Mittwoch, 29. Dezember 2010

Georg Otto Herrmann Struve (1886-1933)

Die Astronomenfamilie der Struves hinterließ vom 18. bis ins das 20. Jahrhundert ihre deutlichen Spuren in der Geschichte der Astronomie. Ihr Name ist eng verknüpft mit der Sternwarte Dorpat und den deutsch-russischen Beziehungen auf astronomischer Ebene.

Georg Otto Herrmann von Struve wurde am 29. Dezember 1886 als Sohn des Astronomen Herrmann von Struve (1854-1920) in Tsarskoye Selo geboren, der südlich von St. Petersburg gelegenen, ehemaligen Zarenresidenz. 1895 zog die Familie nach Königsberg ins Baltikum, wo Georg Otto Wilhelm Struve das Gymnasium mit Erfolg abschloss. Von 1905 bis 1910 studierte er Mathematik und Astronomie an den Universitäten Heidelberg und Berlin. Mit der Promotion in der Tasche, war er ab 1911 Assistenz an den Sternwarten zu Bonn, Berlin und Bergedorf bei Hamburg und ab 1912 Mitarbeiter an der Sternwarte der Kaiserlichen Marine in Bremerhaven. In dieser Stellung schaffte er es während des 1. Weltkrieges sogar bis zum Korvettenkapitän.

Ab 1919 wirkte er an der von seinem Vater gegründeten Sternwarte Berlin-Babelsberg, wo er Himmelsmechanik studierte und die Arbeit seines Vaters über die Bewegungen der Monde von Saturn und Uranus fortsetzte. 1924 promovierte er und wurde Professor. Seine Studien führten ihn 1925 an das Lick-Observatory, wo er gemeinsam mit seinem Vetter Otto von Struve (1897-1963) beobachtete. Diese intensiven Arbeiten setzte er 1926 am Union Observatory in Johannesburg in Südafrika fort, wo er die dortige hohe Qualität der damaligen Himmelsfotografie zu schätzen lernte. 1928 zog es ihn zu weiteren Untersuchungen der Saturnmonde nach Chicago im US-Bundesstaat Illinois. Um 1930 herum nahm er an der sogenannten Eros-Kampagne teil, bei der es darum ging, Beobachtungen des Asteroiden (433) Eros zur Bestimmung der Sonnenparallaxe zu verwenden. Später ging er an das Yerkes-Observatory, wo er wieder mit seinem Vetter zusammentraf und die von seinem Großvater Otto Wilhelm von Struve (1819-1905) begonnenen Analysen des 83 Lichtjahre entfernten Dreifachsternsystems zeta Cancri fortsetzte, wo ein F8V Hauptreihenstern (+ 5,63 mag) von einem G0-Hauptreihenstern (SAO 97646, +6,20 mag) und dem G5V-Hauptreihenstern (HD 68255, +6,20 mag) auf einer komplizierten Bahn und sich dann auch noch selbst umrunden. Die Umlaufperiode der beiden Begleiter beträgt 59,3 Jahre, beide umkreisen den Hauptstern in 1100 Jahren.

Georg Otto Herrmann Struve, der mit Marie von Mokk, der Tochter eines preußischen Generals verheiratet war und mit ihr zwei Söhne hatte: Wilfried von Struve (1914-1992), der auch Astronom wurde, und Reinhardt von Struve, er fiel 1943 während des 2. Weltkrieges, wurde am 28. Mai 1933 wegen einer akuten Lungenentzündung in ein Berliner Krankenhaus eingeliefert, wo er am 10. Juni im Alter von nur 47 Jahren verstarb.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Russische Sonde könnte Mars verunreinigen

Seit dem 10. Oktober 1960, als der Start der sowjetischen MARSNIK 1-Sonde (verschiedentlich auch MARS 1960A genannt) durch eine Fehlfunktion der 3. Stufe der MOLNIJA-Trägerrakete misslang, gab es diverse Versuche, der UdSSR und Russlands sowie der USA, den roten Planeten Mars zu erkunden. Waren am Anfang die Russen bei der Venus erfolgreich, so hatten die USA beim roten Planeten mehr Erfolg.

