Donnerstag, 20. Januar 2011

Buchbesprechung: Sonne, Mond, Planeten beobachten und fotografieren

Marion Weigand, Sabrina Geyer: Sonne, Mond, Planeten beobachten und fotografieren, Okulare, Filter, Teleskoptipps. Aufnahmen mit WebCam & Co. Beobachtungs-Highlights Kosmos Astropraxis 2010. 144 S. m. zahlr. farb. Abb. u. Fotos. 215 mm. 426g., Einband: Kartoniert, Verlag: Kosmos (Franckh-Kosmos), ISBN: 9783440124390

Die Beobachtung und Fotografie der Planeten unseres Sonnensystems gehört unter Sternfreunden zu den beliebtesten Betätigungsfeldern. Dank der technischen Entwicklung der letzten Jahre, die vor allem die ständige Verbesserung der Webcams, aber auch die für die Bearbeitung der Bilder notwendigen Programme betrifft, sind heute Amateuren selbst mit durchschnittlichen Instrumenten der 8 bis 12 Zoll-Klasse Aufnahmen möglich, die vor 50 Jahren nicht mal den größten Teleskopen der Welt gelangen. Dabei ist die Handhabung der Programme oftmals recht simpel.

Doch zu einer guten Aufnahme gehört neben Webcam und Computerprogrammen natürlich das geeignete Teleskop, die richtige Montierung, notwendige Filter, um Details herauszuarbeiten und vieles mehr.

Im ersten Abschnitt geht es den beiden Autoren um die Grundlagen jeder Beobachtung und Fotografie. Das optische Zubehör wie Okulare, Barlowlinsen, Binoansätze, Filtertypen und die verschiedenen Umwelteinflüsse auf die Beobachtung, die unter dem allgemein gültigen begriff Seeing zusammengefasst sind, bereiten auf das nächste Kapitel vor und sind für eine gelungene Beobachtung von unschätzbarem Wert.

In „Fotografie und Bildverarbeitung“ sind die Wesentlichen zu beachtenden Grundlagen für den Umgang mit der Technik und am Ende für gute Ergebnisse durchzuarbeiten. Es versteht sich von selbst, dass dabei nicht alle Aspekte mit der notwendigen Tiefe abgedeckt werden können. Doch sind die hier vorgenommenen Darstellungen sehr übersichtlich und reichen für erste Schritte und die erste Vertiefung des neu erworbenen Wissens und der ersten praktischen Erfahrungen vollkommen aus. Dazu ist es aber unbedingt erforderlich, sich mit den Fragen über die Unterschiede bei den verschiedenen Kameratypen und Modellen, die Möglichkeiten zur Verbesserung der verwendeten Systeme und dem schier unendlichen Gebiet der digitalen Bildverarbeitung am Computer auseinander zu setzen.

Bevor es dann ans Eingemachte geht, müssen noch die Bewegungen von Sonne, Mond und Planeten am Himmel erarbeitet werden, was zum einen mit dem Auffinden der Objekte, aber auch mit der richtigen Nachführgeschwindigkeit des Teleskops zusammenhängt. Um optimale Mondbilder zu erhalten, ist es natürlich zwingend erforderlich, die Nachführung des Teleskops der gegenüber den Planeten schnelleren scheinbaren Bewegung des Erdtrabanten  anzupassen. Und nicht nur die Bewegung ist elementar, sondern auch die scheinbare Größe des Beobachtungsobjektes im Teleskop, seine Positionierung im Aufnahmefeld der Webcam (was gerade bei Planeten und einer ungenauen Nachführung zu einem langwierigen Geduldsspiel werden kann) und die (Nach-)vergrößerung. Das alles sind Punkte, die hier leider nur oberflächlich angesprochen werden. Stattdessen geht es hier nur um die trotzdem wichtige Orientierung der Planeten im Okular (allein dazu könnte man ein eigenes Kapitel schreiben), um die Randverdunkelung bei Jupiter und Sonne, Phasengestalten bei Merkur und Venus.

Den größten Platz im Buch nimmt naturgemäß die Einzeldarstellung der Planeten ein. Jedes einzelne Unterkapitel ist dabei systematisch aufgebaut und beschreibt Grundlegendes zum Planeten (Überblick, Sichtbarkeit, visuelle und fotografische Beobachtung) und Besonderheiten, wie die erst neu für den (begüterten) Amateur erschlossene Nah-UV-Beobachtung bei der Venus, die Marsfotografie mittels verschiedener Filter, die international definierten Details der strukturreichen Jupiteratmosphäre, die Beobachtung des Saturns mit Methanbandfiltern (was auf dem Amateursektor auch relativ neu ist) sowie die schwierige aber dennoch nicht unmögliche Fotografie der Planeten Uranus und Neptun.

Der Mondfotografie (inkl. Mondfinsternissen) ist wie die der Sonne (mit Sonnenfinsternissen) jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet. Das ist auch sinnvoll, unterscheiden sich die Beobachtungs- und Fotografiermethoden hier doch erheblich von denen der Planeten. Während der Mond Bilder mit hoher Detailauflösung ermöglicht, kann man bei der Sonne Flecken mit großer Detailgenauigkeit aufnehmen und ihre Entwicklung und Wanderung über die Sonnenoberfläche binnen Tagen verfolgen, Flares erfassen etc., was sowohl die Beobachtung im Weißlicht, als auch im H-Alpha und der Kalziumlinie angeht.

Wenn man sich an einigen Stellen auch einen etwas tieferen Einstieg in die Thematik gewünscht hätte, so vermittelt dieses Buch dennoch eine sehr schöne Übersicht über eines der faszinierendsten Gebiete der heutigen amateurastronomischen Beobachtung. Es wendet sich vor allem an den Einsteiger in diese komplexe Thematik. Profis und Sternfreunde, die sich schon länger damit beschäftigen, werden von diesem Buch allerdings nur wenig Nutzen davon haben, doch werden gerade Neu-Interessierte mit einem Gebiet vertraut gemacht, das zu längerer Beschäftigung in unserer kurzlebigen Zeit einlädt.

Kommentare:

  1. Herzlichen Dank für die ausführliche Besprechung !
    Und ganz einfach noch vielen Dank für diesen Ihren Blog.

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  2. Bitte sehr und viel Spaß beim Lesen des Buches! Mit sternfreundlichen Grüßen Manfred Holl

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