Montag, 11. April 2016

16. LNdM und 4. BTT in Bergedorf

Am 9. April 2016 gab es die 16. Lange Nacht der Museen (LNdM) in Hamburg und die Sternwarte Bergedorf nahm mit einem umfangreichen Programm daran teil. Aus diesem Anlass fand vom 8. bis zum 10. April auf dem Freigelände vor dem Sonnenbau gleichzeitig das 4. Bergedorfer Teleskoptreffen statt.

Kurz nach Mittag holte ich einen Astrokollegen ab und kaum angekommen, begrüßten wir die Teilnehmer des Treffens, die teilweise von weither gekommen waren und ihre Fahrzeuge zu einer Wagenburg auf dem Freigelände neben dem Beamtenwohnhaus zusammengestellt hatten.

Schon Wochen vor der Veranstaltung hatte ich mich als Mitglied des Fördervereins der Sternwarte bereit erklärt, beim Aufbau mitzuhelfen und am Abend bei einer der Ausstellungen Aufsichtsdienst zu übernehmen. Gleichzeitig sollte auch ein kleines Sonnenbeobachtertreffen stattfinden, was aber mangels Beteiligung nicht wirklich zustande kam.

Amateurteleskope auf der Wiese mit Blickrichtung Westen. Im Hintergrund das Beamtenwohnhaus, daneben die "Wagenburg". Das gelbe Haus im Vordergrund ist das letzte verbliebene Mirenhaus, über das man vom Meridianhaus aus die Nordrichtung einpeilen konnte
Amateurteleskope mit Blickrichtung Osten vor dem Sonnenbau
Auf der Wiese vor dem Sonnenbau stand eine erkleckliche Zahl von Teleskopen unterschiedlichster Bauart und Öffnung. Einige hatte Sonnenfilter vor dem Objektiv und so durften und konnten wir sie zur Beobachtung der gerade sichtbaren großen Fleckengruppe 12529 nutzen. 

Schon am frühen Nachmittag – die LNdM begann offiziell erst um 18 Uhr – erschienen die ersten Besucherinnen und Besucher auf der Sternwarte und kamen so in den Genuss einer öffentlichen Sonnenbeobachtung. Kurz nach 15 Uhr half ich mit, im Bereich des Nebeneingangs in der August-Bebel-Straße ein Zelt für Kasse und den Infostand aufzubauen. Danach gab es eine kleine Stärkung im Café Raum und Zeit im Besucherzentrum, das wieder mal mit einigen kulinarischen Höhepunkten aufwartete und die Besucherinnen und Besucher bis spät in die Nacht hinein mit schmackhaftem Essen und Getränken bestens versorgte. Deren Dienste wurde umso stärker in Anspruch genommen, je dunkler und je kälter es draußen wurde.
Ab 18 Uhr begann das offizielle Programm im „Astronomiepark Hamburger Sternwarte“ zahlreichen mit Führungen und Vorträgen unter dem Motto „Raum und Zeit“. Bei den Führungen konnte man nicht nur Teleskope besichtigen, sondern auch durch sie hindurchschauen, und auch bei den Sternfreunden wurde eifrig zusammen mit den Interessierten Mond und Jupiter beobachtet. Leider zog der Himmel später zu, zwischendurch gab es aber einige klare Phasen, in denen man auch ein paar Deep-Sky-Objekten gezeigt bekam.

Bei den relativ gut besuchten Vorträgen ging es u.a. um die „Vermessung des Himmels mit dem Schmidtspiegel“, „Weltbild und Vermessung des Himmel“, „Einsteins rätselhafter Kosmos“, „Zeitmessung und Navigation – der Hamburger Zeitball“, „Historische astronomische Photoplatten in der Forschung von heute“ oder „Raum und Zeit – Einstein und die Kosmologie“.

Im Hauptgebäude gab es im Keller, der Bibliothek und im 1. Stock interessant gestaltete Sonderausstellungen zu den Themen: „Bibliophile Kostbarkeiten - Raum und Zeit“, „Vermessung von Raum und Zeit“, „Raum und Zeit - Einstein und die Kosmologie“, „Vermessung des Himmels mit dem Schmidtspiegel“‚ „Zeitmessung und Navigation – der Hamburger Zeitball“, „Historische astronomische Photoplatten in der Forschung von heute“ und „Sterne über Hamburg“. Abgerundet wurde das Ganze durch musikalische Darbietungen des LOLA Chors Bergedorf im Vortragsraum des 1m-Gebäudes.


Bildposter Kopernikus I
Bildposter Kopernikus II



Modell des Hamburger Schmidtspiegels, der sich seit 1975 auf dem Calar 
Alto befindet und dort 2001 außer Dienst gestellt wurde  
Der "Ur-Schmidt"
Wenn auch etwa 30% weniger Leute als im letzten Jahr die Veranstaltung besuchten, so taten sie dies doch in guter und ausgelassener Stimmung und so verging meine von 19 bis 20 Uhr und von 21 bis 23 Uhr dauernde Dienstzeit im Keller wie im Fluge, zumal ich auch viel über die Ausstellung und das Schmidt-Museum befragt wurde.

Gegen 23 Uhr verabschiedete ich mich dann, zumal der Himmel jetzt endgültig zugezogen war.  Nach diesem arbeitsreichen Tag war ich trotzdem sehr zufrieden. Es war eine gelungene Veranstaltung bei der alle ihren Spaß hatten und auf ihre Kosten kamen.

Sonntag, 22. November 2015

Norddeutsches Astrofotografentreffen in Hannover

Am 21. November 2015 fand das zweite Treffen der norddeutschen Astrofotografen in diesem Jahr in Hannover an der dortigen Volkssternwarte statt. Wir, das waren André Wulff, Michael Steen und ich, kamen bereits gegen 11 Uhr beim Observatorium an und bauten erst einmal einen kleinen Bücherverkaufsstand auf. Schnell kamen weitere Sternfreundinnen und Sternfreunde hinzu. Am Ende wurden über 60 Personen gezählt, die dem umfangreichen Vortragsprogramm - wie immer völlig anarchisch ohne vorherige Anmeldung -  beiwohnten, das mit der Begrüßung durch Mathias Levens begann, Vorsitzender der VSW Hannover.

Die berühmte "Anarcho"-Vortragsliste
Er eröffnete die Vortragsreihe mit einem Beitrag mit „Bildern aus Hannover und Namibia“. Neben seiner Ausrüstung zeigte er viele Deep-Sky-Aufnahmen wie M 106 und Umgebung, den Pelikannebel im H-alpha und IC 1396 aus Hannover sowie die Nebelstrukturen um Eta Carinae, die Gegend um M8, die Nebel rund um NGC 6559, NGC 253 und NGC 7293. Eine Addition verschiedener Aufnahmen gleicher Objekte mit unterschiedlichen Brennweiten scheiterte an technischen Unzulänglichkeiten, sind aber offenbar ein Trend, der bei norddeutschen Sternfreunden langsam in Mode kommt.

Ein ganz anderes Thema behandelte Utz Schmidtko von der Sternwarte St. Andreasberg. Er begeistert sich seit Jahren für Polarlichter und konnte hier wieder beeindruckende Zeitraffer- und Echtzeitvideos mit musikalischer Untermalung von Polarlichtern der Jahre 2013 und 2015 vorführen. Ein Teil der Aufnahmen war mit der neuen Sony Alpha 7s entstanden. Beeindruckend, was mit dieser Kamera offenbar möglich ist. Ein Film des Sternenhimmels über der Sternwarte St. Andreasberg rundete die Vorführung ab.