Die ersten Missionen waren noch als reine Vorbeiflüge geplant. Die erste, allerdings erfolglose, Landung eines Instrumententrägers gelang mehr oder weniger unfreiwillig am 27. November 1971, als der Lander der sowjetischen MARS 2-Sonde unkontrolliert in der Gegend des Hellespontus Montes bei 45° S und 313° W zerschellte. Die Schwestersonde MARS 3 war ein klein wenig erfolgreicher. Deren Landeeinheit ging in der Nähe des Kraters Ptolemäus bei 49° Süd, 158° West nieder und konnte noch den Beginn einer Panoramaaufnahme zur Erde senden, diese hatte bereits nach 90 Sekunden nach der Landung begonnen und war 20 Sekunden später schon wieder beendet. Am 12. März 1974 setzte MARS 6 bei 25° westlicher Länge und 24° südlicher Breite unsanft auf und ist zerschellt oder schlicht umgekippt. Am 20. Juli 1976 landete mit VIKING 1 zum ersten Mal erfolgreich eine Sonde auf dem Mars, gefolgt von VIKING 2 am 4. September 1976. Erst am 4. Juli 1997 landete wieder ein irdischer Raumflugkörper auf dem Mars, der schon legendäre MARS PATHFINDER, der mit dem kleinen SOJOURNER den ersten Marsrover aussetzte. Nach dem Auslaufen der Mission wurde der Landeplatz in Ares Vallis in „Carl Sagan Memorial Station“ umbenannt. Der MARS CLIMATE ORBITER ist nach dem 23. September 1999 wahrscheinlich auf dem Mars abgestürzt, der Auftreffpunkt konnte bislang nicht lokalisiert werden. Ein ähnliches Schicksal erleidete der MARS POLAR LANDER am 3. Dezember 1999.und DEEP SPACE 2, der am gleichen Tag verloren ging. BEAGLE 2, der Lander der europäischen MARS EXPRESS-Mission ging in der Heiligen Nacht 2003 vom 24, auf den 25. Dezember verloren und ist seit dem verschollen. Die beiden Lander SPIRIT, der am 4. Januar 2004 nahe des Gusev-Kraters niederging und OPPORTUNITY, der am 25. Januar 2004 in Meridiani Planum landete, waren die beiden letzten irdischen Instrumenteneinheiten, die mit Erfolg auf dem Mars landeten und neben unzähligen Aufnahmen Untersuchungen auch zu der Frage nach Leben auf unserem Nachbarplaneten vornahmen. Am 25. Mai 2008 ging der bisher letzte Lander PHOENIX ebenfalls verloren.

Neben den ganzen genannten Sonden, von denen nur noch SPIRIT und OPPORTUNITY sehr eingeschränkt funktionstüchtig sind, liegt auf unseren Nachbarplaneten allerhand irdischer Müll herum. Teile abgestürzter Sonden, geplatzte Airbags, Trümmerstücke verloren gegangener Sonden etc. Und genau hier liegt möglicherweise das Problem. Zwar kann man voraussetzen, dass bei allen Missionen die Anti-Kontaminierungsvorschriften eingehalten wurden, so gut es ging. Was aber nicht sicher ist, sind die ersten Missionen. Für die galten zwar auch die Vorgaben der Reinraumtechnik, doch sicher kann man sich nicht sein, dass es nicht doch irdischen Mikroben und Bakterien gelang, die Reise zum Mars zu überleben und sich dort zu verbreiten.

Dies steht im klaren Widerspruch zur UN Outer Space Treaty (610 UNTS 205 - Resolution 2222(XXI) vom Dezember 1966) und der Cospar Planetary Protection Policy vom 20 Oktober 2002, die beide die Grundsätze der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper regeln. Mit anderen Worten also, sagt insbesondere das erste Abkommen aus, wie man verhindert, dass andere Körper des Sonnensystems durch irdische Kleinstlebewesen kontaminiert werden. Dies ist nämlich wichtig, damit die Suche nach Leben auf dem Mars nicht durch auf der Erde reichlich vorhandenen Mikroorganismen verfälscht wird. Bis heute ist aber nicht sicher, in welchem Umfang möglicherweise bereits heute eine Kontamination stattgefunden hat. Dies betrifft neben biologischen vielleicht auch chemischen und weiteren Verunreinigungen, etwa durch die in den Tanks der Sonden vorhandenen Antriebsstoffe. So gesehen, kann die Verunreinigung des Mars schon wesentlich weiter fortgeschritten sein, als man allgemein annimmt. Die Menge dieser Verunreinigung abzuschätzen (man vermutet gegenwärtig etwa 1 Mrd. Einheiten der verschiedensten Sporen auf dem Mars) ist eine Aufgabe der russischen Proben-Rückholmission PHOBOS SAMPLE RETURN MISSION (früher PHOBOS-GRUNT genannt), die Mitte 2011 starten und die Proben 2014 zurückbringen soll. Was aber viel schlimmer ist: Die Russen wollen bewusst Mikroben mitführen, um deren Resistenz im Weltall und auf dem Mars zu testen und die Veränderungen bei der Rückkehr zu untersuchen.

