Mittwoch, 29. Dezember 2010

Georg Otto Herrmann Struve (1886-1933)

Die Astronomenfamilie der Struves hinterließ vom 18. bis ins das 20. Jahrhundert ihre deutlichen Spuren in der Geschichte der Astronomie. Ihr Name ist eng verknüpft mit der Sternwarte Dorpat und den deutsch-russischen Beziehungen auf astronomischer Ebene.

Georg Otto Herrmann von Struve wurde am 29. Dezember 1886 als Sohn des Astronomen Herrmann von Struve (1854-1920) in Tsarskoye Selo geboren, der südlich von St. Petersburg gelegenen, ehemaligen Zarenresidenz. 1895 zog die Familie nach Königsberg ins Baltikum, wo Georg Otto Wilhelm Struve das Gymnasium mit Erfolg abschloss. Von 1905 bis 1910 studierte er Mathematik und Astronomie an den Universitäten Heidelberg und Berlin. Mit der Promotion in der Tasche, war er ab 1911 Assistenz an den Sternwarten zu Bonn, Berlin und Bergedorf bei Hamburg und ab 1912 Mitarbeiter an der Sternwarte der Kaiserlichen Marine in Bremerhaven. In dieser Stellung schaffte er es während des 1. Weltkrieges sogar bis zum Korvettenkapitän.

Ab 1919 wirkte er an der von seinem Vater gegründeten Sternwarte Berlin-Babelsberg, wo er Himmelsmechanik studierte und die Arbeit seines Vaters über die Bewegungen der Monde von Saturn und Uranus fortsetzte. 1924 promovierte er und wurde Professor. Seine Studien führten ihn 1925 an das Lick-Observatory, wo er gemeinsam mit seinem Vetter Otto von Struve (1897-1963) beobachtete. Diese intensiven Arbeiten setzte er 1926 am Union Observatory in Johannesburg in Südafrika fort, wo er die dortige hohe Qualität der damaligen Himmelsfotografie zu schätzen lernte. 1928 zog es ihn zu weiteren Untersuchungen der Saturnmonde nach Chicago im US-Bundesstaat Illinois. Um 1930 herum nahm er an der sogenannten Eros-Kampagne teil, bei der es darum ging, Beobachtungen des Asteroiden (433) Eros zur Bestimmung der Sonnenparallaxe zu verwenden. Später ging er an das Yerkes-Observatory, wo er wieder mit seinem Vetter zusammentraf und die von seinem Großvater Otto Wilhelm von Struve (1819-1905) begonnenen Analysen des 83 Lichtjahre entfernten Dreifachsternsystems zeta Cancri fortsetzte, wo ein F8V Hauptreihenstern (+ 5,63 mag) von einem G0-Hauptreihenstern (SAO 97646, +6,20 mag) und dem G5V-Hauptreihenstern (HD 68255, +6,20 mag) auf einer komplizierten Bahn und sich dann auch noch selbst umrunden. Die Umlaufperiode der beiden Begleiter beträgt 59,3 Jahre, beide umkreisen den Hauptstern in 1100 Jahren.

Georg Otto Herrmann Struve, der mit Marie von Mokk, der Tochter eines preußischen Generals verheiratet war und mit ihr zwei Söhne hatte: Wilfried von Struve (1914-1992), der auch Astronom wurde, und Reinhardt von Struve, er fiel 1943 während des 2. Weltkrieges, wurde am 28. Mai 1933 wegen einer akuten Lungenentzündung in ein Berliner Krankenhaus eingeliefert, wo er am 10. Juni im Alter von nur 47 Jahren verstarb.

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