Sonntag, 21. Juni 2015

Die 38. SONNE-Tagung in Uslar

Seit 1977 treffen sich die Sonnenbeobachter regelmäßig einmal im Jahr an wechselnden Orten irgendwo im Land - zweimal auch in Hamburg im Planetarium. War diese Zusammenkunft früher dem langen Himmelfahrts-Wochenende vorbehalten, ist man in den letzten Jahren dazu übergegangen, diese Treffen am Wochenende rund um das Sommersolstitium auszurichten.

Anfangs hatte ich gehofft, mit einer größeren Delegation der Hamburger Beobachter dort aufschlagen zu können, doch zeitgleiche Veranstaltungen in Gudensberg und Rhede machten das wahrscheinlich zunichte. Es wurde lange diskutiert was man machen sollte, ich hatte mich, wenn ich losfahren würde, für die SONNE-Tagung entschieden. Und so kam es dann auch.

Am 20. Juni fuhren Michael Steen und ich morgens um 9 Uhr los und kamen inklusive kleiner Pausen um kurz nach 12 Uhr auf dem beschaulichen, ehemaligen Staatsgut Steimke, rund 30 km westlich von Göttingen in der Solling-Vogler-Region an. Statt von vielen anderen Sonnenbeobachtern empfangen zu werden, trafen wir auf dem wahrhaft idyllischen Landgut, wo auch heute noch Landwirtschaft betrieben wird, auf jede Menge Kleingetier, einem spielsüchtigen Schäferhund, niesenden Ponys und einer ganzen Horde Gänse. 

Nur andere Sonnenbeobachter fanden wir zunächst nicht. Auf die trafen wir nach erst nach einem Rundgang in einer Scheune, der sog. Kulturscheune, in der ein kleines Planetarium untergebracht war. Erst am 9. Mai 2015 eröffnet und betrieben vom Förderkreis Planetarium Göttingen steht hier eine 6m durchmessende Kuppel, in der mittels eines digitalen Projektors eine 360°-Ganzkuppelprojektion vorgenommen werden kann und in der bis zu 32 Personen Platz finden können. Eine pfiffige Idee, die hier optimal umgesetzt wurde. Schade, dass sich zur Tagung nur 11 Sonnenfreunde angemeldet hatten.


Seitenansicht der kleinen Planetariumskuppel
Der digitale Projektor


Hinweistafeln vor dem Planetarium
Vor der Tagung gab es zunächst ein kleines Catering mit belegten Brötchen und Getränken. Die geplante Live-Beobachtung der Sonne musste wegen des bewölkten Himmel zu diesem Zeitpunkt leider ausfallen.

Daher begannen die Vorträge etwas früher als geplant mit der Eröffnung durch Dr. Klaus Reinsch, der dabei eine in Zusammenarbeit der Universität Göttingen mit dem Hamburger Planetarium entstandene Fulldome-Projektion unter der Überschrift „Unsere Sonne - ein neuer Blick auf den Stern mit dem wir leben“ vorführte. Ganz nett, aber die Sterne waren leider unscharf und es gab mehr Show als Information.

Sehr viel gehaltvoller war der erste Vortrag, der von Andreas Bulling aus Eppelheim: „Neues vom SONNE-Relativzahl-Netz“. Darin schilderte er neben den Aufgaben des SONNE-Netzes interne Probleme infolge des niedrigen Minimums der Jahre 2008/2009, die eine Umstellung der Auswertung nach sich zog, die dadurch entstandene lange Phase der fehlenden Auswertungen der Sonnendaten und infolgedessen ein deutlicher Rückgang bei der Zahl der Beobachter. Ein Exkurs gab eine Übersicht über die Rahmenbedingungen für Beobachtungen (Instrumente ab 40mm Öffnung, Nichtberücksichtigung von Satellitenbildern, eine über lange Zeiträume hinweg konstante Zählweise, Berücksichtigung von Relativzahlen getrennt nach Hemisphären nur bei Beobachtern, die auch die Positionen der Flecken bestimmen). Fragen der Definition von Flecken, Methoden der Relativzahlbestimmung und deren Übermittlung an die Fachgruppe Sonne waren ebenso ein Thema, wie die komplexe Auswertung der Daten nach Quartalen und Jahren und wie man Probleme wie das niedrige Minimum künftig besser in den Griff bekommt. 

Auf der Basis der Daten des SONNE-Netzes - die nach der Umstellung der Auswertung sogar genutzt wurden, um Fehler in anderen Netzen nachzuweisen - wurden zaghafte Prognosen für den weiteren Verlauf des 24. Sonnenfleckenzyklus entwickelt. Ein Vergleich mit anderen Zyklen war besonders interessant, weil sich hier in Teilen auffallende Parallelen etwa in der Anstiegs- bzw. der Abstiegsphase der letzen Zyklen zeigten. Was diese aus den Statistiken herauszulesenden Verläufe bedeuten und welche Ursache sie haben, ist völlig unklar. Der etwa 100° heliographische Grade umfassende Komplex, indem fast alle Flecken zu finden sind und das seit gut 2 bis 3 Jahren zu beobachtende Phänomen, dass entweder nur wenige, dafür sehr große, Flecken zu beobachten waren oder viele kleine, ist von anderen Zyklen her nicht bekannt. Daher stellt sich die Frage, ob sich bei der Sonne etwas verändert hat, oder nicht und man nur nicht verstanden hat, was passiert. Aus diesem Grunde sind vor allem Amateurbeobachtungen wichtig, die den Beobachternetzen zugeleitet werden, um langfristige Entwicklungen abschätzen zu können. Ein klassisches Betätigungsfeld für Amateursonnenbeobachter, an dem die Profis aus verschiedenen Gründen sehr interessiert sind. Der Rückgang der Zahl der Beobachter auf nur noch 69 im Jahr 2014 ist daher sehr bedenklich. Wer jetzt einsteigt und sich systematisch einarbeitet, kann schon bald wissenschaftlich wertvolles Material beisteuern!

Blick ins Plenum
Nach einer kurzen Pause ging es mit dem zweiten Vortrag von Andreas Bulling und Michael Delfs, Berlin, über „Alte Sonnenfleckenrelativzahlreihen und ihre Revision“ weiter. Darin ging es ebenfalls um langfristige Entwicklungen der Sonnenbeobachtungen seit ihrer Entdeckung durch Galileo Galilei. Als Maßzahl für die Sonnenaktivität hatte der Zürcher Astronom Rudolf Wolf die bekannte Relativzahl entwickelt, die sich auch heute noch als wichtiges und zugleich sinnvolles Instrument für die Festlegung der Sonnenaktivität in einem Zahlenformat erwiesen hat. Aktuell sind professionelle Sonnenforscher dabei, aus alten Aufzeichnungen Relativzahlen zu bilden und greifen dabei auch gerne auf alte Beobachtungsreihen älterer oder bereits verstorbener Sonnenbeobachter zurück. Leider ist in letzter Zeit häufig zu beobachten, dass diese nur selten zur Auswertung eingereicht wurden und von den Angehörigen, weil diese ihren Wert nicht erkennen und keinerlei Kontakte zu anderen Sternfreunden besitzen, sie im Altpapier entsorgen: ein herber Verlust für die Sonnenforschung. Neben einem historischen Abriss über die Geschichte des Observatoriums Locarno und der Zürcher Sternwarte gab es noch Überlegungen, inwieweit man aus alten Daten Klimaentwicklungen herausarbeiten kann. Ein direkter Einfluss der Sonne auf das Erdklima und der Erderwärmung konnte daraus nicht abgleitet werden, wenngleich auch in die Phase des Maunder-Minimums die kleine Eiszeit in Europa fiel.

Es folgte eine weitere Pause und die Versorgung mit Kaffee und Kuchen, bevor ich selbst mit einem kleinen Vortrag an der Reihe war. Unter dem Titel „Von der Beobachtung zum Blog - eine ganz normale Sonnenbeobachtung“ schilderte ich, wie bei mir ein typischer Beobachtungstag aussieht.

Steffen Fritschs aus Köditz berichtete danach über die „Sonnenbeobachtung mit bloßem Auge“, die man nur mit einem geeigneten Sonnenfilter durchführen darf, um sich nicht das Auge zu schädigen. Sehr gute Erfahrungen hatte er mit Schweißergläsern der Dichte 14 gemacht und er hatte auch einige Exemplare dabei, um in einer weiteren Pause - die Sonne hatte sich immer noch nicht gezeigt - damit beobachten zu können. Ein Vergleich der Transmissionsdaten der klassischen Astrosolar-Filter mit dem Schweißerglas ergab deutlich bessere Werte für letzteres. In einer Übersicht stellte er überdies die Ergebnisse der A-Netz-Gruppe vor und verglich die Kurven nach der P17-Auswertung mit denen des Relativzahl-Netzes - es gab eine weitgehend Übereinstimmung - und resümierte, dass selbst bei der recht einfachen Beobachtung der Sonne mit bloßem Auge die Zahl der Beobachter abnimmt. Ein Vergleich von A-Beobachtungen mit eigenen Sonnenfotos ergab ein eher uneinheitliches Bild, was teilweise auch in der geringen Zahl der eingehenden Beobachtungen liegt. So gab es erstaunlicherweise Tage, an denen niemand eine Fleckensichtung (A=0) meldete, aber ein großer Fleck vorhanden war. Auch streuen die Werte an manchen Tagen stärker als an anderen. Es zeigte sich allerdings, dass Flecken, die kleiner als 200 Millionstel Hemisphären waren (MH), nicht von allen Beobachter gesehen werden konnten. Etwas besser wird es zwischen 200 und 300 MH, ganz sicher aber oberhalb vom 300 MH. Auch für dieses Programm wäre eine stärkere Beteiligung zu wünschen, zumal selbst kleine Wolkenlücken ausreichen, um zu einer Beobachtung zu kommen.