Carsten Dosche aus Oldenburg präsentierte Aufnahmen mit der nur wenig verbreiteten Anord Luca.EMCCD-Kamera, die er an einem C9 betreibt und die vorwiegend dazu gedacht ist, sogenannte „Lucky Images“ zu produzieren. Davon konnte man sich anhand der Bilder von M 106, M 13, M 17, NGC 6888, M 22, M 20, NGC 7293, Abell 72, PK 080-06.1, IC 5146, NGC 6765, NGC 7139, NGC 7023 Jones 1,  M 81, den Pferdekopfnebel, M 42, M 82 mit der Supernova 2014j, Abell 21, NGC 2903, M 97, NGC 3718, M 65, Hickson 44, M3,  M 102, um nur einige wenige zu nennen, auch überzeugen.

Michael Koch zeigte Zeitrafferaufnahmen aus dem Sternbild Andromeda, die aus Einzelbildern mit feststehender Canon 6D-Kamera und 200 mm Objektiv im November 2015 entstanden waren. Dabei wurden 1600 Aufnahmen zu je 3,2s Belichtungszeit alle 8 s verarbeitet.

In der ersten Pause konnte man sich - dank an den Catering-Service - mit Kaffee, belegten Brötchen und Kuchen stärken. Danach ging es auf die Beobachtungsplattform zum Gruppenfoto, dem sich eine kurze Besichtigung der Sternwarte anschloss.



Pause auf der Beobachtungsplattform

Sternwartenbesichtigung
Der zweite Vortragsblock begann mit einem Vortrag von Bruno Mattern aus Hamburg, der nebst Sternwarte und Ausrüstung Aufnahmen des östlichen Cirrus, vom Pferdekopfnebel, M 27, M 33, M 31, M 27, M 42, NGC 7000, NGC 5907, NGC 6946, NGC 7331 und NGC 891 zeigte. Die meisten Aufnahmen waren jedoch nur „Schnappschüsse“ von bis zu 90 Minuten Belichtungszeit. Wesentlich länger belichtete Aufnahmen haben den Vorteil, dass noch mehr Details in schwachen Strukturen bei Galaxien und Nebeln herausgearbeitet werden können. Als Beispiel hatte er eine 8-stündige Aufnahme von M 27 und eine 21-stündige von NGC 7331 dabei, die aber durch Kombination mit älteren Aufnahmen zustande kamen. Zum Testen hatte er eine Sony Alpha 7r genutzt. Einige der neueren Canon-Kameras haben offenbar den Nachteil, nicht mehr modifiziert werden zu können, weil Chip und Filter zu einer einzigen Einheit verbaut wurden. Dafür sollen sie rotempfindlicher sein, als die bisherigen Kameras.

Hartwig Lüthen aus Hamburg begann unter dem Titel „Baseball oder Tennis“ mit einer astronomischen Sportreportage der besonderen Art. Gemeint war hier ein doppelter Transit der Internationalen Raumstation ISS am 22.08.2015, um 16:15:59 und 17:51:32 MEZ den er von Schmalenbeck aus fotografieren konnte. Wie man daraus mit Virtualdub, Fitswork und Photoshop ein einzelnes Bild bastelt, dass dann auch noch zum APOD (Astronomy Picture of the Day) vom 12. September 2015 führte, führte er live am Rechner vor.

Andreas Zirke aus Springe war danach mit CCD-Bildern (Atik und Moravia) von Hicksen 68, M 106, M 109, M 13, M 16, M 3, M 92, NGC 4565, NGC 7380 und NGC 891 an der Reihe. Auch er hatte bei einigen Aufnahmen mit sehr langen Belichtungszeiten experimentiert und NGC 7822 binnen 4 Wochen insgesamt über 37 Stunden hinweg belichtet. Herausgekommen ist eine Aufnahme, die sehr viele Details in diesem Emissionsnebel im Kepheus offenbart.

Fachsimpeln in der nächsten Pause
Eine weitere Pause wurde eingelegt, die zur Verpflegung oder Kommunikation genutzt wurde, bevor Uwe Freitag mit Zeitrafferfilmen und Musik „Atmosphärisches und Astronomisches aus dem Land zwischen den Meeren“ den dritten Vortragsblock einläutete. Neben dem nicht immer leicht zu sehenden Airglow hatte er Polarlichter am 17.03., 16./17.4.2015, 10./11.7.2015 und 9./10.9.2015, Leuchtende Nachtwolken am 10.07., die Sonnenfinsternis vom 20.03.2015, die Mondfinsternis vom 28.09.2015 und weitere Ereignisse zu einem schönen Film verarbeitet.

Konstantin von Poschinger aus Hamburg zeigte zunächst einen kleinen Film aus Einzelaufnahmen der Mondfinsternis vom 28.09.2015 und ging dann auf das eigene Projekt des Selbstbaus eines 130/520 mm-Refraktors für Kameras mit Vollformatchips ein. Am Ende hatte er noch diverse Aufnahmen von NGC 6888, M 16, M 42, M 8 und M 20, dem Sternfeld rund um die Hyaden, den H-alpha-Gebieten in der Cassopeia oder dem Irisnebel im Gepäck, die mit sehr unterschiedlichen Schmaldbandfiltern (H-Alpha, SII und OIII) in Hamburg und Namibia aufgenommen worden waren.

Nach einer weiteren, kleinen Pause stellte Michael Theusner aus Hannover ein außergewöhnliches Projekt vor: ein „Spektrographisches Polarlicht-Warnsystem“. Hierzu verwendet er einen Selbstbauspektrograph mit Kollimator und Gitterfolie sowie eine DSLR. Erste damit aufgenommene Spektren wiesen nicht nur die bekannten Sauerstoff-, Natrium- und weitere -linien nach, sie ermöglichten auch die Kategorisierung in fünf unterschiedliche Warnstufen. Ein weiterer Punkt war die Vorstellung eines neuartigen chinesischen Filters gegen Lichtverschmutzung, die derzeit nur über einen österreichischen Händler bezogen werden können. Es handelt sich dabei um den Hoya Didym-(Red Enhacer, Intensifier)-Objektivfilter. Er filtert die Natriumlinien heraus (gut gegen Natriumdampflampen, schlecht gegen Quecksilberdampflampen), lässt aber die Polarlichtlinien durch, sodass er hervorragend für das Warnsystem einzusetzen ist. Doch auch für normale astrofotografische Zwecke aus der Großstadt heraus scheint er überaus geeignet zu sein, wie die hier gezeigten Beispielbilder belegten. 

Im letzten Beitrag schilderte Thorsten Lohf aus Lübeck die auf den ersten Blick betrübliche Situation der dortigen Sternwarte. Diese befindet sich in den Räumen der Johannes-Kepler-Schule, die im kommenden Sommer abgerissen und mit einer anderen Schule zusammengelegt werden soll. Die ganze Gegend soll zu einer neuen Wohngegend, dem Johannes-Kepler-Quartier umgestaltet werden und wie es nach dem letzten Stadium des Bebauungsplanes aussieht, bekommen die Lübecker zwar ab 2018 eine neue Heimat in Form eines eigenen Gebäudes, müssen diese aber selber bauen und finanzieren. Daher laden die Lübecker Sternfreunde zum nächsten NAFT im Frühjahr 2016 ein, das letzte am alten Standort.

Kurz nach 18:30 Uhr endete das Herbst-NAFT und wir fuhren wieder nach Hamburg zurück, während andere noch in einem nahegelegenen Restaurant das Treffen ausklingen ließen.

Sonntag, 1. November 2015

Die 34. Bochumer Herbsttagung


Dieses Mal einen Monat früher als sonst fand am 31. Oktober 2015 in Bochum die 34. BoHeTa statt. Ein attraktives Programm riet dringend zu einer Teilnahme und so entschlossen André Wulff und ich uns schon frühzeitig, wieder an der an der Ruhr-Universität stattfindenden Tagung teilzunehmen.