Das aber macht den Sinn der bisherigen vertraglichen Regelungen über die Verhinderung der Kontaminierung anderer Himmelskörper überflüssig, weil es einen klaren Rechtsbruch darstellt. Andererseits könne man, so die russische Weltraumagentur ROSKOSMOS, nur auf diesem Wege feststellen, ob es wirklich möglich ist, dass Lebenssporen in der frühen Entwicklungsphase des Sonnensystems von Asteroiden durch das Sonnensystem getragen und zur Erde befördert werden konnten.

Diese Theorie ist nämlich gar nicht so sicher, wie es allgemein scheint, denn die auf der Erde gefundenen Marsmeteoriten flogen ein paar Millionen Jahre durch das All und ob sie Sporen enthielten, das lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei nachweisen. Andererseits ist es auch möglich, dass bei Impakten auf dem Mars Bruchstücke in nur wenigen Jahren zur Erde gelangen könnten, was die Überlebenschance von Sporen deutlich verbessert, vorausgesetzt, es gab früher solche auf unserem Nachbarplaneten.

Es stellt sich also die Frage, ob diese Art der wissenschaftlichen Aufklärung so wichtig ist, dass internationale Abkommen gebrochen werden und eine Kontaminierung des Mars bewusst in Kauf genommen wird. Das Risiko erhöht sich nämlich, sollte die Mission scheitern und die Sonde auf dem Mars abstürzen. Der Mars wäre dann für alle Zeiten mit Mikroben verunreinigt und alle danach gefundenen Hinweise auf Leben auf dem Planeten müssten in diesem Lichte betrachtet werden. Eine Entdeckung wirklich auf dem roten Planeten entstandenen Lebens würde so unmöglich werden.

Heinrich Christian Schumacher (1780-1850)

Am 3. Dezember 1780 wurde in Bramstedt in Holstein Heinrich Christian Schumacher als Sohn des Amtmannes Andreas Schumacher geboren. Bereits im Alter von 7 Jahren stellte ihn sein Vater dem dänischen König Friedrich VI vor, der auch Herzog von Holstein war. Eine Begegnung, die zu einer lebenslänglichen Freundschaft werden sollte. Nach dem frühen Tod des Vaters zog seine Mutter mit ihm ins damals noch dänische Altona, heute ein Stadtteil in Hamburgs Westen. Dort traf er schon in jungen Jahren auf den Topographen Johann Friedrich August Dörfer (1766-18279 und den Gymnasialdirektor Jakob Struve, der als Stammvater der gleichnamigen Astronomenfamilie gilt. Dadurch erhielt er auch erstmals Kontakt zur Astronomie.

Es erstaunt ein wenig, dass er trotz seiner Kenntnisse in der Vermessung des Himmels die Juralaufbahn einschlug. Er studierte dieses Fach in Kiel und Göttingen und war ab 1805 Rechtsdozent an der Universität von Dorpat, wo er durch den Leiter der dortigen Sternwarte, Johann Wilhelm Andreas Pfaff (1774-1835) abermals mit der Himmelswissenschaft in Berührung kam, der ihn gleichzeitig auch in Mathematik unterrichtete. Dieser unterstützte Schumacher dann nach seiner Rückkehr darin, an den Universitäten Kopenhagen und Göttingen nun doch Astronomie und Mathematik zu studieren. Zu Hilfe kam ihm dabei auch ein Stipendium des Dänenkönigs.

Die Kontakte zu damaligen Größen der Astronomie vertieften sich durch sein Studium. In Göttingen kam er mit dem Universalgenie Carl Friedrich Gauss (1777-1855) zusammen, der sein Lehrer war und ihn für die Geodäsie zu begeistern vermochte. Beide wiederum trafen sich häufiger mit Heinrich Wilhelm Olbers (1758-1840), Johann Hieronymus Schroeter (1745-1816) und Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846) und besprachen aktuelle astronomische Fragestellungen. War Schumacher in Altona, so traf er sich hier häufiger mit Johann Georg Repsold (1770-1830), Hamburger Oberspritzenmeister bei der Feuerwehr und begnadeter Feinmechaniker und Begründer einer eigenen Fa. zur Herstellung astronomischer Instrumente. Nach ihm war im Hamburger Wasserturm von 1970 bis 2002 die Repsold-Sternwarte der GvA-Hamburg benannt. Schumacher gehörte denn auch seit 1808 zu den regelmäßigen Gästen auf der Sternwarte Repsolds.

