Montag, 21. Juli 2014

Gefallene Astronomen des 1. Weltkrieges (6)

Max Pauly (1849-1917)

So ganz sicher ist es nicht, ob Max Pauly in die Kategorie der durch mittelbare oder unmittelbare Kriegseinwirkungen „gefallenen“ Astronomen zählen kann, doch deutet vieles darauf hin, dass auch er, wie viele Menschen im damaligen Reichsgebiet, infolge der mangelhaften Ernährung der Zivilbevölkerung während des Ersten Weltkrieges ums Leben kam.

Geboren wurde er am 15. November 1849 als jüngster Sohn eines Postsekretärs in Halle. Seine Kindheit war geprägt durch das unstete Leben des Vaters, der seine geologischen Studien mehr liebte als den eintönigen Postdienst und daher kündigte und 1859 nach Harzgerode umsiedelte. Daraus entwickelten sich immer wieder Streitigkeiten in der Familie, sodass Max Pauly eine ruhige und behütete Jugend verwehrt blieb. Er kam 1858 als schwächlicher Junge in die Franksche Schule in Halle, besuchte ab 1859 die dortige Volksschule und 1862 in die Realschule eines Waisenhauses in Halle, bevor er ab 1863 die Realschule in Halberstadt besuchte. 

1866 musste er auf Druck seines Vaters in Harzgerode eine Schlosserlehre absolvieren. Nach nur einem Jahr ging er als Schlosserlehrling in die Maschinenfabrik von J. Billeter und später zu Billeter & Klunz in Aschersleben. 1868 verlor der Vater seine Arbeit bei einer Bergbaugesellschaft und Max Pauly war zusammen mit seiner Schwester, die gemeinsam die kränkliche Mutter pflegen mussten, der Alleinverdiener der Familie. Das änderte sich erst ab 1870, als der Vater in halle eine neue Anstellung in der Braunkohle-Industrie fand. Dadurch wurde Max Pauly in die Lage versetzt, in Halberstadt die Gewerbeschule zu besuchen, die er mit Auszeichnung absolvierte. Daraufhin versuchte sein Vater, ihn in der aufstrebenden Zuckerindustrie unterzubringen. Man riet ihm aber, vorherein Studium einzulegen. So entwickelte er sich beruflich in diese Richtung weiter, studierte in Halle und Berlin, erhielt eine feste Anstellung, hielt sogar Vorlesungen an der Zuckerschule in Braunschweig und wurde später Direktor einer Zuckerfabrik.

Wie er vor diesem Hintergrund zur Astronomie kam, ist unklar. Es heißt zwar, dass er seit seiner frühen Jugend eine „Sehnsucht nach den Sternen“ hatte, aber frühe Aktivitäten sind nicht überliefert, was nicht heißen muss, dass es nicht so war. Von seinem Vater hatte er eine gewisse Ruhelosigkeit und den Sinn für schöngeistige Dinge geerbt. Irgendwann überkam ihm, so die Legende, einfach die Lust, selber Linsen zu schleifen. 

Erste Versuche hatte er wohl schon in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts unternommen und nebenbei ein wenig Optik studiert. Den richtigen Anstoß erhielt er wohl durch eine Ausstellung im Jahr 1885 in Görlitz, auf der er erstmals ein Spiegelteleskop sah, dessen Spiegel von einem Herrn von Schlicht geschliffen und von G. Meißner in Potsdam zusammengebaut worden war. Er nahm daraufhin Kontakt zum Erstgenannten auf, der für Herrmann Carl Vogel (1841-1907) in Potsdam verschiedene Spiegel geschliffen hatte. Dieser brachte ihm eine ganze Reihe von Tricks und Kniffen für die Herstellung von Teleskopspiegeln bei und zusammen mit zwei Arbeitern aus seiner Zuckerfabrik begann er mit dem Bau erster, eigener Spiegel. Hier kam Pauly seine Erfahrung als Schlosser zugute. Schließlich baute er nicht nur Teleskope für sich selbst, sondern auch Instrumente als Prüfwerkzeuge für Optiken aller Art. Er revolutionierte die Spiegelherstellung, in dem er 1895 erstmals eine Poliermaschine entwickelte, die Glasflächen bis 600 mm Durchmesser bearbeiten konnte und die in seinem Keller aufgestellt war. In dieser für damalige Verhältnisse recht modern und komfortabel ausgesatteten Werkstatt begann er regelmäßig Teleskopsiegel, Prismen, Linsen und Okulare zu produzieren, die er anfangs oft ohne Bezahlung an interessierte Sternfreunde verschenkte. Dazu gehörte ein 6" Objektivprisma für O'Gyalla (1886) und die beiden 10" Objektivprismen für O'Gyalla; und Hereny (1893) deren einem wir v. Gothards Nebelspektren verdanken, das 8" Objektiv für den eigenen Gebrauch (1888), ein 6" Objektiv für Grinenko und ein gleiches für Fauth (1891).

Zwischen 1891 und 1894 versuchte er sich auch an der Herstellung von Apochromaten mit neuen Gläsern der Firma Schott. Dabei entstanden u.a. ein 7" Apochromat für die Jenaer Sternwarte, ein 6" Apochromat für die Berliner Urania und ein 7" Apochromat für Philipp Fauth (1867-1941).

Erst in den 90er Jahren ließ er sich eine eigene Sternwarte bauen, mit einer Kuppel, die einen 8-Zöller samt Montierung aufnehmen sollte. Dazu kam ein Passageninstrument von Gothard und eine Strassersche Pendeluhr. Pauly beobachtete damit zwar in erster Linie die Sonne und Planeten, häufiger aber setzte er sein Instrumentarium wieder für Prüfungen neuer Zusatzgeräte ein.

Mit der Zeit hatte Pauly Kontakte zur optischen Industrie in Jena aufgenommen und lernte so Schott und Abbé kennen, die von seiner Geschicklichkeit im Instrumentenbau sehr angetan waren. Als Abbé seinen Plan, bei den Zeiss-Werke in Jena eine Abteilung zur Herstellung von astronomischen Instrumenten aufzumachen, lag der Schluss nahe, Pauly für die Mitarbeit zu gewinnen.

Mit Paulys Gesundheit stand es allerdings nach wie vor nicht zum besten und so riet sein Arzt ihm, sich von einem seiner Berufe als Zuckerfabrikant oder als Optiker aufzugeben. Er gab schließlich die Fabrik auf, ging nach Jena und übernahm dort die Teilhaberschaft an der astronomischen Abteilung. Es fiel Pauly allerdings nicht leicht, die Selbständigkeit aufzugeben – immerhin hatte er die weithin bekannte Zuckerfabrik nicht nur geleitet, sondern auch ihre Techniken und Prozesse immer weiter entwickelt – und nach dem Tod Abbés auch auf die Teilhaberschaft zu verzichten und nur noch Angestellter bei Zeiss zu sein.

Pauly galt als emsiger, aber oft unterschätzter Mitarbeiter, der an vielen Stellen des Werkes für Verbesserungen sorgte, ohne dafür jemals belohnt zu werden. So war Pauly maßgeblich für den Aufstieg der Astronomischen Abteilung bei Zeiss verantwortlich und konstruierte auch einige Instrumente selbst. Dazu zählten der dreifache 150, 120, 120 mm-Refraktor für Simeis, das 720 mm-Spiegelteleskop für den Königstuhl, das 640 mm- Objektivprisma für die Kap-Sternwarte, das Zenitteleskop für die Jenaer Sternwarte, das 400 mm-Spiegelteleskop für Innsbruck, ein 1000 mm-Spiegelteleskop für Bergedorf, den 145 mm-UV-Petzval mit 15° und 10° Objektivprismen für das Yerkes-Observatory,, den dreifachen 360 mm-Refraktor für Neuchatel, das Objektiv für die Berliner Sternwarte, die 350 und 300 mm-Objektive für Zürich, der 340 mm-Astrographen für Bergedorf, der 650 mm-Refraktor für Babelsberg und das 1914 begonnene, wegen des Krieges unvollendete 1200 mm-Spiegelteleskop für das gleiche Institut.

1912 verließ Pauly die Zeiss-Werke aufgrund seines immer schlechter werdenden Gesundheitszustandes. Er widmete sich nun zunehmend seiner Familie und der alten Leidenschaft für die Chemie. Seine Krankheit schritt in immer schnellerem Tempo voran, das durch die Entbehrungen während des Ersten Weltkrieges und der mangelhaften Ernährung, noch beschleunigt wurde, bis er am 26. April 1917, schwer von diversen Krankheiten gezeichnet, verstarb.