In der nachfolgenden Pause zeigte sich dann endlich mal auch die Sonne für längere Zeit. Beste Gelegenheit, die mitgebrachten Schweißergläser zu testen. In der Praxis zeigte sich in der Tat der Vorteil dieser Gläser: das Bild war wirklich dunkel, sehr viel besser, als alles, was ich bisher verwendete und es zeigte deutlich zwei Zentren der aktuellen AR 12371, die im von einem der Teilnehmer mitgebrachten Telementor mit Herschelkeil sehr beeindruckend aussah. Da die Teilnehmergruppe sehr überschaubar war, konnte jeder die ganze Phase wolkenlosen Himmels für Beobachtungen mit Fernrohr und Schweißerglas nutzen.


Beobachten mit Fernrohr und ...

... mit Schweißerglas
Der dritte und letzte Vortragsblock begann mit einem Beitrag von Dieter Goretzki aus Langenselbold über „Spektroskopische Beobachtung der Oszillation der Sonne“. Mittels kleinem Teleskop und Blaze-Gitterspektrografen - er zeigte uns seine Ausrüstung und die teilweise in Eigenbau entstandene Messapparatur - nahm er in mühevoller Arbeit verschiedene Spektren der Sonne auf etwa der Balmer-Serien und der Kalzium-, Eisen- und Nickelbanden auf und verglich diese mit den entsprechende Aufnahmen, die er im Rahmen einer längerfristigen Arbeit an der Sternwarte Locarno aufnehmen konnte. So einfach sind die Oszillationen der Sonne aus den Daten aber nicht herauszulesen, denn zunächst müssen die verschiedenen Spektrallinien abgezogen werden, die durch die Erdatmosphäre entstanden, die Dopplerverschiebung der solaren Linien berücksichtigen und die für die gestellte Aufgabe sinnvollen festlegen. Die Daten wurden mit einer Fast-Fourier-Transformation (FFT) ausgewertet und zeigten in der Tat, verglichen mit professionellen Messreihen, verschiedene „Bewegungen“ der Sonne in unterschiedlichen Frequenzen. Der Aufwand ist jedoch hoch und der Amateur benötigt sehr viel mathematisches Rüstzeug, um solche Auswertungen machen zu können. Unmöglich ist es jedoch nicht.

Zum Abschluss der Tagung konnte ich über meine „Sonnenbeobachtungen in Kirchheim“ berichten und in einem spontanen, nicht angemeldeten Beitrag über die „Partielle Sonnenfinsternis vom 20. März 2015“.

Die Tagung endete mit dem Fulldometrailer „Flammender Himmel“, der ebenfalls in Kooperation mit der Uni Göttingen und dem Hamburger Planetarium und einer Verabschiedung der Teilnehmer durch Dr. Klaus Reinsch. Für den Folgetag war die Besichtigung des Instituts für Astrophysik des MPI für Sonnensystemforschung in Göttingen sowie des Sonnenturms auf dem Hainburg vorgesehen. Darauf verzichteten wir allerdings und nach dem gelungenen Grillen im Hof in uriger Atmosphäre brachen wir gegen 21 Uhr auf und fuhren nach Hamburg zurück, wo wir gegen Mitternacht ankamen.

Es ist schade, dass nur so wenige Besucher erschienen waren, die Veranstaltung hätte mehr Beachtung verdient gehabt und es stellt sich die Frage, warum das Konzept der Vorträge und Beobachtung auf der Tagung beim Thema Sonne nicht aufgeht - obwohl sehr viele Leute sich mit dem Thema Sonne beschäftigen - , beim Norddeutschen Astrofotografentreffen aber sehr wohl. Ein Grund war sicher auch die Zeitgleichheit vieler Veranstaltungen zum Sommersonnenwende, ob das aber der alleinige Grund ist, bleibt fraglich. Wer der 38. SONNE-Tagung fernblieb, hatte fiel versäumt, was über das Hören der Vorträge und die gemeinsame Beobachtung weit hinausging: das Kennenlernen der Gemeinschaft der Sonnenbeobachter!

Sonntag, 31. Mai 2015

Die 31. ATT in Essen

Einen Tag ist sie nun her, die 31. ATT am neuen Standort in Essen, dem Gymnasium Am Stoppenberg. Der Umzug war wegen der Renovierung des alten Standortes notwendig geworden und nun durfte man gespannt sein, was sich nun ändern würde. 

Im Vorfeld konnte man im Astrotreff lesen, dass die Parkplatzsituation dort schlimmer sei, als früher, aber das musste man abwarten. Im Gegensatz zu den letzten Jahren fuhren wir, d. h. André Wulff und ich, dieses Mal nicht mit der Bahn, zumal wir dann schon um 4:31 Uhr von Hauptbahnhof hätten losfahren müssen, so machten wir uns erst um 6 Uhr auf den Weg. Die Parkplatzsuche war denn auch kein so großes Problem, man musste halt ein paar Meter zu Fuß gehen.

Kurz nach 10 Uhr durfte man rein und schon am Eingang machte sich eine gewisse Enge bemerkbar, aber das gab sich sehr schnell, zumindest was die Aufteilung der Händlerstände anging, die sich über zwei große Hallen verteilten. Es waren auch fast wieder alle dabei, die Rang und Namen hatten, teilweise aber wegen der Räumlichkeiten mit verkleinertem Angebot.

Ein wenig problematisch war die Unterbringung der Vereine und Sternfreunde in den engen Klassenräumen. Waren diese am Anfang noch recht leer, füllten sie sich nach und nach und man konnte teilweise kaum an die Stände herankommen. Die GvA hatte ihren kleinen Stand in den hinteren Räumen, an dem Sternkieker verkauft wurden. Einige Vereinigungen waren nur schwer zu finden oder ich hatte sie permanent übersehen.

Stände im Auditorium der Schule

Ein paar historische Fernrohre gab es auch ... 
... und etwas für den Garten ...
... und auf Rädern
Meinen ersten Rundgang durch fast alle Räume hatte ich nach einer geschätzten Stunde hinter mir und hatte nichts gefunden, das ich mir hätte kaufen wollen. Das aber stand für mich auch nicht so sehr im Vordergrund, zumal ich aus Zeitgründen meine Beobachtungstätigkeit ohnehin bis auf meine Sonnenbeobachtungen weitgehend herunterfahren muss. Mir war die Kontaktpflege zu anderen Sternfreunden wichtiger. So verbrachte ich längere Zeit am Stand von astronomie.de und dem von Jenschmedia, die hier das neuartige Astroprogramm Clear Sky 1.0 anboten, das über reichhaltige Funktionen verfügt, mehr, als der Name vielleicht vermuten lässt. 

Jentsch-Media-Stand
Wer wollte, konnte an den drei Vorträgen des Tages teilnehmen, die von Michael Kunze (Wildnis Teneriffa und Südwesten der USA im Zeitraffer), Rainer Kresken (Rosettas Mission zum Kometen Tschurjumow-Gerassimenko) und Stefan Gotthold (Fotografie der ISS) gehalten wurden. Den Abschluss dieses Rahmenprogramms bildete Live-Musik von Stefan Erbe und Steve Baltes. 

Auch ein zweiter Rundgang durch die einzelnen großen und kleinen Räume brachte für mich keine neuen Kaufgründe und so traf ich mich mit alten Bekannten oder hielt mich für einige Zeit am GvA-Stand auf. Zwischendurch konnte man sich an zwei Orten mit Kuchen, jede Menge Kaffee - der war nach dem frühen Aufstehen um kurz vor 5 Uhr auch bitter nötig - versorgen. Hier ist dem Team der Organisatoren für ihren Einsatz zu danken, besonders den Damen, die draußen in der Kälte standen und selbst bei Dauerregen unter dem Dach ausharrten, um uns Sternfreunde mit Speis und Trank in Form von leckeren Kuchen zu versorgen.

Der GvA-Stand

Gegen 18 Uhr beschlossen André und ich, die Heimfahrt anzutreten, natürlich nicht, ohne eine alte Tradition wieder aufleben zu lassen: Tanken und Eis essen. Die Autobahnen waren wegen des DFB-Pokalendspiels weitgehend frei und wir waren auch etwa 20 Minuten schneller, als auf der Hinfahrt, für die wir 3,5 Stunden gebraucht hatten. Fazit: die ATT am neuen Standort erinnerte frappant an die ersten Jahre, als die kommerziellen Händler die Messe noch nicht so stark dominierten wie heute.