Die ersten Erfolge des frisch gebackenen Astronomen stellten sich alsbald ein. So wurde er 1810 außerordentlicher Professor an der Kopenhagener Universität, 1813 Direktor der Sternwarte Mannheim und 1815 ordentlicher Professor in Kopenhagen. Ab 1817 war er vom dänischen König Friedrich VI. damit beauftragt, geodätisch den Meridian von Skagen bis Lauenburg zu vermessen (ein Arbeit, die Gauss bis nach Hannover erweitert wurde, wodurch ein erstes geodätisches Netzwerk für den nordeuropäischen Raum entstand, als diese mit entsprechenden dänischen Vermessungen verbunden wurden. Dem folgte 1820 der Auftrag der Kopenhagener „Gesellschaft der Wissenschaften“, Holstein vollständig zu vermessen und entsprechendes Kartenmaterial zu erstellen.

Die ordentliche Professur sorgte für ein geregeltes Einkommen, was für Astronomen auch schon zu damaliger Zeit selten genug der Fall war. Von dem verdienten Geld kaufte er sich 1821 in der Altonaer Palmaille ein Haus und richtete hier die Altonaer Sternwarte ein, unterstützt wiederum durch den Dänenkönig, der für dieses eigene Institut neben regelmäßigen Gehaltszahlungen auch Mittel zur Beschäftigung von Mitarbeitern und den Unterhalt der Sternwarte bereit stellte. Dieses königliche Privileg wurde sogar um den Punkt erweitert, dass seine Mitarbeiter nach seinem Tod in Altona weiter forschen konnten.

Von der Sternwarte aus, konnte die nähere Umgebung vermessen werden, im Garten war ein Reichenbachscher Meridian von Repsold errichtet worden.

Im Jahr 1823 gründete Schumacher die auch heute noch bestehende wissenschaftlichen „Astronomischen Nachrichten“, die den Gedanken der verbesserten Kommunikation zwischen den Astronomen in die Welt hinaus tragen sollte. Schon bald fanden sich erste Beiträge von namhaften Astronomen seiner Zeit darin, die weit über den eigenen Kollegenkreis hinaus gingen. So publizierten alsbald Berühmtheiten wie Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822), Johann Franz Encke (1791-1865) und George Biddell Airy (1801-1892) in den Astronomischen Nachrichten. Diese Zeitschrift war aber nicht Schumachers alleinige Idee, den Anstoß dazu hatte der sehr an den Naturwissenschaften interessierte dänische Staatsminister Johann Sigismund von Mösting (1759-1843) gegeben.

1824 bestimmten Schumacher und sein Hauptobservator und späterer Nachfolger Adolph Cornelius Petersen (1804-1854), der Entdecker von vier Kometen war, die Unterschiede in Länge zwischen Altona und Greenwich, unternahmen 1830 auf der dänischen Insel Fünen Längenbestimmungen mit Hilfe von Pendelbewegungen, vermaßen Hamburg 1842 nach dem Großen Brand neu und waren auch für die Vermessung der Eisenbahnstrecke zwischen Altona und Kiel zuständig. Seit etwa 1840 hatte sich Schumacher zudem mit dem Problem der Zeitdifferenzen zwischen Orten unterschiedlicher geographischer Länge beschäftigt und für die Altona-Kieler-Eisenbahn eine Art Vorläufer der späteren mitteleuropäischen Zeit  entwickelt, die erst ab 1880 auf verschiedenen internationalen Wissenschaftskonferenzen diskutiert wurde.

In den letzten Lebensjahren Schumachers verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zunehmend, was auch eine Folge seiner beinahe rastlosen Lebensweise war. Schuld daran waren auch die sich beinahe schon dramatisch verändernden Beziehungen zum dänischen König. Christian VIII. war Thronnachfolger des 1839 verstorbenen Friedrich VI. und weniger an den Naturwissenschaften und besonders der Astronomie interessiert. Hinderlich war in der Hinsicht auch der Schleswig-Holsteinische Aufstand der Jahre 1848-1850, als sein Haus an der Palmaille von Aufständischen belagert wurde und er sich offiziell nicht mehr den Astronomischen Nachrichten widmen durfte.