Zum ersten Mal nach vielen Jahren wieder mit dem Auto zur BoHeTa unterwegs waren wir nach den Bahn fahrenden Vereinskollegen losgefahren und vor ihnen angekommen. Ein großer Lacher auf der Hinfahrt war die Meldung der WDR 2-Wissenschaftsredaktion, dass der Asteroid 2015 TB145 ein „erloschener Komet“ sei, der „seinen Schweif verloren“ habe. Dabei war bei dem erst am 10. Oktober 2015 von den Pan-STARRS-Kameras entdeckten Himmelskörper aufgrund seiner Bahnform (Exzentrizität: 0,8603, Bahnneigung: 3,9260, Angaben: wikipedia) zunächst wohl wirklich unklar, um was für ein Objekt es sich handelte. Nach dem Vorübergang in rund 480.000 km – woraus die Medien ein „Vorbeischrammen an der Erde machten“, wird er bei einem Durchmesser von 600 m und einer Rotationsperiode von rund 5 Stunden zur Gruppe der Erdbahnkreuzer gezählt.

So eingestimmt kamen wir gegen 9:30 Uhr an der Uni und ein paar Minuten später beim Hörsaal der Medizinischen Fakultät an und wurden dort gleich durch den Organisator Peter Riepe begrüßt. Man traf alte Bekannte wieder und begab sich dann in den bekannten Hörsaal, wo pünktlich um 10 Uhr die Tagung mit kurzen Ansprachen von Peter Riepe und Prof. Ralf-Jürgen Dettmar begann.

Im ersten Fachvortrag stellte Dr. Helena Relke aus Essen die „Radioastronomie an der Walter-Hohmann-Sternwarte Essen“ vor, ging kurz auf die Geschichte dieses Wissenschaftszweiges ein und stellte dann die Arbeit der Essener Sternfreunde der Walter-Hohmann-Sternwarte vor. Bereits seit 1990 verfügt man dort über ein 3m-Radioteleskop, das inzwischen modernisiert wurde. Die meisten Ergebnisse erzielten sie jedoch mit Stabantennen, mit denen sie 2009 Sternschnuppen erfassten, Asteroiden, ausgebrannte Raketenstufen beobachteten. Seit 2012 wurde eine VLF-Antenne verwendet, mit der der indirekte Nachweis von Gammastrahlung der Sonne gelang. Außerdem beteiligt will man sich am „E-Callisto Radiospektrometer-Netzwerk“ und die beobachtet Sonne im VHF- und UHF-Bereich.

Claudia Henkel aus Oberhausen und Harrie Rutten aus Arcen/Niederlande, sprachen danach über „Das Projekt 'Sterne funkeln für jeden'“, 
bei dem in Schulen Kindern mit Behinderung im Rahmen der Inklusion die Astronomie näher gebracht werden sollen. Das Projekt, dem die WHS jetzt beigetreten ist, soll schrittweise europaweit betrieben werden und wer z.B. 100 EUR spendet, sorgt dafür dass ein kleines Teleskop mit Holzmontierung, die in Eigenbau herzustellen ist, angeschafft werden und an entsprechende Schulprojekte ausgegeben werden kann. Mit der Spende übernimmt man dann auch für 1 Jahr einen Teil der Betreuung von Instrument und Projekt.

Über eine Reise zur Beobachtung der "Polarlichter über dem Bardarbunga/Island" berichtete Bernd Gährken aus Rheda-Wiedenbrück und präsentierte eine Vielzahl sehenswerter Aufnahmen des Vulkans inkl. 3D-Bilder (für die alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer rot-grüne Brillen erhalten hatten, die aber bei mir generell nicht funktionieren). Als Ergebnis einer Reise nach Kiruna konnte er aus Aufnahmen von Polarlichtern deren Höhen und Entfernungen vom Standort bestimmen. Die weiteste Entfernung betrug dabei 661 km. Ein Video mit Musik rundete den Vortrag ab.



Kurz vor der Mittagspause sprach Stefan Krause über die "Beobachtung von Polarlichtern", verwendete dabei Aufnahmen verschiedener Autoren und konnte einige beeindruckende Zeitraffer- und Echtzeitvideos, etwa von einem Beobachtungsflug am 22.11.2004, vom 14.3.2015 und aktuell vom September 2015 vorführen.

Die Mittagspause verbrachten wir im nahen Uni-Center bei Hähnchen und Softdrinks. Man hätte auch an Führungen in der Fakultät für Physik und Astronomie teilnehmen können. Aber bei so einem langen Tag wie diesem war Verpflegung wichtiger.

Im ersten Vortrag erläuterte Prof. Dr. Thomas Hebbeker aus Kelmis in Belgien die Grundlagen der "Bahnbestimmung am Kometen Lovejoy 2014" und wie man anhand eigener Aufnahmen und mit Hilfe des Programms Astrometrica auch als Amateur mit entsprechendem Hintergrundwissen Bahnen von Schweifsternen berechnen kann.

Die folgenden drei Vorträge bildeten den Schwerpunkt der diesjährigen BoHeTa: „Entdeckungen durch Amateure“. Ein „Neuer, variabler Nebel bei NGC 1333" wurde von Rainer Spaeni aus Urnäsch in der Schweiz und Dr. Sighard Schräbler aus Frankfurt per Zufall entdeckt. Ersterer gehört dem astroteam CERES an, das in der Schweiz ein kleines Observatorium betreibt. Das Ziel dieser Sternfreunde ist eher das Erstellen von „Pretty Pictures“, vereinfacht gesagt, schönen Aufnahmen von Himmelsobjekten. Auf Aufnahmen des 1855 von Eduard Schönfeld entdeckten (1828-1891) Reflexionsnebels NGC 1333 im Perseus entdeckten sich auf verschiedenen Aufnahmen einen anscheinend in der Helligkeit variablen Nebel. 





Danach folgte ein wahre Odyssee der Prüfungen und das Hoffen auf Bestätigung einer Entdeckung, die schließlich durch die Professorin Lynne Hillenbrand vom CALTECH erfolgte, die für Beobachtungen sogar den 5m-Spiegel auf dem Mt. Palomar einsetzte. Überdies suchte man nach Aufnahmen des verdächtigen Objektes bei anderen Sternfreunden und wurde auch fündig. Schließlich wurde die Entdeckung im IAU-Telegramm Nr. 7982 am 2. September 2015 veröffentlicht. Auf extrem langbelichteten Aufnahmen im Umfeld der Balkenspiralgalaxie NGC 4725 in der Coma Berenices, die bereits 1785 von keinem geringeren als Wilhelm Herschel (1738-1822) entdeckt worden war fand man eigenartige Strukturen, die auf eine Verbindung zur Nachbargalaxie NGC 4747 einer face-on Spiralgalaxie hinweisen und das führte direkt zum nächsten Vortrag von. Dr. Mathias Straube aus Bielefeld.



Unter der Überschrift „Erstbeobachtung eines Sternstroms bei NGC 4725: Kombinierte Belichtungen bei moderater bis starker Lichtverschmutzung“ referierte er über Sternströme generell und dem zwischen den genannten Objekten im Besonderen. Sie sind definiert als Überreste ehemaliger Zwerggalaxien, die durch Schwerkrafteinwirkungen einer größeren Galaxien in ihrer Umgebung auseinander gerissen wurden. Da sie im allgemeinen sehr schwach sind, sind sie nur schwer zu fotografieren und nur mit sehr langen Belichtungszeiten jenseits der 20 bis 30 Stunden nachzuweisen. Die Entdeckung und der Nachweis des Sternstromes führte zur Zusammenarbeit mit der TBG-Gruppe, über die Peter Riepe im nachfolgenden Beitrag im Beitrag über „Neue Zwerggalaxien im Local Volume“ referierte.

