Sonntag, 26. Dezember 2010

Luftunruhe und Sonnenflecken

Dass die Erdatmosphäre erhebliche Auswirkungen auf die Beobachtung von Sternen und Planeten hat, ist hinlänglich bekannt. Logisch ist daher, dass sie auch die Sichtbarkeit von Sonnenflecken auf der Sonnenoberfläche in erheblichem Maße beeinflusst.


Gestern und gerade eben konnte ich die Sonne mit meinem kleinen 80/400er Refraktor und Herschelkeil (damit ich nicht nur zwei Beobachtungen machen kann ...)  beobachten. War gestern das Sonnenbild erheblich am Wabern, sodass man eigentlich nicht mal den Sonnenrand scharf einstellen konnte, so war die Luft heute wesentlich ruhiger. Und siehe da: Die kleine B-Gruppe, die gerade auf der Sonne ist, konnte ich nach einigen Minuten konzentrierten Beobachtens denn auch finden. Sie ist also auch in kleinen Teleskopen zu sehen, wenngleich dazu vielleicht auch ein wenig Beobachtungserfahrung nötig ist.


Die Fleckengruppe war gestern auch schon da (nicht, das es keine kurzlebigen Flecken gäbe, die binnen Stunden wieder verschwunden wären), nur verhinderte das Seeing erfolgreich eine Sichtung. Heute war die Gruppe hingegen einwandfrei zu sehen.


Daher empfiehlt es sich, eigentlich nur dann Sonnenfleckenrelativzahlen zu bestimmen, wenn die Luft ruhig ist. Aber: Wann ist das? Meist beobachtet man gerade dann nicht, weil man auf der Arbeit ist, sich um die Familie kümmert, den Sonntagsspaziergang macht. Aber auch der Verzicht auf all diese Aktivitäten würde an manchen Tagen nichts bringen, wenn dass Seeing den ganzen Tag über schlecht ist.


Das liegt - natürlich - am Wetter oder den klimatischen Rahmenbedingungen (nein, das hat nichts mit dem Klimwandel zu tun, das ist immer so). Momentan haben wir eine stabile Hochdrucklage mit anscheinend homogener Luftschichtung. Da ist die Luftruhe groß (bzw. die Luftunruhe gering). Gestern hatten wir noch Warmschichten in der Atmosphäre, die sich mit der Kaltluft durchmischt hat, die Folge: Schlechtes bis miserables Seeing.


Noch ein Wort zur derzeit geringen Sonnenaktivität: Die 2012-Jünger wird es ärgern, gehen sie doch von einer exponentiell gesteigerten Aktivität am 21.12.2012 aus. Hält der gegenwärtige Trend sehr niedriger Sonnenaktivität weiter an (und dafür spricht so einiges), wird es zumindest mit "Protuberanzen, die nach der Erde greifen" nichts werden. Und auch während der bislang höchsten Sonnenaktivität, die jemals gemessen wurde, damals im Jahr 1957, ist die Welt nicht untergegangen. Im Gegenteil, im gleichen Jahr startete der sowjetische SPUTNIK-1, der erste von Menschenhand gebaute künstliche Erdsatellit, aber das ist jetzt eine andere Geschichte.

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