Wie man hörte, wird die 32. ATT am gleichen Standort stattfinden, weil erwartet wird, dass die Sanierungarbeiten an der Gesamtschule Bockmühle bis dahin noch nicht abgeschlossen sein werden. Hier kann man seine Meinung zum neuen Ort kundtun und wer weiß, vielleicht wird ja das Ausweichquartier zu einer Dauerlösung!

Sonntag, 10. Mai 2015

Das Frühjahrs-NAFT vom 09.05.2015

Die GvA-Hamburg hatte zum Frühjahrstreffen der norddeutschen Astrofotografen am 9. Mai 2015 eingeladen und ca. 50 Sternfreundinnen und Sternfreunde kamen nach Schnelsen, um im dortigen Freizeitzentrum die neusten Ergebnisse der Astrofotografen zu bestaunen. An einem kleinen Astroflohmarktstand wurde Bücher, Zeitschriften und Kameraobjektive angeboten.

Astronomische Ereignisse hatte es im Vorfeld reichlich gegeben, was sich auch in der Themenvielfalt widerspiegelte. Die ersten Besucher trafen gegen 11:30 Uhr ein und halfen mit beim Aufbau innerhalb des Zentrums. Dieses war für Hamburger Verhältnisse gut erreichbar, wenn man nicht auf die Autobahn angewiesen war, und auch der Hamburger Verkehrsverbund hatte hier ein Loch, denn mit Bus und Bahn kam man nur schwer zum Tagungsort.

Vor den Vorträgen konnte man sich erst einmal mit Brötchen, Wurst und kalten oder heißen Getränken stärken. Die NAFTs laufen in der Regel rein anarchisch ab, d.h., es gibt kein vorgeschriebenes Programm, dieses bringen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selber mit, indem sie einfach ihre Vortragstitel auf einen Zettel schreiben und einfach nur ihre Bilder zeigen. Ich hatte die besondere Ehre, den ersten Vortrag zu halten und zeigte Aufnahmen, die vorwiegend mit Canon-Kameras auf dem Fotostativ entstanden waren. Sie befassten sich thematisch mit der partiellen Sonnenfinsternis am 20.03.2015, meinem Kirchheim-Urlaub im April und Phänomenen der atmosphärischen Optik. 

Ralf Pagenkopp hatte die Sonnenfinsternis auf der Sternwarte Bergedorf mit einem Apo 80/600, 2x Telekonverter und einer Canon 1100Da aufgenommen. Dabei ist alle 30s ein Bild entstanden, das die Sonne an verschiedenen Stellen des Bildes zeigte. Um alle Bilder einheitlich auszurichten, hatte er ein kleines Programm geschrieben (Center Planet), mit dem er eine vorbereitende Bildausrichtung vornahm, um aus dem Einzelbildern ein Video zu erstellen. Er ging kurz auf die Programmeigenschaften ein und präsentierte dann das Video, das sehr schön den Vorüberging des Mondes vor der Sonne erkennen ließ.

Den ersten Vortragsblock schloss Hartwig Lüthen ab, der kurz seine Balkonsternwarte und die verwendeten Instrumente vorstellte. Seine Aufnahmen von Jupiter, Uranus mit Monden und der Sonne in Weißlicht und H-alpha waren schon sehr beeindruckend. Sie waren teilweise mit einem 12,5cm-Refraktor, aber auch mit einem abgesägten Lidlscope in Kombination mit einem abgesägten PST entstanden und verblüfften ob ihrer Detailschärfe. Er erläuterte kurz die Bildverarbeitung mit Autostakkert und wie man Flatfielding-Videos baut. Faszinierend waren auch seine Videos vom Kometen Lovejoy, die in der GvA-Außensternwarte entstanden waren und schöne Feinstrukturen im Schweif inkl. Bewegung von Knoten, offenbarten. Den Abschluss bildeten mehrere Videos vom Vorbeiflog des Asteroiden 2004 BL86 aus dem Altonaer Stadthimmel.

Danach folgte die erste Pause, die man zum Klönen, zur Stärkung von Leib und Seele und anderem nutzen konnte.
Interessierte Teilnehmer am kleinen Astroflohmarkstand

Der erste Beitrag des zweiten Blocks war überschrieben mit „Himmelsknipserei mit 200mm“, indem Erik Wischnewski in lockerer Form seine Astroaufnahmen, die vom heimischen Garten in Kaltenkirchen auf auf einer stationären Montierung mit einer Canon 60D und 200mm-Objektiv gewonnen wurden. Neben den Lichtverhältnissen, die sehr von der ortsüblichen Lichtverschmutzung geprägten sind - sogenannte Lichtsäue gibt es dort zu Hauf - zeigte er, welche Objekte man an dem Standort überhaupt noch fotografieren konnte. Und die Liste war gar nicht mal so kurz: Leuchtende Nachtwolken, h+chi im Perseus, M44, NGC 7000 und Umgebung, NGC 281 (Pacman), M 16 und M 17, der Phi-Cas-Haufen, der Orion-Komplex mit Pferdekopf-, Flammen- und Orionnebel, M 31, M 33 und California-Nebel.

Oliver Paulien hatte die dem Sonnensturm folgenden Polarlichter während des Urlaubs in Norddänemark (Saltum) gesehen und präsentierte hier erstaunliche Aufnahmen vom grünen homogenen Bogen, mal ausgedehnt, mal gespalten, dem nach Süden verschobenen Polarlichtoval sowie zahlreiche rote Streamer, Vorhänge und Girlanden. Durch zwei mitgenommene Teleskope fotografierte er außerdem den Nordamerikanebel, den Herznebel (NGC 896), den Pelikannebel, NGC 457, M101, M27 und Komet Lovejoy.

Vor der zweiten Kaffeepause war Bruno Mattern an der Reihe, dem staunenden Publikum seine mehrstündigen Langzeitbelichtungen von Deep-Sky-Objekten und Himmelsfeldern vorzuführen. Dabei machte er Aufnahmen stets parallel mit mehreren Teleskopen unterschiedlicher Brennweite und verglich die Ergebnisse. M 51, M 109, M 101, M 108, NGC 2174 (Affenkopfnebel), NGC 2683 (UFO-Galaxie), M97 (Eulennebel), NGC 2841, NGC 3227, NGC 4565, NGC 50ß7, NGC 7817 waren seine Objekte der vergangenen Wintersaison. Er hatte darüber hinaus die Möglichkeit, eine der neuen Sony Alpha 7R-Kameras mit Vollformat-Chip auf ihre Astrotauglichkeit hin zu testen. Ausgestattet mit 36,4 Megapixel ist sie die erste spiegellose Systemkamera mit abnehmbarem Objektiv und ISO-Zahlen zwischen 50 und 25600. Der Test der ummodifizierten Version ergaben erstaunlich rauscharme Bilder, die allerdings, je nach Objekt und Aufnahmedauer, eine deutliche, vom Bajonett herrührende Vignettierung aufwiesen, die aber mittels Hilfsprogrammen heraus gerechnet werden können, was aber die Anfertigung von Flatfield-Bildern unbedingt erforderlich macht. Er belichtete in einer der Testphasen seine Aufnahmen mit ISO 640 jeweils 6 Minuten lang. Die Ergebnisse beim Eulennebel, bei M 101 oder NGC 4565 konnten sich indes sehen lassen. Noch nicht getestet wurden Aufnahmen mit höheren ISO-Zahlen, die nach Werksangaben nicht interpoliert werden. Hier dürfte vor allem das Rauschverhalten des Sensors von großem Interesse sein.

Die nachfolgende Pause wurde für das obligatorische Gruppenfoto, der Nahrungsaufnahme und dem Erfahrungsaustausch gewidmet.


Kleine Erholungspause
Michael Mushardt begann den letzten Vortragsblock mit einem Bericht über einen 60-Stunden-Trips zur Beobachtung der totalen Phase der Sonnenfinsternis am 20.03.2015. Er nutzte hierzu die Möglichkeit, nach Oslo zu fliegen und dort auf eine kleinere Maschine nach Longyearbyen, dem größten Ort auf der zu Norwegen gehörenden Inselgruppe Spitzbergen, umzusteigen. Der Flughafen Svalbard liegt auf 78° nördlicher Breite, bot zwar nicht die besten Wetteraussichten, am Ende aber ein fast durchgängig gutes Wetter während der Totalität. Er schilderte seine Erlebnisse rund um den Flughafen, die Beobachtung der Finsternis in dessen mittelbarer Nähe auf sehr amüsante und einprägsame Weise. Seine Aufnahmen mit langen und sehr kurzen Brennweiten, die er zu Animationen zusammengefasst hatte, zogen die Besucher in ihren Bann und ließen sicher bei dem einen oder anderen den Wunsch aufkommen, auch einmal Kurztrips zu besonderen Himmelsereignissen zu riskieren.