Wie Max Wolf in seinem Nachruf schreibt, ist „…Von Manchen, die ihn nicht aus nächster Nahe kannten, ist die geistige Bedeutung Paulys nicht recht erfaßt worden. Das kommt daher, daß er, im Umgang ein bescheidener und stiller Mensch, sich nirgends vordrängte, aber doch bei jedem Umgang stets der anregende und gebende Teil war, ohne daß es die meisten wurden.“

Freitag, 18. Juli 2014

Gefallene Astronomen des 1. Weltkrieges (5)

Dr. Erich Kron (1881-1917)

Der nächste, im 1. Weltkrieg gefallene Astronom in dieser Reihe, ist Dr.Erich Kron vom Astrophysikalischen Observatorium in Potsdam. Er fiel am 24. Oktober 1917 bei der Dritten Flandernschlacht (31. Juli – 6. November 1917). Geboren wurde Erich Kron am 13. Juli 1881 in Potsdam als erster von insgesamt drei Söhnen der Familie.

Sein Vater verstarb sehr früh und so wuchs er bei seiner Mutter auf, die ihn sehr liebevoll und mit Hingabe erzog. Er besucht das Gymnasium in Potsdam und Brandenburg und machte Ostern 1900 sein Abitur. Danach begann er mit großer Begeisterung mit dem Studium der Astronomie und promovierte bereits 1906 mit einer Schrift über den Bedeckungsveränderlichen δ Librae vom Algol-Typ.

Damit legte er auch Zeugnis ab über eine sehr große Gründlichkeit bei der Bearbeitung langer Beobachtungsreihen und Zahlenkolonnen und dass er daraus die richtigen Schlüsse über die Vorgänge bei diesem Typ veränderlicher Sterne zu ziehen vermochte. Die Promotion führte zu einer festen Anstellung als Assistent am 1. Oktober 1906 beim Astrophysikalischen Observatorium in Potsdam.

Seine erste Aufgabe bestand darin, Aufnahmen für eine fotografische Himmelskarte auszumessen und er tat dies mit einem hohen Maß an Gewissenhaftigkeit, wie man den Bänden V und VI der sogenannten Potsdamer Zone, veröffentlicht zwischen 1899 und 1915 in der Schriftenreihe der Publikationen des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam, entnehmen kann.

Darüber hinaus zeichnete er sich durch eine hohe Beobachtungsgabe auf, die dazu führte, dass er 1910 gemeinsamen mit dem späteren Direktor des AOP Karl Hermann Gustav Müller (1851-1921) an einer Expedition nach Teneriffa zur Messung der Extinktion der Erdatmosphäre teilnehmen konnte. Diese verlief anscheinend, wie den Anmerkungen in der Todesanzeige zu entnehmen ist, nicht ganz so erfolgreich, wie man es sich gedacht hatte und es war nur dem Engagement, dem Beobachtungstalent und dem sorgsamen Umgang mit dem Instrumentarium durch Erich Kron zu verdanken, dass noch halbwegs brauchbare Ergebnisse zustande kamen. 

Der Expeditionsbericht mit dem Titel „Die Extinktion des Lichtes in der Erdatmosphäre und die Energieverteilung im Sonnenspektrum nach spektralphotometrischen Beobachtungen auf der Insel Teneriffa. Unter Mitwirkung von E. Kron. Potsdam 1912 in: Publikationen des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam. 22,64. 92 S.,Abb.,Taf.“ belegt dies eindrucksvoll und beschäftigte Kron während der gesamten, ihm noch am Observatorium verbleibenden Zeit. Hieraus resultierte auch seine letzte Veröffentlichung aus dem Jahr 1914: „Über die Extinktion des Lichtes in der Erdatmosphäre für das Ultraviolett“, Annalen der Physik, vol. 350, Issue 19, pp.377-398. Überdies wurde er Mitarbeiter der von Müller geleiteten Arbeitsgruppe „Photometrische Durchmusterung der Polzone +80° bis +90° Dekl.“

Kron hatte 1910 überdies auch an Beobachtungen des Halleyschen Kometen teilgenommen, seine Ergebnisse wurden im darauf folgenden Jahr in einem Artikel von keinem geringeren als Karl Schwarzschild und ihm veröffentlicht: „On the Distribution of Brightness in the Tail of Halley's Comet“ , Astrophysical Journal, vol. 34, p.342

Mit Beginn des 1. Weltkriegs wurde Kron eingezogen und aus Potsdam abberufen und an die Westfront geschickt. Seine Arbeiten an der Durchmusterung waren nicht vollendet, konnten aber durch andere Kollegen abgeschlossen werden. Er hatte sich, quasi nebenher, noch mit zwei anderen Projekten beschäftigt. So untersuchte er den Lichtwechsel von XX Cygni (1912, Publikationen des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam) und den später sogenannten Schwarzschild-Exponenten bei fotografischen Platten, (1913, Über das Schwärzungsgesetz photographischer Trockenplatten, Annalen der Physik, vol. 346, Issue 9, pp.751-758, Über das Schwärzungsgesetz photographischer Platten, Publikationen des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam). Eine weitere Arbeit, die Kron noch begonnen hatte, wurde posthum von Ejnar Hertzsprung veröffentlicht: Photometrische Beobachtungen von W Ursae majoris von Erich Kron (1918).

Auch Krons Vorgesetzter Karl Hermann Gustav Müller blieb nicht von den Auswirkungen des Weltkriegs verschont. Überhaupt hatten er und Kron viele Gemeinsamkeiten, auch er verlor seinen Vater sehr früh und beide waren sich auch sonst wohl sehr ähnlich. Müller hatte sieben Kinder, eines starb während des Ersten Weltkriegs, ein weiteres an seinen Kriegsverletzungen. Der bekannteste seiner Söhne war Rolf Müller (1898-1981), der nach dem 1. Weltkrieg Astronomie, Mathematik, Physik, Meteorologie und Philosophie an der Universität Berlin studierte, 1924 mit einer Arbeit über den veränderlichen R Aquilae promovierte und dann Assistenz, später Observator am AOP wurde, 1946 kurz an der Hamburger Sternwarte arbeitete und noch im gleichen Jahr Leiter des Sonnenobservatoriums auf dem Wendelstein wurde. Rolf Müller machte sich auch einen Namen durch ernste wissenschaftliche Untersuchungen zur Archäoastronomie und sein Buch „Der Himmel über dem Menschen der Steinzeit“ aus dem Jahr 1970 gilt bis heute als einer der wenigen ernsthaften Publikationen zu diesem Thema.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Gefallene Astronomen des 1. Weltkrieges (4)

Dr. Julius Kramer (1875-1916)

Neben den direkt an der Front gefallenen Astronomen traf der Tod auch jene, die entweder infolge der Mangelernährung während der Kriegszeit oder Ereignissen, die dem Krieg zuzuordnen sind, ums Leben kamen und daher von mir zu den Gefallenen gerechnet werden. Einer davon war Dr. Julius Kramer.

Geboren am 6. September 1875 in Merseburg, besuchte er das Leibniz-Gymnasium in Berlin und machte dort Ostern 1894 das Abitur und begann kurze Zeit später mit dem Studium der Mathematik und Astronomie an der Berliner Universität. Im Mai 1896 musste er das Studium zunächst unterbrechen, weil er nach dem Tod seines Vaters gezwungen war, dessen Fabrik in Schweidnitz zu übernehmen. Er verkaufte sie jedoch binnen kurzer Zeit und kehrte im Oktober 1897 nach Berlin zurück, um Studium fortzusetzen. Er promovierte bald darauf mit der Schrift „Die genäherte absolute Bahn des Planeten 108 Hekuba“. Der Tätigkeitsbericht des Astronomischen Rechen-Instituts in Berlin – auf dem Gelände der Sternwarte – wies Kramer im Jahr 1898 als Berechner der Bahn eines Kleinplaneten aus. Von 1899 bis 1900 wohnte er zudem als Student auf dem Sternwartengelände.

Im September 1899 wurde er als Assistent an der Berliner Sternwarte eingestellt und durfte sich zunächst mit der Reduktion der Beobachtung am Meridiankreis und den Zeitdienst – damals eine sehr häufige Aufgabe an Observatorien (wie der Hamburger Sternwarte am Millerntor, später in Bergedorf) - befassen. Nebenher interessierte er sich für die Störungstheorie und –rechnung und veröffentlichte zwei Abhandlungen über Kleinplaneten von „Hekubatypus“ in der Schriftenreihe der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen.

Zum 1. Oktober 1902 berief man ihn als ständigen Mitarbeiter in die Kaiserliche Normal-Eichungskommission, wo er erst mit der Auswertung physikalischer und metronomischer Beobachtungen und nebenher mit Längenmessungen und Wägungen (Eichung von Waagen) betraut wurde und aufgrund der dabei gezeigten Fertigkeiten und Leistungen sich dann dem schwierigen Thema der Festlegung von Normalgewichten im Vergleich zum deutschen Urgewicht des Kilogrammes annähernd sollte. Es war gleichzeitig der Beginn einer fast rastlosen Tätigkeit, bei der er Fehlern bei früheren Angaben über die Veränderlichkeit von Gewichten in Abhängigkeit von unterschiedlichen Stoffen nachging und die Werte auf den neuesten Stand brachte. Er stellte außerdem viele Untersuchungen über die Verunreinigung von Luft und Wasserdampf, Staubteilchen etc. an, verfolgte dessen Auswirkungen und ruhte stets erst dann, als er – zumindest vorläufige - Ergebnisse vorweisen konnte. Aus ihnen leitete die Kommission später die für alle geltenden Werte für Gewichtsnormen ab.