Dabei handelt es sich um ein Raumgebiet von etwa 30 Megaparsec um uns herum, das systematisch nach schwachen Begleitgalaxien abgesucht wurde, wie hier exemplarisch am Beispiel von M106 gezeigt werden konnte. Während der Arbeit kam es zu einer Kooperation mit dem „Special Astrophysical Observatory“ der „Russian Academy of Science“, die die Beobachtungen der TBG-Gruppe weiterführten und hierzu sogar das 6m-Teleskop in Selentschukskaja einsetzten. Die gemeinsame Arbeit wurde bereits im Astronomical Bulletin 2015, Vol. 70, No. 4 unter dem Titel „New Low Surface Brightness Dwarf Galaxies Detected Around Nearby Spirals“ veröffentlicht. Die Projektgruppe „Tief belichtete Galaxien“ der VdS-Fachgruppe Astrofotografie hat sich zum Ziel gesetzt, Sternströme und Zwerggalaxien in der unmittelbaren Umgebung von großen Welteninseln aufzuspüren und nachzuweisen. Das ist ihr mit dieser Arbeit in herausragender Weise gelungen.


Kurz vor der Kaffeepause präsentierte Dr. Carolin Liefke aus Heidelberg die diesjährigen Preisträger des Reiff-Preises 2015 in der Kategorie „Projekte von Arbeitsgruppen in Amateurvereinen und Schulen“ - den ersten Preis erhielt die Jugendorganisation „VEGAe.V.“ sowie den Reiff-Förderpreis 2015, den die Johann-Christian-Senckenberg-Schule in Runkel für die Aufführung eines astronomischen Musiktheaters erhielt, an dem alle Schülerinnen und Schüler und alle Lehrkräfte mit einbezogen waren. Im Anschluss daran gedachten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der BoHeTa dem vor kurzen verstorbenen Tübinger Astrophysiker Hanns Ruder (1939-2015).





Im traditionellen Reiff-Vortrag erzählte Dr. Harald Krüger vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen über „Kometenforschung heute und was Amateure dazu beitragen können“. Darin griff er Ergebnisse der ROSETTA-Mission zum Kometen Tschurymow-Gerassimenko über Oberflächenstruktur, Staubentwicklung, Oberflächenveränderung durch Annäherung an die Sonne und bodengebundene Beobachtungen des Kometen auf. Im zweiten Teil ging er auf wichtige Fragen der aktuellen Kometenforschung (Entstehung, Aufbau, Aktivit#t, Koma, Schweif und Meteorströme ein, bevor er im dritten Teil die Möglichkeiten der Amateure vorstellte, zur aktuellen Forschung beizutragen. Er ging dabei besonders auf die Photometrie der Koma ein, wo Amateure im Rahmen des CARA-Projektes (Cometary ARchive for Afrho, früher: previously named Cometary Archive Amateur Astronomers) Messergebnisse einreichen können.

Anschließend berichtete Gerald Rhemann aus Wien über seine 28jährige Erfahrung bei der „Kometenfotografie“. Er zeigte ein großes Repertoire seiner herausragenden Fotografien diverser Kometen, stellte seine Sternwarte und das ihm zur Verfügung stehende Instrumentarium vor, gab Tipps zur Bildbearbeitung und führte zum Schluss ein Musik untermaltes Videos aus Einzelbildern seiner besten Kometenbilder auf.

Zu vorgerückter Stunde ein sehr anspruchsvolles Thema: Dr. Burkhard Steinrücken aus Recklinghausen berichtete von der „Jahrhundertflut vom März 2015 - eine Exkursion nach Frankreich“, wobei es nicht etwa um organisierten Katastrophentourismus, sondern um dem Marée du Siécles“ am 21. März 2015 ging. Er vermittelte kenntnisreich die Grundlagen der Gezeiten und besonders die einzigartige Situation im Hafen von Saint Malo, wo der maximale Tidenhub 13 m betragen kann. Dazu sind allerdings einige Voraussetzungen wie der Äquinoktialtide, also dem Hochwasser zum Zeitpunkt der Erdnähe des Mondes, erforderlich, die einen Tag nach der totalen Mondfinsternis gegeben waren. Beeindruckend waren die hier gezeigten Bilder und die Videos von Rainer Sparenberg, die in Real-Time zeigten, wie schnell das Hochwasser in den Hafen strömte.



Späte Vorträge auf der BoHeTa sind immer undankbar und so berichtete Daniel Spitzer aus Münster recht amüsant und in geraffter Form über die „Visuelle Beobachtung kleiner Planetarischer Nebel“ und präsentierte dazu eine Auswahl von Zeichnungen. Im letzten Vortrag zeigte Jens Leich aus Wies die „Spannung am Sonnenrand - solare Aktivitäten in Zeitraffer“: Video jüngster Protuberanzen und ausgewählter Fleckengruppen im Weißlicht und H-alpha. Echte Hingucker für den Sonnenbeobachter.




Ziemlich genau um 19 Uhr war die BoHeTa wieder beendet. Die Zeit war wie im Fluge vergangen und wir machten uns auf den Heimweg. Die Auswahl der Themenbeiträge war dieses Mal sehr viel weiter gestreut als sonst und bot fast das ganze Spektrum aktueller amateurastronomischer Tätigkeit. Einen Durchhänger gab es bei keinem der Vorträge und es wurden viele Anregungen für die eigene Arbeit gegeben. Man müsste nur sehr viel mehr Geld und noch viel mehr Zeit haben. Wir waren nach unserer Ankunft in Hamburg gegen 23 Uhr froh, wieder dabei gewesen zu sein und freuen uns schon auf die nächste BoHeTa, die nach einer Abstimmung im Plenum voraussichtlich am 12.11.2016 stattfinden wird.

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Peenemünde: Historische Rundfahrt

Ein paar Tage, nachdem ich das Historisch-Technische Museum Peenemünde besucht hatte, kehrte ich dorthin zurück, genauer gesagt, auf den Flugplatz, der heute von Kleinflugzeugen genutzt wird und früher zum Testgelände Peenemünde-West gehörte, der nach dem 2. Weltkrieg zerstört, von der Roten Armee wieder aufgebaut, von der NVA von 1955 bis 1990 genutzt und von der Bundeswehr binnen zwei Jahren abgewickelt wurde. Dort beginnen nämlich die Historischen Rundfahrten, auf die im Museum immer noch nicht so richtig hingewiesen werden. Nur durch Zufall und Internet-Recherchen bin ich darauf gestoßen, dass der Museumsverein Peenemünde e.V. jetzt sogar 3x täglich Rundfahrten (im Winterhalbjahr 2x am Tag) und auch Sonderfahrten unternimmt. Diese ging jedoch nicht, wie beim letzten Mal, nur zu den Stätten der V1 und dem berühmten, aber zerstörten und nicht wieder aufgebauten Prüfstand VII, sondern zu anderen Orten, die auf die früher immer verschwiegenen Seiten der faustischen Geschichte der „Geburtsstätte der Raumfahrt“ hinwiesen. In dem zur gesamten Museumslandschaft gehörenden Areal rund um die ehemalige Heeresversuchsanstalt sind heute noch sehr viele Überreste ehemaliger Prüfstände und Gebäude vorhanden, die man aber tunlichst nicht ohne fachkundige Begleitung erkunden sollte, weil es an vielen Stellen Bodensenken, Löcher, eingestürzte Tunneleingänge oder gesprengte Unterstände gibt, an denen man sich verletzen kann. Auch ist anhand der Trümmerberge und zusammengestürzten Gebäude nicht immer deren ehemalige Bedeutung zu erkennen.

Die Fahrt ging zunächst am Müggenhof, dem künftigen Standort des Museumsvereins und den Überresten des KZ-Außenlagers Karlshagen 1 vorbei – von denen die alten Peenemünder angeblich nichts wussten – bis zu einer kleinen Toreinfahrt an der Landstraße zum Flugplatz, wo wir in einen alten militärgrünen Robur-Bus der ehemaligen ostdeutschen VEB-Robur-Werke Zittau umstiegen, der für das unebene und teilweise überflutete Gelände bestens geeignet war, uns aber dennoch an manchen Streckenabschnitt ordentlich durchschüttelte.