Ähnlich spannend war der zweiteilige Vortrag von Matthias Levens über seine Beobachtung der Finsternis auf der Hurtigroute und den Möglichkeiten der Deep-Sky-Beobachtung aus dem lichtverschmutzen Hannoveraner Süden. Die Reise entlang der norwegischen Küste mit der „Finnmarken“ brachte zwar nur 94% maximaler Bedeckung, dafür aber eindrucksvolle Erlebnisse. So wurde die partielle Phase der Finsternis - hier zeigte sich ebenfalls die starke Lichtdämpfung und die Wahrnehmung schärferer Konturen und Farben - mit Sofibrillen oder entsprechend gefilterte Ferngläser beobachtet. Als Zugabe konnte man in den darauf folgenden 8 (!) Nächten Polarlichter unterschiedlicher Stärke und Aussehen beobachtet werden. Die Deep-Sky-Fotografie aus der Stadt heraus war da schon deutlich schwieriger. Mit einem 8 Zoll f/4-Newton und einer Atik-Kamera nahm er in der letzten Zeit Abell 21, IC 1805, den Cocconnebel, M 81, M 86, NGC 1977, den Affenkopfnebel, den Rosettennebel, NGC 281, NGC 6888 und WR 134 auf und bewies, das selbst unter ungünstigen Verhältnissen immer irgendwas geht. Von dem einen Standort mehr, vom anderen weniger, aber etwas ist immer möglich.

Konstantin von Poschinger hielt ebenfalls ein zweiteiliges Referat und präsentierte zunächst verschiedene Objekte, die er von Hamburg und der GvA-Außensternwarte aus mit Schmalbandfiltern und ohne an verschiedenen Instrumenten aufgenommen hatte, wozu Videos vom Kometen Lovejoy, H-alpha-Gebieten im Cygnus oder der Herznebel ebenso gehörten wie Aufnahmen von Mond und Jupiter sowie erste Sonnenaufnahmen. Im zweiten teil stellte er seine Ergebnisse von mehreren Reisen auf die Farm Tivoli nach Namibia vor, wo er ebenfalls unterschiedliche Filter verwendete und so unterschiedliche Strukturen einzelner Objekte in verschiedenen Wellenlängen des Spektrums herausarbeiten konnte. Dazu zählten in erster Linie eine ganze Reihe von Dunkelnebeln in der Milchstraße, aber auch Altbekanntes wie M 33, Omega Cantauri, die Fornax-Galaxie, M 42 und Umgebung, Centaurus A sowie Felder mit vielen sehr schwachen Galaxien.

Ziemlich genau um 19:15 Uhr endete die sehr gelungene Veranstaltung. Wer wollte, konnte noch ein nahe gelegenes Restaurant im ehemaligen AKN-Bahnhof Schnelsen besuchen und sich für die mitunter weite Heimreise innerhalb Norddeutschlands stärken, denn Astronomen sind immer hungrig und durstig. Der Tagungsort für das Herbsttreffen 2015 wurde indes noch nicht festgelegt.

Samstag, 21. März 2015

Partielle Sonnenfinsternis am 20.03.2015

Am 20. März 2015, Frühlingsanfang auf der Nordhalbkugel, durfte ich meine zweite partielle Sonnenfinsternis auf einem Autobahn-Parkplatz erleben. Aus anfänglicher Skepsis, was das Wetter anging, wurde am Ende ein voller Erfolg.

In der Tat war in den Tagen vor dem Ereignis wieder einmal die bange Frage, was und wie viel man von der Sonnenfinsternis wo sehen würde. Erste Prognosen ließen kaum Hoffnung zu. Danach sollte der ganze Norden Deutschlands unter einer kompakten Wolkendecke liegen und nur im Süden, etwa ab einer Linie Frankfurt/Main - Dresden, sich des Anblicks der verfinsterten Sonne erfreuen dürfen. 

Erst einige Tage vor dem Ereignis begann sich die Situation zu wandeln, aber noch immer war nicht sicher, ob man nun in Hamburg bleiben, oder nach Osten hin ausweichen sollte. Sofort kam bei mir der Gedanke, den Autobahnparkplatz bei Greifswald ein zweites mal nach dem 1.8.2008 für die Beobachtung zu nutzen. Ausschlag gebend war ein Kontakt mit dem Wettermann Karsten Schwanke von der ARD via Twitter. Er postete regelmäßig kleine Kunstwerke, in denen er die Wahrscheinlichkeiten für die Sichtbarkeit der kompletten Finsternis eintrug. Und da gab es für Hamburg und Handeloh immer noch gewisse Unsicherheiten. Nun blieb die Frage offen, ob man nach Osten oder Süden auswich. Die Vorhersagen der ARD zeigten dann für den Bereich Hannover / Braunschweig / Hildesheim die höchsten Wahrscheinlichkeiten, dass man alles würde sehen können.

Michael Steen und ich entschieden uns also kurzfristig in diese Region aufzubrechen. Die Ausrüstung war schnell zusammen gestellt. Ich setzte wieder auf die bewährte Kombination aus Fotostativ und 80mm f/6-Triplet mit Canon 1100D sowie meinen 80/400er-Refraktor und das PST. Alles morgens kurz verstaut, holte ich Michael samt seines großen Refraktors und diversem Zubehör in Bergedorf ab und los ging es auf die Autobahn. 

Auf der Fahrt bemerkten wir immer wieder größere Bereiche von Bodennebel, doch kaum hatten wir das reichlich abgesyphte Hamburg verlassen, wurde die Sicht besser. Nach mehr als einer Stunde Fahrt - der Parkplatz durfte, wie auf der A7 zwischen Hamburg und Hannover leider oft üblich - nicht im Wald liegen oder von zu vielen Bäumen verdeckt werden. Schließlich probierten wir den Parkplatz Seckebruch zwischen Mellendorf und Großburgwedel aus und stellten fest, dass er dem gewünschten Ideal entsprach: freie Sicht nach Süden und ein  sehr sonniger, aber noch etwas dunstiger, Himmel.


Beobachtungslager auf dem Parkplatz Seckbruch an der A7
Wir begannen, unsere Ausrüstung aufzubauen und schon bald kamen erste Interessierte vorbei und fragten, ob wir die Sonnenfinsternis beobachten wollten. Kurze Zeit meldete sich Christian Harder und fragte, wo wir seien, denn in der Heide war plötzlich Nebel aufgekommen und alles war zugezogen. Wir sagten es ihm und 20 Minuten später waren wir zu dritt auf dem Parkplatz.


Blick über unser Equipment

Pünktlich um 9:33 Uhr MEZ begann das Spektakel. Die Sonne wurde von rechts oben her angeknabbert und die ersten Fotos wurden gemacht. Im PST war besonders spannend die Bedeckung der an diesem Tag reichlich vorhandenen Protuberanzen zu verfolgen. Christian wies darauf hin, dass man im PST die Finsternis nach dem 4. Kontakt noch länger würde sehen können, wenn der Mond schon längst an der Sonne vorbeigezogen war, aber noch Teile von Protuberanzen bedecken würde. 

Zwischendurch bekamen wir Besuch von zwei interessierten Polizeibeamten, die zum Maximum der Finsternis noch einmal vorbeikommen wollten. Es musste an diesem Tag wenig kosgewesen sein auf der Autobahn. Die Finsternis schritt voran und wir warteten gespannt auf den Zeitpunkt, wo der Mond den Sonnenfleck AR 12303 bedecken würde. Die beiden anderen kleinen winzigen Gruppen waren im Display der Kamera nicht zu sehen. Dafür konnte der Fleck schön zum Scharfstellen verwendet werden. Nebenbei ließ ich dann noch meine Videokamera solange mitlaufen, bis die Chipkarte voll war.

In der Gegend um Hannover sollte die Sonne zu fast 78 % bedeckt werden, in Hamburg sollten es ungefähr 79% und in den Niederlanden etwas mehr als 80% sein. Grund dafür war der „krumme“ Verlauf der Finsterniszone, die über weite Teile des Nordpolargebietes verlief und sich somit natürlich auch auf den Halbschatten auswirkte.

Michael hatte anfangs massive Probleme mit seiner Goto-Montierung, bekam sie aber später in den Griff. Dadurch stand für die Interessierten, die zum Zeitpunkt der maximalen Bedeckung erwartungsgemäß mehr wurden, ein schönes Instrument für die visuelle Beobachtung der Finsternis zur Verfügung. 

Gespannt waren wir vor allem, ob man ähnliche Effekte wie bei einer totalen Sonnenfinsternis auch bei einem so hohen Bedeckungsgrad würde erleben können. In der Tat bemerkten wir, dass etwa ab 10:30 Uhr die Sicht immer fahler wurde, die Schatten wurden schärfer und die Farben in der Umgebung intensiver. Wir hatten sogar den Eindruck, dass sich auch die Vögel zur Ruhe begaben, was aber wegen des Lärms der nahen Autobahn nur schwer festzustellen war. Auch gab es in der Nähe keine Pflanzen, bei denen man das Schließen der Blütenkelche hätte beobachten können. Die Lichtstimmung wurde sehr eigentümlich. Auf einmal konnte ich auf dem Display der Kamera wieder Farben sehen. Die Szenerie wirkte wie bei einem Sonnenuntergang an einem klaren Winterabend oder plötzlich aufkommendem Hochnebel, was zum Glück nicht der Fall war. 