Schon länger an einer Lungenkrankheit leidend, bereiteten ihm seine umfangreichen Arbeiten zunehmend Schwierigkeiten. Neben der amtlichen Arbeit beschäftigte er sich weiter mit der Theorie der korrekten Darstellung der Örter der Kleinen Planeten, nahm an den Forschungen Martin Brendels (1862-1939) am Planeteninstitut in Frankfurt am Main teil, der sich ebenfalls auf Kleinplaneten spezialisiert hatte und erstellte Berechnungsgrundlagen für Hilfstafeln.

Daneben schaffte er es auch noch, intensiv am zweiten Band des von Prof. Schilling in Bremen herausgegebenen Schriftverkehrs zwischen Carl Friedrich Gauss (1777-1855) und Heinrich Wilhelm Olbers (1758-1840) mitzuwirken und stellte versicherungsmathematische Berechnungen an.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges war er zwar aufgrund seiner Lungenkrankheit nicht kriegsdiensttauglich, stellte sich aber für den Bahnschutz zur Verfügung, musste oft nachts Wache halten und machte freiwillig eine kurze militärische Ausbildung, weil er hoffte, bei den Luftschiffern an Bord von Zeppelinen als Meteorologe mitfliegen zu können. Dabei erkrankte er an einer Rippenfellentzündung, wodurch seine Lungenkrankheit wieder in vollem Umfang ausbrach. Er nahm keine Rücksicht auf sich, brach Anfang Oktober 1916 zusammen und wurde in ein Sanatorium nach Sülzhain im Harz gebracht. Als er sich ein wenig erholt hatte, musste er sich am 26. November 1916 einer Blinddarmoperation unterziehen, von der er sich nicht mehr erholen sollte und am 28. November 1916 in Nordhausen im Alter von nur 41 Jahren verstarb.

Sonntag, 13. Juli 2014

Gefallene Astronomen des 1. Weltkriegs (3)

Dr. Walther Zurhellen (1880-1916)
An chronologisch zweiter Stelle der im Ersten Weltkrieg durch direkte Kampfhandlungen gefallener Astronomen steht Dr. Walther Zurhellen, der, nach der Todesanzeige in der Astronomischen Nachrichten, in „Nordfrankreich den Heldentod“ fand.

Zurhellen war am 5. Januar 1880 in Mühlheim am Rhein als Sohn des Pfarrers und späteren Superintendenten August Zurhellen geboren worden. Hier besuchte er die sogenannte Elementarschule und ging auf das Gymnasium, dass er Ostern 1898 mit dem Abitur in der Tasche wieder verließ. Er studierte in Bonn, Berlin und Göttingen Astronomie und promovierte 1904 mit der Schrift „Darlegung und Kritik der zur Reduktion photographischer Himmelsaufnahmen aufgestellten Formeln und Methoden“. Die Gründlichkeit und Sorgfalt, die er dieser Arbeit zugrunde legte, sollte für sein weiteres wissenschaftliches Leben kennzeichnend sein.

Bereits im Jahr zuvor hatte er eine Assistentenstelle an der Bonner Sternwarte übernommen und so wurde der eigentlich als zweiter Teil seiner Dissertation gedachte Teil über die Vermessung des Offenen Sternhaufens M 46 noch einmal gründlich überarbeitet. Die Ergebnisse publizierte er 1909 gemeinsam mit Friedrich Küstner in den Veröffentlichungen der Königlichen Sternwarte zu Bonn: Der Sternhaufen Messier 46 : nach photographischen Aufnahmen am Bonner Refraktor.

Als eine der ersten Aufgaben als Assistent beteiligte sich Zurhellen an den spektroskopischen Arbeiten Prof. Karl Friedrich Küstners (1856-1936), der vormals Observator an der Hamburger Sternwarte, 1884 an die Berliner Sternwarte und 1891 nach Bonn gewechselt war. Hier setzte er seine Forschungen zur Polbewegung fort und konnte durch langfristige Messungen der Polhöhe den Nachweis erbringen, dass die Polachse der Erde nicht fest im Raum steht, sondern einer kleinen, durch die Schwerkrafteinwirkung der Sonne und des Mondes hervorgerufene Präzessionsbewegung und in weitaus geringerem Maß wohl auch der Planeten vollführt.

Zurhellen zeigte sich aber auch interessiert an Instrumententechnik und der Theorie der Bestimmung der Bahnen bei spektroskopischen Doppelsternen. Aus diesen Untersuchungen resultierten verschiedene Berichte in den Astronomischen Nachrichten (1906: Die Untersuchungvon Mikrometerschrauben in der Praxis, 1908: Die Bestimmung des Nullpunkts photographischer Himmelsaufnahmen, 1911: Über sekundäre Wellen in den Geschwindigkeitskurven spektroskopischer Doppelsterne)

Im April 1909 übertrug man ihm die Leitung des Fachbereichs Astrophotographie an der Sternwarte Santiago de Chile und damit die Ausdehnung der Erstellung eines fotographischen Himmelsatlas für die Südhalbkugel. Es dauerte allerdings geraume Zeit, bis der dafür gedachte Astrograph in der neuen Sternwarte in Lo Espejo aufgebaut und einsatzbereit war. In der Zwischenzeit widmete er sich theoretisch der Technik dieses Teleskops und seiner Zusatzgeräte. Am 23. Mai 1910 beobachtete und fotografierte er von Bonn aus eine totale Mondfinsternis mit einer einfachen Holzkamera, die an der Deklinationsachse des Äquatorials befestigt war. Mit dieser Kamera hatte er bereits Beobachtungen und Fotografien vom Halleyschen Kometen gewinnen können, die er dann in Chile fortsetzte.

Zum 1. Oktober 1913 folgte er dem Ruf der Sternwarte Babelsberg, um dort am – noch nicht fertig gestellten – Toepferschen Astrographen seine Forschungen fortzusetzen. Dazu sollte es allerdings nicht mehr kommen. Bei Amtsantritt war dieses Instrument noch nicht fertig, sodass er sich – wie schon in Bonn und Chile – mit der Instrumententheorie und hier der Abbildungsqualität von Objektiven auseinandersetzte. Außerdem begann er mit den Planungen einer Expedition zur Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis am 21. August 1914 in Südrussland. Diese war noch gestartet, konnte ihr Ziel aber nicht mehr erreichen und Zurhellen wurde zunächst interniert und kehrte erst 1915 zurück. Er trat sogleich dem Bonner Regiment als Vize-Feldwebel bei und zog an die Westfront, wo er am 15. Juli 1916 starb.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Gefallene Astronomen des 1. Weltkrieges (2)

Karl Schwarzschild (1873-1916)
Das wohl prominenteste Opfer des Ersten Weltkrieges war Karl Schwarzschild. Geboren wurde er am 9 Oktober 1873 in Frankfurt am Main als Sohn einer wohlhabenden, an Musik und Kunst interessierten, jüdischen Familie. Er besuchte die jüdische Elemantarschule in seiner Heimatstadt und wechselte später an das Städtische Gymnasium, wo er das erste Mal mit der Astronomie in Berührung kommen sollte, die ihn zeitlebens faszinierte und in den Bann zog. Hier entwickelte er auch eine außerordentliche Begabung für Mathematik und Physik. Im Alter von 16 Jahren veröffentlichte er 1890 als Schüler (!) in den Astronomischen Nachrichten einen hochmathematischen Artikel Zur Bahnbestimmung nach Bruns, dem nur wenige Wochen später der Beitrag Methode zur Bahnbestimmung der Doppelsterne, ebenfalls mathematisch geprägt, folgen sollte. Er schloss das Abitur mit der Bestnote ab und studierte dann ab 1890 Astronomie an der Universität Straßburg, wo er sich mit Veränderlichen Sternen auseinander setzte. Zwei Jahre später wechselte nach München, leistete seinen Militärdienst ab und ging dann an die Ludwig-Maximilians-Universität, wo er 1896 unter Hugo Seeliger (1849-1924, damals noch ohne das „von“, weil er erst 1902 geadelt wurde) mit der Schrift Die Entstehung von Gleichgewichtsfiguren in rotierenden Flüssigkeiten promovierte.

Von 1897 bis 1899 fand Schwarzschild an der Wiener Kuffner-Sternwarte eine Anstellung als Assistent und beschäftigte sich in dieser Zeit hauptsächlich mit der Photometrie von Sternhaufen und entwickelte eine mathematische Formel, aus der die Belichtungszeit von Himmelsaufnahmen in Abhängigkeit vom Schwärzungsgrad der Fotoplatte abgeleitet werden konnte, was später als Schwarzschildexponent in der Astrofotografie bekannt werden sollte. Das auch heute noch erhaltene Heliometer der Sternwarte war in dieser Zeit „sein“ Instrument, mit dem er alle seine Beobachtungen ausführte und fotografische Aufnahmen anfertigte.

