Dienstag, 18. Januar 2011

18. Januar 2000: Der Tagish Lake-Meteorit


Niemand an den Ufern des Tagish Lake im Territorium Yukon im Nordwesten Kanadas ahnte am Morgen des 18. Januar 2000, was da aus dem Weltraum auf den 100 km langen und 2 km durchmessenden See nahe British Columbia zukam. Der See war an jenem Morgen zugefroren, was ein Glück für die Wissenschaft war.

Als etwa -22mag helle Feuerkugel raste ein 4 bis 5 Meter großer und mit einer Masse von 200 bis 250 Tonnen ausgestatteter Himmelskörper durch den kanadischen Morgenhimmel. Mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 16 km/s trat er in die Erdatmosphäre ein, schlug schließlich um 8:43:43 Ortszeit (UT 16:43:43) auf dem gefrorenen See auf und zerbrach dabei in mehrere Bruchstücke. Zeugen berichteten nicht nur von einer 15 bis 20 Sekunden andauernden, sehr hellen Himmelserscheinung, sondern auch von einem Geruch nach Schwefel und heißem Metall.Insgesamt 5 Videos und 24 Fotografien dokumentierten das Ereignis.

Zunächst wurde ein kanadischer Amateurastronom auf den aus 410 Bruchstücken bestehenden Fund auf dem zugefrorenen See aufmerksam, nur wenig später folgten Wissenschaftler des Department of Physics and Astronomy der University of Western Ontario um Peter Brown und sammelten das frische Material ein, um es schnellstmöglich zu untersuchen, weil es das bis dahin reinste Material aus dem Sonnensystem war, das man jemals in Kanada gefunden hatte.

Erste Untersuchungen ergaben, dass es sich bei dem Meteoriten und einen kohligen Chondriten handelte, einer besonderen Klasse von seltenen Steinmeteoriten. Genauer gesagt, einem Cl-Chondriten. Diese enthalten bis zu 20° Wasser, zahlreiche Aminosäuren und wurden während ihres Daseins nie über 50° erhitzt, dürften daher also nur vom Rande des Sonnensystems stammen und so ziemlich das ursprünglichste Material darstellen, was man sich vorstellen kann. Es wird auch spekuliert, dass sie Bruchstücke von inaktiven Kometen darstellen könnten. Überdies sind bei ihnen keine kleinen Chondren, d.h. nur wenige Millimeter große Silikatkügelchen, zu erkennen.

Da diese Klasse von Meteoriten kaum Metalle enthalten, können sie nur schwer, vor allem nicht mit Metalldetektoren, aufgefunden. Außerdem sind sie extrem selten und kommen nur zu 3% aller Meteorite vor.

Die genauen Analysen der Fundstücke dauerten mehr als ein Jahr. Dann stand fest, dass der Tagish-Lake-Meteorit aus der Entstehungszeit des Sonnensystems stammt und 4,5 Mrd. Jahre alt ist. Wie ursprünglich die Bruchstücke waren, ergab die Suche nach Lebensbausteinen. Man fand nämlich keine. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam Dr. Monica Grady vom British National History Museum in London. Sie entdeckte, dass der Meteorit zwar einen erheblich höheren Anteil an Kohlenstoff und Stickstoff enthielt, als es allgemein bei diesem Meteoritentyp üblich ist. Aus den beiden Elementen können sich Aminosäuren bilden. Dies aber war hier noch nicht geschehen, Kohlenstoff und Stickstoff waren keine  chemische Verbindung eingegangen. Es war also nur eine Vorstufe für die Lebensbausteine erreicht worden. Und das, sowie der Befund, dass winzige Spuren von Diamanten in dem Meteoriten vorhanden sind, lässt als Entstehungsort nur den Rand des präsolaren Nebels zu, aus dem später unser heutiges Sonnensystem entstand. Das ist das wahrhaft Sensationelle an dem Meteoritenfund vor 11 Jahren.

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