Man sah jetzt auch viele Autofahrer, die extra auf dem Parkplatz anhielten, um die Finsternis mit Sofibrillen zu beobachten. Viele waren fasziniert von den Effekten und dass man überhaupt „so viel sehen“ konnte. Christian hatte noch eine alte Sofibrille dabei uns begeisterte damit die Besucherinnen und Besucher. Nebenbei entwickelten sich viele Gespräche und man einer entpuppte sich dabei auch als verkappter Amateur. Einer hatte sich früher mal mit Astronomie beschäftigt, ein anderer sogar besaß in der Vergangenheit einen Protuberanzenansatz, hatte aber alles wieder verkauft, weil ihm das Arbeiten damit zu kompliziert war. Eine Besucherin war so begeistert, dass sie meinte, dass ihr das Ereignis für immer im Gedächtnis bleiben würde. Uns würde das nicht anders ergehen, so wird dieser Parkplatz der zweite „Sofi-Parkplatz“ werden, der damit einen gewissen Kultstatus erlangt.







oben: verschiedene Phasen der partiellen Sonnenfinternis
Wie bei allen Finsternissen zu beobachten, ließ nach dem maximalen Bedeckungsgrad auch dieses Mal das Interesse stark nach und die Ruhe kehrte wieder ein. Auch die beiden Polizisten gingen wieder auf Streife, hatten ihre Kollegen über Funk aber noch über die Sonnenfinsternis informiert!

Wir verfolgten indes weiter das Ereignis, dass nach wie vor spannend war, denn jetzt ging es darum, nicht nur die restlichen Phasen ebenfalls zu verfolgen und zu dokumentieren, sondern auch, welche Protuberanzen verdeckt würden und wann der Mond den Sonnenfleck wieder freigeben würde. Und es stand noch die Frage nach den bedeckten Protuberanzen im Raum, anhand derer wir die letzten Reste der Finsternis sehen würde. Zwischenzeitlich war dann auch noch jemand mit einer Videokamera dabei, der meinte, dass ein 1000er Graufilter ausreichend sein würde, um die Finsternis zu fotografieren.

Wir hielten auch immer wieder Ausschau nach Flugzeugen, die reichlich unterwegs waren, aber den Standort der Sonne nicht erreichten. Es hätte DAS Foto werden können: Sofi mit Blechgeflügel. Leider kam es nicht dazu. 

Schließlich kam das Ende der Finsternis wie vorhergesagt gegen 11:30 Uhr  und wir konnten im PST tatsächlich sehen, wie noch einige Protuberanzen nach der Passage der Sonne vom Mond bedeckt wurden. 

Wir waren froh und glücklich, die richtige Entscheidung getroffen und den gesamten Verlauf der partiellen Sonnenfinsternis gesehen und fotografiert zu haben. Dies war, nachdem man die ersten Berichte lesen konnte, sehr standortabhängig. Und wie groß unser Glück war, zeigte sich keine 10 km nördlich von uns. Da fuhren wir auf dem Heimweg über die A7 in eine dichte Nebelwand, die sich erst in der Nordheide wieder lichtete. Bis Hamburg blieb es dann sehr dunstig, von den Wolken, die aus Nordwest hereinkommen sollte, war bei unserer Ankunft nicht viel zu sehen. Die kamen erst später, dafür war hier der Nebel der entscheidende Faktor, dem wir glücklicherweise weit genug nach Süden entflohen waren, obwohl östlich von Hamburg und auch auf der Bergedorfer Sternwarte die Sicht sehr gut gewesen sein soll. Allerdings hätte man dort nicht weitgehend ungestört das Ereignis fotografieren können!

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Das Jahr 2014 - eine Bilanz

So langsam neigt sich das Jahr dem Ende zu, Zeit, wieder einmal Bilanz zu ziehen. Hinsichtlich meiner Sonnenbeobachtungen war es ein Top-Jahr. Erstmals konnte ich die 220er-Marke knacken und bin letztlich auf 222 gekommen. Ein absoluter Spitzenwert. Hoffentlich werden auch alle eingereichten Beobachtungen am Ende ausgewertet. Beim letzten Rekord, als ich 217 Einzelbeobachtungen erreichte, war seltsamer Weise ein Monat unter den Tisch gefallen und der Rekord war futsch.

Bei den Nachtbeobachtungen sah es dagegen katastrophal schlecht aus, denn ich hatte keine einzige wirklich gute klare Nacht erwischt. Zum ersten Mal erwischte ich in diesem Jahr keine Leuchtenden Nachtwolken, weil das Wetter zu schlecht war oder ich keine Zeit hatte. Mit Polarlichtern sah es ähnlich mies aus, die ich seit Beginn der digitalen Fotografie nicht mehr gesehen habe.

Auch konnte ich aus diversen Gründen nicht alle Astroveranstaltungen besuchen, die ich fest eingeplant hatte. Da war es wie mit dem Jahresurlaub, der für den Sommer geplant war, aber wegen Überstunden und aufgrund von Urlaubs- und Kranken-Vertretungen nicht antreten konnte, weil sonst niemand mehr da gewesen wäre, der die Arbeit hätte machen können. 

Im Urlaub ereilte mich dann auch noch die Nachricht, dass eine Arbeitskollegin plötzlich und unerwartet im Alter von 55 Jahren verstorben ist. Deren Stelle wird natürlich nicht nachbesetzt, wie es bei fast allen Kolleginnen und Kollegen der Fall ist, die in den letzten Wochen in Rente gingen. Die Auswirkungen auf meinen Arbeitsplatz durch Verteilung der Arbeit von ausgeschiedenen Kollegen sind noch nicht absehbar. Ob und in welchem Umfang sich das auf meine Astroaktivitäten auswirken wird, ist unklar. 

Auf jeden Fall führten die zum Teil extremen Überstunden dazu, dass ich den Sonnenworkshop der GvA über ein halbes Jahr nicht leiten konnte und das an einen Vereinskollegen abgeben musste. Ein Grund hierfür war meine Arbeit als Wahlhelfer und in einer Wahlgeschäftsstelle bei der Europawahl/Bezirkswahl und einem Volksentscheid. Keine Frage, sie macht mir sehr viel Spaß, ich mache sie sehr gerne und sie ist hochinteressant, nur geht dann nebenbei eben privat so gut wie nichts mehr. Und es ist heute schon absehbar, dass diese Arbeit verhindern wird, dass ich die Totale Sonnenfinsternis 2017 beobachten kann, weil wir im gleichen Jahr Bundestagswahl haben werden und die Vorbereitungsarbeiten genau in die Phase der Finsternis fallen.

Es gab dann noch diverse andere, auch gesundheitliche, Probleme, die das Jahr 2014 nicht zu dem werden liessen, was ich mir erhofft hatte. Sarkastisch kann man auch sagen, ich habe überlebt, weil in meiner Familie, oder in dem was davon noch übrig ist, fast immer nur in runden Jahren gestorben wird. Ungerade Jahre sind da besser.

Einen großartigen Ausblick auf 2015 möchte ich eigentlich nicht so gerne wagen. Sicher ist, dass ich wegen der Bürgerschaftswahl am 15. Februar 2015 sehr viel Arbeit haben werden und genau in diese Zeit fällt die Sichtbarkeit des Kometen Lovejoy. Aber dafür muss es dann erst einmal klar werden. Für mich wichtige Termine sind denn hauptsächlich die partielle, aber nahezu vollständige Sonnenfinsternis am 20. März und die totale Mondfinsternis am 28. September. Was noch so kommt, muss man abwarten. Ein weiterer Kirchheimurlaub ist geplant und ein Sommerurlaub. Keine Ahnung, was sich von beiden realisieren lässt. Mir scheint, es wird eher der Astrourlaub als der Sommerurlaub gelingen, aber das gilt erst einmal wieder abzuwarten.

Was sonst wird, weiß man heute noch nicht, aber was schon klar zu sein scheint, sieht derzeit nicht gut aus. Vielleicht wird es aber doch endlich mal besser als gedacht, bislang wurde es immer eher schlechter, auch wenn man dachte, es kann nicht mehr schlechter werden. Getreu dem Motto: Schlimmer geht immer. 

In wenigen Stunden beginnt die Silvesterfeier mit guten Freunden, daher wünsche ich allen, die bis hierher durchgehalten haben, einen Guten Rutsch und alles Gute für 2015.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Norddeutsches Astrofotografentreffen vom 4.10.2014 in Kiel

Am 4. Oktober 2014 fand das Herbst-Treffen der norddeutschen Astrofotografen (NAFT) bei der GvA-Gruppe Kiel im Schulzentrum Kronshagen statt. Am Morgen trafen wir, André Wulff und Michael Steen uns bei mir zu einem gemeinsamen Frühstück. Nach der obligatorischen Sonnenbeobachtung brachen wir gegen 10:30 Uhr auf und fuhren über die A1 und die A21 nach Kiel, wo wir ziemlich genau um 12 Uhr ankamen.