Bei der Fahrt durch den dichten Wald sah man beiderseits des Fahrzeugs Hügel und viele Mauersteine und Gebäudereste auftauchen, die man aus Sicherheitsgründen nur vom Bus aus sehen und fotografieren konnte. Erst die Erläuterungen während der Fahrt ließen erahnen, was sich hier im Wald verbarg. So fuhren wir an den kläglichen Überresten des Entwicklungswerks, der alten Halle der Werkbahn und dem Standort des seinerzeit ersten und größten Windkanals der Welt vorbei, der sich heute in den USA in einem Museum befindet, bis wir am Prüfstand VIII anhielten, von dem aus die ersten Boden-Luft-Raketen verschossen wurden. Übrig geblieben sind davon die hier überall vorhandenen Mauerreste, Gesteinsauftürmungen sowie eine Treppe, die in die Tiefe führt und wo man vermutet, dass es sich um den Zugang zu einem unterirdisch angelegten Unterstand handeln könnte. Hier befand sich einstmals auch ein Beobachtungsposten, von dem aus die vom Prüfstand VII aufsteigenden Testraketen verfolgt werden konnten. 

Bereich um den Prüfstand VIII
Von dieser Stelle aus kann man auch heute noch zur Greifswalder Oie, dessen markantestes Objekt der 49m hohe Leuchtturm ist, der von Peenemünde aus auch als Peiler für Raketenflüge verwendet wurde. Auf der Insel selbst wurden 1937 mehrere erfolglose Starts des Aggregats 3 durchgeführt, später 28 A4/V2- und einige A5 verschossen sowie am 24. Januar 1945 der erste – und einzige – erfolgreiche Teststart einer A4b mit Flügeln – durchgeführt. Dem waren zwei Fehlversuche am 27.12.1944 und 13.01.1945 vorausgegangen.

Vor dem Wall auftauchende Gleise, über die die Raketen in den Prüfstand geschoben wurden

Tafel am Eingang zum Prüfstand VII


Überreste im Eingangsbereich zum Prüfstand VII
Danach ging es zum legendären Prüfstand VII, vom dem aus am 3. Oktober 1942 der erste Start einer V2 gelang. Vorhanden ist davon so gut wie nichts mehr. Vom großen Prüfturm sind nur noch schwer auszumachende Stellen im Boden zu sehen, die Gleichanlagen, auf denen die Raketen ins Innere des umgebenden Walls befördert wurden, kommen scheinbar aus dem Boden und verschwinden im Nirgendwo. Der Wall ist durch die dichte Bewaldung nur noch schwer als solcher zu erkennen. Und neben der breiten, von Grundwasser gefüllten Abgasschurre, die den Feuerstrahl der Rakete auffangen soll, befindet sich noch ein zweiter Kanal. Dieser war damals begehbar und enthielt vor allem für die Startanlage wichtige Kabelschächte. Durch Sprengungen sind die Decken aufgewölbt und mit Wasser gefüllt. Da sich im Innern der beiden Wasserkanäle dicke Strahlträger befinden, wird dringend von irgendwelchen Tauchversuchen abgeraten. Ein Gedenkstein erinnert heute übrigens an den (angeblich) exakten Ort, wo die Rakete im Oktober 1942 aufstieg. Allerdings wurde dieser schon mehrfach verschoben …

Blick auf die weitgehend zugewucherte Abgasschurre

Aufgesprengter Untergrund am Prüfstand
Immerhin ist das Gebiet inzwischen museumspädagogisch soweit erschlossen, dass Hinweisschilder auf die ehemaligen Gebäude aufmerksam machen. Überdies sind die Anlagen gegenüber meinen früheren Besuchen Anfang der 1990er Jahre mittlerweile weitgehend zugewuchert und man muss hier auf die allgegenwärtige Tierwelt Acht geben. Neben zahlreichen Kriechtieren versammeln sich an den Tümpeln Myriaden von Insekten und so manches Wildschwein. Schließlich wurde das ganz Gelände, nachdem die militärische Nutzung beendet war, sich selbst überlassen und stellt heute ein einzigartiges Biosphärenreservat dar.

Danach fuhren wir wieder zurück zum Ausgangsort im Wald, stiegen in den Bus um und wurden zur Ausgangspunkt am Flugplatz zurückgebracht. Auf dem Rückweg hielt ich noch kurz am Haltepunkt Werk-Ost der Peenemünder Werkbahn an, der rechtsseitig bei der Fahrt in Richtung des Flugplatzes auftaucht. Ein Stückchen weiter in Richtung Süden ist ein Teil der unterirdischen Haltestelle Karlshagen heute noch vorhanden, aber nicht mehr begehbar.

Überreste der Werkbahnstation Werk-Ost

Mittlerweile sind heute – trotz Verbote an anderer Stelle – viele historische Stätten der ehemaligen Heeresversuchsanstalt begehbar gemacht worden. Nur eines sollte sicher sein: man arbeitete hier keineswegs an Raketen, die den Mond oder den Mars erreichen sollten, sondern an Waffensystemen, auch wenn in mancher Biografie der alten Peenemünder über diesen Aspekt ihrer Tätigkeit gerne hinweggesehen wurde.

Montag, 28. September 2015

Die totale Mondfinsternis vom 28.9.2015

Lange erwartet, doch nach wenigen Stunden war wieder alles vorbei: die letzte für die kommenden Jahre von Mitteleuropa aus gut zu beobachtende totale Mondfinsternis vom 28. September 2015.

Wie immer stand in den Tagen vor der Finsternis die Frage im Raum, wohin man denn fahren solle. Klar war, dass ich sie bei mir zu Hause nicht beobachten konnte, da der Mond bei Eintritt in den Kernschatten hinter einem meiner Hochhäuser stehen würde. Da die GvA Hamburg in der Stadt ebenfalls keine adäquaten Beobachtungsplätze vorweisen konnte und auch eine Beobachtung vom Gelände der Bergedorfer Sternwarte wegen der zu hohen Bäume aussschied, ging es vor allem darum, wohin man sich begeben sollte.

Die Finsternis sollte in den frühen Morgenstunden in Richtung Südwest / West zu sehen sein und der Austritt aus dem Kernschatten gegen 7 Uhr bei nur wenigen Grad Höhe über dem Horizont zu beobachten sein. Michael Steen und ich hatten lange überlegt, wohin die Reise gehen sollte. Innerlich hatte ich mich eigentlich schon für die Gegend rund um Fehmarn wegen der dort häufig stabilen Wetterlagen entschieden. Aber man musste die Wettervorhersagen abwarten und der im Herbst für Norddeutschland so typische Nebel ließ sich mit den meisten Modellen nicht wirklich vorhersagen. Klar war, dass man feuchte Niederungen meiden sollte, womit die meisten Gegenden westlich von Hamburg (z.B. Haseldorfer Marsch) ausschied. Auch die die Außensternwarte der GvA in Handeloh erschien mit das Risiko wegen der Nebelbildung dort zu hoch, denn wenn ich mir hierfür schon die Nacht um die Ohren schlug, dann sollte das Wetter wenigstens einigermaßen sicher sein.

Überdies berechneten die Wettervorhersagen immer häufiger einen klaren Himmel für die Ostholsteiner und Fehmarner Ecke. Gegen 23 Uhr - ich erinnerte mich dabei an die Tour zur Beobachtung des Venustransits 2012 - brachen wir auf und kamen nach gut anderthalb Stunden an. Ursprünglich hatten wir geplant, an der Abfahrt Großenbrode die B207 zu verlassen und uns am Strand einen Platz zu suchen. Welch eine Fehleinschätzung, was die Position des Mondes am Himmel anging, denn von dort aus blickte man zwar aufs Wasser, aber nicht zum Mond.