1899 kehrte er nach München zurück, wurde Privatdozent und habilitierte dort. Er beschäftigte sich in dieser Zeit mit dem nicht-euklidischen Raum, berechnete Kometenbahnen und untersuchte Kometenschweife.

Als im 1901 der Direktor der Göttinger Sternwarte, Wilhelm Schnur, verstarb, entbrannte dort ein Streit um die Nachfolge. Hugo von Seeliger schlug im Juli seinen ehemaligen Schüler Schwarzschild vor, der jedoch erst einmal die weitere Entwicklung abwartete. Schließlich wurde ihm, trotz seiner erst 27 Jahre, das Direktorat übertragen und er wurde zum Professor ernannt. Trotz der langen Tradition war das Observatorium zu diesen Zeitpunkt in einem wenig guten Zustand, was sich erst durch die Initiative Schwarzschilds und die Anschaffung neuer Instrumente wieder verbesserte.

In seiner Göttinger Zeit entwickelte Schwarzschild viele neue Zusatzgeräte (wie den Libellensextanten, für den er 1909 ausgezeichnet wurde), befasste sich mit Roten Riesen und der Lücke im Hertzsprung-Russell-Diagramm zwischen den Spektralklasse A5 und G0 – sie entsteht, weil sich massereiche Sterne nach kurzer Zeit in Richtung des Riesenastes bewegen und dieses Teil des Diagramms unbesetzt erscheint. Weitere Arbeiten umfassten die Stellarstatistik, (1907), Sterngeschwindigkeiten (1909), Messungen der Radialgeschwindigkeiten von Sternen mittels Objektivprisma (1913) und der Parallaxe von Sternen (1914). Ab etwa 1905 wandte sich sein Interesse den neuem Gebiet der Sonnenphysik zu und so unternahm er eine Expedition nach Algerien zur Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis am 30. August 1905, wobei er eine Schichtung in der Chromosphäre nachweisen konnte. 1906 führte er in einer grundlegenden Arbeit zur Theorie der Sonnenphysik den Begriff des „Strahlungsgleichgewichts“ ein und publizierte mehrere Artikel über seine Untersuchungen der Sonnenatmosphäre im UV-Licht. Quasi nebenbei war Schwarzschild auch als Lehrer für Astronomie an Göttinger Schulen und in der Lehrerfortbildung tätig.

1907 erhielt er einen Ruf an das astrophysikalische Observatorium nach Potsdam, dem er sich anscheinend nicht verweigern konnte. Er bedauerte seinen Weggang aus Göttingen sehr, hatte er hier doch vor kurzem geheiratet und einen guten Draht zu Eijnar Hertzsprung (1873-1967) aufgebaut, dem er eine ordentliche Professur verschafft hatte. Schwarzschild ging nur unter der Bedingung nach Potsdam, wenn auch Hertzsprung mitkommen könne. Das aber war nur möglich, wenn Professor Johannes Franz Hartmann (1865-1936) Potsdam verließ und das Direktorat der Göttinger Sternwarte übernahm. Das war für ihn ein gewaltiger Rückschritt, denn Potsdam war ein modernes Observatroium mit Weltruf, Göttingen das genaue Gegenteil. Der Tausch der Posten zog sich bis 1909 hin, musste dann aber wegen diverser Absprachen vollzogen werden, womit Schwarzschild keineswegs glücklich war. Ein Versuch, alles wieder rückgängig zu machen, wurde abgelehnt.

1909 wurde Schwarzschild das Direktorat des Astrophysikalischen Observatoriums in Potsdam übertragen, 1912 wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, die Antrittsrede hielt kein Geringerer als Max Planck (1858-1947).

Schwarzschild musste sich notgedrungen mit den Verhältnissen in Potsdam abfinden und konnte teilweise an alte Zeiten anknüpfen. Mit dazu beigetragen hatte auch eine Reise in die USA, wo er auf den Gedanken kam, auf der Südhalbkugel eine Sternwarte zu errichten. Er dachte dabei an Windhuk als Standort.

1911 hatte er ebenfalls an Beobachtungen des Kometen Halley teilgenommen und seine Ergebnisse gemeinsam mit Erich Kron veröffentlicht, der im Ersten Weltrkieg fiel.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete er sich freiwillig und wurde in einer Artillerietruppe zunächst an der Ost- später an der Westfront eingesetzt, wobei eine seiner Aufgaben in der Berechnung ballistischer Kurven für Artillerie-Geschosse bestand.

Der Kriegseinsatz hinderte Schwarzschild nicht an weiteren astronomischen Forschungen, die allerdings nur noch theoretischer Natur waren, sich aber mit der relativ neuen Relativitätstheorie und der Quantenphysik befassten. So entstand 1915 in Russland die Schrift On the Gravitational Field of a Mass Point According to Einstein's Theory/ Über das Gravitationsfeld eines Massenpunktes nach der Einsteinschen Theorie, worin er erste Lösungen der Feldgleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie veröffentlichte. Weitere Überlegungen stellte er, sozusagen im Felde, über Schwarze Löcher und ihre Eigenschaften an, die später so klangvolle Namen wie Schwarzschild-Metrik, Schwarzschild-Tangherlini-Metrik, Schwarzschild-Radius und Schwarzschild-Singularität erhielten.

In dieser Zeit erkrankte er an einer unheilbaren Autoimmunkrankheit, der Pemphigus vulgaris, einer blasenbildenden Erkrankung der Haut. Er kehrte 1916 als Kriegsinvalide nach Potsdam zurück und starb hier am 11. Mai des Jahres. Ihm zu Ehren wurde der Hauptgrütelasteroid (837) Schwarzschilda genannt, den Max Wolf am 23. September 1916 in Heidelberg entdeckt hatte. In Berlin, Göttingen und Garching bei München wurden Straßen nach ihm benannt, außerdem trägt seit 1960 die heutige Thüringer Landessternwarte Taubenberg (seit 1992) den Namen „Karl-Schwarzschild-Observatorium“. Außerdem wurde der 1916 von Max Wolf entdeckte Asteroid (837) Schwarzschildia wurde nach ihm benannt.

Schwarzschild ist darüber hinaus der Vater des Astrophysikers Martin Schwarzschild (1912-1997), der wegen seiner jüdischen Herkunft 1935 in die USA auswanderte, 1942 die US-Staatsbürgerschaft annahm und von 1947 bis zu seiner Emeritierung 1979 an der Princeton-University forschte und lehrte. 




Dienstag, 8. Juli 2014

Gefallene Astronomen des 1. Weltkrieges (1)

Der Erste Weltkrieg zwischen dem 1. August 1914 und dem 11. November 1918 und forderte fast 20 Millionen Todesopfer unter den Soldaten und der Zivilbevölkerung. Es ist anzunehmen, dass darunter auch sehr viele Astronomen aus verschiedenen Ländern waren. Eine offizielle Aufstellung lässt sich bis heute, zumindest im Web, nirgends finden und auch diese nachfolgende Übersicht über einige Biografien von durch mittelbare oder unmittelbare Kriegseinwirkungen gefallene Astronomen kann und soll eine Gesamtzusammenfassung nicht ersetzen und höchstens einen Anstoß für weitere Nachforschungen geben. Es ist anzunehmen, dass in vielen Archiven noch so manches unerzähltes Schicksal schlummert, dass der Vergessenheit entrissen werden sollte. Grundlage für die Erarbeitung der hier vorgestellten Biographien waren Todesanzeigen in den Astronomischen Nachrichten der Jahre 1914 bis 1919. Diese trugen im Heft stets ein dem Eisernen Kreuz nachempfundenes Symbol in der Überschrift und kennzeichneten so den „für das Vaterland“ Gefallenen.

Adam Massinger war der erste, auf dessen Todesanzeige ich aufmerksam wurde. Er starb am 21. Oktober 1914, einen Tag nach Beginn der der Schlacht um Ypern (Erste Flandernschlacht vom 20. Oktober bis 18. November 1914). Die Stadt wurde im Verlauf des Krieges fast vollkommen zerstört und hier setzte die deutsche Artillerie auch 1915 erstmals Chlorgas ein.

Massinger wurde am 6. September 1888 in Feudenheim in der Nähe von Mannheim als Sohn des Gastwirts Johannes Massinger geboren. Er besuchte bis 1908 das Realgymnasium in Mannheim und studierte anschließend Mathematik und Naturwissenschaften in Heidelberg und bekam 1910 eine Assistentenstelle auf der erst1889 als neue großherzogliche Bergsternwarte, der heutigen Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl. Hier entdeckte er am 22. März 1911 sein erstes Objekt, das die vorläufige Bezeichnung LP 1911 erhielt, aber aufgrund schlechten Wetters hatte er keine Positionsmessung vornehmen können, weshalb es bis heute nicht wiedergefunden werden konnte. Mit großer Geschicklichkeit und Eifer übernahm er die ihm übertragenen Aufgaben, die hauptsächlich in der von Max Wolf für die Heidelberger Sternwarte organisierten Suche nach Kleinplaneten mit astrofotografischen Mitteln bestand, unterbrach seine Tätigkeit aber im Herbst 1912 für das Oberlehrerexamen, dass er im darauf folgenden Winter ablegte.

