter sitzenden Fangspiegel.

Die Außenseite der Rockerbox nimmt regelmäßig meine Okulare auf (eines, das ich auf der letzten ATT gekauft habe, konnte ich immer noch nicht benutzen), daneben befinden sich meine Astrokoffer und eine Pappschachtel mit Laserpointer und eine mit dem nicht unwichtigen Telrad. Sowas braucht man, um Objekte aufzufinden (obwohl es ja auch Leute geben soll, die meinen, es ginge auch ohne Telrad …), aber auch zur Gewichtsstabilisierung des Dobsons im Einsatz. Ohne Telrad als Gegengewicht kann er nicht die Position halten.

Nun schreit mein kleiner Achtzöller schon seit einiger Zeit danach, mal wieder die Photonen weit entfernter Galaxien, von Nebeln und Sternhaufen unserer eigenen Milchstraße und von den Planeten des Sonnensystems und unseres Mondes aufzunehmen, durchs System zu jagen und seitlich wieder auszugeben: genau da, wo man sein Auge hinter einem Okular positioniert und wo die Lichtteilchen auf der Netzhaut ihr endgültiges Ziel finden.

Schöne Beobachtungserlebnisse kommen mir in den Sinn. Der frühlingshafte, sommerliche und herbstliche Sternenhimmel konnte schon ordentlich Objekte hervorzaubern, die zu einem längeren Verweilen einladen. Beobachtungen im Winter waren leider eher selten. Sich Zeit nehmen hat auch bei der Beobachtung des Nachthimmels durchaus seine Berechtigung. Nicht das Herumgehetze von einem Sternhaufen zum nächsten ist gefragt, sondern die gemütliche Tour oder auch die länger anhaltende Suche nach einem schwierigen Objekt.

Einem dünn besiedelten Sternhaufen begegnen, der sich nur schwach vom Hintergrund abhebt, die ferne Galaxie suchen, deren Licht man gerade eben noch mit indirektem Sehen erspäht oder auch die vielschichtigen Strukturen in Planetenoberflächen wie Jupiter oder dem eher eintönigeren Saturn erfassen (wenn der nicht gerade mal wieder ein Sturmgebiet verzapft), Details auf der Marsoberfläche finden, alles das kann Glückshormone freisetzen.

Nun hat die astronomische Beobachtung üblicherweise wenig mit Hormonschwankungen zu tun, aber ein gelungener Beobachtungsabend kann sehr viel Freude bereiten, die man als positives Erlebnis in den normalen Alltag mitnimmt.

Alles das, ich höre schon das leise Weinen meines Dobsons, blieb mir in den letzten Monaten, eigentlich sogar schon länger als ein Jahr, leider versagt. Schlechtes Wetter, Überstunden und vieles andere mehr lassen den kleinen Achtzöller zunehmend verwaisen; das grenzt schon an den Straftatbestand der groben Vernachlässigung.

So kann ich ihn und mich nur vertrösten und weiter auf eine Deep-Sky-Beobachtung hoffen, vielleicht unter einem klaren Februarhimmel, wenn mal nicht Vollmond ist, man keine anderweitigen Verpflichtungen oder der Blogger Geburtstag hat, in Hamburg mal wieder gewählt wird und der Beobachtungsabend dann auch noch auf ein Wochenende fällt. Das sind viele Wünsche auf einmal, aber vermutlich wird kein einziger realisiert.

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