Donnerstag, 20. Januar 2011

19. Januar 1965: Start von GEMINI-TITAN-2

Bevor erstmals zwei amerikanische Astronauten in einer GEMINI-Kapsel die Erde umrundeten und so Kopplungsmanöver und Andockverfahren für das spätere APOLLO-Programm erprobten, gab es eine Reihe von unbemannten Testflügen mit der Startkonfiguration. Bei GEMINI-TITAN-2, die am 19. Januar 1965 um 14:03:59 UTC startete und schon wenige Minuten später um 14:22:14 UTC im Atlantik versank, ging es um die Erprobung des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre und dazu reichte ein ballistischer Flug allemal aus.

Nach dem erfolgreichen Test von GEMINI-TITAN-1 von 8. April 1964 und der Auswertung der dabei gewonnenen Daten, plante man für den November 1964 den ersten bemannten GEMINI-Start. Am 24. August 1964 sollte dazwischen liegend der zweite Test von GT-2 erfolgen. Daraus wurde jedoch nichts, denn nachdem Ende Juli die TITAN-Trägerrakete auf dem vorgesehenen Startplatz LC-19 aufgerichtet und Tests vorgenommen worden waren, mussten diese im August nach einem Blitzschlag am oder im Startturm unterbrochen werden. Die Untersuchungen auf Schäden, insbesondere auch bei der Trägerrakete, nahmen mehrere Wochen in Anspruch, der Starttermin wurde in den September hinein verschoben. Schäden wurden jedoch nicht gefunden, damit aber noch nicht genug. Ende August 1964 zog ein Hurrikan mit Namen Cleo über das Startgelände am Cape hinweg, zwei weitere Wirbelstürme wurden für den September vorhergesagt. Aus Sicherheitsgründen wurde die Rakete samt GEMINI-Kapsel wieder demontiert und am 18. September wieder aufgestellt. Am 9. Dezember – der Start der bemannten GEMINI war inzwischen verschoben worden – musste der Countdown für die Zündung der Haupttriebwerke eine Sekunde nach dessen Beginn wegen eines Druckabfalls in der Hydraulik der Steuerung abgebrochen werden.

Am 19. Januar 1965 wurde dann der Start erfolgreich durchgeführt. Es wurde eine Flughöhe von 171 km erreicht und nach 18 Minuten und 16 Sekunden und einem 3419 km langen Flug ging die Kapsel im Atlantik nieder, wo sie vom amerikanischen Flugzeugträger USS Lake Champlain geborgen wurde. Der Hitzeschild hielt den Belastungen stand und so war der Weg frei für die erste bemannte GEMINI-Mission, die am 23. März 1965 um 14:24:00 am LC-19 mit den beiden Astronauten John Young und Virgil Grissom an Bord zu einem suborbital-ballistischen Flug abhob und fast fünf Stunden später um 19:16:31 UTC im Atlantik wasserte.

Das im Atlantik geborgene GEMINI-2-Raumschiff wurde nach seinem ersten Einsatz wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt und erhielt eine Luke im Hitzeschild. Grund für die Restaurierung war die Wiederverwendung im Rahmen des militärischen Spionageprogramms, das so genannte MOL (Manned Orbiting Laboratory) der US Air Force. Gestartet am 10. Dezember 1963 sollte es als Nachfolger des X-20 Dyna Soar-Programms es zu einem ständig bemannten Raumlabor ausgebaut werden, die Besatzungen bis zu 40 Tage im All bleiben und dabei vorrangig das Territorium der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten überwachen. Daraus sollte bis 1974 mit Dyna-Soar-3 ein erster strategischer Weltraumbomber entwickelt werden. Weil aber alle Kräfte bei der NASA gebündelt werden sollten, um die Mondlandung vorzubereiten, wurde dieses Projekt 1963 eingestellt.

Das MOL wurde aber zunächst weitergeführt und so gab es am 3. November 1966 den ersten und einzigen Testflug im Rahmen dieses militärischen Programms. Die wieder aufbereitete GEMINI-2 wurde in GEMINI-B umgetauft und sollte an diesem Tag den modifizierten Hitzeschild ausprobieren. Und nicht nur das. Eine Attrappe, das so genannte Mock-up, sollte ebenfalls mitgeführt werden, die aus einem leeren Titan-II-Treibstofftank bestand. Mit an Bord der Titan III-Rakete waren noch drei kleinere Forschungssatelliten mit Namen OV1-6, OV4-1R und OV4-1T. In dieser komplexen Konfiguration startete die MOL-HSQ(Head Shield Qualification)-Mission, die GEMINI-B wurde in einem niedrigen Orbit ausgesetzt, die Satelliten erreichten die vorgeschriebene Umlaufbahn und das MOL wurde in einem Orbit ausgesetzt.

Wie GEMINI sollte die MOL-Besatzung auch aus zwei Astronauten bestehen. Am 1. November wurde die erste 8-köpfige MOL-Crew ausgewählt, am 2. Juni 1966 die zweite (5 Mann) und am 3.Juni 1967 die dritte (4 Mann). Die 17 ausgewählten Astronauten kamen aber im Rahmen des MOL-Projektes nie zum Einsatz. Sieben von ihnen, die nicht älter als 35 Jahre waren, wurden von der NASA übernommen und kamen später im Rahmen des Shuttle-Programms zum Einsatz: Richard H. Truly (Pilot bei STS-2 und Kommandant von STS-8, später NASA-Direktor von 1989 bis 1992), Karol J. Bobko (Pilot bei STS-6, dem Jungfernflug der CHALLENGER, Kommandant bei STS-51D und STS-51J), Robert L. Crippen (Pilot bei STS-1, dem Jungfernflug der COLUMBIA, Kommandant bei STS-7, STS-41C, STS-41G), Henry W. Hartsfield jr. (er gehörte zu den back-up-Crews von APOLLO 16 und allen drei SKYLAB-Missionen, war Pilot bei STS-4, Kommandant bei STS-41D und STS-61A, danach von 1986-1987 stellvertretender Leiter des Astronautenbüros bei der NASA, ab 1987 stellvertretender Direktor der Flugoperationen, wechselte 1990 kurzfristig in das „Office of Space Flight“ im NASA-HQ und widmete sich ab 1990 zunächst im Marshall Space Flight Center, anschließend im Johnson Space Center dem Aufbau der späteren ISS), Robert F. Overmyer (er gehörte der back-up-crew von APOLLO 17 und dem APOLLO-SOJUS-Test-Projekt an, war Pilot der STS-5 und Kommandant von STS-51B) und Donald H. Peterson, der bei STS-6 als Missionsspezialist dabei war.

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