Dienstag, 28. Dezember 2010

Russische Sonde könnte Mars verunreinigen

Seit dem 10. Oktober 1960, als der Start der sowjetischen MARSNIK 1-Sonde (verschiedentlich auch MARS 1960A genannt) durch eine Fehlfunktion der 3. Stufe der MOLNIJA-Trägerrakete misslang, gab es diverse Versuche, der UdSSR und Russlands sowie der USA, den roten Planeten Mars zu erkunden. Waren am Anfang die Russen bei der Venus erfolgreich, so hatten die USA beim roten Planeten mehr Erfolg.

Die ersten Missionen waren noch als reine Vorbeiflüge geplant. Die erste, allerdings erfolglose, Landung eines Instrumententrägers gelang mehr oder weniger unfreiwillig am 27. November 1971, als der Lander der sowjetischen MARS 2-Sonde unkontrolliert in der Gegend des Hellespontus Montes bei 45° S und 313° W zerschellte. Die Schwestersonde MARS 3 war ein klein wenig erfolgreicher. Deren Landeeinheit ging in der Nähe des Kraters Ptolemäus bei 49° Süd, 158° West nieder und konnte noch den Beginn einer Panoramaaufnahme zur Erde senden, diese hatte bereits nach 90 Sekunden nach der Landung begonnen und war 20 Sekunden später schon wieder beendet. Am 12. März 1974 setzte MARS 6 bei 25° westlicher Länge und 24° südlicher Breite unsanft auf und ist zerschellt oder schlicht umgekippt. Am 20. Juli 1976 landete mit VIKING 1 zum ersten Mal erfolgreich eine Sonde auf dem Mars, gefolgt von VIKING 2 am 4. September 1976. Erst am 4. Juli 1997 landete wieder ein irdischer Raumflugkörper auf dem Mars, der schon legendäre MARS PATHFINDER, der mit dem kleinen SOJOURNER den ersten Marsrover aussetzte. Nach dem Auslaufen der Mission wurde der Landeplatz in Ares Vallis in „Carl Sagan Memorial Station“ umbenannt. Der MARS CLIMATE ORBITER ist nach dem 23. September 1999 wahrscheinlich auf dem Mars abgestürzt, der Auftreffpunkt konnte bislang nicht lokalisiert werden. Ein ähnliches Schicksal erleidete der MARS POLAR LANDER am 3. Dezember 1999.und DEEP SPACE 2, der am gleichen Tag verloren ging. BEAGLE 2, der Lander der europäischen MARS EXPRESS-Mission ging in der Heiligen Nacht 2003 vom 24, auf den 25. Dezember verloren und ist seit dem verschollen. Die beiden Lander SPIRIT, der am 4. Januar 2004 nahe des Gusev-Kraters niederging und OPPORTUNITY, der am 25. Januar 2004 in Meridiani Planum landete, waren die beiden letzten irdischen Instrumenteneinheiten, die mit Erfolg auf dem Mars landeten und neben unzähligen Aufnahmen Untersuchungen auch zu der Frage nach Leben auf unserem Nachbarplaneten vornahmen. Am 25. Mai 2008 ging der bisher letzte Lander PHOENIX ebenfalls verloren.

Neben den ganzen genannten Sonden, von denen nur noch SPIRIT und OPPORTUNITY sehr eingeschränkt funktionstüchtig sind, liegt auf unseren Nachbarplaneten allerhand irdischer Müll herum. Teile abgestürzter Sonden, geplatzte Airbags, Trümmerstücke verloren gegangener Sonden etc. Und genau hier liegt möglicherweise das Problem. Zwar kann man voraussetzen, dass bei allen Missionen die Anti-Kontaminierungsvorschriften eingehalten wurden, so gut es ging. Was aber nicht sicher ist, sind die ersten Missionen. Für die galten zwar auch die Vorgaben der Reinraumtechnik, doch sicher kann man sich nicht sein, dass es nicht doch irdischen Mikroben und Bakterien gelang, die Reise zum Mars zu überleben und sich dort zu verbreiten.

Dies steht im klaren Widerspruch zur UN Outer Space Treaty (610 UNTS 205 - Resolution 2222(XXI) vom Dezember 1966) und der Cospar Planetary Protection Policy vom 20 Oktober 2002, die beide die Grundsätze der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper regeln. Mit anderen Worten also, sagt insbesondere das erste Abkommen aus, wie man verhindert, dass andere Körper des Sonnensystems durch irdische Kleinstlebewesen kontaminiert werden. Dies ist nämlich wichtig, damit die Suche nach Leben auf dem Mars nicht durch auf der Erde reichlich vorhandenen Mikroorganismen verfälscht wird. Bis heute ist aber nicht sicher, in welchem Umfang möglicherweise bereits heute eine Kontamination stattgefunden hat. Dies betrifft neben biologischen vielleicht auch chemischen und weiteren Verunreinigungen, etwa durch die in den Tanks der Sonden vorhandenen Antriebsstoffe. So gesehen, kann die Verunreinigung des Mars schon wesentlich weiter fortgeschritten sein, als man allgemein annimmt. Die Menge dieser Verunreinigung abzuschätzen (man vermutet gegenwärtig etwa 1 Mrd. Einheiten der verschiedensten Sporen auf dem Mars) ist eine Aufgabe der russischen Proben-Rückholmission PHOBOS SAMPLE RETURN MISSION (früher PHOBOS-GRUNT genannt), die Mitte 2011 starten und die Proben 2014 zurückbringen soll. Was aber viel schlimmer ist: Die Russen wollen bewusst Mikroben mitführen, um deren Resistenz im Weltall und auf dem Mars zu testen und die Veränderungen bei der Rückkehr zu untersuchen.

Das aber macht den Sinn der bisherigen vertraglichen Regelungen über die Verhinderung der Kontaminierung anderer Himmelskörper überflüssig, weil es einen klaren Rechtsbruch darstellt. Andererseits könne man, so die russische Weltraumagentur ROSKOSMOS, nur auf diesem Wege feststellen, ob es wirklich möglich ist, dass Lebenssporen in der frühen Entwicklungsphase des Sonnensystems von Asteroiden durch das Sonnensystem getragen und zur Erde befördert werden konnten.

Diese Theorie ist nämlich gar nicht so sicher, wie es allgemein scheint, denn die auf der Erde gefundenen Marsmeteoriten flogen ein paar Millionen Jahre durch das All und ob sie Sporen enthielten, das lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei nachweisen. Andererseits ist es auch möglich, dass bei Impakten auf dem Mars Bruchstücke in nur wenigen Jahren zur Erde gelangen könnten, was die Überlebenschance von Sporen deutlich verbessert, vorausgesetzt, es gab früher solche auf unserem Nachbarplaneten.

Es stellt sich also die Frage, ob diese Art der wissenschaftlichen Aufklärung so wichtig ist, dass internationale Abkommen gebrochen werden und eine Kontaminierung des Mars bewusst in Kauf genommen wird. Das Risiko erhöht sich nämlich, sollte die Mission scheitern und die Sonde auf dem Mars abstürzen. Der Mars wäre dann für alle Zeiten mit Mikroben verunreinigt und alle danach gefundenen Hinweise auf Leben auf dem Planeten müssten in diesem Lichte betrachtet werden. Eine Entdeckung wirklich auf dem roten Planeten entstandenen Lebens würde so unmöglich werden.

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