Im April 1913 kehrte er an die Sternwarte zurück und übernahm wieder seine vorherige Arbeit, während er gleichzeitig an der Mannheimer Oberrealschule im Schuldienst seine Arbeit als Referendar aufnahm. Massinger war nicht nur ein sehr fleißiger Beobachter und Fotograf, sondern auch Entdecker einer ganzen Reihe von Objekten.

Am 31. März 1911 entdeckte er durch Vergleich alter und neuer Fotoplatten den neuen Veränderlichen 15.1911 Virginis, der auf der Entdeckungsplatte vom selben Tag eine Helligkeit von 9,5 mag aufwies. Auf einer Vergleichsplatte vom 22. April 1901 lag sie bei 18,1 mag. Massinger berechnete aus eigenen Beobachtungen zudem, dass die Helligkeit wohl nicht unter 12,8 mag absinken würde, worüber er in den Astronomischen Nachrichten berichtete. Es findet sich in dieser Schriftenreihe eine zweite Veröffentlichung Massingers, in der er in einem Kurzbericht über aktuelle Helligkeitsschätzungen des Veränderlichen X Piscium berichtete.

Den größten Erfolg seiner viel zu kurzen beruflichen Laufbahn erlangte er jedoch mit der Entdeckung von insgesamt 7 Hauptgürtelasteroiden:

(727) Nipponia, 11. Februar 1912, benannt nach der Eigenbezeichnung für Japan: Nippon,
(731) Sorga, 15. April 1912, benannt nach dem indonesischen Wort für Sorge,
(732) Tjulaki, 15. April 1912, benannt nach dem gleichnamigen Fluss nahe der Stadt in Malabar, Indonesien
(770) Bali, 31. Oktober 1913, benannt nach der Insel Bali in Indonesien,
(772) Tanete, 19. Dezember 1913, benannt nach dem gleichnamigen Ort auf der Insel Sulawesi in Indonesien
(776) Berbericia, 24. Januar 1914, benannt nach dem Astronomen Adolf Berberich
(785) Zwetana, 30. März 1914, benannt nach Tsvetana Popova, der Tochter von K. Popov aus Sofia, Bulgarien

In seiner letzten Zeit auf der Sternwarte hatte Adam Massinger eine eher langfristig angelegten Arbeit übernommen: er durchmusterte die Nebelflecken des Herschelschen Generalkatalogs, prüfte die darin angegebenen Örter, vermass diese erneut und ordnete sie nach galaktischen Positionen. So berechnete er die Angaben von 4400 nebligen Objekten neu und begann mit der Untersuchung der statistischen Verteilung der Nebel in der Milchstraße. 

Wie Max Wolf in der Todesanzeige ausführte, war Massinger „… von seltener Liebenswürdigkeit. Seine Anhänglichkeit an die Eltern, die in ihm das einzige Kind verlieren, war rührend. Sein Erzählertalent und seine Opferwilligkeit gegen seine Freunde und Kollegen machten ihn zu einem Genossen, an dem alle mit Liebe hingen. Sein Verlust wird lange von uns betrauert werden.“

Sonntag, 6. Juli 2014

Astronomie im Hamburger Stadtpark

Die Entscheidung, heute in den Hamburger Stadtpark zu fahren, fällte ich sehr spontan, nachdem ich mit meiner heutigen Sonnenbeobachtung die „Pflichtaufgabe“ des Tages schon um 8 Uhr erledigt, danach gebloggt, geduscht und gefrühstückt hatte. Angesichts des guten, sommerlichen Wetters wollte ich nicht den halben Tag zu Hause verbringen, sondern wenigstens ein paar Stunden so etwas wie einen kleinen Urlaub einschieben, der bei mir in diesem Jahr arbeitsbedingt wohl weitgehend ins Wasser fallen wird.

Ich fuhr mit dem 171er Bus bis zur Haltestelle Saarlandstraße und betrat dort die größte, 1914 eröffnete, Parkanlage der Stadt. Grob geplant hatte ich mir vorgenommen, einige der dort reichlich aufgestellten Kunstobjekte zu fotografieren, obwohl bildende Künste nicht gerade mein Spezialgebiet sind. So landete ich zunächst bei „Diana auf der Hirschkuh“ und kam später - nach einer kleinen Entspannungsrunde auf einer Parkbank - bei Adam“ und Eva“ vorbei, verweilte kurz bei den Pinguinen“ und gelangte schließlich zum Knaben mit Fischen“bevor ich in einer kleinen Lokalität einkehrte, wo man Hunde mitführen durfte und das interessanterweise auch als „Lesecafé“ ausgewiesen war. Ich nutzte die Gelegenheit für einen Milchkaffee und arbeitete mich langsam durch das neue Astrobuch über Kometen, für das ich eine Buchbesprechung schreiben muss.

Am Nebentisch unterhielten sich zwei ältere Damen über die Neuerungen im „Sierichschen Forsthaus“, was mich neugierig machte, war dieses doch mit einem Teil der früheren GvA-Geschichte insofern verbunden, als dass man Anfang der 60er Jahre des vorherigen Jahrhunderts überlegt hatte, dort ein festes Domizil für den Verein zu finden. Dieser tagte zur damaligen Zeit im nahegelegenen Gymnasium am Grasweg 39, wo der damalige Planetariumsdozent und Schulleiter Werner Schindler dem noch jungen „Verein Hamburger Sternfreunde e.V. (VHS)“ Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte. Vorsitzender war seinerzeit der Initiator der Gründung eines Hamburger Planetariums und langjährige Vortragende Hans Hagge, der 1924 bei der Eröffnung des allerersten Planetariums in Jena beigewohnt hatte und der Meinung war, das Hamburg auch so etwas haben müsse. Ein Vergleich zur Gründungsgeschichte der Hamburger Sternwarte ist durchaus angebracht, denn auch dieser war eine private Initiative des Amateurastronomen und Oberspritzenmeisters Johann Georg Repsold (1770-1830) vorausgegangen.

Hagge hatte in den Jahren 1960/61 nach seinen Vorträgen immer wieder interessierte Sternfreunde zu einer Beobachtung auf der obersten Plattform eingeladen, wo sich in einer tonnenförmigen „Metallhütte“ ein einfaches Linsenfernrohr auf Rollen befand. Bevor der Verein, der seit seiner Gründung intensive Kontakte zum Planetarium pflegte, die erst 2002 mit dem Rauswurf aus dem Wasserturm endeten, dort ab 1968 in mehreren Stufen einzog und erstmals einen eigenen Vereinssitz hatte – denn er seit 2006 nicht mehr hat – wurden vielfältige Überlegungen für einen festen Standort angestellt und einer war das „Sierichsche Forsthaus“, wo sich der Sitz des Stadtparkvereins befindet.

Strassenfest zur 100-Jahr-Feier des Stadtparks

Ich nahm die Gelegenheit wahr, mir das Gebäude anzusehen und geriet in die Festivitäten zur 100-Jahr-Feier des Stadtparks – ohne dies vorher gewusst zu haben. Die nächste Überraschung gab es vor dem Forsthaus. 

Großes Modell der Sonnenganguhr



Kleines Modell der vereinfachten Sonnenganguhr

Hier waren zwei Modelle einer „Sonnenganguhr“, die bereits 1993 von Dr. Martin Zarth entwickelt wurde und im Fall des kleineren Modells mittels beweglichem „Sonnenzeiger“ die Wanderung der Sonne über den Himmel zu verschiedenen Jahreszeiten darstellte. Das größere Modell erlaubte zudem, die Situation von verschiedenen geographischen Breiten aus darzustellen. Der Stadtparkverein plant die Errichtung einer dauerhaften Sonnenuhr mit festem Gebäude und „Sonnenzimmer“ direkt am Stadtparksee in Luftlinie zum Wasserturm, über dem man schon mal am 6. Mai 2003 um 20:21 Uhr die Sonne fotografiert hatte. Ich wohnte den Erklärungen kurze Zeit bei und ging dann weiter die Otto-Wels-Straße, die frühere Hindenburgstraße, entlang, wo man ein Straßenfest organisiert hatte, machte noch einen kleinen Umweg über den ehemaligen Blindengarten des Stadtparks, wo die Skulptur Diana mit den Hunden“ stand und begab mich dann zu meinem Eismann nach Dulsberg. 

Leider erfuhr ich erst im Nachhinein, dass Vereinsmitglieder im Stadtpark bei der Feier heute spontan die Sonne in Weißlicht und H-alpha zeigen wollten, ich war da schon weg, als sie ankamen. Aber auch ohne dem geht nun ein überraschend ereignisreicher Tag langsam dem Ende entgegen.