Es kam anders, denn wir landeten schließlich - wie schon bei zwei Sonnenfinsternissen - auf einem Autobahnparkplatz, denn was am Tage klappte, sollte auch in der Nacht gehen. Und so kam es schließlich auch: wir fuhren auf den Parkplatz Ostseeblick - der heißt wirklich so, auch wenn man von dort aus die Ostsee gar nicht sieht. Er liegt aber etwas höher als die Umgebung, was durchaus von Vorteil war. Nicht für die Sicht auf den Mond, aber für den eventuell zu erwartenden Nebel, der die ganze Nacht über sich vornehm zurückhielt.

Da wir recht früh dran waren, pausierten wir noch ein wenig im Auto, bevor wir mit dem Aufbau begannen. Ich durfte mein 80/560 mm Triplett auf Michaels SP-Montierung setzten, bei der wir eine batteriebetriebene Nachführung hatten, was insbesondere für die Aufnahmen während der Totalitätsphase wichtig war. Er selbst beobachtete mit einem 80/910er Refraktor auf einer zweiten Monti. An das Triplett befestigte ich meine Canon EOS 40D, auf einem Fotostativ kam meine Canon EOS 1100 D mit 300mm Telezoom und 58 mm Festbrennweite zum Einsatz.

Den Beginn der Halbschattenfinsternis kurz nach 2 Uhr bekamen wir nicht mit, die ist naturgemäß auch nur sehr schwer zu erkennen. Je näher jedoch der Eintritt in den Kernschatten um kurz nach 3 Uhr rückte, desto dunkler wurde der Ostrand des Mondes. Es war klar, dass der Mond zwar durch den Erdschatten gehen, ihn aber nicht in der Mitte, sondern am unteren Rand durchschreiten würde. Daher sah man bis fast ständig einen leichten hellen Saum am Mondrand, der in der Nacht von Ost über Süd nach West verlief, entsprechend der Wanderung durch den Erdschatten und somit einen auffälligen Helligkeitsgradienten.


Mond vor Beginn der Totalität
Noch bevor der Mond zur Hälfte in den Erdschatten eingetaucht war, konnte man auf länger belichteten Aufnahmen und auch visuell die rötliche Verfärbung erkennen, die natürlich immer intensiver wurde. Spätestens bei Beginn der Totalität um kurz nach 4 Uhr lohnte sich der Blick zum übrigen Sternhimmel. Die Milchstraße war sehr gut zu sehen, im Osten stand der Orion, der Schwan ging im Westen unter und später gingen dann noch Venus, Mars und Jupiter im Osten auf. Es gibt durchaus Leute, die während einer Mondfinsternis nicht den Mond, sondern ein Deep-Sky-Objekt aufnehmen. 

Der Helligkeitsgradient war während der Finsternis ständig zu sehen

Die Finsternis war insgesamt sehr dunkel, Danjon=1
In der Nacht telefonierten wir mit anderen Sternfreunden, die entweder bei Hagenow ebenfalls auf einem Autobahnparkplatz oder auf einer leider wohl sehr feuchten Wiese beobachteten.

Kurz vor Ende der Totalität

Ende der Totalität
Auf der Autobahn A1 herrschte nur wenig Verkehr und nur ab und zu kamen Leute vorbei und erkundigten sich nach unserem nächtlichen Treiben. Das Ende der Totalität gegen 5:30 Uhr kündigte sich schon lange vorher durch den bereits erwähnten hellen Saum, diesmal am Westrand, an. Schließlich war es soweit und der Mond trat aus dem Schatten der Erde heraus. Kurz vorher hatte die Morgendämmerung eingesetzt, die ein wunderschönes Farbenspiel entfaltete und einen Blick auf Venus, Mars und Jupiter erlaubte. Den Austritt des Mondes aus dem Kernschatten um kurz vor 6:30 Uhr konnten wir noch verfolgen - die CF-Karte meiner Kamera war voll und ich konnte keine Aufnahmen mehr machen -, bevor der Mond hinter einer Wolkenbank in Richtung Westen verschwand.

Auffallend war die sehr dunkle Finsternis - 1 nach der Danjon-Skala -, die dennoch ein beeindruckendes Bild abgab. Die Nacht war an dem Standort relativ trocken, wir hatten keinerlei Tauprobleme und selbst die Laternenmasten auf dem Parkplatz wiesen kaum Feuchtigkeit auf. Mein Auto beschlug auch erst spät in der Nacht.

Als wir alles im Auto verstaut hatten, suchten wir noch eine Autobahnraststätte auf und nahmen ein Frühstück ein, dass die fortschreitende Müdigkeit vertreiben sollte. Das wichtigste dabei war der Kaffee, der mich ein wenig wacher machte. Am Ende war ich froh, als ich zu Hause ankam, nicht mehr zur Arbeit und auch nicht mehr fahren musste. So hieß es dann erst einmal, den verlorenen Schlaf nachzuholen … Bilder kann man später auch noch bearbeiten.

Montag, 14. September 2015

Peenemünde im Jahr 2015

Der Ort ist so umstritten wie kein zweiter in Deutschland: Peenemünde auf der Ostseeinsel Usedom. Für die einen quasi DER Geburtsort der Raumfahrt, für andere einer, den man am liebsten von der Landkarte tilgen und zur verbotenen Zone erklären würde. 

In der Tat ist die historische Bedeutung ambivalent und faustisch. Einerseits wurden hier tatsächlich die Grundlagen für die spätere unbemannte und bemannte der USA und der ehemaligen UdSSR gelegt, andererseits stand in dem weltweit ersten militärisch-technischen Komplex der Welt nicht der Bau von Weltraumraketen, sondern von Waffen im Vordergrund. Ein wesentlicher Punkt ist zudem die Verstrickung der Peenemünder Wissenschaftler in das System der Konzentrations- und Arbeitslager des nationalsozialistischen Deutschlands, was die perfekte Grundlage dafür liefert, weswegen man sehr vorsichtig und behutsam mit dem Thema umgehen muss.

Am 3. Oktober 1942 wurde bei einem Testflug erstmals eine Gipfelhöhe von über 80 km erreicht und damit per Definition der Weltraum; für die Gruppe der „alten Peenemünder“ um Wernher von Braun, der technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt war, Beweis für den Versuch, dass es hier um Weltraumforschung ging und man "zur Not" die Hilfe des Militärs in Anspruch nehmen musste, weil nur dieses ausreichende Mittel zur Verfügung hatte. Am Ende der Parabel stand nicht etwa ein Paket mit Messinstrumenten, sondern Sprengstoff, der in England, den Niederlanden und Belgien vielen Menschen den Tod brachte. Überhaupt starben in den Konzentrationslagern und aufgrund der unmenschlichen Arbeitsbedingungen im Mittelbau Dora im Harz mehr Menschen bei der Herstellung als durch den Einsatz der Rakete.

Die Geschichte nach Ende de Zweiten Weltkriegs wird als bekannt vorausgesetzt und soll daher hier nicht wiederholt werden.

Nachdem ich zum letzten Mal im Jahr 2011 das Gelände rund um den Peenemünder Haken besuchen und besichtigen konnte, war dies jetzt vielfach nicht mehr möglich. Der legendäre Prüfstand VII, von dem aus die A4/V2-Raketen starteten - und viele in der Ostsee wieder runterkamen - war in den Jahren nach meinem ersten Besuch 1992 noch begehbar, wenn man damals auch nicht immer wusste, was man da im Wald wirklich sah. Mehrere Touren sind hierhierhierhier, hier, hier und hier beschrieben.

