Dienstag, 28. Dezember 2010

Heinrich Christian Schumacher (1780-1850)

Am 3. Dezember 1780 wurde in Bramstedt in Holstein Heinrich Christian Schumacher als Sohn des Amtmannes Andreas Schumacher geboren. Bereits im Alter von 7 Jahren stellte ihn sein Vater dem dänischen König Friedrich VI vor, der auch Herzog von Holstein war. Eine Begegnung, die zu einer lebenslänglichen Freundschaft werden sollte. Nach dem frühen Tod des Vaters zog seine Mutter mit ihm ins damals noch dänische Altona, heute ein Stadtteil in Hamburgs Westen. Dort traf er schon in jungen Jahren auf den Topographen Johann Friedrich August Dörfer (1766-18279 und den Gymnasialdirektor Jakob Struve, der als Stammvater der gleichnamigen Astronomenfamilie gilt. Dadurch erhielt er auch erstmals Kontakt zur Astronomie.

Es erstaunt ein wenig, dass er trotz seiner Kenntnisse in der Vermessung des Himmels die Juralaufbahn einschlug. Er studierte dieses Fach in Kiel und Göttingen und war ab 1805 Rechtsdozent an der Universität von Dorpat, wo er durch den Leiter der dortigen Sternwarte, Johann Wilhelm Andreas Pfaff (1774-1835) abermals mit der Himmelswissenschaft in Berührung kam, der ihn gleichzeitig auch in Mathematik unterrichtete. Dieser unterstützte Schumacher dann nach seiner Rückkehr darin, an den Universitäten Kopenhagen und Göttingen nun doch Astronomie und Mathematik zu studieren. Zu Hilfe kam ihm dabei auch ein Stipendium des Dänenkönigs.

Die Kontakte zu damaligen Größen der Astronomie vertieften sich durch sein Studium. In Göttingen kam er mit dem Universalgenie Carl Friedrich Gauss (1777-1855) zusammen, der sein Lehrer war und ihn für die Geodäsie zu begeistern vermochte. Beide wiederum trafen sich häufiger mit Heinrich Wilhelm Olbers (1758-1840), Johann Hieronymus Schroeter (1745-1816) und Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846) und besprachen aktuelle astronomische Fragestellungen. War Schumacher in Altona, so traf er sich hier häufiger mit Johann Georg Repsold (1770-1830), Hamburger Oberspritzenmeister bei der Feuerwehr und begnadeter Feinmechaniker und Begründer einer eigenen Fa. zur Herstellung astronomischer Instrumente. Nach ihm war im Hamburger Wasserturm von 1970 bis 2002 die Repsold-Sternwarte der GvA-Hamburg benannt. Schumacher gehörte denn auch seit 1808 zu den regelmäßigen Gästen auf der Sternwarte Repsolds.

Die ersten Erfolge des frisch gebackenen Astronomen stellten sich alsbald ein. So wurde er 1810 außerordentlicher Professor an der Kopenhagener Universität, 1813 Direktor der Sternwarte Mannheim und 1815 ordentlicher Professor in Kopenhagen. Ab 1817 war er vom dänischen König Friedrich VI. damit beauftragt, geodätisch den Meridian von Skagen bis Lauenburg zu vermessen (ein Arbeit, die Gauss bis nach Hannover erweitert wurde, wodurch ein erstes geodätisches Netzwerk für den nordeuropäischen Raum entstand, als diese mit entsprechenden dänischen Vermessungen verbunden wurden. Dem folgte 1820 der Auftrag der Kopenhagener „Gesellschaft der Wissenschaften“, Holstein vollständig zu vermessen und entsprechendes Kartenmaterial zu erstellen.

Die ordentliche Professur sorgte für ein geregeltes Einkommen, was für Astronomen auch schon zu damaliger Zeit selten genug der Fall war. Von dem verdienten Geld kaufte er sich 1821 in der Altonaer Palmaille ein Haus und richtete hier die Altonaer Sternwarte ein, unterstützt wiederum durch den Dänenkönig, der für dieses eigene Institut neben regelmäßigen Gehaltszahlungen auch Mittel zur Beschäftigung von Mitarbeitern und den Unterhalt der Sternwarte bereit stellte. Dieses königliche Privileg wurde sogar um den Punkt erweitert, dass seine Mitarbeiter nach seinem Tod in Altona weiter forschen konnten.

Von der Sternwarte aus, konnte die nähere Umgebung vermessen werden, im Garten war ein Reichenbachscher Meridian von Repsold errichtet worden.

Im Jahr 1823 gründete Schumacher die auch heute noch bestehende wissenschaftlichen „Astronomischen Nachrichten“, die den Gedanken der verbesserten Kommunikation zwischen den Astronomen in die Welt hinaus tragen sollte. Schon bald fanden sich erste Beiträge von namhaften Astronomen seiner Zeit darin, die weit über den eigenen Kollegenkreis hinaus gingen. So publizierten alsbald Berühmtheiten wie Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822), Johann Franz Encke (1791-1865) und George Biddell Airy (1801-1892) in den Astronomischen Nachrichten. Diese Zeitschrift war aber nicht Schumachers alleinige Idee, den Anstoß dazu hatte der sehr an den Naturwissenschaften interessierte dänische Staatsminister Johann Sigismund von Mösting (1759-1843) gegeben.

1824 bestimmten Schumacher und sein Hauptobservator und späterer Nachfolger Adolph Cornelius Petersen (1804-1854), der Entdecker von vier Kometen war, die Unterschiede in Länge zwischen Altona und Greenwich, unternahmen 1830 auf der dänischen Insel Fünen Längenbestimmungen mit Hilfe von Pendelbewegungen, vermaßen Hamburg 1842 nach dem Großen Brand neu und waren auch für die Vermessung der Eisenbahnstrecke zwischen Altona und Kiel zuständig. Seit etwa 1840 hatte sich Schumacher zudem mit dem Problem der Zeitdifferenzen zwischen Orten unterschiedlicher geographischer Länge beschäftigt und für die Altona-Kieler-Eisenbahn eine Art Vorläufer der späteren mitteleuropäischen Zeit  entwickelt, die erst ab 1880 auf verschiedenen internationalen Wissenschaftskonferenzen diskutiert wurde.

In den letzten Lebensjahren Schumachers verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zunehmend, was auch eine Folge seiner beinahe rastlosen Lebensweise war. Schuld daran waren auch die sich beinahe schon dramatisch verändernden Beziehungen zum dänischen König. Christian VIII. war Thronnachfolger des 1839 verstorbenen Friedrich VI. und weniger an den Naturwissenschaften und besonders der Astronomie interessiert. Hinderlich war in der Hinsicht auch der Schleswig-Holsteinische Aufstand der Jahre 1848-1850, als sein Haus an der Palmaille von Aufständischen belagert wurde und er sich offiziell nicht mehr den Astronomischen Nachrichten widmen durfte.

Diese äußerst widrigen Umstände, die sein bisher von vielen wissenschaftlichen Ehrungen (er erhielt 1829 die Goldmedaille der britischen Royal Astronomical Society und war Mitglied zahlreicher Akademien weltweit) geprägtes Leben negativ beeinflussten, dürften mit zu seinem Tod am 28. September 1850, vor exakt 160 Jahren, beigetragen haben.

Die Altonaer Sternwarte blieb noch bis 1872 in Betrieb und wurde erst 1941 zerstört, während es die Astronomischen Nachrichten als elitäre, aber mittlerweile nahezu bedeutungslos gewordene, Fachzeitschrift, die nur einem ganz kleinen Kreis von Astronomen zugänglich sind, auch heute noch gibt.

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