Sonntag, 11. Mai 2014

30. ATT mit anschließendem Bahnchaos

Das war sie nun, die 30. ATT, und eine Reise, die uns, 10 Mitglieder aus der GvA Hamburgan dieses Ziel führte und im Bahn-Chaos endete. Relativ entspannt begann der 10. Mai, der in Hamburg neben dem Hafengeburtstag auch das Fest zum European Song Contest bedeutete sowie der letzte Spieltag der Fussball-Bundesliga-Saison 2013/2014.

Ich war bereits um 3:15 Uhr aufgewacht und so hieß es, erst einmal die Augen offen zu halten, bis André Wulff um 4:00 Uhr anrief. Dazu sah ich mir auf N24 eine der skurrilen Dokumentationen dieses Senders über den Mond an. Nach einer kurzen Morgentoilette ging es dann zur U-Bahn, die endlich mal keine Verspätung hatte und so war ich pünktlich zur Abfahrt des Zuges im Hamburger Hauptbahnhof angekommen. Die Reise in zwei Gruppen mit 10 Leuten ging denn auch zeitlich los und ebenso kamen wir in Essen an, wo wir am Eingang auf den Einlass warten mussten.

Der Andrang war dieses Jahr geringer
Auffällig war der diesem Jahr spürbar geringere Andrang vor dem Gebäude. Wer wollte, konnte den Obolus für den Eintritt schon im Vorverkauf bezahlen - moderate 6 EUR, bzw. 5 EUR für VdS-Mitglieder, ein Preis, der absolut gerechtfertigt war. Mit Karte konnte man über eine zweite Tür rein und man kam schneller zu den Händlern in der Hoffnung auf ein paar Schnäppchen. Ich hatte auf ein günstiges, kurzbrennweitiges 2 Zoll-Okular gehofft, war aber auch gespannt, was an neuen alten Büchern und anderen Astrosachen geboten wurde. Im ersten Anlauf ging es den Hauptweg entlang, wo außer dem Stand der Berliner Archenhold-Sternwarte  namhafte Händler wie Gerd Neumann jr. und gegenüber der Cafeteria die Vereinigung der Sternfreunde (VdS) aufgestellt hatten. In der gleichen Ecke war auch der Stand von Astronomie.de zu finden. Der anschließende Gang war wieder von den bekannten niederländischen und belgischen Astrohändlern belegt, die zum Teil auch echte historische Refraktoren (Antiquitätenhandlung Anamorfose Cuiosaim Angebot hatten. Am Ende ging es zu den Astrovereinen z.B. aus Oldenburg.

In der Haupthalle
Links herum waren wieder die regionalen Vereinigungen mit ihren Präsentationsständen und einem Astroflohmarkt zu finden, noch mal links kam man parallel dann auch zum wieder mal von Christian Harder in gewohnter Weise betreuten GvA-Stand, an dem Sternkieker verkauft wurden. Weiter hinten waren die Vertreter der überregionalen Zeitschrift STERNZEIT anzutreffen. Eine weitere Runde brachte mich dann in die Haupthalle, wo alle großen Teleskophändler ihre Auslagen für die Besucher vorbereitet hatten. Hier hatte auch der Oculum-Verlag mit seinen Büchern und Zeitschriften seinen Stand, hier waren im Laufe des Tages auch Liveübertragungen als Sonderausgaben der interstellarum-Sternstunde produziert worden, die man hierhier und hier anschauen kann und die über die neuesten Produkte und Entwicklungen informieren, die im Vorübergang meine eigene Aufmerksamkeit gar nicht so sehr auf sich gezogen hatten.

Der Stand der GvA Hamburg
Auffällig schien mir, dass einige Händler ihre Stände deutlich geschrumpft hatten, bzw. gar nicht erst gekommen waren. Die Phalanx von Refraktoren war hier zwar wie immer ebenso beeindruckend wie die aufgestellten Sternwartenkuppeln, die schon viel Raum einnahmen, es zeigten sich aber nur wenig echte Neuerungen. Wer auf der Suche nach Schnäppchen für seine Sternwarte war, wurde ebenfalls nicht immer fündig, denn echte gab es kaum. Nur wenige Händler boten Messepreise, die deutlich unter den normalen Verkaufspreisen lagen.

Alles für den Sonnenbeobachter
Vor allem Bücher in gedruckter Form fanden anscheinend kaum Abnehmer, was ich persönlich bedauerlich und auch ziemlich schade finde, aber wohl dem Zeitgeist geschuldet ist. Sachbücher sind anscheinend nicht mehr so gefragt, denn viele Verlage bringen kaum noch welche heraus, abgesehen von Oculum und Spektrum, außerdem funktioniert das Lesen von Bildbänden auf den verschiedenen Lesegeräten, außer dem iPad und den Windows Pads auch nicht wirklich gut. Bei den verschiedenen Runden, die ich durch die Messe drehte, fand man immer die gleichen Bücher an der selben Stelle, gerade im Bereich des privaten Astroflohmarktes. Viele ehemalige bibliophile Kostbarkeiten wurden in die Hand genommen, man erinnerte sich an das eine oder andere Werk und dann wurde es wieder abgelegt und nicht gekauft.

Irgendwie hatte ich schon zu früher Stunde den Eindruck, als würden abermals deutlich weniger Leute als im Vorjahr die ATT besuchen, das konnte zwar täuschen, aber schon die ersten Besucherinnen und Besucher verteilten sich locker über die Räumlichkeiten. Zur Mittagszeit wurde es dann einmal richtig voll, um am frühen Nachmittag wieder abzuebben. Man blickte , besonders am frühen Nachmittag, oft in gelangweilte Gesichter bei den Händlern, weil es offenbar nichts zu tun gab. Und: man hatte zwischendurch reichlich Platz, um die Auslagen zu fotografieren. Auch n den Gängen bei den Amateuren war das Durchkommen dieses Mal kein Problem. Hier stauten sich in den engen Räumlichkeiten sonst oft die Besucherinnen und Besucher.

Der absolute Höhepunkt der 30. ATT war zweifelsohne der Hauptvortrag des ersten deutschen Astronauten Sigmund Jähnder vom 29. August. bis zum 3. September 1978 gemeinsam mit Waleri Bykowski im Rahmen der SOJUS 31-Mission für 7 Tage zur Raumstation SALJUT 6 geflogen war und hier von einem Teil seiner Erlebnisse berichtete sowie eine Übersicht zur Geschichte der deutschen Beteiligungen an der Raumfahrt vermittelte. Einen guten Einblick in die damaligen Geschehnisse – ich erinnere mich noch gut daran, dass ich auf Mittelwelle immer die Stimme der DDR abhörte und die Sendungen auf Cassette aufzeichnete – gibt Sigmund Jähn in dem von Horst Hoffmann geschriebenen Buch: Sigmund Jähn – Rückblick ins All, das in Teilen Bezug nimmt auf eine frühere DDR-Veröffentlichung, die man antiquarisch sicher noch irgendwie erwerben kann. Nach dem Vortrag und einer kurzen Pause gab er eine Signierstunde, die ich dann nicht versäumen wollte.

Der Stargast kurz vor seinem Vortrag
Kurz vorher machte ich noch einen letzten Rundgang, da fiel mir die nun noch größere Leere zwischen den Ständen noch mehr auf. Leider hatte ich das, was ich gesucht hatte, nicht zu einem akzeptablen Preis finden können. Da überdies das Wetter an extrem schlecht  war– und die Luft in den Gängen teilweise zum Schneiden  – konnte ich auch nicht durch eines der Sonnenfernrohre schauen, die sonst immer draußen aufgestellt waren.

Viel Platz
Gegen 16 Uhr versammelten wir GvAler uns am seitlichen Ausgang beim Stand von Wolfgang Lille, um gemeinsam zum Bahnhof zu gehen, wo dann das Drama der Rückfahrt begann, das erst nach 7 Stunden endete.

Dieses begann damit, dass wir von Essen nach Münster mit einem Regionalzug fuhren, der schon ziemlich überfüllt war und wo wir in einen Wagen mit alkoholisierten Fussballfans gerieten, die laut herumgrölten. Als „Milchkannenexpress“ getarnt fuhren wir von Dorf zu Dorf. Zu Beginn hatten wir nicht mal einen Sitzplatz, dafür aber das Gegröle der Fans mit ihren Bierflaschen im Ohr. Der ganze Fussboden war bereits klebrig geworden, aber immerhin zeigten sich die Fans trotz hohem Alkoholpegel – anscheinend gab es hier kein Alkoholverbot - an Mondbildern eines unserer Mitreisenden interessiert. Unser größtes Problem: vor uns fuhr noch ein Sonderzug mit Fussballfans und bremste gewissermaßen unseren Zug aus, sodass wir drei Minuten nach Abfahrt des ICE nach Hamburg in Münster ankamen und hier regelrecht strandeten.

Der nur um Haaresbreite verpasste ICE bedeutete, dass wir hier erst einmal eine geschlagene Stunde warten mussten. Diese verbrachten wir in einer nahegelegenen Lokalität, nachdem uns die im Bahnhof müffelnden und zugequalmten nicht zusagten. Zwischendurch hielt an der Bushaltestelle vor dem Bistro ein Bus mit dem Ziel „Alte Sternwarte“ an.

