Freitag, 28. Januar 2011

Fotos machen, ja, aber veröffentlichen?

Als Redakteur einer amateurastronomischen Zeitschrift ist man ja immer um Themen und vor allem Fotos verlegen. Gerade Astrofotos von Deep-Sky-Objekten, aber auch von Planeten, von Mond und Sonne, haben ihren besonderen eigenen Reiz.

Dank der digitalen Spiegelreflexkameras wurde dieses Gebiet der Amateurastronomie derart revolutioniert, dass heute wesentlich mehr und vor allem wesentlich bessere Aufnahmen als noch vor 10 oder 20 Jahren möglich sind. Für die Astrofotografie umgebaute Kameras, CCD-Kameras und Webcams für Planeten können in der Hand von erfahrenen Leuten heute Bilder erzeugen, die früher nur Weltraumsonden oder Profiteleskopen vorbehalten waren.

Die Möglichkeiten der digitalen Bildverarbeitung, die man notwendigerweise nutzen können muss, sind zwar nicht unbegrenzt, machen aber aus anscheinend eher mäßigen Aufnahmen noch richtig schöne.

Natürlich: Bei vergurkten, schlecht nachgeführten oder falsch belichteten Aufnahmen ist auch die stärkste Bildverarbeitungssoftware machtlos. Eine gewisse Grundqualität müssen die Rohbilder natürlich schon haben, schließlich kann man aus einem Kleinwagen trotz aller Umbaumöglichkeiten ja auch keinen Ferrari basteln.

Es gibt viele Sternfreunde, die so genannte „pretty pictures“ machen, Aufnahmen, die einfach nur ein Objekt schön darstellen sollen, ohne den Anspruch zu haben, für wissenschaftliche Untersuchungen herangezogen zu werden. Von vielen geliebt und von etlichen verpönt, gehören diese Art Bilder zu den, die am häufigsten produziert werden. Leider werden sie, wenn überhaupt, manchmal nur auf Mailinglisten gezeigt, aber den Eingang in eine der diversen (Amateur-)Astrozeitschriften finden sie nicht. Die Fotografen halten auch ihre besten Ergebnisse manchmal noch für zu schlecht, obwohl diese es gar nicht sind. Dabei sind bei Amateurzeitschriften, auch wenn sie scheinbar im Hochglanzformat daherkommen, die Qualitätsanforderungen weitaus niedriger als bei Profizeitschriften. So haben selbst Einsteiger, deren Bildergebnisse noch nicht hundertprozentig ausgereift sind, eine reelle Chance, sich zu verewigen. Die Mail mit dem Foto ist schnell vergessen, der Forenbeitrag wird vielleicht nicht wiedergefunden, aber in einer Zeitschrift kann man sich die Aufnahmen noch nach Jahren anschauen!

Als Redakteur ist man eigentlich immer verlegen um Bilder, weil diese ein Heft bereichern, doch oft verschwinden die Aufnahmen in digitalen Archiven und werden nie mehr gesehen oder gezeigt, allenfalls noch auf Astrotreffen, wie dem Norddeutschen Astrofotografentreffen (NAFT).

Problem scheint mir zu sein, dass Printmedien in der heutigen Zeit offenbar nicht mehr attraktiv genug sind. Früher war man froh und erfreut, wenn man ein Foto in der Zeitschrift unterbringen konnte. Heute geht das mit wenigen Mausklicks (und oft schlechterer Auflösung) über diverse Foren und Mailinglisten. Das führt zu der paradoxen Situation, dass man oft vergeblich um Bilder bettelt, die vielleicht noch angekündigt werden, dann nie kommen, aber man hinterher Klagen hört, dass im Heft zu viel Text und zu wenig Bilder vorkommen.

Gerade angesichts der aktuellen Schönwetterkatastrophe möchte ich die vielen Astrofotografen in unserem Lande bitten: Denkt auch an die vielen kleinen Amateurzeitschriften, die von Euren Berichten und Euren Bildern leben!

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