Diese äußerst widrigen Umstände, die sein bisher von vielen wissenschaftlichen Ehrungen (er erhielt 1829 die Goldmedaille der britischen Royal Astronomical Society und war Mitglied zahlreicher Akademien weltweit) geprägtes Leben negativ beeinflussten, dürften mit zu seinem Tod am 28. September 1850, vor exakt 160 Jahren, beigetragen haben.

Die Altonaer Sternwarte blieb noch bis 1872 in Betrieb und wurde erst 1941 zerstört, während es die Astronomischen Nachrichten als elitäre, aber mittlerweile nahezu bedeutungslos gewordene, Fachzeitschrift, die nur einem ganz kleinen Kreis von Astronomen zugänglich sind, auch heute noch gibt.

Haben Sie schon einen astronomischen Wandkalender für 2011?

Wer sich den Sternen verbunden fühlt, wünscht sich sicher einen Jahreskalender mit astronomischen Motiven. Doch wenn man derzeit die Ladengeschäfte auf der Suche nach einem passenden Exemplar durchstreift, wird man oft herbe enttäuscht. Astrologiekalender, Mondkalender mit allerlei dubiosen Empfehlungen, getarnt als Lebenshilfe, Tier- Landschaft- und wer weiß was noch für Kalender. Aber rein astronomische? Leider oft genug Fehlanzeige.

Ich selber habe für ein paar Jahre an einem astronomischen Mondkalender mitgearbeitet und für jeden Monat passende Texte geliefert, die Themen wie Mondphasen, Mondfinsternisse, das Erde-Mond-System etc. behandelten. Leider wurde dieser vor ein paar Jahren zu Gunsten eines Astrologiekalenders eingestellt, weil der Verlag sich davon mehr Umsatz versprach. Nicht nur eine Einnahmequelle weniger, auch die astronomische Information blieb auf der Strecke. Dafür dann eben Astrologie mit ihren unbewiesenen und obskuren Tipps und Tricks für ein besseres Leben, na wer´s denn braucht. Aber der Trend passt gut in die heutige Zeit, wo man eher auf Seichtes als auf Information Wert legt. Und das in einer Informationsgesellschaft.

Doch zurück zu den Kalendern. Während man sich die Hacken schief laufend durch den Schnee kämpfen muss, um ein Geschäft nach dem anderen abzuklappern, gibt es noch das Internet. Und da wird man auf der Suche nach neuen Kalendern durchaus fündig.

Als bemerkenswerte Neuerung gibt es hier einen Kalender mit astronomisch wichtigen und relevanten Terminen als Wandposter:
Das Astronomische Jahr, das man z.B. hier beziehen kann. Eine, wie ich finde, richtig innovative Idee. Abonnenten der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ erhielten in der Dezember-Ausgabe kostenfrei ein ähnliches Produkt, das aber weniger Informationen enthält. Besagte Zeitschrift hat einen eigenen Wandkalender für 2011 herausgebracht: Himmel und Erde. Aus dem Umfeld der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ kommt Sternzeit 2011, etwas teurer, aber mit ebenso hochwertigen Aufnahmen, die einen das ganze Jahr erfreuen dürften. Unendliches Weltall, so der Name des Astrokalenders aus dem Hanneschläger-Verlag ist eine Überlegung für eine Anschaffung wert. Der Himmelskalender 2011 ist gleichfalls empfehlenswert, stammen doch die Bilder und Texte von Stefan Seip und Hermann-Michael Hahn, aber anscheinend derzeit ausverkauft. Schade. Sogar zur Himmelsscheibe von Nebra gibt es einen ganz besonderen, ewigen, Jahreskalender . Und die Faszination Weltall zählt gewiss auch zu den Kandidaten für einen dekorativen Wandschmuck wie die Kosmos Edition 2011, oder die Kosmische Zeitreise aus dem PM-Verlag.

Für welchen Kalender Sie sich auch immer entscheiden: Sie werden bei einem Blick aufs Datum ein ganzes Jahr lang immer wieder an das schönste und faszinierendste Hobby der Welt erinnert.

Montag, 27. Dezember 2010

Winter ja, Chaos..?