Ein Kollege verfolgte über das Internet, wann der nächste Zug fahren würde, was erst 20 und dann 40 und mehr Minuten Verspätung passieren sollte. Irgendwann tauchte der ICE dann gar nicht mehr in der Liste auf – später hieß es, dass er wegen eines Schaden ganz heraus genommen wurde und wir mussten auf den nachfolgenden IC warten, der dann auch wieder Verspätung hatte, die sich dann aber so um die halbe Stunde herum einpendelte. Schließlich durften wir weiterfahren – mittlerweile waren wir schon mehr als fünf Stunden seit der Abfahrt aus Essen unterwegs – und brauchten nochmals gut zwei Stunden, bis wir endlich ankamen. Am nächsten Tag berichtete die Lokalpresse von Problemen in Dortmund und Essen, während der Zugführer in seiner Durchsage auch von einem Einsatz der Bundespolizei im Bereich des Bahnhofs Münster erzählte, was aber mir überhaupt nicht aufgefallen war. Nach am Ende doch etwas mehr als zweistündiger Verzögerung fuhren wir endlich weiter. Dieser Zug fungierte dann sozusagen als Lumpensammler, der alle gestrandeten Fahrgäste in Richtung Norden mitnahm. Einige von ihnen mussten in Bremen auf Kosten der Bahn übernachten, weil es keine Verbindungen mehr in den Norden und in Hamburg alle Hotels wegen des Hafengeburtstages belegt waren.

Während der Fahrt fertigte ich den ersten Rohentwurf dieses Textes an. Bei der Ankunft in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofes erlebten wir einen Teil des Feuerwerks zum 825. Hafengeburtstag mit. Am Ende nahm ich zusammen mit einem Freund eine Taxe, um nach Hause zu kommen, denn auch hier grölten versprengte Fussballfans herum. Zum Glück waren wir am Ende dann vor den Rückkehrern des Hafengeburtstages und der Veranstaltung zum „European Song Contest“ auf der Reeperbahn zu Hause.

Für mich war es der erste ATT, auf der ich kein Astrozeugs kaufte, weil einfach nichts von dem da war, was ich mir hätte vielleicht kaufen wollen, oder es gab es nur zu sehr hohen Preisen. Andererseits übte ich auch insofern Kaufzurückhaltung, da ich momentan überhaupt nicht mehr zum Beobachten komme – außer einigen kurzen Sonnenbeobachtungen – und nicht teuer erworbene Astroteile nur dem Bestand hinzufügen wollte. Astronomie zu betreiben, gelingt mir derzeit nicht mal mehr am Wochenende und wird wohl nur im Rahmen eines Astrourlaubes, wie er für den Herbst geplant ist, realisierbar sein.

So stand dieser ATT einmal mehr unter dem Gesichtspunkt der Kontaktpflege und des Erlebens. Und die Fahrt mit der DB war fürwahr ein Erlebnis für sich. Abgesehen vom Bahn-Chaos, war auch die diesjährigen ATT wieder eine Reise wert. Die 31. wird übrigens nicht am allseits bekannten Ort in der Gesamtschule Bockmühle, sondern im Esener Gymnasium am Stoppenberg, in der Straße „Im Mühlenbruch“ - der Name wird hoffentlich nicht Programm sein – stattfinden, da es am gewohnten Ort im kommenden Jahr Sanierungs- und Renovierungsarbeiten geben wird. Ob man sich dann allerdings wieder dem Bahn-Chaos ausliefern oder lieber doch das eigene Auto nehmen wird, um an- und vor allem wieder wegzukommen, wird man in einem Jahr sehen müssen.

Sonntag, 6. April 2014

Ein Astronomietag (fast) ohne Astronomie

Am gestrigen 5. April 2014 gab es den jährlichen Astronomietaginitiiert von der VdS und durchgeführt von vielen örtlichen Sternfreunden, Sternwarten, Planetarien und Fachinstituten, um in Form eines Tages der offenen Tür auf sich und ihre Arbeit hinzuweisen.

Dieses bundesweite Ereignis wird in Hamburg leider seit vielen Jahren nicht begangen. Die GvA Hamburg hat hier noch nicht einmal eigene Vereinsräume (beteiligt sich aber regelmäßig z.B. an der Langen Nacht der Museen, wie am kommenden Samstag). Lediglich das Planetarium beteiligt sich in Form von Shows in einigen Jahren am Astronomietag. Daher war auch für dieses Jahr geplant, zusammen mit den engagierten Sternfreunden aus Handeloh den Astronomietag auf der Außensternwarte zu begehen. Das hat all die Jahre immer sehr gut geklappt und so sollte es auch dieses Mal wieder sein.

Allerdings war der Zeitpunkt wohl ungünstig gewählt, denn im Vorfeld sagten viele Helfer ihre Beteiligung wegen anderer Termine ab und auch ich hatte mir für diesen Tag etwas anderes vorgenommen.

Der bundesweite Astronomietag ist immer etwas Besonderes, aber, wie so oft im Norden, spielte das Wetter überhaupt nicht mit. Alle Wettermodelle widersprachen sich, aber ab 18 Uhr war eigentlich zunächst aufklarender Himmel vorhergesagt worden, wenn auch nicht von allen. Doch je näher der Tag rückte, um so schneller verschlechterten sich die Wettermodelle und in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zog ein fettes Regengebiet herein, das nichts Gutes erahnen ließ. Der Freitag - bei einigen Sternfreunden waren schon für diesen Abend Aktionen geplant – verlief weitgehend völlig verregnet. 

So begann auch der Samstag. Gegen Mittag entschied man sich dann, die gemeinsame Aktion in Handeloh wegen des Dauerregens abzusagen. Das ist auch vollkommen verständlich, denn niemand will am Rande eines Planetenpfades – hier wollten sich die Handeloher Sternfreunde präsentieren - im Regen stehend seine Teleskope zeigen und erklären, warum es grad nichts zu sehen gab. Aber man behielt sich die Option offen, ggf. am Abend doch noch etwas zu bieten.

Da am 31. März der Sterbetag meines Vaters war und ich mich gesundheitlich nicht so fit fühlte, sagte ich meine Teilnahme am Astronomietag ab, hoffte aber inständig, wenigstens ausgiebig die Sonne beobachten zu können. Gleich vorweg: Daraus wurde nichts!

Der Gang zum Friedhof Ohlsdorf war ohnehin emotional geprägt, aber als ich das Parkgelände betrat, traf ich hier auf dicken Nebel. Alles, aber auch wirklich alles, war vor Feuchtigkeit triefend. Meine Gießkanne wurde auf dem kurzen Weg vom Auto zum Grab klatschnass, ich selber war binnen Minuten durchgeschwitzt und das bei Temperaturen unter 20°. Gleichzeitig kam ich mir vor wie in einem alten Horrorfilm oder einem Klassiker aus der Edgar-Wallace-Reihe. Der Höhepunkt war dann, als ich während der Grabpflege plötzlich in einem Art Sturzbachregen stand und auch das letzte Teil trockener Klamotten dann richtig durchtränkt wurde. Viel Arbeit am Grab war ohnehin nicht notwendig, denn der Boden war völlig durchmatscht und der sonst eher mittelgraue Grabstein kam nunmehr dunkelgrau daher. Blieb nur die Feststellung, dass man mir schon wieder eine Grabvase geklaut hatte. Von ehemals fünf waren jetzt nur noch zwei vorhanden, auf die ich drei Blumensträuße verteilen durfte, die dann auch ein ums andere Mal entwendet werden.

Angesichts des immer schlimmer werdenden Regens – der Wetterbericht hatte für den Nachmittag diesen überhaupt nicht vorhergesagt – verließ ich ziemlich schnell die Grabstätte. Also nichts wie zurück zum Auto. Als ich da ankam, war der Regen - oder der Spuk – wieder vorbei und so entschloss ich mich kurzerhand, meinen Eismann auf dem Dulsberg aufzusuchen, wo wir per Radio und iPhone dem Bundesliga-Spieltag verfolgten. Irgendwann ging es dann wieder nach Hause und nun schlug auch hier der Nebel zu. Zu dem Zeitpunkt, als es aufklaren sollte, wurde die Sicht immer schlechter, es wurde immer diesiger und die Dächer der Autos glänzten vor Feuchtigkeit, aber es blieb zumindest weitgehend ohne Regen. Erst spät in der Nacht sah ich dann am Küchenfenster für wenige Augenblicke schemenhaft den Mond durch die Nebelschicht hindurch schimmern, die sich dann aber relativ schnell wieder verdichtete. Und auch der heutige Morgen begann mit Nebel.

Und worin bestand das Astronomische am Astronomietag? Es beschränkte sich auf das Lesen einiger kleiner aktueller Artikel in der „Welt“, die bei meinem Eismann auslag, und die sich mit aktuellen Themen zur Raumfahrt befassten. So blieb am Ende der Astronomietag fast ohne Astronomie.