Konnte man 2011 auf Höhe der alten Wachstation noch am Zaun entlang zum Strand gehen, so ist dieser mittlerweile auch gesperrt. Im Besitz der Deutschen Bundesstiftung Umwelt werden Führungen kaum noch unternommen, da für jede einzelne eine Sondergenehmigung benötigt wird und man das zweifelsohne einzigartige Biotop im Bereich der ehemaligen Heeresversuchsanstalt schützen will. Auch wird politisch starker Druck auf das Historisch-Technische Museum ausgeübt, nicht nur eine möglichst differenzierte Sicht zur Geltung zu bringen, am liebsten möchte man das ganze Gebiet für die Öffentlichkeit sperren und die wenigen dort noch lebenden Usedomer zwangsumsiedeln. Gleichzeitig gibt es aber in der Region ein lebhaftes wirtschaftliches Interesse, denn die Einnahmen aus Parkgebühren, Eintrittspreisen und von im Museumsladen verkauften Devotionalien werden von der Gemeinde gerne genommen. 

Das faustische an dieser Stätte hat sich nicht nur erhalten, sondern wurde durch die immer wieder neu definierte „political correctness“ zum Teil ins Absurde gesteigert. Vor allem amerikanische Besuchergruppen verstehen oft nicht, warum man den Prüfstand nicht wieder im Original aufbaut. Briten, Niederländer und Belgier sehen es wie jüdische Gruppen und Nachkommen der Überlebenden der KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter naturgemäß sehr viel klarer und differenzierter und begrüßen den Verzicht auf eine Zurschaustellung der NS-Forschungsstätte am Peenemünder Haken.

Was kann man als normaler Tourist heute noch oder wieder sehen? Der aktuelle Plan der Museumslandschaft weist mehrere Anlaufpunkte auf, die frei zugänglich sind und museumspädagogisch begleitet werden, aber nicht alle an einem Tag erkundet werden können. Dafür ist das Gelände viel zu groß, um alle vorhandenen und ausgewiesenen Stätten entsprechend würdigen zu können.
Ensemble im Eingangsbereich des Museums

Nicht vergessen darf man die Luftangriffe der Alliierten 1943 und 1944 und die nachfolgende Besetzung durch die Rote Armee und die Nutzung durch die NVA bis 1990. Überdies wurden viele Gebäude nach Abtransport der Gerätschaften und vorheriger Inspektion durch sowjetische Raketenexperten gesprengt und einige Bereiche auch zum Zielschießen verwendet. Alles zusammen hat nicht wirklich viel übrig gelassen außer oft nur schwer definierbaren Mauerresten, überwucherten Bodenlöchern, in die man auch heute noch gut hineinfallen und sich schwer verletzten kann, Reste von Chemikalien (insbesondere von Phosphor, der leicht mit Bernstein verwechselt wird und schon zu Unfällen geführt hat, weil es ein ähnliches Aussehen besitzt), sodass es schon allein aus diesem Grund gefährlich ist, ohne Kenntnis im Gelände herumzulaufen, was mittlerweile aber ohnehin unter Strafe gestellt ist.

Nach einem ersten Stopp an der alten Wachstation, bzw. dessen Überresten, fuhr ich zum Museum und war gespannt auf die seit dem letzten Mal vorgenommenen Veränderungen. Diese waren denn auch mehr im Detail zu erkennen. Die Mauer, die das Gelände nach Süden hin abgrenzte, war erneuert, die Flugzeuge entfernt und im Eingangsbereich ein Ensemble aus einem 1:1-Modell der Rakete, einem Modell einer V1 samt Walther-Schleuder und zwei Wagen des Typs der Berliner S-Bahn, die hier als Werkbahn eingesetzt war, ausgestellt. In einem der beiden Wagen gab es dazu eine kleine Ausstellung und so ganz im originalen Zustand war er denn doch nicht. In Wahrheit stand dieser kleine Zug bis 1978 im Dienst der Isartalbahn in Bayern, er ist aber wohl mit dem ursprünglichen durchaus vergleichbar.

Das ehemalige Kraftwerk am Peenestrom - es war noch bis 1990 teilweise für die Stromversorgung des Peenemünder Hakens im Einsatz - wies die meisten Neuerungen in seinem Innern auf. Im Kesselhaus waren die technischen Anlagen zugänglich gemacht worden und man konnte viele der hier einmal genutzten technischen Exponate bestaunen. Ein gläserner Fahrstuhl brachte den Interessierten auf das Dach des Hauses, von wo aus man einen guten Überblick über die Museumslandschaft gewinnen könnte, wenn man nicht, wie ich, mit Höhenangst ausgestattet ist. Also verzichtete ich auf den Blick und schlenderte lieber etwas länger durch die in anderen Gebäudeteilen untergebrachte Ausstellung. Mittlerweile wird hier nicht mehr einseitig die Leistung der Raketenwissenschaftler für die bemannte und die unbemannte Raumfahrt beleuchtet, sondern stärker auch auf das Leid der KZ-Häftlinge aufmerksam gemacht. 

Der neue Fahrstuhl zur Aussichtsplattform
In einer gerade noch laufenden Ausstellung konnte man Aufnahmen und Überreste des ehemaligen (militärischen) Raketenschießplatzes in Kummersdorf bestaunen, die bis heute noch nicht museumstechnisch erschlossen sind. Nach wie vor wird aber die Verquickung der Raketenenthusiasten um Wernher von Braun mit dem NS-System auf verschiedenen Ebenen eher nur am Rande erwähnt.

Peeneseitige Ansicht des Kraftwerks mit Resten des Tarnanstrichs
Überreste gibt es im Museumsgebäude und zum Teil im Freigelände aus Grabungskampagnen im Bereich der ehemaligen Heeresversuchsanstalt viele zu sehen, die im Detail alle gar nicht an dieser Stelle aufgelistet, aber in der Ausstellung besichtigt werden können. Insgesamt machte diese einen guten Eindruck und ein Besuch kann jedem näher Interessierten empfohlen werden. Man muss sich aber der besonderen Bedeutung des Ortes und seiner komplexen Geschichte bewusst sein, um alle Aspekte erfassen zu können.

Dienstag, 8. September 2015

5. Norddeutsches Sternwartentreffen in Rostock

Das Treffen der norddeutschen Sternwarten fand auf Anregung der Rostocker Sternfreunde am 5. September 2015 in der Hansestadt an der Ostsee statt und bildete den Abschluss der Feierlichkeiten zum 50jährigen Bestehen der Astronomischen Station „Tycho Brahe“ im Nelkenweg 6.

Michael Steen und ich waren nach mehreren Aufrufen über die GvA-Mailingliste die einzigen aus unserem Verein, die sich an diesem Samstagmorgen auf den Weg machten. Nach einem kurzen Frühstück bei einem Bäcker in Bergedorf fuhren wir los und kamen nach gut zwei Stunden in Rostock an, wo man grad intensiv mit der Vorbereitung der Veranstaltung beschäftigt war. Als erstes trafen wir auf die zahlreich erschienenen Lübecker Sternfreunde, die hier als Gruppen einen Ausflug unternommen hatten. Bis zur Eröffnung war es noch ein wenig hin und so konnte man sich schon im Vorwege mit Getränken oder Mitgebrachtem stärken.

Das Treffen in der Aula / Mensa der CJD Christopherusschule Rostock gegenüber der Astronomischen Station „Tycho Brahe“ begann pünktlich mit der Begrüßung durch Henning Schmidt, den Vorsitzenden des Astronomischen Vereins Rostock e.V., dem eine kurze Ansprache des Senators für Jugend, Soziales, Gesundheit, Schule und Sport der Stadt Rostock, Steffen Bockhahn, folgte. Er machte deutlich, dass das 5. NST ein fester Bestandteil der Festaktivitäten zum Jubiläum der Sternwarte war und dessen krönender Abschluss sein sollte. Die herumgereichte Teilnehmerliste des 5. NST wies am Ende die Namen von insgesamt 71 Sternfreundinnen und Sternfreunde aus weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, Braunschweig, Tornesch und Lübeck auf.