Dieser Tage liest man viel über das Chaos, das durch den strengen und eisigen Winter hervorgerufen wurde.  Streng? Eisig? Seit dem 22. Dezember, 0:38 MEZ, haben wir astronomisch auf der Nordhalbkugel Winter, d.h. die Sonne hat zu dem Zeitpunkt die scheinbare geozentrische Länge der Sonne von 270 ° erreicht. Die Wintersonnenwende wich davon nur um wenige Minuten ab, die Behauptung, die Mondfinsternis am 21.12.2010 fand am Tage des niedrigsten Sonnenstandes statt, stimmte gerade mal so eben. Die Wintersonnenwende bedeutet, wieder astronomisch betrachtet, das Überwinden der niedrigsten Deklination für einen Bewohner der Nordhalbkugel. Für Südhalbkugelbewohner ist es gleichzeitig der Höchststand der Sonne, der an diesem Tage erreicht wurde, weil ja die dortigen Jahreszeiten umgekehrt zu unseren stattfinden. Grund ist die Stellung der Erdachse in Tateinheit mit dem Einfallswinkel der Sonne für einen gegebenen Ort auf der kugelförmigen Erde.

Ganz schön kompliziert, nicht wahr? Zumindest ist das anscheinend ebenso kompliziert, wie die Handhabung des Winters hierzulande. Man spricht von chaotischen Verhältnissen, aber seien wir doch mal ehrlich. Wir haben Winter und da ist Schnee nun mal normal. Allerdings sind wir in Europa und besonders in Deutschland durch die fehlenden Winter der letzten Jahre entwöhnt und können damit nicht mehr umgehen. Verschneite Straßen gab es auch früher schon, nur redete man da nicht gleich von Schneekatastrophe und Schneechaos. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir früher in der Schule so häufig Schulausfall wegen Schnee hatten. Klar, natürlich hatten wir auch Schulausfälle, aber so häufig wie in den letzten Wochen kam das nicht vor. Einmal gab es schulfrei, weil unser Chemielehrer das Schullabor kontaminiert hatte und die Feuerwehr anrücken musste, aber das hatte mit dem Winter nichts zu tun. Zur Schneekatastrophe 1978/79 mussten die höheren Jahrgänge in der Schule erscheinen. Ist logisch, denn wer vor dem Winter kapitulierte, hätte später auch kaum Chancen auf eine Lehrstelle gehabt. Früher ist man zur Not zu Fuß zur Schule gegangen. Heute geht das nicht mehr (ausgenommen natürlich da, wo auf dem Dorf ein Nachbarort aufgesucht werden muss).

Dass es jetzt Zugausfälle gibt, Flugzeuge nicht starten oder landen konnten, nun, schweigen wir drüber. Anscheinend haben wir nur noch Schönwetterverkehrsmittel. Die Bahn hat ja auch nur 5 Probleme: Frühling, Sommer, Herbst, Winter und die Fahrgäste.

Ich frage mich auch, wo die Ökos bleiben, die uns weltuntergangsmäßig nur noch warme Winter prophezeit haben und nun angesichts des zweiten richtigen Winters in Folge verstummt sind. Die globale Erderwärmung, ausschließlich durch den Menschen verursacht (was leider nur zum Teil richtig ist), würde dafür sorgen, dass es im Winter bei uns nur noch um die +10° „kalt“ werden würde. Einseitig greifen sie sich eine Ursache, das CO2 heraus , bekämpfen dieses (was ja nicht so verkehrt ist) und lassen dabei aber z.B. die Wirkung des Methans völlig außer Acht , ebenso wie schwer zu kalkulierende natürliche Faktoren. Dabei könnte der gegenwärtige Winter in der Tat mit der globalen Erwärmung zu tun haben.  Unser an sich mildes Klima verdanken wir dem Golfstrom und wenn der sich abkühlt, werden die Winter in Europa intensiver. Darauf scheint momentan einiges hinzudeuten. Erklären können die Ökos auch nicht, weshalb z.B. vor 10.000 Jahren der Kohlendioxydgehalt der Erdatmosphäre um ein Vielfaches höher war als heute. Industrie gab es da noch nicht, und Menschen nicht so viele wie heute. Es gibt also auch eine natürliche Komponente bei der Erwärmung, die man, würde man es richtig machen, auch mit kompensieren müsste. Aber man nimmt nur den menschlichen Teil aufs Korn.