Die Organisatoren des Treffens hatten bereits das Catering aufgebaut, in der Vorhalle war ein kleiner Verkaufsstand aufgebaut sowie ein kleiner Infostand mit einer Spendenbox. Nach dem reichhaltigen Frühstück gönnte ich mir erstmal einen heißen, dampfenden Kaffee. Schnell verging die Stunde bis zum ersten Beitrag.

Christoph Petermann von der GvA-Gruppe Kiel moderierte das Treffen unaufgeregt – ich hatte bei einer beruflichen Fortbildung in der Woche vorher das genaue Gegenteil davon kennen lernen dürfen -, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und gab die allgemeinen Regularien bekannt, wobei er darauf hinwies, dass das NAFT das erste Mal seit 17 Jahren wieder in Kiel stattfand.

Im ersten Vortrag berichtete Hartwig Lüthen über seine Erfahrungen mit der Sonnenfotografie im Weißlicht und H-alpha, die er vom Balkon in seiner Altonaer Wohnung mittels einer DMK-Kamera, umgebauten PST und Lidl-Scope gewann, zeigte ein paar Mond- und Planetenaufnahmen sowie Bilder vom jüngsten Vorbeiflug der ISS vor dem Mond. Die Schärfe der Sonnenbilder in beiden Spektralbereichen war außerordentlich hoch und offenbarte, was man auch mit relativ einfachen Mitteln und ein wenig Bastelgeschick hinbekommen kann. Im Anschluss daran führte er live eine Bildbearbeitung mit Astrostakkert durch und wies auf das Balkonsternwarten-Forum hin.

Dass das NAFT durchaus gefährlich sein kann, bewies Michael Mushardt in seinem Vortrag. Die grundsätzliche Gefahr besteht auf jedem NAFT: Andere Leute und deren Ausrüstung kennen zu lernen. Dies führte in dem konkreten Fall dazu, dass die von ihm betriebene Limbachsternwarte mit ihrem 16 Zöller nunmehr statt einer schon in die Jahre gekommenen Rupp-Montierung über eine Alt-AD7 verfügt.

Dass sich einige Sternfreunde aus dem Norden intensiv atmosphärischen Erscheinungen widmen, verdeutlichte als nächstes Carsten Jonas, der Polarlichter aus der Saison 2013 / 2014 zeigte, die von Standorten in Kronshagen, Nymindegab in Dänemark und vom Leuchtturm Bülk aus mit einer Canon EOS 5D Mark II aufgenommen wurden. Besonders die aus den Einzelaufnahmen zusammengestellten Videos waren beeindruckend.

Die nachfolgende Pause wurde dann zur körperlichen Stärkung, dem körpereigenen Flüssigkeitshaushalt und vielen Fachgesprächen genutzt.

Michael Schomann präsentierte im zweiten Vortragsblock als erstes seine immer wieder sehenswerten 360°-Fulldome aufnahmen, die er für das Planetarium Wolfsburg erstellt. Auch die Aufnahmetechnik, die Erstellung von Zeitrafferaufnahmen mit einer Canon 6D kamen nicht zu kurz und belegten, welche technischen Möglichkeiten Planetarien abseits von eingekauften Shows, Lesungen und Kulturveranstaltungen noch bieten können, wenn man mehr Wert auf Wissensvermittlung und dem Naturerlebnis Astronomie legt. Als Beispiel führte er in 2D einige Videos mit Musikbegleitung vom Teleskoptreffen im Harz (SFHT) und dem Herzberger Teleskoptreffen (HTT) und dem Westhavelländerr Teleskoptreffen (WHAT) vor.

Ähnlich dem Beitrag von Carsten Jonas widmete sich Marco Ludwig mit „Neues auf Neumünster“ seinen Aufnahmen von Polarlichtern, der ISS vor dem Mond und Leuchtenden Nachtwolken (NLCs) und verwendete dabei auch Aufnahmen, die zusammen mit zwei anderen Sternfreunden (Stefans Bruns und Jürgen Kahlhöfer) entstanden waren. Natürlich auch wieder mit Musikbegleitung.

Bruno Mattern erstaunte die Zuhörer wieder einmal mit extrem langbelichteten Aufnahmen von Deep-Sky-Objekten, zeigte ein über mehrere Monate hinweg entstandenes Miclhstraßenpanorama und erläuterte seine Bilder von M 31, NGC 7023 (Irisnebel), NGC 7814 und NGC 1055. Der Hammer war dabei eine 51 Stunden lang belichtete Aufnahme von IC 5139.

Nach einer weiteren Pause führte Uwe Freitag aus Lübeck einen 25minütigen Film mit Aufnahmen von Polarlichtern, Planeten, NLCs, Gewitterwolken etc. vor, die mit Kameraobjektiven, an einem 125/1300 Lichtenknecker mit Okularprojektion und mit einer DMK 31 entstanden waren. Alles unter dem Motto: „Es geht alles auch mit Pentax“!

Hochwissenschaftlich ging es dann mit dem Bericht von Rainer Anton weiter, der zeigte, wie man als Amateur mit eigener Ausrüstung (hier: Dopplermessungen aus den Spektren von Sonne und Planeten) vornehmen und aus den gewonnenen Daten Rotations- und Umlaufgeschwindigkeiten mit Hilfe von viel Mathematik ableiten kann und die auch eine hinreichende Genauigkeit aufweisen. Zur Verfügung stand ihm ein Gitterspektrograph, den er am Teleskop der Internationalen Amateursternwarte (IAS) in Namibia einsetzte.

In der letzten Pause versammelten wir uns vor dem Gebäude zum üblichen Gruppenfoto mit rund 60 Sternfreundinnen und Sternfreunden. Außerdem konnte man in dieser Zeit die Teleskope der GvA-Gruppe Kiel besichtigen: ein 15 cm-Refraktor mit 2,25m Brennweite auf einer Rupp-Montierung sowie ein 12 Zoll Meade ACF-Schmidt-Cassegrain auf einer Alt-AD7-Montierung mit FS2-Steuerung, die vormals von der GvA Hamburg in ihrer Außensternwarte in Handeloh genutzt wurde. 

Zu Beginn des letzten Vortragsblocks schilderte Carsten Jonas die aktuelle Situation am Aschberg, wo in früheren Jahren regelmäßig Teleskoptreffen stattfanden und wo jetzt von der Globetrotter-Akademie eine neue, lichtverseuchte, Infrastruktur aufgebaut wurde. Hier bahnt sich möglicherweise eine engere Zusammenarbeit zwichen den Sternfreunden und der für Seminare und sonstige Veranstaltungen genutzte Akademie ein, deren Form allerdings noch ausgestaltet werden muss.

Carsten Jonas berichtete anschließend über seine Eindrücke beim Beobachtungsflug zum Kometen Lovejoy am 8. Dezember 2013, der unter dem Motto stand: „ISON ist tot, es lebe Lovejoy“, Der Start war frühmorgens vom Köln-Bonner-Flughafen aus gestartet und führte in mehreren , von einer Boeing 737-800 geflogenen Schleifen von Deutschland in Richtung Belgien, um danach wieder zum Startpunkt zurückzuführen.
Der Komet war visuell kaum oder gar nicht zu sehen und erst das Stacken mehrerer Aufnahmen führte zu einem Ergebnis. Spannend waren die bei diesem Flug gemachten Erfahrungen mit der Technik, den Lichtverhältnissen in der Flugkabine und der Befestigung der Kamera am Kabinenfenster.

Den krönenden Abschluss bildete ein Beitrag von Mario Lehwald. Sein Thema war „Zwischen Tag und Licht: Ein Herbsttag im Jahr 1885, wo er viele Bilder von Natur und Landschaft, dem Sternenhimmel und zeitgenössischen Innenleben von Häusern, die mittels Petroleumlampen stimmungsvoll erleuchtet wurden. Untermalt wurde das Ganze mit Musik von Claude Debussy.

Ziemlich genau um 18:50 Uhr endete das Herbst-NAFT. Wer wollte, konnte sich in einem nahegelegenen Restaurant weiter unterhalten und ein kalorienhaltiges Abendessen zu sich nehmen. Wir dagegen brachen relativ schnell auf und waren kurz nach 20 Uhr wieder in Hamburg, denn André Wulff hatte ab 21:30 Uhr noch eine Sonderführung auf der Bergedorfer Sternwarte vor sich.


Der Austragungsort für das nächste NAFT steht noch nicht fest, man darf gespannt sein, wohin es uns im Frühjahr 2015 führen wird.

Sonntag, 21. September 2014

Tag der offenen Tür in Bergedorf

Die Hamburger Sternwarte, der Förderverein und das Besucherzentrum hatten für den 20. September 2014 zu einem Tag der offenen Tür auf dem Gelände auf dem Gojenberg eingeladen.