Im Anschluss daran wurde dem Rostocker Hochschullehrer Prof. Manfred Schukowski, der sich als Pädagoge und Autor vieler Werke zu astronomischen Uhren im heutigen Meckelnburg-Vorpommern betätigt hatte, für sein Lebenswerk mit dem Mayer-Röhl-Ehrenpreis der Universität Greifswald ausgezeichnet. Die anschließende Laudatio hielt Prof. Holger Kersten, der mittlerweile an der Universität Kiel forscht und Mitglied der Greifswalder Sternwarte e.V. ist. Prof. Schukowski bedankte sich mit einem eigenen Rückblick auf seine Zeit als Physik- und Astronomielehrer und dem Zusammentreffen mit vielen Sternwartenleitern in der damaligen DDR.

Das eigentliche Vortragsprogramm begann mit dem Beitrag „Einmal Milchstraße und zurück - Die Geschichte der Volkssternwarten in Deutschland“ von Dieter B. Herrmann, ehemaliger Leiter der Archenhold-Sternwarte, Gründungsdirektor des Zeiss-Großplanetariums in Ost-Berlin und Autor zahlreicher populärwissenschaftlicher Arbeiten zu Astronomie und Raumfahrt. In seinem Beitrag schilderte er die Geschichte der Astronomie in Berlin und der Urania-Sternwarte in der Invalidenstraße: die erste deutsche Volkssternwarte. Neben der Schilderung des Wirkens von Simon Friedrich Archenhold (1861-1939), Bruno H. Bürgel (1875-1948), Wilhelm Meyer (1853-1910) und Wilhelm Förster (1832-1921) hob er besonders die Rolle der Treptower Sternwarte hervor, ging aber auch kurz auf Gründung weiterer Urania-Sternwarten ein: 1897 in Wien, 1904 in Magdeburg und 1909 in Jena. Spannend war eine Statistik, die belegte, dass es insbesondere nach dem 1. mehr noch nach dem 2. Weltkrieg und dem „Sputnik-Schock“ 1957 zu einem Aufschwung bei den Neugründungen von Volkssternwarten und astronomischen Vereinigungen kam. Parallel dazu standen die Planetarien als Volksbildungseinrichtungen, deren Anzahl in der Zeit nach dem Krieg deutlich anstieg, obwohl es bereits 1926 das erste funktionstüchtige Exemplar in Jena gab.

In einer kleinen Pause überreichten die Lübecker Sternfreunde an den nachfolgenden Referenten Henning Schmidt ein kleines Geschenk als Danksagung für die Ausrichtung der Tagung, bevor dieser näher auf die Aktivitäten in Rostock einging, die weit mehr über den reinen Betrieb der Astronomischen Station hinausgehen. Den Schulkindern der Stadt Rostock wird dort „Schule an einem anderen Ort“ geboten, wo es in einem ganz normalen Klassenraum Astronomieunterricht gibt, am Refraktor beobachtet oder im Kleinplanetarium, wo maximal 30 Personen Platz finden können, Vorträge angeboten werden. Überhaupt nahm der Astronomieunterricht an den Schulen im nordöstlichsten Bundesland einen breiten Raum ein, was eigentlich nicht so ganz dem Charakter der Veranstaltung entsprach, aber dennoch interessant und aufschlussreich war.

Nach der Mittagspause erläuterte Christian Fajkus noch mal eingehender den Astronomieunterricht in Rostock an der Astronomischen Station und gab diverse Einblicke in den Lehrplan, gab Anregungen, wie man Astronomie als Unterrichtsfach gestalten könnte, und zeigte verschiedene Methoden und Themen auf.

Ingrid Ziems beendete den Teil, der mehr einer Lehrerfortbildung glich und für reine Sternfreunde weniger ergiebig war, mit einer Darstellung der Historischen Entwicklung der Astronomie in der Stadt Rostock

Im Anschluss teilten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei Gruppen auf, um Führungen durch den Astrogarten, die Sternwarte und das Planetarium zu unternehmen. Hinter dem Gebäude der Sternwarte wurde ein begehbares, allerdings kreisförmiges, Modell des Sonnensystems errichtet, während auf dem Dach etliche Säulen für die Aufnahme transportabler Teleskope und der charakteristische Kuppelbau mit einem darin befindlichen 150/2250-Coudé-Refraktor  aus dem Jahr 1965 steht. Im Keller des Hauses befindet sich das bereits erwähnte Zeiss-Kleinplanetarium vom Typ ZKP-1 von 1964, in dem wir einer kleinen Vorführung bewohnen durften. Die Abbildungsqualität ist zwar nicht mit denen moderner Großplanetarien zu vergleichen, dafür wird in diesen kleinen Einrichtungen oft mehr Astronomie geboten, als in den großen Sternentheatern, ein Problem, das auch auf dem Treffen diskutiert wurde. 

Der Astrogarten der Astronomischen Station Rostock

Sonnenuhr an der Außenseite der Kuppel

Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Astrogarten

Der 150/2250-Coudé-Refraktor

Geöffnete Kuppel der Sternwarte

Modell in einem der Sternwartenräume

Da die Besichtigung insbesondere des Refraktors und des Planetariums - man fühlte sich zeitweise durchaus an die Zeit erinnert, als die GvA Hamburg noch im Planetarium im Wasserturm beheimatet war - musste wir uns beeilen, um die nachfolgenden, sehr interessanten Kurzvorträge nicht zu verpassen.

Projektor des Zeiss-Kleinplanetariums ZKP-1 in Rostock

Henning Schmidt berichtete über den aktuellen Stand einiger durchaus kurioser astronomischer Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern wie der ehemaligen Sternwarte in Blankenhagen zwischen Rostock und Ribnitz, wo eine Zeitlang auf einem Mühlendach eine silberne Kuppel stand, dem ZKP-2-Planetarium der ehemaligen Ingenieursfachhochschule für Seefahrt in Wustrow, dem ehemaligen Gymnasium in Torgelow, das eine eigene Sternwarte und ein Planetarium besaß oder das Planetarium der Fachhochschule Rostock, das in einem Wohnhaus untergebracht ist. Diese diente einstmals der Ausbildung der Offiziere der DDR-Volksmarine und wird heute durch einen Förderverein betreut. 2014 feierte es sein 60jähriges Bestehen.

In der nachfolgenden Kurzrunde wurde über die Sternwarte Heringsdorf - sie liegt direkt am Strand und kämpft im Winter mit der Lichtverschmutzung einer Eisbahn direkt davor und einem beleuchteten Theaterzelt in unmittelbarer Nähe - ebenso berichtet wie über das Kleinplanetarium Demmin (Zusammenarbeit mit Astronomielehrern, Kindervorstellungen und Schulunterricht), die Greifswalder Universitätssternwarte (Initiativen wie der Johannes-Conrads-Förderpreis, Programme für die Öffentlichkeit und als Besonderheit die Beobachtung von nunmehr 4 Venustransiten), die Mobile Sternwarte Hanshagen (Zusammenarbeit mit Schulen, privaten Interessenten, kleines Baaderplanetarium seit 2003), das Kleinplanetarium Lübz (ein 1974 geliefertes ZKP-1, astronomischer Schulunterricht, öffentliche Führungen, Planung eines Planetenwanderweges), die Sternwarte Remplin und dessen Restaurierungsstand (im Turm steht ein 80/1200mm-Refraktor) und das geplante Sternparkprojekt Mecklenburger Parkplatz zwischen Rostock und Remplin.

Zu vorgerückter Stunde wurde noch über den Austragungsort des 6. Norddeutschen Sternwartentreffens gesprochen, es gab auch mehrere, aber nicht immer ernst gemeinte, Vorschläge, eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen. Wer wollte, konnte danach noch den Planetenwanderweg in Warnemünde erkunden, wir beschlossen allerdings, den Heimweg anzutreten.

Das 5. Norddeutsche Sternwartentreffen kann trotz des Schwerpunktes auf die Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern als gelungen und sehr informativ betrachtet werden und es ist den Initiatoren für ihr Engagement und das umfassende Catering zu danken!