Montag, 27. Dezember 2010

Winter ja, Chaos..?

Dieser Tage liest man viel über das Chaos, das durch den strengen und eisigen Winter hervorgerufen wurde.  Streng? Eisig? Seit dem 22. Dezember, 0:38 MEZ, haben wir astronomisch auf der Nordhalbkugel Winter, d.h. die Sonne hat zu dem Zeitpunkt die scheinbare geozentrische Länge der Sonne von 270 ° erreicht. Die Wintersonnenwende wich davon nur um wenige Minuten ab, die Behauptung, die Mondfinsternis am 21.12.2010 fand am Tage des niedrigsten Sonnenstandes statt, stimmte gerade mal so eben. Die Wintersonnenwende bedeutet, wieder astronomisch betrachtet, das Überwinden der niedrigsten Deklination für einen Bewohner der Nordhalbkugel. Für Südhalbkugelbewohner ist es gleichzeitig der Höchststand der Sonne, der an diesem Tage erreicht wurde, weil ja die dortigen Jahreszeiten umgekehrt zu unseren stattfinden. Grund ist die Stellung der Erdachse in Tateinheit mit dem Einfallswinkel der Sonne für einen gegebenen Ort auf der kugelförmigen Erde.

Ganz schön kompliziert, nicht wahr? Zumindest ist das anscheinend ebenso kompliziert, wie die Handhabung des Winters hierzulande. Man spricht von chaotischen Verhältnissen, aber seien wir doch mal ehrlich. Wir haben Winter und da ist Schnee nun mal normal. Allerdings sind wir in Europa und besonders in Deutschland durch die fehlenden Winter der letzten Jahre entwöhnt und können damit nicht mehr umgehen. Verschneite Straßen gab es auch früher schon, nur redete man da nicht gleich von Schneekatastrophe und Schneechaos. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir früher in der Schule so häufig Schulausfall wegen Schnee hatten. Klar, natürlich hatten wir auch Schulausfälle, aber so häufig wie in den letzten Wochen kam das nicht vor. Einmal gab es schulfrei, weil unser Chemielehrer das Schullabor kontaminiert hatte und die Feuerwehr anrücken musste, aber das hatte mit dem Winter nichts zu tun. Zur Schneekatastrophe 1978/79 mussten die höheren Jahrgänge in der Schule erscheinen. Ist logisch, denn wer vor dem Winter kapitulierte, hätte später auch kaum Chancen auf eine Lehrstelle gehabt. Früher ist man zur Not zu Fuß zur Schule gegangen. Heute geht das nicht mehr (ausgenommen natürlich da, wo auf dem Dorf ein Nachbarort aufgesucht werden muss).

Dass es jetzt Zugausfälle gibt, Flugzeuge nicht starten oder landen konnten, nun, schweigen wir drüber. Anscheinend haben wir nur noch Schönwetterverkehrsmittel. Die Bahn hat ja auch nur 5 Probleme: Frühling, Sommer, Herbst, Winter und die Fahrgäste.

Ich frage mich auch, wo die Ökos bleiben, die uns weltuntergangsmäßig nur noch warme Winter prophezeit haben und nun angesichts des zweiten richtigen Winters in Folge verstummt sind. Die globale Erderwärmung, ausschließlich durch den Menschen verursacht (was leider nur zum Teil richtig ist), würde dafür sorgen, dass es im Winter bei uns nur noch um die +10° „kalt“ werden würde. Einseitig greifen sie sich eine Ursache, das CO2 heraus , bekämpfen dieses (was ja nicht so verkehrt ist) und lassen dabei aber z.B. die Wirkung des Methans völlig außer Acht , ebenso wie schwer zu kalkulierende natürliche Faktoren. Dabei könnte der gegenwärtige Winter in der Tat mit der globalen Erwärmung zu tun haben.  Unser an sich mildes Klima verdanken wir dem Golfstrom und wenn der sich abkühlt, werden die Winter in Europa intensiver. Darauf scheint momentan einiges hinzudeuten. Erklären können die Ökos auch nicht, weshalb z.B. vor 10.000 Jahren der Kohlendioxydgehalt der Erdatmosphäre um ein Vielfaches höher war als heute. Industrie gab es da noch nicht, und Menschen nicht so viele wie heute. Es gibt also auch eine natürliche Komponente bei der Erwärmung, die man, würde man es richtig machen, auch mit kompensieren müsste. Aber man nimmt nur den menschlichen Teil aufs Korn.

Auch so manche politische Reaktion stimmt nachdenklich. So werden eilfertig Schneeketten für LKWs gefordert, wobei die LKW-Fahrer, wenn sie Schneeketten haben, sie dann dauernd an- und abziehen müssten. Fahren Sie damit innerorts durch geräumte Straßen, gibt es Beschwerden, weil die Schneeketten den Teer aufrauen würden. Schnellschüsse, die niemandem was bringen, aber deutlich machen, dass man hierzulande es verlernt hat, dem Winter zu begegnen. Das, was heute als Chaos bezeichnet wird, nannte man früher schlicht Winter!

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