Diese alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung dient in erster Linie dazu, die vielfältigen Forschungsaktivitäten der Sternwarte der Öffentlichkeit zu präsentieren, die Teleskope vorzustellen und abends Möglichkeiten zur Beobachtung an professionellen und Amateurteleskopen anzubieten. Die Sternfreunde des Fördervereins versammelten sich traditionell auf dem Rasen vor dem Sonnenbau und waren oft erster Anziehungspunkt für die Besucherinnen und Besucher, die in diesem Jahr aber nicht ganz so zahlreich erschienen waren, was wohl hauptsächlich an vielen Parallelveranstaltungen in Hamburg lag.

Gebäude mit dem 1m-Spiegel

Ein Dobson wartet auf die Nacht

Am Nachmittag konnte an Amateurgeräten unterschiedlichster Coleur und am Lippert die Sonne im H-alpha und im Weißlicht beobachtet werden. In der nebenan befindlichen Montessori-Schule wurden überdies stündlich zwischen 15 und 21 Uhr Kurzvorträge zu unterschiedlichen Themen angeboten.

Sonnenbeobachter waren gefragte Leute

Die Werkstatt konnte besichtigt werden, im Café Zeit und Raum wurde Kulinarisches angeboten und am 1m-Spiegel gab es regelmäßig Teleskopvorführungen. Dies war auch am Oskar-Lühning-Teleskop und am Äquatorial der Fall. Im Freigelände neben dem Großen Refraktor gab es ein Kuchenbasar, den obligatorischen Grillstand und ein kleiner Astro-Shop mit Devolutionalien der Sternwarte. Das Hauptdienstgebäude wartete in der Bibliothek mit stündlichen Vorträgen unter dem Motto „Frag-einen-Astronomen“ statt, es wurden hier aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert und es bestand auch die Möglichkeit, Radiobeobachtungen live mitzuerleben. 

In der Direktorenvilla gab es zudem Präsentationen verschiedener Arbeitsgruppen der Sternwarte, die sich u.a. mit Exoplaneten, der Aktivität von kühlen Sternen, exotischen Sternsystemen, Fragen der Sternentstehung- und -entwicklung, verschiedenen Aspekten der Kosmologie, grundlegenden Methoden der Computersimulation, Planetenentstehung, der intergalaktischen Materie, Sternwinden und interstellarer Materie oder der Röntgenastronomie beschäftigen. 

Im Laborgebäude konnte man sich dann auch noch über das Plattenarchiv der Sternwarte und dessen Digitalisierung in einem mehrjährigen Projekt informieren. Außerdem war eines der beiden neuen, kleineren, Kuppeln geöffnet und gewährte einen Blick in sein Inneres, wo zwei kleinere Teleskope für Testzwecke eingebaut sind.

Für Leib und Wohl war gesorgt

Präsentation einiger Forschungsergebnisse der Sternwarte

Das Wetter spielte trotz gegenteiliger Ankündigungen ganz gut mit, allerdings zogen abends immer mehr Wolkenfelder herein, die die eine oder andere Beobachtung behinderten.

Neben vielen Führungen zu den einzelnen Stationen der Sternwarte gab es auch ein umfangreiches Kinderprogramm, das sehr gut ankam und angenommen wurde. So wurde der Tag der offenen Tür auch für viele zu einem Familienausflug, der sicher bei vielen in guter Erinnerung bleiben wird.

Montag, 21. Juli 2014

Gefallene Astronomen des 1. Weltkrieges (6)

Max Pauly (1849-1917)

So ganz sicher ist es nicht, ob Max Pauly in die Kategorie der durch mittelbare oder unmittelbare Kriegseinwirkungen „gefallenen“ Astronomen zählen kann, doch deutet vieles darauf hin, dass auch er, wie viele Menschen im damaligen Reichsgebiet, infolge der mangelhaften Ernährung der Zivilbevölkerung während des Ersten Weltkrieges ums Leben kam.

Geboren wurde er am 15. November 1849 als jüngster Sohn eines Postsekretärs in Halle. Seine Kindheit war geprägt durch das unstete Leben des Vaters, der seine geologischen Studien mehr liebte als den eintönigen Postdienst und daher kündigte und 1859 nach Harzgerode umsiedelte. Daraus entwickelten sich immer wieder Streitigkeiten in der Familie, sodass Max Pauly eine ruhige und behütete Jugend verwehrt blieb. Er kam 1858 als schwächlicher Junge in die Franksche Schule in Halle, besuchte ab 1859 die dortige Volksschule und 1862 in die Realschule eines Waisenhauses in Halle, bevor er ab 1863 die Realschule in Halberstadt besuchte. 

1866 musste er auf Druck seines Vaters in Harzgerode eine Schlosserlehre absolvieren. Nach nur einem Jahr ging er als Schlosserlehrling in die Maschinenfabrik von J. Billeter und später zu Billeter & Klunz in Aschersleben. 1868 verlor der Vater seine Arbeit bei einer Bergbaugesellschaft und Max Pauly war zusammen mit seiner Schwester, die gemeinsam die kränkliche Mutter pflegen mussten, der Alleinverdiener der Familie. Das änderte sich erst ab 1870, als der Vater in halle eine neue Anstellung in der Braunkohle-Industrie fand. Dadurch wurde Max Pauly in die Lage versetzt, in Halberstadt die Gewerbeschule zu besuchen, die er mit Auszeichnung absolvierte. Daraufhin versuchte sein Vater, ihn in der aufstrebenden Zuckerindustrie unterzubringen. Man riet ihm aber, vorherein Studium einzulegen. So entwickelte er sich beruflich in diese Richtung weiter, studierte in Halle und Berlin, erhielt eine feste Anstellung, hielt sogar Vorlesungen an der Zuckerschule in Braunschweig und wurde später Direktor einer Zuckerfabrik.

Wie er vor diesem Hintergrund zur Astronomie kam, ist unklar. Es heißt zwar, dass er seit seiner frühen Jugend eine „Sehnsucht nach den Sternen“ hatte, aber frühe Aktivitäten sind nicht überliefert, was nicht heißen muss, dass es nicht so war. Von seinem Vater hatte er eine gewisse Ruhelosigkeit und den Sinn für schöngeistige Dinge geerbt. Irgendwann überkam ihm, so die Legende, einfach die Lust, selber Linsen zu schleifen. 

Erste Versuche hatte er wohl schon in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts unternommen und nebenbei ein wenig Optik studiert. Den richtigen Anstoß erhielt er wohl durch eine Ausstellung im Jahr 1885 in Görlitz, auf der er erstmals ein Spiegelteleskop sah, dessen Spiegel von einem Herrn von Schlicht geschliffen und von G. Meißner in Potsdam zusammengebaut worden war. Er nahm daraufhin Kontakt zum Erstgenannten auf, der für Herrmann Carl Vogel (1841-1907) in Potsdam verschiedene Spiegel geschliffen hatte. Dieser brachte ihm eine ganze Reihe von Tricks und Kniffen für die Herstellung von Teleskopspiegeln bei und zusammen mit zwei Arbeitern aus seiner Zuckerfabrik begann er mit dem Bau erster, eigener Spiegel. Hier kam Pauly seine Erfahrung als Schlosser zugute. Schließlich baute er nicht nur Teleskope für sich selbst, sondern auch Instrumente als Prüfwerkzeuge für Optiken aller Art. Er revolutionierte die Spiegelherstellung, in dem er 1895 erstmals eine Poliermaschine entwickelte, die Glasflächen bis 600 mm Durchmesser bearbeiten konnte und die in seinem Keller aufgestellt war. In dieser für damalige Verhältnisse recht modern und komfortabel ausgesatteten Werkstatt begann er regelmäßig Teleskopsiegel, Prismen, Linsen und Okulare zu produzieren, die er anfangs oft ohne Bezahlung an interessierte Sternfreunde verschenkte. Dazu gehörte ein 6" Objektivprisma für O'Gyalla (1886) und die beiden 10" Objektivprismen für O'Gyalla; und Hereny (1893) deren einem wir v. Gothards Nebelspektren verdanken, das 8" Objektiv für den eigenen Gebrauch (1888), ein 6" Objektiv für Grinenko und ein gleiches für Fauth (1891).

Zwischen 1891 und 1894 versuchte er sich auch an der Herstellung von Apochromaten mit neuen Gläsern der Firma Schott. Dabei entstanden u.a. ein 7" Apochromat für die Jenaer Sternwarte, ein 6" Apochromat für die Berliner Urania und ein 7" Apochromat für Philipp Fauth (1867-1941).

Erst in den 90er Jahren ließ er sich eine eigene Sternwarte bauen, mit einer Kuppel, die einen 8-Zöller samt Montierung aufnehmen sollte. Dazu kam ein Passageninstrument von Gothard und eine Strassersche Pendeluhr. Pauly beobachtete damit zwar in erster Linie die Sonne und Planeten, häufiger aber setzte er sein Instrumentarium wieder für Prüfungen neuer Zusatzgeräte ein.

Mit der Zeit hatte Pauly Kontakte zur optischen Industrie in Jena aufgenommen und lernte so Schott und Abbé kennen, die von seiner Geschicklichkeit im Instrumentenbau sehr angetan waren. Als Abbé seinen Plan, bei den Zeiss-Werke in Jena eine Abteilung zur Herstellung von astronomischen Instrumenten aufzumachen, lag der Schluss nahe, Pauly für die Mitarbeit zu gewinnen.

