Sonntag, 2. Januar 2011

Ein neues Jahrzehnt hat begonnen

Am 1. Januar 2011 hat nicht nur ein neues Jahr, sondern auch ein neues Jahrzehnt, das zweite dieses Jahrhunderts und auch des Jahrtausends, begonnen. Sie glauben das nicht? Schließlich ist bei einem Auto ja auch der 2000ste Kilometer erst dann gefahren, wenn der Zähler von 1999,9 auf 2000,0 geht und nicht auf 2001! Für das Auto stimmt das, aber nicht für die Chronologie, die Wissenschaft der Kalenderrechnung.

Sie kennt nämlich kein Jahr 0, und während der Kilometerzähler bei einem Auto mit 0,0 beginnt, gab es beim christlichen Kalender, den wir in unserem Teil der Welt verwenden, kein Jahr 0. Das liegt daran, dass die 0 als Zahl erst im 13. Jahrhundert u.Z. über Indien und Arabien nach Europa gelangte. Ziffern, wie wir sie heute kennen, wurden dort „erfunden“, wie dort zuvor im 3. Jahrhundert v.u.Z. (vor unserer Zeitrechnung) ein erstes Dezimalsystem entstand. Dieses war aber den antiken Mathematikern im mediterranen Raum unbekannt. Selbst Größen wie Thales (wer kennt nicht seinen berühmten Satz), Pythagoras (der hatte auch was mit einem Satz am Hut) und Archimedes (der hatte was mit Umfang, Kreis und die ominöse Zahl Pi zu tun) kannten sie nicht, verwendeten sie doch keine Ziffern, wie wir sie heute kennen, sondern eine so genannte Zahlschrift, die aus verschiedenen Buchstabenkombinationen bestanden (ähnlich wie bei den Römern) und erst die Araber brachten uns wesentlich später unser auch heute noch verwendetes Ziffernsystem. Aber auch sie kannten die 0 nicht.

In der Antike verwendete man auch keinen einheitlichen Kalender. Man kannte verschiedene, nebenher existierende Systeme, deren bekannteste der jüdische Kalender und die römische Kalenderzählung seit der Gründung der Stadt Rom (ab urbe condita), bzw. nach der Kalenderreform von Kaiser Diokletian (236/245 – 312 n. Chr.) waren.

Die Grundlagen unseres christlichen Kalenders erarbeitete Dionysius Exiguus (470-540 u.Z.). Geboren in Skythe, wurde er später Abt und arbeitete ab ungefahr 500 u.Z. als Mönch in Rom und war hier mit dem römischen Senator Flavius Magnus Aurelius Cassiodorus (485-540 u.Z.) befreundet, der ihn wohl bei seinen Arbeiten, Dionysius Exiguus übersetzte Schriften griechischer Kirchenväter ins Lateinische,  unterstützte. Überdies sammelte er Beschlüsse von Kirchenkonzilen und erfasste auch systematisch die päpstlichen Dekrete.

Als Hauptarbeit von Exiguus wird die Begründung der christlichen Zeitrechnung gesehen, obwohl Forschungen der jüngsten Zeit darauf hinzudeuten scheinen, dass er heute verschollene Schriften des Vaters der kirchlichen Geschichtsschreibung, Eusebius von Caesarea (260/64 – 339/40 u.Z.) nutzte und auf deren Grundlage den neuen Kalender errechnete. Dabei ging es zunächst um die richtige Berechnung des Osterdatums als Höhepunkt im jährlichen Kirchenkalender. Nach umfangreichen Berechnungen legte er im Jahr 525 u.Z. den Beginn des christlichen Kalenders, dessen Startpunkt er mit der Geburt Christi verknüpfte, auf das Jahr 754 ab urbe condita fest, das somit zum Jahr +1 wurde. Christi Geburt fand also nicht im Jahr 0 statt, so dass, als Jesus Christi 1 Jahr alt wurde, das Jahr 2 des christlichen Kalenders begann. Für die Jahre vor Christi Geburt benutzte man negative Jahreszahlen, d.h. vor dem Jahr 1 gab es das Jahr -1 (und nicht 0, was heute bei vielen Kalenderberechnungen schlicht vergessen wird, weshalb manche Gründungsfeierlichkeiten alter Städte im falschen Jahr begangen werden).

Ein Problem war aber schon damals, dass das genaue Geburtsjahr Christi nicht bekannt war, weil es weder von Heidenchristen noch von Judenchristen schriftlich festgehalten worden war und auch das Neue Testament hierüber keine genauen Angaben enthält. Auch in unseren Tagen ist man sich da nicht sicher, man nimmt an, dass Jesus entweder im Jahr -4 oder -7 geboren v.u.Z. wurde (für die Hintergründe wäre eigentlich ein eigener Blogeintrag nötig). Insofern machen auch die Bezeichnungen n.Chr. (nach Christi Geburt) und vor allem das von Wissenschaftlern benutzte u.Z. (unserer Zeitrechnung, bzw. v.u.Z., vor unserer Zeitrechnung) Sinn, da der Fixpunkt der Geburt Christi nicht auf ein bestimmtes Jahr festgelegt werden kann. Streng genommen hätten wir im Jahr 2000 eigentlich das Jahr 2004 oder 2007 gehabt, daher die Festlegung auf den Terminus n.Chr., auch wenn das nach wie vor Unsicherheiten enthält.

Aber egal wie man rechnet, man muss jetzt einfach nur noch zählen. Nach 10 Jahren war das erste Jahrzehnt zu Ende, nach 100 Jahren das erste Jahrhundert und nach 1000 Jahren da erste Jahrtausend. Daher war das 2. Jahrtausend auch am 31.12.2000 und nicht schon am 31.12.1999 beendet. Folglich begann am 1.1.2011 das zweite Jahrzehnt des 3. Jahrtausends!

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