Auch so manche politische Reaktion stimmt nachdenklich. So werden eilfertig Schneeketten für LKWs gefordert, wobei die LKW-Fahrer, wenn sie Schneeketten haben, sie dann dauernd an- und abziehen müssten. Fahren Sie damit innerorts durch geräumte Straßen, gibt es Beschwerden, weil die Schneeketten den Teer aufrauen würden. Schnellschüsse, die niemandem was bringen, aber deutlich machen, dass man hierzulande es verlernt hat, dem Winter zu begegnen. Das, was heute als Chaos bezeichnet wird, nannte man früher schlicht Winter!

Lohnt es sich noch, Astrozeugs zu kaufen?

Es ist wie bei jedem aufwändigen Hobby: Wer gibt nicht gerne Geld aus, mitunter auch sehr viel Geld, für neue Astroteile, neue Teleskope, Montierungen, Kameras, Okulare, Bücher oder Astroreisen in ferne Gefilde. Doch, mal ernsthaft gefragt, lohnt sich das überhaupt?

Die Frage nach dem Sinn von Geldausgaben für ein Hobby ist müßig. Man macht es, weil man es will. Das ist ja auch legitim. Aber wie sieht das bei einem wetterabhängigen Hobby wie der Astronomie aus?

Meine letzten drei großen Anschaffungen waren vor ca. 3 Jahren ein 20cm-Dobson-Teleskop, letztes Jahr eine Canon 1000Da für die Astrofotografie und auf der letzten ATT ein, allerdings günstig erstandenes, Okular. Doch was habe ich davon seit dem Kauf wirklich benutzt?

Den Dobson habe ich bisher so ca. 4 bis 5x bei Beobachtungen genutzt und hatte ihn 2x mit zur Sternwarte Kirchheim genommen (und einmal da auch gar nicht benutzt). Die Kamera habe ich im Frühjahr in Kirchheim eingesetzt, seit dem nicht mehr und das Okular wurde bisher nur ausgepackt und zu den anderen gelegt.

Was also ist der Sinn dieser Anschaffungen? Klar, wenn man mal Zeit hat und man auch mal rausfahren kann (was bei der gegenwärtigen Witterung schon zu einem Abenteuer werden kann), hat man alles beisammen, um richtig loslegen zu können. Aber wann ist das der Fall?

Unter vielen Weihnachtsbäumen lag sicher auch das eine oder andere Teleskop. Dass manche damit gleich mal schlechte Erfahrungen machen, hat eher andere Gründe (Anfänger werden bei der GvA in Hamburg gut betreut; hier kann man bei Problemen Hilfe bekommen). Das liegt eher an der doch oft für einen Einsteiger zu komplexen Technik. Aber beim eben genannten verein kann man Hilfe bekommen.

Ich stelle mir eine ganz andere Frage: Lohnt es sich, vielleicht viele Hundert Euros auszugeben für etwas, was man vielleicht nur ein oder zweimal im Jahr wirklich benutzt?

Das Wetter in Norddeutschland ist in den vergangenen Jahren in den astronomisch so wichtigen Wintermonaten immer schlechter geworden. Der Schnee der letzten Wochen ist beredtes Beispiel dafür. Selbst wenn es superklar wäre und das Seeing optimal: Ohne eigene Sternwarte am Haus hätte man kaum eine Chance. Und da in Hamburg die Lichtverschmutzung immer mehr zunimmt (warum das hier für die Ökos kein Thema ist, bleibt rätselhaft), ist das keine wirkliche Alternative.

Ergo müsste man rausfahren, etwa zur Außensternwarte der GvA nach Handeloh. Aber wie da hinkommen, wenn man sich durch Schneeverwehungen durchkämpfen und man am nächsten Tag früh auf der Arbeit sein muss. Man steckt in einer Zwickmühle, die, zumindest bei mir, immer mehr dazu führt, dass ich nicht beobachte. Daher habe ich für mich beschlossen, erst mal keine neuen Astroteile mehr zu kaufen, die man dann als totes Kapital im Schrank oder Koffer liegen hat.

Sonntag, 26. Dezember 2010

Luftunruhe und Sonnenflecken

Dass die Erdatmosphäre erhebliche Auswirkungen auf die Beobachtung von Sternen und Planeten hat, ist hinlänglich bekannt. Logisch ist daher, dass sie auch die Sichtbarkeit von Sonnenflecken auf der Sonnenoberfläche in erheblichem Maße beeinflusst.