Sonntag, 16. März 2014

Norddeutsches Astrofotografentreffen in Hildesheim

Nach einem guten Jahr ergab sich für mich wieder die Gelegenheit, ein NAFT zu besuchen und dieses Mal hieß das Ziel: Hildesheim, wohin die erst 2011 gegründete Hildesheimer Gesellschaft für Astronomie (HiGA) eingeladen hatte. Um 9 Uhr holte ich André Wulff ab, um 9:15 Uhr stieg Michael Steen am Berliner Tor ein und dann ging es auf die Autobahn in Richtung Niedersachsen. Ziemlich genau um 11.15 Uhr kamen wir am Kolleg-Gebäude des Gymnasiums Josephinum an, wo die Sternfreundinnen und Sternfreunde der HiGA gerade mit dem Aufbau der Infrastruktur für das Treffen beschäftigt waren. Jeder, der ankam, erhielt einen Namensbutton, eine nette Sache.

Gleich geht es los ...
Bis zum eigentlichen Beginn der Veranstaltung konnte man sich mit anderen Sternfreunden unterhalten und schon mal anfangen, das leckere Büfett zu plündern. Um 13:15 Uhr begann der offizielle Teil. Arndt Latussek sprach die Eröffnungsworte, begrüßte die Teilnehmer, gab eine Einführung in den Tagesablauf und berichtete über die Gründung des Hildesheimer Astrovereins. Er war denn auch der erste Vortragende, der unter dem Titel „20 Jahre CCD“ von seinen vielfältigen Erfahrungen mit verschiedenen Teleskopen und Kameras, wobei am Anfang eher das Motto „testen, testen, testen“ stand und er erst seit kurzem mit der festen Aufstellung einer Sternwarte im hauseigenen Garten unter Verwendung einer SBIG-Kamera regelmäßig Ergebnisse produzieren kann. Aus den Anfangstagen bis heute zeigte er Bilder von Dwingeloo 1, M51, NLCs über Heiligenhafen, Komet PANSTARRS, NGC 6946, IC 334 (mit Nachweis eines Gezeitenschweifs), die Gamma-Cygni-Region, NGC 6888, den Conus-Nebel – viele davon im H-alpha – sowie ersten Versuchen in der Spektroskopie.

Bruno Mattern stellte danach unter dem Titel: „Deep Sky: Weitwinkel bis 2000 mm“ seine Sternwarte in der Lüneburger Heide und die dort untergebrachte Technik vor und zeigte beeindruckende, oft über viele Stunden hinweg belichtete Aufnahmen von IC 5146, IC 342, M74, NGC 672, NGC 1055, NGC 7635, NGC 281, NGC 2419, M 35, M81, M82 (mit Supernova), M102, M108, NGC 4244. Daneben präsentierte er auch diverse Übersichtsaufnahmen der Milchstraße und mehrere Panoramen, die er aus Einzelaufnahmen gewonnen hatte, z.B. von der Gegend rund um den Großen Bären oder um M 100. Diese zeigten im Hintergrund oft sehr viele Galaxien. Auch hat er mehrere mit unterschiedlichen Kamerasystemen aufgenommene Bilder zu einem Gesamtbild kombiniert, was in vielen Fällen zu neuen Einsichten in die dargestellten Objekte führen kann.

Hartwig Lüthen schilderte anschließend in amüsanter Form seine Erfahrungen mit der „Balkonastronomie“ im lichtverseuchten Hamburg. Angesichts des nahen St. Pauli-Stadions am Millerntor und dem nahen Hafen und die dort exorbitante Lichtverseuchung durch Schiffstaufen etc. hat er den vermutlich schlechtesten Standort, den man sich denken kann. Dennoch gelingen ihm von dort regelmäßig mit einem Achtzöller bzw. einem Zehnzöller und DMK-Kameras Aufnahmen von Kometen (Lovejoy) Mond und Planeten (Saturn und Jupiter) und die Sonne in Weißlicht und H-alpha. Überdies wies er auch auf die GvA-Außensternwarte in Handeloh hin und zeigte beispielhaft ein Bild von NGC 6888.

Für das leibliche Wohl wurde gesorgt
Nun war erst einmal eine kleine Pause angesagt, in der man sich stärken, klönen und anderen Gelüsten folgen konnte, bevor Hartwig Lüthen in seinem zweiten Vortrag einen kleinen Exkurs in die Bildverarbeitung von Jupitervideos mit Autostakkert, der Derotation mit winjupos und fire capture und das Nachschärfen mit Registax und die Vollendung des Bildes mit Fitswork gab.

Kometen 1982-2014“ war das Thema von Michael Mushardt, worin er eingescannte und digitale Aufnahmen der Kometen Austin, IRAS-Araki-Alcock, Giacobini-Zinner, Halley Brorsen-Metcalf, Faye, Shoemaker-Ley, Hyakutake, Hale-Bopp, LINEAR 2001, Ikeya-Zahng, Machholz, Swan, Lulin, Garrad, Hartley, Holmes, PANSTARRS, Lovejoy und ISON präsentierte.

Wie man auch mit der „Fotografie mit Billig-Teleskopen“ erstaunliche Aufnahmen des „tiefen Himmels“ gewinnen kann, zweigte Uwe Zurmühl, der mit verschiedenen Teleskopen M 3, M 17, M 101, NGC 281 im H-alpha, NGC 700, IC 434, Sh 240, M 42, NGC 281, M 38, NGC 1893, die Supernova in M 82 sowie M 81 und M 82 in einer Übersicht sowie die Kometen PANSTARRS und Lovejoy fotografierte.

Anschließend gab es ein weitere Pause, die nochmals für Snacks, Getränke und anderes sowie für das übliche Gruppenfoto genutzt wurde.

Utz Schmidtko nahm zu Beginn des letzten Vortragsblocks die Anwesenden mit auf eine Reise zu den „Polarlichtern in Schweden“ Ende 2012 mit. Er hatte viele, einfach umwerfende, Aufnahmen der unterschiedlichsten, zumeist grünfarbigen, Formen des Nordlichts dabei, die abseits von Touristenpfaden in der Einsamkeit des nördlichen Teils von Schweden aufgenommen wurden. Mittels Fisheye und anderen kurzen Brennweiten gelang ihm dabei auch ein Bild von Komet PANSTARRS und M 31 mitten in einem Polarlicht. Weitere Reisen hatten ihn nach Norwegen und auch nach Island geführt, wo man neben Polarlichtern – ein mit musikalischer Untermalung gezeigter Film darüber war schon sehr beeindruckend – auch Geysire und Vulkane bewundern kann. Ein Vortrag, bei dem man Luft auf eine eigene Reise zum Polarlichtgucken bekam.

Mathias Levens referierte im Anschluss daran zum Thema „Deep-Sky in der Grossstadt“. In seinem Garten konnte er eine kleine abrollbare Holzhütte installieren, in der eine Astrophysics 900-Montierung einen 8 Zoll-Newton f/4 beherbergt. Vom Stadtrand von Hannover aus konnte er mit einer Atik-CCD-Kamera und Schmalbandfiltern (hauptsächlich H-alpha) den Cirrusnebel, NGC 6992, IC 405, IC 1805, IC 410, NGC 281, WR 134, NGC 6888, NGC 7635, M 1, M 27, M 33, M 101, M 81 und M 82 (mit Supernova), NGC 7331, M 45 im Detail, NGC 7000 und den Pferdekopfnebel aufnehmen. Einmal mehr zeigte sich, wie wichtig ein fester, schnell erreichbarer Standort, kombiniert mit ausgefeilter Technik ist, um unter den oft schwierigen norddeutschen Himmelsbedingungen ansprechende Astrofotos zu bekommen.

Im letzten Vortrag des Tages konnte Michael Schomann über „Neues aus Braunschweig“ berichten und Aufnahmen - auch anderer Sternfreunde – vom Polarlicht vom 27. Februar 2014 sowie dem in Sonnenähe zerbröselten Kometen ISON und der Supernova in M 82 zeigen. Darüber hinaus hatte er auch spannende Zeitrafferfilme, die auch für das Fulldome-Planetarium in Wolfsburg geeignet sind, im digitalen Gepäck. Damit klang das Frühjahrs-NAFT 2014 um 18:25 Uhr aus. Wer wollte, konnte danach in einer Pizzeria speisen und weiterklönen. André, Michael und ich besichtigen noch die Sternwartenhütte auf dem Dach des Gebäudes und fuhren dann alsbald wieder in Richtung Hamburg ab, wo wir gegen 21 Uhr ankamen. 

Besichtigung der Sternwartenhütte auf dem Dach des Josephinums
Der Termin für das kommende NAFT steht derzeit noch nicht fest, ebenso der Tagungsort. Vorgeschlagen wurden bisher St. Andreasberg, Hannover und Kiel. Näheres wird man rechtzeitig unter der Webadresse: www.naft.de erfahren!