Mit Paulys Gesundheit stand es allerdings nach wie vor nicht zum besten und so riet sein Arzt ihm, sich von einem seiner Berufe als Zuckerfabrikant oder als Optiker aufzugeben. Er gab schließlich die Fabrik auf, ging nach Jena und übernahm dort die Teilhaberschaft an der astronomischen Abteilung. Es fiel Pauly allerdings nicht leicht, die Selbständigkeit aufzugeben – immerhin hatte er die weithin bekannte Zuckerfabrik nicht nur geleitet, sondern auch ihre Techniken und Prozesse immer weiter entwickelt – und nach dem Tod Abbés auch auf die Teilhaberschaft zu verzichten und nur noch Angestellter bei Zeiss zu sein.

Pauly galt als emsiger, aber oft unterschätzter Mitarbeiter, der an vielen Stellen des Werkes für Verbesserungen sorgte, ohne dafür jemals belohnt zu werden. So war Pauly maßgeblich für den Aufstieg der Astronomischen Abteilung bei Zeiss verantwortlich und konstruierte auch einige Instrumente selbst. Dazu zählten der dreifache 150, 120, 120 mm-Refraktor für Simeis, das 720 mm-Spiegelteleskop für den Königstuhl, das 640 mm- Objektivprisma für die Kap-Sternwarte, das Zenitteleskop für die Jenaer Sternwarte, das 400 mm-Spiegelteleskop für Innsbruck, ein 1000 mm-Spiegelteleskop für Bergedorf, den 145 mm-UV-Petzval mit 15° und 10° Objektivprismen für das Yerkes-Observatory,, den dreifachen 360 mm-Refraktor für Neuchatel, das Objektiv für die Berliner Sternwarte, die 350 und 300 mm-Objektive für Zürich, der 340 mm-Astrographen für Bergedorf, der 650 mm-Refraktor für Babelsberg und das 1914 begonnene, wegen des Krieges unvollendete 1200 mm-Spiegelteleskop für das gleiche Institut.

1912 verließ Pauly die Zeiss-Werke aufgrund seines immer schlechter werdenden Gesundheitszustandes. Er widmete sich nun zunehmend seiner Familie und der alten Leidenschaft für die Chemie. Seine Krankheit schritt in immer schnellerem Tempo voran, das durch die Entbehrungen während des Ersten Weltkrieges und der mangelhaften Ernährung, noch beschleunigt wurde, bis er am 26. April 1917, schwer von diversen Krankheiten gezeichnet, verstarb.

Wie Max Wolf in seinem Nachruf schreibt, ist „…Von Manchen, die ihn nicht aus nächster Nahe kannten, ist die geistige Bedeutung Paulys nicht recht erfaßt worden. Das kommt daher, daß er, im Umgang ein bescheidener und stiller Mensch, sich nirgends vordrängte, aber doch bei jedem Umgang stets der anregende und gebende Teil war, ohne daß es die meisten wurden.“

Freitag, 18. Juli 2014

Gefallene Astronomen des 1. Weltkrieges (5)

Dr. Erich Kron (1881-1917)

Der nächste, im 1. Weltkrieg gefallene Astronom in dieser Reihe, ist Dr.Erich Kron vom Astrophysikalischen Observatorium in Potsdam. Er fiel am 24. Oktober 1917 bei der Dritten Flandernschlacht (31. Juli – 6. November 1917). Geboren wurde Erich Kron am 13. Juli 1881 in Potsdam als erster von insgesamt drei Söhnen der Familie.

Sein Vater verstarb sehr früh und so wuchs er bei seiner Mutter auf, die ihn sehr liebevoll und mit Hingabe erzog. Er besucht das Gymnasium in Potsdam und Brandenburg und machte Ostern 1900 sein Abitur. Danach begann er mit großer Begeisterung mit dem Studium der Astronomie und promovierte bereits 1906 mit einer Schrift über den Bedeckungsveränderlichen δ Librae vom Algol-Typ.

Damit legte er auch Zeugnis ab über eine sehr große Gründlichkeit bei der Bearbeitung langer Beobachtungsreihen und Zahlenkolonnen und dass er daraus die richtigen Schlüsse über die Vorgänge bei diesem Typ veränderlicher Sterne zu ziehen vermochte. Die Promotion führte zu einer festen Anstellung als Assistent am 1. Oktober 1906 beim Astrophysikalischen Observatorium in Potsdam.

Seine erste Aufgabe bestand darin, Aufnahmen für eine fotografische Himmelskarte auszumessen und er tat dies mit einem hohen Maß an Gewissenhaftigkeit, wie man den Bänden V und VI der sogenannten Potsdamer Zone, veröffentlicht zwischen 1899 und 1915 in der Schriftenreihe der Publikationen des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam, entnehmen kann.

Darüber hinaus zeichnete er sich durch eine hohe Beobachtungsgabe auf, die dazu führte, dass er 1910 gemeinsamen mit dem späteren Direktor des AOP Karl Hermann Gustav Müller (1851-1921) an einer Expedition nach Teneriffa zur Messung der Extinktion der Erdatmosphäre teilnehmen konnte. Diese verlief anscheinend, wie den Anmerkungen in der Todesanzeige zu entnehmen ist, nicht ganz so erfolgreich, wie man es sich gedacht hatte und es war nur dem Engagement, dem Beobachtungstalent und dem sorgsamen Umgang mit dem Instrumentarium durch Erich Kron zu verdanken, dass noch halbwegs brauchbare Ergebnisse zustande kamen. 

Der Expeditionsbericht mit dem Titel „Die Extinktion des Lichtes in der Erdatmosphäre und die Energieverteilung im Sonnenspektrum nach spektralphotometrischen Beobachtungen auf der Insel Teneriffa. Unter Mitwirkung von E. Kron. Potsdam 1912 in: Publikationen des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam. 22,64. 92 S.,Abb.,Taf.“ belegt dies eindrucksvoll und beschäftigte Kron während der gesamten, ihm noch am Observatorium verbleibenden Zeit. Hieraus resultierte auch seine letzte Veröffentlichung aus dem Jahr 1914: „Über die Extinktion des Lichtes in der Erdatmosphäre für das Ultraviolett“, Annalen der Physik, vol. 350, Issue 19, pp.377-398. Überdies wurde er Mitarbeiter der von Müller geleiteten Arbeitsgruppe „Photometrische Durchmusterung der Polzone +80° bis +90° Dekl.“

Kron hatte 1910 überdies auch an Beobachtungen des Halleyschen Kometen teilgenommen, seine Ergebnisse wurden im darauf folgenden Jahr in einem Artikel von keinem geringeren als Karl Schwarzschild und ihm veröffentlicht: „On the Distribution of Brightness in the Tail of Halley's Comet“ , Astrophysical Journal, vol. 34, p.342

Mit Beginn des 1. Weltkriegs wurde Kron eingezogen und aus Potsdam abberufen und an die Westfront geschickt. Seine Arbeiten an der Durchmusterung waren nicht vollendet, konnten aber durch andere Kollegen abgeschlossen werden. Er hatte sich, quasi nebenher, noch mit zwei anderen Projekten beschäftigt. So untersuchte er den Lichtwechsel von XX Cygni (1912, Publikationen des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam) und den später sogenannten Schwarzschild-Exponenten bei fotografischen Platten, (1913, Über das Schwärzungsgesetz photographischer Trockenplatten, Annalen der Physik, vol. 346, Issue 9, pp.751-758, Über das Schwärzungsgesetz photographischer Platten, Publikationen des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam). Eine weitere Arbeit, die Kron noch begonnen hatte, wurde posthum von Ejnar Hertzsprung veröffentlicht: Photometrische Beobachtungen von W Ursae majoris von Erich Kron (1918).

Auch Krons Vorgesetzter Karl Hermann Gustav Müller blieb nicht von den Auswirkungen des Weltkriegs verschont. Überhaupt hatten er und Kron viele Gemeinsamkeiten, auch er verlor seinen Vater sehr früh und beide waren sich auch sonst wohl sehr ähnlich. Müller hatte sieben Kinder, eines starb während des Ersten Weltkriegs, ein weiteres an seinen Kriegsverletzungen. Der bekannteste seiner Söhne war Rolf Müller (1898-1981), der nach dem 1. Weltkrieg Astronomie, Mathematik, Physik, Meteorologie und Philosophie an der Universität Berlin studierte, 1924 mit einer Arbeit über den veränderlichen R Aquilae promovierte und dann Assistenz, später Observator am AOP wurde, 1946 kurz an der Hamburger Sternwarte arbeitete und noch im gleichen Jahr Leiter des Sonnenobservatoriums auf dem Wendelstein wurde. Rolf Müller machte sich auch einen Namen durch ernste wissenschaftliche Untersuchungen zur Archäoastronomie und sein Buch „Der Himmel über dem Menschen der Steinzeit“ aus dem Jahr 1970 gilt bis heute als einer der wenigen ernsthaften Publikationen zu diesem Thema.