Gestern und gerade eben konnte ich die Sonne mit meinem kleinen 80/400er Refraktor und Herschelkeil (damit ich nicht nur zwei Beobachtungen machen kann ...)  beobachten. War gestern das Sonnenbild erheblich am Wabern, sodass man eigentlich nicht mal den Sonnenrand scharf einstellen konnte, so war die Luft heute wesentlich ruhiger. Und siehe da: Die kleine B-Gruppe, die gerade auf der Sonne ist, konnte ich nach einigen Minuten konzentrierten Beobachtens denn auch finden. Sie ist also auch in kleinen Teleskopen zu sehen, wenngleich dazu vielleicht auch ein wenig Beobachtungserfahrung nötig ist.


Die Fleckengruppe war gestern auch schon da (nicht, das es keine kurzlebigen Flecken gäbe, die binnen Stunden wieder verschwunden wären), nur verhinderte das Seeing erfolgreich eine Sichtung. Heute war die Gruppe hingegen einwandfrei zu sehen.


Daher empfiehlt es sich, eigentlich nur dann Sonnenfleckenrelativzahlen zu bestimmen, wenn die Luft ruhig ist. Aber: Wann ist das? Meist beobachtet man gerade dann nicht, weil man auf der Arbeit ist, sich um die Familie kümmert, den Sonntagsspaziergang macht. Aber auch der Verzicht auf all diese Aktivitäten würde an manchen Tagen nichts bringen, wenn dass Seeing den ganzen Tag über schlecht ist.


Das liegt - natürlich - am Wetter oder den klimatischen Rahmenbedingungen (nein, das hat nichts mit dem Klimwandel zu tun, das ist immer so). Momentan haben wir eine stabile Hochdrucklage mit anscheinend homogener Luftschichtung. Da ist die Luftruhe groß (bzw. die Luftunruhe gering). Gestern hatten wir noch Warmschichten in der Atmosphäre, die sich mit der Kaltluft durchmischt hat, die Folge: Schlechtes bis miserables Seeing.


Noch ein Wort zur derzeit geringen Sonnenaktivität: Die 2012-Jünger wird es ärgern, gehen sie doch von einer exponentiell gesteigerten Aktivität am 21.12.2012 aus. Hält der gegenwärtige Trend sehr niedriger Sonnenaktivität weiter an (und dafür spricht so einiges), wird es zumindest mit "Protuberanzen, die nach der Erde greifen" nichts werden. Und auch während der bislang höchsten Sonnenaktivität, die jemals gemessen wurde, damals im Jahr 1957, ist die Welt nicht untergegangen. Im Gegenteil, im gleichen Jahr startete der sowjetische SPUTNIK-1, der erste von Menschenhand gebaute künstliche Erdsatellit, aber das ist jetzt eine andere Geschichte.

Weihnachten ist (fast) vorbei

Das Jahr ist fast vorüber. Grund genug, mal ein wenig auf das Jahr 2010 zurück zu schauen. Astronomisch war es mich mich nicht so unbedingt das Superjahr. Ich konnte bislang nur an 190 Tagen die Sonne beobachten - 2009 waren es noch fast 230 Tage - auch die Nachtbeobachtungen waren deutlich weniger als erhofft.


Die Sonnenaktivität ist momentan auch äußerst gering. Es ist wohl eine ziemlich kleine Fleckengruppe auf der Sonne, aber die wird bei dem miesen Seeing an meinem Standort inmitten von Häusern und Bäumen mal wieder nicht sehen können.




Hatte ich für 2010 mir noch viele Beobachtungen mit meinem  8 " Dobson gewünscht, so erfüllte sich das überhaupt nicht. Anscheinend ist das mit den Vorsätzen immer so eine Sache. Man muss es auch tun und sich nur vornehmen.


Und so passt es ins Bild, das ich die Mondfinsternis am 21.12.2010 auch nicht beobachten konnte, weil ich da einerseits arbeiten musste, andererseite die Sicht aber derart schlecht war, das ich ohnehin - dank aufziehender Wolken - nichts hätte sehen können.


Meine letzten Nachtbeobachtungen stammen von einem Astrourlaub auf der Sternwarte im thüringischen Kirchheim, da hatte ich auch erstmals meine Canon 1000Da eingesetzt. Seit dem schmort sie im Koffer.


Nun hoffe ich - wie in jedem Jahr - dass da nächste Jahr besser wird. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.